Viele Frauen fragen bei der AOK nach, ob die Kosten für das Einfrieren von Eizellen übernommen werden. Die Antwort ist komplex. Und oft überraschend.
Die meisten denken dabei zunächst an Social Freezing, also das vorsorgliche Einfrieren von Eizellen für den späteren Kinderwunsch. Hier übernimmt die AOK keine Kosten. Anders sieht es aus, wenn eine Erkrankung mit einer keimzellschädigenden Therapie behandelt werden muss, etwa mit einer Chemotherapie bei Krebs: Dann zahlt die AOK die Kryokonservierung, einschließlich der Lagerung.
Wichtig: Die Auskunft, Eizellen einfrieren sei eine Selbstzahlerleistung, gilt nur für Social Freezing. Steht eine keimzellschädigende Therapie an, besteht ein gesetzlicher Anspruch darauf, dass die Kasse die Kryokonservierung übernimmt. Entscheidend sind die passenden ärztlichen Unterlagen.
Die AOK unterscheidet klar zwischen medizinisch notwendiger Kryokonservierung und Social Freezing. Diese Unterscheidung entscheidet über mehrere tausend Euro aus deiner eigenen Tasche. Deshalb erfährst du hier genau, wann die AOK zahlt, welche Voraussetzungen gelten und wie du den Antrag richtig stellst.
AOK Kinderwunschbehandlung: Diese Leistungen werden übernommen

Die AOK übernimmt bei Kinderwunschbehandlungen mehr Leistungen, als viele vermuten. Dabei unterscheidet sie streng zwischen medizinisch notwendigen Maßnahmen und Wunschbehandlungen.
Medizinisch indizierte Kryokonservierung: Vollständige Kostenübernahme
Muss eine Erkrankung mit einer Therapie behandelt werden, die die Keimzellen schädigen kann, übernimmt die AOK die Kryokonservierung von Eizellen vollständig (§ 27a Abs. 4 SGB V). Laut Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses gehören dazu Vorbereitung, Entnahme, Aufbereitung, Transport, Einfrieren, Lagerung und späteres Auftauen. Abrechenbar ist diese Leistung seit dem 1. Juli 2021. Die Lagerung zahlt die AOK, solange der Anspruch besteht.
Für Betroffene ist das eine große Entlastung, denn als Selbstzahlerleistung kosten Stimulation, Entnahme und Einfrieren mehrere Tausend Euro, dazu kommt die jährliche Lagerung. Was ein Zyklus und die Lagerung in Deutschland, Österreich und der Schweiz kosten, zeigt unsere Übersicht Social Freezing Kosten mit Preisen aus Klinik-Preislisten. Der Anspruch besteht bei Frauen bis zum 40. Geburtstag, bei Männern bis zum 50. Geburtstag. Anders als bei der künstlichen Befruchtung gibt es keine Untergrenze von 25 Jahren, und eine Ehe ist nicht nötig.
Social Freezing: Keine Kostenübernahme durch die AOK
Beim vorsorglichen Einfrieren von Eizellen ohne medizinische Notwendigkeit zahlt die AOK nichts. Das betrifft Frauen, die:
- Aus beruflichen Gründen den Kinderwunsch aufschieben möchten
- Kinderwunsch ab 35 haben und ihre Fruchtbarkeit "sichern" wollen
- Sich noch unsicher über ihren Kinderwunsch sind
- Keinen passenden Partner haben
Hier trägst du alle Kosten selbst, also Behandlungszyklus, Medikamente und die jährliche Lagerung. Aktuelle Spannen je Land mit Quellen findest du unter Social Freezing Kosten, den Ablauf erklärt unser Social-Freezing-Guide.
