Ratgeber

Social Freezing 2026: Kosten, Alter und Ablauf

Eizellen einfrieren ab 3.500 Euro, ideal unter 35. Alles über Ablauf, Erfolgschancen und Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

· 16 min Lesezeit · 7 Vertiefungsartikel
Kryotank mit vitrifizierten Eizellen in einem modernen Fertilitätslabor

Vor fünf Jahren kamen vielleicht zwei oder drei Frauen pro Monat zu mir, um über Social Freezing zu sprechen. Heute sind es zwei oder drei pro Woche. Und die Fragen haben sich verändert. Früher musste ich erst erklären, was Social Freezing überhaupt ist. Heute kommen Frauen gut informiert in meine Sprechstunde, haben schon Podcasts gehört, Artikel gelesen, sich mit Freundinnen ausgetauscht. Was sie wollen: eine ehrliche Einschätzung. Lohnt sich das für mich? Was kostet das wirklich? Und was passiert eigentlich genau?

Genau diese Fragen beantworte ich in diesem Ratgeber. Nicht als Werbetext für eine Methode, sondern als Orientierungshilfe für deine Entscheidung. Mit konkreten Zahlen, klinischer Erfahrung und ohne Beschönigung.

Was ist Social Freezing?

Social Freezing bedeutet, unbefruchtete Eizellen einzufrieren und für später aufzubewahren. Der Zusatz "Social" grenzt das Verfahren von der medizinisch indizierten Kryokonservierung ab. Wenn eine Frau vor einer Chemotherapie ihre Eizellen einfrieren lässt, ist das medizinischer Fertilitätserhalt. Wenn sie es tut, weil sie ihren Kinderwunsch zeitlich verschieben möchte, ist es Social Freezing.

Die Technik dahinter heißt Vitrifikation: ein ultraschnelles Einfrierverfahren, das seit etwa 2012 zuverlässig funktioniert. Anders als beim früheren langsamen Einfrieren bilden sich dabei keine Eiskristalle, die die Eizelle beschädigen könnten. Die Überlebensrate nach dem Auftauen liegt bei modernen Verfahren bei über 90 Prozent.

In meiner Praxis sehe ich vor allem drei Gruppen von Frauen, die Social Freezing in Betracht ziehen. Erstens: Frauen Anfang bis Mitte 30, die aktuell keinen Partner haben und sich den Druck nehmen wollen, unter Zeitdruck eine Beziehung eingehen zu müssen. Zweitens: Frauen, die beruflich in einer Phase stecken, in der eine Schwangerschaft gerade nicht passt, die aber wissen, dass sie Kinder wollen. Drittens: Frauen, die sich grundsätzlich noch unsicher sind, ob sie Kinder möchten, und sich die Option offenhalten wollen.

Allen gemeinsam ist: Sie wollen nicht, dass die Biologie ihnen die Entscheidung abnimmt.

Der komplette Guide: Für wen lohnt es sich?

Die ehrliche Antwort: Für manche Frauen ist Social Freezing eine sinnvolle Vorsorge. Für andere ist es rausgeworfenes Geld. Und die Grenze verläuft nicht dort, wo viele sie vermuten.

Am meisten profitieren Frauen zwischen 28 und 35 Jahren. In diesem Alter ist die Eizellqualität noch gut, die Eierstöcke reagieren zuverlässig auf die Stimulation, und man gewinnt pro Zyklus in der Regel genügend Eizellen. Wer mit 30 einfriert, braucht oft nur einen einzigen Stimulationszyklus, um auf 15 oder mehr reife Eizellen zu kommen. Das ist effizient und vergleichsweise günstig.

Weniger sinnvoll ist Social Freezing für Frauen über 38. Nicht weil es technisch nicht möglich wäre. Sondern weil die Rechnung oft nicht aufgeht. Ab 38 sinkt die Eizellqualität spürbar. Man braucht mehr Zyklen, gewinnt weniger Eizellen, und die spätere Erfolgsrate ist niedriger. Dazu kommen höhere Kosten. Ich sage meinen Patientinnen dann offen: Wenn du mit 39 darüber nachdenkst und keinen Partner hast, dann ist Social Freezing immer noch besser als nichts. Aber die Erwartungen müssen realistisch bleiben.

Gar nicht sinnvoll ist es für Frauen, die bereits aktiv versuchen, schwanger zu werden. Dann sollte die Energie in eine Kinderwunschbehandlung fließen, nicht in das Einfrieren von Eizellen.