Künstliche Befruchtung: 50% Kostenerstattung

Bei klassischen Kinderwunschbehandlungen beteiligt sich die AOK mit 50% der genehmigten Kosten. IVF und ICSI zahlt sie für bis zu drei Versuche, und zwar alternativ, nicht zusätzlich zueinander:
| Behandlungsart | AOK-Anteil | Dein Eigenanteil | Gesamtkosten |
|---|---|---|---|
| IVF | 50% | 1.500-2.500 Euro | 3.000-5.000 Euro |
| ICSI | 50% | 2.000-3.000 Euro | 4.000-6.000 Euro |
| Kryotransfer | keine Regelleistung | in der Regel komplett selbst | 600-1.000 Euro |
Das Einfrieren und spätere Übertragen von Embryonen oder befruchteten Eizellen gehört nicht zur gesetzlichen Leistung bei künstlicher Befruchtung. Manche Kassen beteiligen sich daran freiwillig über ihre Satzung.
Die ICSI Kosten können je nach Klinik und Zusatzbehandlungen stark variieren. In Großstädten wie München liegen die Preise oft höher als in ländlicheren Gebieten.
Zusatzleistungen der AOK
Über die gesetzlichen 50 Prozent hinaus dürfen Krankenkassen in ihrer Satzung zusätzliche Leistungen für die künstliche Befruchtung vorsehen (§ 11 Abs. 6 SGB V). Bei der AOK hängt das von der jeweiligen Regionalgesellschaft ab, einheitliche AOK-Zusatzleistungen gibt es nicht. Belegte Beispiele für 2026:
AOK PLUS (Sachsen, Thüringen):
- Zusätzlich 25 Prozent der genehmigten Kosten, zusammen mit dem gesetzlichen Anteil also 75 Prozent
- Unter bestimmten Voraussetzungen TESE für Männer und Assisted Hatching für Frauen über 35
AOK Bayern:
- Zusätzlich 500 Euro je Ehepaar und Versuch
- Bis zu 1.500 Euro für einen zusätzlichen Versuch je Versuchsreihe
Welche Zusatzleistungen deine AOK übernimmt, steht in ihrer Satzung. Frag am besten vor Behandlungsbeginn nach. Wichtig: Satzungsleistungen gelten nur für Leistungen beim jeweils eigenen Versicherten.
Voraussetzungen für Kostenerstattung bei der AOK
Die Kostenerstattung durch die AOK ist an klare Voraussetzungen geknüpft. Dabei unterscheiden sich die Kriterien je nach Art der Behandlung erheblich.
Medizinische Indikation für Kryokonservierung
Für die vollständige Kostenübernahme beim Einfrieren von Eizellen muss eine Erkrankung mit einer Therapie behandelt werden, die nach aktuellem Wissensstand keimzellschädigend sein kann. Dazu zählen laut G-BA-Richtlinie insbesondere:
Keimzellschädigende Therapien:
- Operative Entfernung der Eierstöcke
- Strahlentherapie mit zu erwartender Schädigung der Eierstöcke, etwa im Beckenbereich
- Potenziell fruchtbarkeitsschädigende Medikamente, zum Beispiel bestimmte Chemotherapien
Typische Anlässe:
- Krebserkrankungen, die eine solche Therapie erfordern
- Andere Erkrankungen, etwa Autoimmunerkrankungen, wenn sie mit potenziell fruchtbarkeitsschädigenden Medikamenten behandelt werden
Eine Erkrankung allein, die ohne Behandlung die Fruchtbarkeit mindert, begründet keinen Anspruch. Entscheidend ist die geplante keimzellschädigende Therapie. Das muss die Fachärztin oder der Facharzt, der die Grunderkrankung behandelt, feststellen und bescheinigen.
Persönliche Voraussetzungen für Kinderwunschbehandlung

Bei klassischen Kinderwunschbehandlungen (§ 27a SGB V) gelten zusätzliche Voraussetzungen:
Altersgrenze:
- Frau: ab dem 25. Geburtstag, der Anspruch endet mit dem 40. Geburtstag
- Mann: ab dem 25. Geburtstag, der Anspruch endet mit dem 50. Geburtstag
- Beide Partner müssen die Grenzen erfüllen, und zwar zu Beginn jedes Zyklus
Beziehungsstatus:
- Verheiratete Paare: 50 Prozent der genehmigten Kosten
- Unverheiratete Paare: kein Anspruch, sie tragen die Kosten selbst
- Gleichgeschlechtliche Ehepaare: kein Anspruch, weil nur Ei- und Samenzellen der Ehegatten verwendet werden dürfen
Medizinische Voraussetzungen:
- Ärztliche Feststellung, dass die Behandlung erforderlich ist und hinreichende Aussicht auf Erfolg hat
- Unterrichtung durch eine Ärztin oder einen Arzt, der die Behandlung nicht selbst durchführt, mit Überweisung an ein zugelassenes Zentrum
- Der HIV-Status beider Partner muss bekannt sein
Besonderheiten in den DACH-Ländern
Deutschland (AOK): Die regionalen AOKs bieten unterschiedliche Zusatzleistungen an. Die AOK Bayern gibt zum Beispiel zusätzlich 500 Euro je Versuch, die AOK PLUS übernimmt insgesamt 75 Prozent.
Österreich: Der IVF-Fonds übernimmt 70 Prozent der Kosten für IVF, ICSI und Kryoversuche, allerdings nur bei bestimmten Indikationen: Sterilität durch verschlossene Eileiter, Endometriose oder polyzystische Ovarien sowie Sterilität des Mannes. Social Freezing ohne medizinische Indikation ist in Österreich derzeit verboten. Der Verfassungsgerichtshof hat das Verbot zwar aufgehoben, die Aufhebung wirkt aber erst mit Ablauf des 31. März 2027.
Schweiz: Die Grundversicherung zahlt keine IVF oder ICSI, wohl aber bis zu drei Inseminationszyklen pro Schwangerschaft (mit Franchise und Selbstbehalt). Den medizinisch nötigen Fertilitätserhalt, etwa vor einer Krebstherapie mit mittlerem oder hohem Risiko für die Fruchtbarkeit, übernimmt sie seit 2019, bis zum 40. Geburtstag und mit einer Lagerung von zunächst höchstens fünf Jahren.
Ausschlusskriterien verstehen
Bestimmte Umstände schließen die Kostenerstattung für eine künstliche Befruchtung aus:
Medizinische Ausschlüsse:
- Keine hinreichende Erfolgsaussicht nach ärztlicher Feststellung
- Nach zwei vollständig durchgeführten IVF- oder ICSI-Versuchen ohne Befruchtung zahlt die Kasse keinen weiteren Versuch
- Nach einer Sterilisation besteht grundsätzlich kein Anspruch, Ausnahmen nur mit Genehmigung der Kasse
Rechtliche und formale Faktoren:
- Das Paar ist nicht miteinander verheiratet
- Es soll Spendersamen verwendet werden
- Bereits drei erfolglose, vollständig durchgeführte Versuche (eine klinisch nachgewiesene Schwangerschaft ohne Geburt wird nicht angerechnet, nach der Geburt eines Kindes beginnt die Zählung neu)
- Beratung und Überweisung durch eine nicht behandelnde Ärztin oder einen nicht behandelnden Arzt fehlen
Antragsstellung und Genehmigungsverfahren bei der AOK

Der Weg zur Kostenübernahme folgt einem strukturierten Verfahren. Wer die einzelnen Schritte kennt, vermeidet unnötige Verzögerungen.
Antrag für medizinisch indizierte Kryokonservierung
Schritt 1: Sammlung der Unterlagen Grundlage ist eine ärztliche Bescheinigung der Fachärztin oder des Facharztes, der die Grunderkrankung behandelt. Sie enthält laut G-BA-Richtlinie unter anderem:
- Die Grunderkrankung
- Eine etwaige vorangegangene Therapie
- Die geplante keimzellschädigende Therapie
Mit dieser Bescheinigung folgt die Beratung und Aufklärung im Kinderwunschzentrum.
Ein typischer Stolperstein: Geht aus der Bescheinigung nicht ausdrücklich hervor, dass die geplante Chemotherapie gonadotoxisch (keimzellschädigend) ist, kann es zu Rückfragen oder einer Ablehnung kommen. Wird diese Information nachgereicht, steht einer Kostenübernahme oft nichts mehr im Weg.