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Kosten: Was Social Freezing wirklich kostet

Die Kostenfrage kommt in jedem Erstgespräch. Und die Antwort ist leider nicht mit einer einzelnen Zahl erledigt. Social Freezing besteht aus mehreren Kostenblöcken, die sich über Jahre verteilen können.

Was kostet ein Stimulationszyklus?

Ein einzelner Zyklus setzt sich aus drei Hauptposten zusammen.

Die Behandlungskosten, also Beratung, Ultraschallkontrollen, Punktion und Vitrifikation, liegen zwischen 2.500 und 4.000 Euro. Dazu kommen die Hormonmedikamente. Je nach Protokoll und Dosis musst du mit 1.000 bis 2.000 Euro rechnen. Die Vitrifikation selbst, also das eigentliche Einfrieren und die Aufbereitung, kostet nochmals 300 bis 500 Euro.

Insgesamt landet man pro Zyklus bei 3.500 bis 6.500 Euro. Das ist eine große Spannbreite. Der Unterschied ergibt sich hauptsächlich durch die Medikamentendosis, die je nach Alter und ovarieller Reserve stark variiert.

Laufende Kosten und spätere Verwendung

Nach dem Einfrieren fängt das Zählen erst an. Die jährliche Lagerung in Flüssigstickstoff kostet zwischen 200 und 400 Euro. Wer seine Eizellen zehn Jahre lagert, zahlt also 2.000 bis 4.000 Euro allein für die Aufbewahrung.

Wenn du die Eizellen später verwenden möchtest, kommen weitere Kosten hinzu: Das Auftauen, die Befruchtung per ICSI und der Embryotransfer kosten zusammen 3.000 bis 5.000 Euro. Realistisch betrachtet musst du also mit Gesamtkosten von 7.000 bis 13.000 Euro rechnen, Lagerung und spätere Nutzung eingeschlossen. Bei mehreren Stimulationszyklen entsprechend mehr.

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Zahlt die Krankenkasse?

Die kurze Antwort: nein. Social Freezing gilt als Wunschleistung ohne medizinische Indikation. Weder die gesetzlichen noch die privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Es gibt eine wichtige Ausnahme: Seit 2021 ist der medizinisch indizierte Fertilitätserhalt Kassenleistung. Wenn du etwa vor einer Chemotherapie stehst, die deine Fruchtbarkeit gefährden könnte, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für das Einfrieren deiner Eizellen. Aber nur dann.

Manche Patientinnen fragen, ob Social Freezing zumindest steuerlich absetzbar ist. Grundsätzlich ja, als außergewöhnliche Belastung. Die Hürde liegt allerdings hoch, und nicht jedes Finanzamt akzeptiert das ohne Weiteres. Eine steuerliche Beratung vorher ist empfehlenswert.

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Ablauf: Von der Beratung bis zur Vitrifikation

Der gesamte Prozess dauert etwa drei bis vier Wochen, vom Erstgespräch bis zum Einfrieren. Hier ist der Ablauf, wie ich ihn in meiner Praxis durchführe.

Schritt 1: Beratung und Diagnostik

Im Ersttermin sprechen wir über deine Motivation, dein Alter und deine Vorstellungen. Dann folgt die Diagnostik: Blutabnahme für den AMH-Wert (Anti-Müller-Hormon) und weitere Hormonwerte, dazu ein Ultraschall zur Zählung der Antralfollikel.

Der AMH-Wert ist dabei der wichtigste Parameter. Er zeigt, wie groß deine ovarielle Reserve noch ist, also wie viele Eizellen deine Eierstöcke voraußichtlich noch bereitstellen können. Ein AMH über 1,5 ng/ml ist günstig. Zwischen 1,0 und 1,5 ist es durchschnittlich. Unter 1,0 wird es schwieriger, genügend Eizellen in einem Zyklus zu gewinnen.

Anhand dieser Werte besprechen wir, ob Social Freezing in deiner Situation sinnvoll ist und mit wie vielen Eizellen du realistisch rechnen kannst.

Schritt 2: Hormonelle Stimulation (10 bis 14 Tage)

Ab dem zweiten oder dritten Zyklustag beginnst du mit der täglichen Hormoninjektion. Das Medikament (ein FSH-Präparat) regt deine Eierstöcke an, mehrere Follikel gleichzeitig reifen zu lassen. Normalerweise reift pro Zyklus nur ein Follikel heran. Mit der Stimulation können es 8, 12 oder auch 20 sein.