Schritt 2: Abstimmung mit AOK und Zentrum Kläre früh mit deiner AOK und dem Kinderwunschzentrum, welche Unterlagen sie benötigen und ob ein schriftlicher Antrag nötig ist. Typische Angaben sind:
- Persönliche Daten und Versicherungsnummer
- Medizinische Angaben zur Erkrankung und Therapie
- Angaben zur geplanten Kryokonservierung
- Kostenaufstellung des Zentrums
Schritt 3: Einreichung und Bearbeitungszeit Reiche alles möglichst früh ein, bei einer Krebstherapie drängt oft die Zeit. Über einen Leistungsantrag muss die Krankenkasse zügig entscheiden, spätestens innerhalb von drei Wochen, wenn sie ein Gutachten des Medizinischen Dienstes einholt innerhalb von fünf Wochen (§ 13 Abs. 3a SGB V).
Behandlungsplan für Kinderwunschbehandlung
Bei klassischen Kinderwunschbehandlungen ist ein Behandlungsplan erforderlich:
Vor dem ersten Zyklus: Den Behandlungsplan stellt das Kinderwunschzentrum aus, die AOK muss ihn vor Behandlungsbeginn genehmigen. Er umfasst unter anderem:
- Die Diagnose und die geplante Methode
- Höchstens drei in Folge geplante Zyklen (bei Insemination im Spontanzyklus bis zu acht)
- Die voraussichtlichen Kosten, von denen die AOK 50 Prozent übernimmt
Genehmigungsverfahren: Die AOK prüft, ob die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Dabei geht es vor allem um:
- Das Alter beider Partner
- Die Ehe
- Die Zahl der bereits durchgeführten Versuche
- Die ärztlich festgestellte Erfolgsaussicht
Spätestens ein Jahr nach der Genehmigung oder bei einem Methodenwechsel ist ein neuer Behandlungsplan nötig.
Widerspruch bei Ablehnung
Falls die AOK deinen Antrag ablehnt, hast du verschiedene Optionen:
Widerspruchsverfahren: Innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Ablehnungsbescheids kannst du Widerspruch einlegen (§ 84 SGG). Dieser sollte enthalten:
- Begründung, warum die Ablehnung nicht gerechtfertigt ist
- Zusätzliche medizinische Unterlagen
- Stellungnahme deines behandelnden Arztes
- Verweis auf die Rechtsgrundlage, etwa § 27a SGB V
Sozialgerichtsverfahren: Wird der Widerspruch abgelehnt, kannst du vor dem Sozialgericht klagen.
Bei medizinisch notwendiger Kryokonservierung ist die Rechtslage klar: Der Anspruch ist ausdrücklich in § 27a Abs. 4 SGB V geregelt, wenn eine keimzellschädigende Therapie ansteht.
Besonderheiten verschiedener AOK-Gesellschaften
AOK Bayern: Zahlt zusätzlich 500 Euro je Ehepaar und Versuch, höchstens bis zu den tatsächlichen Kosten des AOK-versicherten Partners, und bis zu 1.500 Euro für einen zusätzlichen Versuch je Versuchsreihe.
AOK PLUS: Übernimmt in Sachsen und Thüringen zusätzlich 25 Prozent, insgesamt also 75 Prozent der genehmigten Kosten, und unter Bedingungen auch TESE und Assisted Hatching.
Andere AOKs: Für weitere Regionalgesellschaften lohnt sich ein Blick in die jeweilige Satzung. Leistungen, die dort nicht stehen, solltest du nicht einplanen.
Die regionalen Unterschiede können erheblich sein. Bei einem Umzug in ein anderes Bundesland lohnt es sich deshalb, die Leistungen der neuen AOK-Regionalgesellschaft gezielt zu prüfen.
AOK vs. andere Krankenkassen: Leistungsvergleich Kinderwunsch
Bei den gesetzlichen Pflichtleistungen sind alle Kassen gleich. Unterschiede gibt es nur bei freiwilligen Satzungsleistungen. Ein genauer Vergleich lohnt sich, bevor du dich festlegst.