Alle zwei bis drei Tage kommst du zur Kontrolle: Ultraschall, um das Follikelwachstum zu verfolgen, und Blutabnahme, um die Hormonwerte zu prüfen. Anhand dieser Ergebnisse passe ich die Dosis an.

Die täglichen Spritzen setzt du dir selbst, in der Regel in den Bauch. Klingt schlimmer als es ist. Die Nadeln sind dünn, und die meisten Frauen gewöhnen sich nach dem zweiten oder dritten Mal daran. Körperlich wirst du wahrscheinlich spüren, dass sich in deinem Unterleib etwas tut: Ein Druckgefühl, leichte Blähungen, manchmal Stimmungsschwankungen. Das ist normal und verschwindet nach der Punktion wieder.

Schritt 3: Eizellentnahme (Punktion)

Wenn die Follikel die richtige Größe erreicht haben, löst eine letzte Spritze (der sogenannte Trigger) den Eisprung aus. 36 Stunden später folgt die Punktion.

Du bekommst eine kurze Sedierung, bist also nicht in Vollnarkose, aber auch nicht wach. Über eine dünne Nadel, die vaginal unter Ultraschallkontrolle eingeführt wird, entnehmen wir die Follikelflüssigkeit mit den Eizellen. Das dauert 15 bis 20 Minuten.

Danach ruhst du dich etwa eine Stunde in der Klinik aus und kannst dann nach Hause. Die meisten Frauen beschreiben den Tag danach als ähnlich wie einen starken ersten Periodentag: Unterleibsziehen, Müdigkeit, leichtes Unwohlsein. Am übernachsten Tag fühlen sich die meisten wieder normal.

Schritt 4: Vitrifikation und Lagerung

Im Labor beurteilt unser Biologe die gewonnenen Eizellen. Nur reife Eizellen (im sogenannten MII-Stadium) eignen sich zum Einfrieren. Von 12 gewonnenen Eizellen sind das typischerweise 8 bis 10.

Diese werden dann vitrifiziert: In Sekundenbruchteilen auf minus 196 Grad Celsius heruntergekühlt und in Flüssigstickstoff gelagert. In diesem Zustand findet kein biologischer Zerfall statt. Die Eizellen behalten die Qualität, die sie zum Zeitpunkt des Einfrierens hatten. Theoretisch unbegrenzt.

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Erfahrungen: Was Frauen wirklich erleben

In den letzten Jahren habe ich hunderte Frauen durch den Social-Freezing-Prozess begleitet. Was mich dabei immer wieder überrascht: Die größte Hürde ist nicht die Behandlung selbst. Es ist die Entscheidung davor.

Viele Frauen schieben das Thema monatelang vor sich her. Sie recherchieren, wägen ab, reden mit Freundinnen. Der Moment, in dem sie den Termin in der Klinik vereinbaren, ist für viele der schwierigste. Danach beschreiben die meisten eine deutliche Erleichterung. "Ich habe endlich etwas getan, statt nur nachzudenken" ist ein Satz, den ich immer wieder höre.

Die körperliche Erfahrung während der Stimulation variiert stark. Manche Frauen spüren kaum etwas außer einem leichten Druckgefühl. Andere haben deutliche Blähungen, fühlen sich aufgedunsen und emotional instabiler als sonst. In meiner Erfahrung hängt das stark von der Medikamentendosis ab, und die hängt wiederum vom Alter und der ovariellen Reserve ab.

Die Punktion selbst ist dank der Sedierung kein großes Thema. Was viele überrascht: Wie schnell alles vorbei ist. Von "ich liege auf der Liege" bis "ich sitze angezogen im Aufwachraum" vergehen oft nur 30 Minuten.

Langfristig zeigt die Forschung, dass die überwiegende Mehrheit der Frauen ihre Entscheidung nicht bereut. Auch wenn sie die Eizellen nie verwenden. Allein das Wissen, diese Option zu haben, reduziert den Druck erheblich. In einer Studie der Universität Brüssel gaben 89 Prozent der Frauen an, sie würden es wieder tun.

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Fruchtbarkeitstest: Vorher wissen, wo du stehst

Bevor du dich für Social Freezing entscheidest, solltest du wissen, wie es um deine Fruchtbarkeit steht. Nicht jede Frau mit 32 hat die gleiche ovarielle Reserve. Manche haben mit 28 schon niedrige AMH-Werte. Andere haben mit 37 noch überdurchschnittlich viele Antralfollikel. Ohne Test ist das nicht abschätzbar.

Die beiden wichtigsten Untersuchungen sind:

Der AMH-Test (Anti-Müller-Hormon): Eine einfache Blutabnahme, die zyklusunabhängig gemacht werden kann. Der AMH-Wert korreliert mit der Anzahl der noch vorhandenen Eizellen. Werte über 1,5 ng/ml sind günstig für Social Freezing. Werte unter 1,0 ng/ml bedeuten, dass du wahrscheinlich mehrere Zyklen brauchst, um genügend Eizellen zu gewinnen.

Die Antralfollikelzählung (AFC): Per Vaginalultraschall zählen wir die kleinen Follikel in deinen Eierstöcken zu Zyklusbeginn. Mehr als 10 Follikel beidseits ist ein gutes Zeichen. Unter 5 wird es herausfordernd.

Die Kosten für einen vollständigen Fertilitätscheck liegen zwischen 150 und 400 Euro, je nachdem welche Werte bestimmt werden. Mein Rat: Mach diesen Check, bevor du eine Entscheidung triffst. Wenn die Werte gut sind, hast du etwas mehr Zeit zum Nachdenken. Wenn sie niedrig sind, weißt du, dass du nicht zu lange warten solltest.

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Social Freezing ab 35: Lohnt es sich noch?

Diese Frage höre ich täglich. Und die Antwort ist differenzierter als "ja" oder "nein".

Die Eizellqualität sinkt mit dem Alter. Das ist biologische Realität, die sich nicht wegdiskutieren lässt. Aber "ab 35 ist es zu spät" stimmt genauso wenig. Hier sind die Zahlen, wie ich sie meinen Patientinnen erkläre:

Alter beim Einfrieren Empfohlene Eizellzahl Zyklen (Durchschnitt) Erwartete Schwangerschaftsrate
Unter 30 10-15 1 über 70%
30-34 15-20 1-2 55-70%
35-37 20-25 2-3 40-55%
38-40 25-30 3-4 25-40%

Die Tabelle zeigt zweierlei. Erstens: Jünger ist klar besser. Zweitens: Auch mit 36 oder 37 sind die Chancen alles andere als schlecht, wenn genügend Eizellen gewonnen werden.

Meine ehrliche Einschätzung als Ärztin: Vor 36 ist der optimale Zeitpunkt. Zwischen 36 und 38 lohnt es sich in den meisten Fällen noch, man sollte aber schnell handeln und mit zwei bis drei Zyklen kalkulieren. Ab 38 wird das Kosten-Nutzen-Verhältnis deutlich schlechter. Ich rate dann nicht kategorisch ab, aber ich führe ein sehr offenes Gespräch über realistische Erwartungen.

Was ich nie sage: "Dafür ist es jetzt zu spät." Denn auch mit 38 ist Social Freezing besser als die Alternative, nämlich gar nichts zu tun und darauf zu hoffen, dass es natürlich klappt.

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Risiken und Nebenwirkungen

Jede medizinische Behandlung hat Risiken. Bei Social Freezing sind diese vergleichsweise gering, aber du solltest sie kennen.

Während der Stimulation

Die hormonelle Stimulation ist der intensivste Teil. Häufige Begleiterscheinungen: Völlegefühl und Blähungen durch die vergrößerten Eierstöcke, Stimmungsschwankungen durch den Hormonanstieg, und eine vorübergehende Gewichtszunahme von ein bis zwei Kilogramm (die nach der Punktion wieder verschwindet).

Das schwerwiegendste Risiko ist das ovarielle Überstimulationssyndrom (OHSS). Dabei reagieren die Eierstöcke überschießend auf die Hormone: starke Schwellungen, Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum, in seltenen Fällen Kreislaufprobleme. Seit wir standardmäßig Antagonisten-Protokolle verwenden, sehe ich schwere OHSS-Fälle in meiner Praxis fast nicht mehr. Die Rate liegt bei 1 bis 3 Prozent, und die allermeisten Fälle sind mild und klingen innerhalb weniger Tage ab.

Bei der Punktion

Die Eizellentnahme ist ein kleiner Eingriff, aber ein Eingriff. Sehr seltene Komplikationen (unter 1 Prozent): Blutungen aus der Einstichstelle, Infektionen, Verletzungen angrenzender Strukturen. In meiner Karriere habe ich solche Komplikationen an einer Hand abzählen können.