Leistungsumfang bei Kryokonservierung
AOK im Vergleich: Die Kryokonservierung vor einer keimzellschädigenden Therapie ist gesetzlich geregelt. Die AOK leistet hier deshalb dasselbe wie alle anderen gesetzlichen Kassen:
| Krankenkasse | Medizinische Indikation | Social Freezing | Lagerung |
|---|---|---|---|
| AOK | Vollständige Übernahme | Keine Leistung | inklusive, bis zum 40. Geburtstag |
| TK | Vollständige Übernahme | Keine Leistung | inklusive, bis zum 40. Geburtstag |
| Barmer | Vollständige Übernahme | Keine Leistung | inklusive, bis zum 40. Geburtstag |
| DAK | Vollständige Übernahme | Keine Leistung | inklusive, bis zum 40. Geburtstag |
Die Altersgrenze von 40 Jahren gilt für Frauen, bei Männern endet der Anspruch mit dem 50. Geburtstag.
Kinderwunschbehandlung: Kostenerstattung im Detail
50%-Regelung und Ausnahmen: Alle gesetzlichen Krankenkassen zahlen die gesetzlich vorgeschriebenen 50%. Bei freiwilligen Zusatzleistungen gibt es Unterschiede:
AOK Zusatzleistungen:
- AOK PLUS: insgesamt 75 Prozent, dazu unter Bedingungen TESE und Assisted Hatching
- AOK Bayern: plus 500 Euro je Versuch, Zusatzversuch bis 1.500 Euro
- Andere AOKs: je nach Satzung
Konkurrenz-Leistungen: Die Techniker Krankenkasse übernimmt beispielsweise:
- Einen Zuschuss von bis zu 500 Euro zum Eigenanteil bei vollständigen IVF- oder ICSI-Versuchen
- Seit 2026 einmalig bis zu 200 Euro für Assisted Hatching (Frauen ab 37, unter Bedingungen) und bis zu 300 Euro für eine TESE
- 50 Prozent der Kosten für den Transfer überzähliger kryokonservierter Eizellen aus einem Vorversuch
Bei Barmer und DAK nennen die Kassenseiten keine Leistungen über die gesetzlichen 50 Prozent hinaus.
Private Krankenversicherung vs. AOK
Der Unterschied zu privaten Krankenversicherungen kann erheblich sein:
Private KV Leistungen:
- Social Freezing: in der Regel keine Erstattung, maßgeblich ist der Tarif
- IVF/ICSI: Kostenübernahme nach dem Verursacherprinzip, also wenn die Ursache bei der versicherten Person liegt; eine Ehe ist meist nicht zwingend
- Kryokonservierung und Zusatzbehandlungen: je nach Tarif
AOK vs. Private: Wie hoch der Eigenanteil in der privaten Krankenversicherung tatsächlich ausfällt, hängt stark vom jeweiligen Tarif ab. Prüfe deshalb immer die konkreten Vertragsbedingungen.
Regionale Unterschiede Deutschland vs. Österreich vs. Schweiz
Deutschland (AOK):
- Medizinische Kryokonservierung: 100% Kostenübernahme inklusive Lagerung
- IVF/ICSI: 50% für bis zu 3 Versuche
- Social Freezing: Keine Erstattung
- Altersgrenze Frau: Anspruch endet mit dem 40. Geburtstag
Österreich (IVF-Fonds):
- Medizinische Kryokonservierung: erlaubt, wenn eine Erkrankung oder ihre Behandlung die Fruchtbarkeit ernsthaft gefährdet; die Kostenübernahme vorab mit der Krankenkasse klären
- IVF/ICSI: 70% für bis zu 4 Versuche, für Ehepaare, eingetragene Partnerschaften und Lebensgemeinschaften, nur bei bestimmten Indikationen
- Social Freezing: ohne medizinische Indikation derzeit verboten (Aufhebung des Verbots wirkt erst nach dem 31. März 2027)
- Altersgrenze Frau: bei Versuchsbeginn unter 40
Schweiz (Grundversicherung):
- Medizinische Kryokonservierung: vor Krebstherapien mit hohem Risiko seit 2019 gedeckt, bis zum 40. Geburtstag, Lagerung zunächst höchstens 5 Jahre
- IVF/ICSI: Keine Kostenerstattung durch die Grundversicherung
- Insemination: bis zu 3 Zyklen pro Schwangerschaft (mit Franchise und Selbstbehalt)
- Social Freezing: Keine Erstattung
Kassenwechsel für Kinderwunschbehandlung
Strategischer Kassenwechsel: Ein Wechsel der Krankenkasse vor einer geplanten Kinderwunschbehandlung kann sich lohnen, wenn die neue Kasse belegte Zusatzleistungen bietet.
Wichtige Fristen:
- An eine gewählte Kasse bist du mindestens 12 Monate gebunden
- Danach kannst du zum Ablauf des übernächsten Kalendermonats kündigen
- Sonderkündigungsrecht, wenn die Kasse erstmals einen Zusatzbeitrag erhebt oder ihn erhöht
- Wahltarife können die Bindung auf ein bis drei Jahre verlängern
Kassen mit belegten Zusatzleistungen (Stand 2026):
- Techniker Krankenkasse: Zuschuss bis 500 Euro zum Eigenanteil, Assisted Hatching und TESE, 50 Prozent für den Transfer kryokonservierter Eizellen aus einem Vorversuch
- AOK PLUS: insgesamt 75 Prozent der genehmigten Kosten (für Versicherte in Sachsen und Thüringen)
- AOK Bayern: plus 500 Euro je Versuch und bis zu 1.500 Euro für einen Zusatzversuch
Rechenbeispiel Kassenwechsel: Angenommen, die genehmigten Kosten einer IVF beim versicherten Partner liegen bei 4.000 Euro. Mit dem gesetzlichen Anteil von 50 Prozent bleiben 2.000 Euro Eigenanteil. Übernimmt die Kasse wie die AOK PLUS insgesamt 75 Prozent, sinkt der Eigenanteil auf 1.000 Euro. Die Ersparnis läge dann bei 1.000 Euro pro Versuch. Wichtig: Zuschüsse gelten nur für Leistungen bei Versicherten der jeweiligen Kasse.
Häufige Fragen
Übernimmt die AOK die Kosten für Social Freezing?
Nein, die AOK übernimmt keine Kosten für Social Freezing. Das vorsorgliche Einfrieren von Eizellen ohne medizinische Notwendigkeit gilt als Wahlleistung und muss vollständig privat bezahlt werden.
Was ein Zyklus Social Freezing und die jährliche Lagerung kosten, findest du mit Quellen in unserer Übersicht Social Freezing Kosten.
Ausnahme: Steht wegen einer Erkrankung eine keimzellschädigende Therapie an, etwa eine Chemotherapie bei Krebs, übernimmt die AOK die Kryokonservierung. Das umfasst Hormonbehandlung, Entnahme, Einfrieren und Lagerung, bei Frauen bis zum 40. Geburtstag.
Ohne medizinische Indikation lohnt sich ein Blick auf alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie Ratenzahlung oder spezielle Kinderwunsch-Kredite.
Welche Voraussetzungen muss ich für eine AOK-Kostenerstattung erfüllen?
Die Voraussetzungen unterscheiden sich je nach Art der Behandlung erheblich:
Für medizinische Kryokonservierung:
- Eine Erkrankung, die mit einer keimzellschädigenden Therapie behandelt werden muss
- Ärztliche Bescheinigung der Fachärztin oder des Facharztes, der die Grunderkrankung behandelt
- Beratung und Aufklärung im Kinderwunschzentrum
- Frauen bis zum 40. Geburtstag, Männer bis zum 50. Geburtstag; keine Untergrenze von 25 Jahren, keine Ehe nötig
Für Kinderwunschbehandlungen (IVF/ICSI):
- Alter: beide Partner mindestens 25, die Frau unter 40, der Mann unter 50
- Verheiratetes Paar (unverheiratete Paare haben keinen Anspruch)
- Ärztliche Feststellung, dass die Behandlung erforderlich ist und Aussicht auf Erfolg hat
- Beratung durch eine nicht behandelnde Ärztin oder einen nicht behandelnden Arzt und Überweisung
- Vor Behandlungsbeginn genehmigter Behandlungsplan
Die Altersgrenzen gelten strikt. Beispiel: Ist eine Frau erst 24 Jahre alt, wird der Antrag auf Kostenübernahme für eine IVF abgelehnt. Nach ihrem 25. Geburtstag kann derselbe Antrag genehmigt werden.