Die Sedierung kann zu Übelkeit und Benommenheit führen. Deshalb darfst du danach nicht selbst Auto fahren und solltest dich für den Rest des Tages nichts vornehmen.

Langfristige Risiken

Die Langzeitstudien der letzten 20 Jahre zeigen keinen Zusammenhang zwischen ovarieller Stimulation und einem erhöhten Krebsrisiko. Das fragen mich viele Patientinnen, und ich kann sie beruhigen: Die Daten sind eindeutig.

Social Freezing verbraucht keine Eizellen, die du sonst hättest nutzen können. Im natürlichen Zyklus reift ohnehin nur eine Eizelle zum Eisprung heran. Die restlichen Follikel, die in diesem Zyklus angewachsen waren, gehen zugrunde. Die Stimulation "rettet" diese Follikel im Grunde nur vor ihrem natürlichen Untergang.

Ein Risiko, das weniger körperlich als psychologisch ist: die falsche Sicherheit. Social Freezing ist eine Option, keine Garantie. Eingefrorene Eizellen führen nicht automatisch zu einer Schwangerschaft. Wer das vernachlässigt und deshalb den Kinderwunsch zu lange aufschiebt, kann trotzdem enttäuscht werden.

Social Freezing im DACH-Raum

Rechtlich ist Social Freezing in allen drei DACH-Ländern erlaubt. Die Details unterscheiden sich aber.

Deutschland

Social Freezing ist legal und weit verbreitet. Es gibt keine gesetzliche Altersgrenze für das Einfrieren. Die Lagerungsdauer ist nicht begrenzt. Wenn die Eizellen später verwendet werden, greift das Embryonenschutzgesetz: Pro Behandlungszyklus dürfen maximal drei Embryonen übertragen werden.

Die Kosten liegen im Bereich von 3.500 bis 6.500 Euro pro Zyklus. In Großstädten wie Berlin, München oder Hamburg findest du zahlreiche spezialisierte Kinderwunschzentren, die Social Freezing anbieten. In ländlichen Regionen kann die Auswahl begrenzter sein, sodass du eventuell längere Anfahrtswege einplanen musst.

Österreich

Social Freezing ist erlaubt, es gibt keine Einschränkungen bei der Lagerungsdauer. Das Fortpflanzungsmedizingesetz regelt lediglich die spätere Verwendung der Eizellen. Der IVF-Fonds greift beim Social Freezing nicht, da keine medizinische Indikation vorliegt.

Preislich ähnlich wie Deutschland: 3.500 bis 6.000 Euro pro Zyklus. Wien und Graz haben die größte Auswahl an Kliniken.

Schweiz

Seit der Revision des Fortpflanzungsmedizingesetzes 2017 ist Social Freezing in der Schweiz erlaubt. Ein wesentlicher Unterschied: Die maximale Lagerungsdauer für Eizellen beträgt zehn Jahre. Unter bestimmten Voraußetzungen kann sie verlängert werden, aber die Grundregel ist eine Dekade. Das solltest du bei deiner Planung berücksichtigen.

Die Kosten sind spürbar höher als in Deutschland und Österreich: 5.000 bis 8.000 CHF pro Zyklus inklusive Medikamente. Die jährliche Lagerung liegt bei 300 bis 500 CHF. Zürich, Basel und Bern sind die Hauptstandorte.

Häufige Fragen

Wie viele Eizellen sollte man einfrieren lassen?

Als Faustregel empfehle ich 15 bis 20 reife Eizellen für eine realistische Chance auf eine spätere Schwangerschaft. Bei Frauen unter 35 ist das in der Regel mit einem, manchmal zwei Zyklen erreichbar. Ab 35 braucht man häufiger zwei bis drei Zyklen. Weniger als 10 Eizellen sind möglich, aber die statistischen Chancen sinken dann deutlich.

Was ist das ideale Alter für Social Freezing?

Zwischen 28 und 34 Jahren. In diesem Alter ist die Eizellqualität hoch, die Stimulation funktioniert zuverlässig, und die Kosten bleiben überschaubar, weil meist ein Zyklus reicht. Vor 28 ist es in den meisten Fällen noch nicht nötig. Ab 35 wird es teurer und aufwendiger, ist aber immer noch sinnvoll.