Wie lange dauert das Genehmigungsverfahren bei der AOK?
Die Krankenkasse muss über einen Leistungsantrag zügig entscheiden (§ 13 Abs. 3a SGB V):
Regelfall (bis zu 3 Wochen):
- Spätestens drei Wochen nach Antragseingang
- Schneller geht es meist, wenn alle Unterlagen von Beginn an vollständig sind
Mit Gutachten (bis zu 5 Wochen):
- Holt die Kasse eine gutachtliche Stellungnahme ein, etwa des Medizinischen Dienstes, hat sie bis zu fünf Wochen Zeit
- Darüber muss sie dich informieren
Eilige Fälle: Bei zeitkritischen Fällen, wie einer kurzfristig angesetzten Chemotherapie, weise die AOK ausdrücklich auf die Dringlichkeit hin und kläre das Vorgehen telefonisch ab.
Ein praktischer Tipp: Reiche den Antrag immer mit allen erforderlichen Unterlagen ein. Jede Nachforderung kostet Zeit.
Was kostet die Lagerung eingefrorener Eizellen bei der AOK?
Die AOK übernimmt die Lagerungskosten für eingefrorene Eizellen unterschiedlich je nach Indikation:
Bei medizinischer Indikation:
- Die Lagerung ist Teil der Kassenleistung, solange der Anspruch besteht
- Bei Frauen endet der Anspruch mit dem 40. Geburtstag, bei Männern mit dem 50.
- Danach zahlst du die weitere Lagerung selbst
Bei Social Freezing:
- Komplette Selbstzahlung von Anfang an
- Die Jahresgebühr legt die Klinik oder Kryobank fest, aktuelle Preise findest du unter Social Freezing Kosten
Beispielrechnung Lagerung:
- Eine Frau lässt mit 30 Jahren vor einer Chemotherapie Eizellen einfrieren
- Bis zu ihrem 40. Geburtstag trägt die AOK die Lagerung: 0 Euro
- Jede weitere Lagerung danach zahlt sie selbst, zur Jahresgebühr ihrer Klinik oder Kryobank
Wenn du Fragen zur Kostenerstattung deiner AOK hast oder eine zweite Meinung zu deinem Kinderwunsch suchst, hilft dir unser Kinderwunsch-Berater auf Fertilio.de weiter. Hier findest du qualifizierte Experten, die dich individuell beraten und bei der Antragsstellung unterstützen können. Auch bei der Suche nach der passenden Kinderwunschklinik helfen wir dir gerne weiter, mit transparenten Kosten und echten Bewertungen anderer Patienten.
Quellen
- Kinderwunsch: Leistungen der AOK, AOK, 2026
- § 27a SGB V: Künstliche Befruchtung, Bundesministerium der Justiz, Stand 2026
- Richtlinie zur Kryokonservierung (Kryo-RL), Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), 2022
- Richtlinie über künstliche Befruchtung (KB-RL), Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), 2022
- AOK-Gesundheitsvorteil: Mehrleistungen, AOK Bayern, 2026
- Satzung der AOK PLUS (§ 11h Künstliche Befruchtung), AOK PLUS, 2026
- Künstliche Befruchtung: Leistungen der TK, Techniker Krankenkasse, 2026
- § 13 SGB V: Kostenerstattung und Entscheidungsfristen, Bundesministerium der Justiz, Stand 2026
- § 175 SGB V: Wahl und Wechsel der Krankenkasse, Bundesministerium der Justiz, Stand 2026
- § 84 SGG: Widerspruchsfrist, Bundesministerium der Justiz, Stand 2026
- IVF-Fonds-Gesetz, Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), Stand 2026
- BGBl. I Nr. 61/2025: Kundmachung der Aufhebung von § 2b Abs. 1 FMedG, Republik Österreich, 2025
- KLV Anhang 1 (Stand 1.7.2026), Bundesamt für Gesundheit (BAG), 2026