Schadet Social Freezing der natürlichen Fruchtbarkeit?

Nein. Die Eizellen, die bei der Stimulation heranreifen, wären im natürlichen Zyklus ohnehin verloren gegangen. In jedem Zyklus beginnen etwa 15 bis 20 Follikel zu wachsen, aber nur einer reift zum Eisprung. Die restlichen sterben ab. Die hormonelle Stimulation rettet diese Eizellen vor dem natürlichen Untergang. Deine Gesamtreserve wird nicht schneller aufgebraucht.

Wie lange können Eizellen eingefroren bleiben?

Technisch unbegrenzt. Bei minus 196 Grad Celsius in Flüssigstickstoff findet kein biologischer Zerfall statt. Es gibt dokumentierte Fälle, in denen Eizellen nach über 10 Jahren Lagerung erfolgreich verwendet wurden. Gesetzliche Fristen gibt es in der Schweiz (10 Jahre). In Deutschland und Österreich existiert keine zeitliche Begrenzung.

Wie hoch ist die Erfolgsrate mit eingefrorenen Eizellen?

Das hängt stark vom Alter zum Zeitpunkt des Einfrierens ab. Frauen unter 35 erreichen mit 15 bis 20 eingefrorenen Eizellen eine kumulative Schwangerschaftsrate von 60 bis 70 Prozent. Ab 35 sinkt sie auf 40 bis 55 Prozent. Ab 38 auf 25 bis 40 Prozent. Wichtig: Das sind Statistiken. Dein individuelles Ergebnis hängt von vielen Faktoren ab, insbesondere von der Eizellqualität.

Ist Social Freezing schmerzhaft?

Die täglichen Hormonspritzen empfinden die meisten Frauen als unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Die Eizellentnahme findet unter Sedierung statt, du spürst währenddessen nichts. Danach kann es zu Unterleibsziehen und einem Druckgefühl kommen, vergleichbar mit starken Periodenschmerzen. Das klingt innerhalb von ein bis zwei Tagen ab.

Kann ich nach dem Social Freezing sofort wieder arbeiten?

Die meisten Frauen nehmen sich den Tag der Punktion und den Tag danach frei. Die Stimulationsphase davor ist mit normalem Alltag und Arbeit vereinbar, du musst nur alle paar Tage für 30 Minuten zur Kontrolle in die Klinik. Sportliche Höchstleistungen solltest du in den letzten Tagen der Stimulation und eine Woche nach der Punktion vermeiden.

Was passiert, wenn ich die Eizellen nie verwende?

Du entscheidest. Die Optionen sind: Weiterlagern (solange du die Lagergebühren zahlst), Vernichten lassen, oder in einigen Fällen für die Forschung spenden. Eine Eizellspende an andere Frauen ist in Deutschland und Österreich gesetzlich nicht erlaubt. In der Schweiz ebenfalls nicht. Wichtig: Viele Frauen, die ihre Eizellen nie verwenden, berichten trotzdem, dass sie die Entscheidung nicht bereuen. Der psychologische Wert der Absicherung war es ihnen wert.

Brauche ich für Social Freezing eine Überweisung?

Nein. Du kannst dich direkt an eine Kinderwunschklinik oder ein Zentrum für Reproduktionsmedizin wenden und einen Termin vereinbaren. Eine Überweisung vom Gynäkologin oder Hausarzt ist nicht erforderlich. Die meisten Kliniken bieten ein unverbindliches Erstgespräch an, in dem die individuelle Situation besprochen wird.

Wie finde ich die richtige Klinik für Social Freezing?

Frage gezielt nach der Erfahrung mit Social Freezing, nicht nur mit Kinderwunschbehandlungen allgemein. Wie viele Vitrifikationszyklen führt die Klinik pro Jahr durch? Wie hoch ist die Überlebensrate nach dem Auftauen? Hat die Klinik ein eigenes Kryolabor oder lagert sie extern? Und: Gibt es spezialisierte Social-Freezing-Sprechstunden? Kliniken, die das Thema routiniert anbieten, haben in der Regel bessere Protokolle und mehr Erfahrung als Zentren, die es nur nebenbei machen.

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Über den Autor

Dr. med. Katharina Hofer

Fachärztin für Gynäkologische Endokrinologie

Dr. Katharina Hofer ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe mit dem Schwerpunkt Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Sie berät Frauen zu Social Freezing, Hormonbehandlungen und Eizellspende.

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