Bei der Kinderwunsch-Abklärung zeigt sich oft dasselbe Muster: Ein Paar sucht Hilfe, und beide gehen davon aus, dass die Untersuchung bei der Frau beginnt. Ultraschall, Hormonstatus, Eileiter-Durchlässigkeit. Und der Mann? Der gilt als gesund, schließlich hat er ja keine Beschwerden.
Die Realität sieht anders aus. Laut Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) ist bei rund der Hälfte aller Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ein männlicher Faktor beteiligt, bei etwa einem Fünftel ist er allein verantwortlich. Trotzdem wird der männliche Faktor oft als Letztes untersucht, manchmal erst nach Monaten vergeblicher Behandlung der Partnerin. Das ist medizinisch unsinnig und verschwendet Zeit, die gerade bei älteren Paaren kostbar ist.
Dieser Ratgeber richtet sich an Männer, die verstehen wollen, wie ihre Fruchtbarkeit funktioniert, was sie beeinflussen können und wann sie handeln sollten. Und an Paare, die gemeinsam informiert in eine Kinderwunschbehandlung gehen wollen.
Ursachen und Diagnose: Warum es nicht klappt
Die Ursachen männlicher Unfruchtbarkeit sind vielfältig. Grob lassen sich drei Kategorien unterscheiden.
Die häufigste: eine eingeschränkte Spermienqualität ohne klar identifizierbare Ursache. Zu wenige Spermien, zu langsam, zu viele mit Formabweichungen, oder eine Kombination aus allem. Diese Kombination heißt OAT-Syndrom (Oligo-Astheno-Teratozoospermie). In einer großen Auswertung, die die EAU-Leitlinie zitiert, blieb bei 30 Prozent der Männer die Ursache unklar. Oft wirken Genetik, Lebensstil und Umweltfaktoren zusammen.
Die zweithäufigste Kategorie: anatomische oder hormonelle Ursachen. Eine Varikozele (Krampfader am Hoden) betrifft etwa 15 Prozent aller Männer, aber 35 bis 40 Prozent der Männer mit Fruchtbarkeitsproblemen. Hormonelle Störungen, etwa ein erhöhtes FSH oder ein niedriges Testosteron, können die Spermienproduktion beeinträchtigen. Verschlüsse der Samenwege verhindern, dass Spermien überhaupt ins Ejakulat gelangen.
Und die dritte Kategorie: die Azoospermie. Keine Spermien im Ejakulat. In der genannten Auswertung betraf das 11,2 Prozent der Männer, die wegen Fruchtbarkeitsproblemen untersucht wurden. Es klingt nach einer endgültigen Diagnose, ist es aber oft nicht. Je nach Ursache gibt es Wege, trotzdem Spermien zu gewinnen.
Die Diagnostik beginnt immer mit dem Spermiogramm. Aber die Ursachenforschung kann deutlich tiefer gehen: Hormonprofil, Hodenultraschall, DNA-Fragmentationstest, genetische Analysen. Was davon nötig ist, hängt vom individuellen Befund ab.
Männliche Unfruchtbarkeit: Ursachen & Behandlung 2026
Männliche Unfruchtbarkeit: Bei rund der Hälfte aller ungewollt kinderlosen Paare ist ein männlicher Faktor beteiligt. Erfahren Sie, welche Ursachen dahinterstecken und welche Behandlungen helfen.
Fruchtbarkeit steigern: Was Männer selbst tun können
Männliche Fruchtbarkeit lässt sich beeinflussen, und zwar deutlich. Anders als bei Frauen, deren Eizellreserve festgelegt ist, produzieren Männer ständig neue Spermien. Der gesamte Reifeprozess neuer Spermien dauert gut drei Monate. Das bedeutet: Was du heute änderst, kann sich in drei Monaten in deinem Spermiogramm zeigen.
Sinnvoll ist es, an drei Stellschrauben gleichzeitig zu drehen.
Erstens: Schadstoffe eliminieren. Rauchen hängt laut einer großen Meta-Analyse klar mit schlechteren Spermienwerten zusammen. Alkohol in größeren Mengen drückt den Testosteronspiegel. Anabole Steroide, auch die aus dem Fitnessstudio, können die körpereigene Spermienproduktion komplett zum Erliegen bringen. Und bestimmte Medikamente und Drogen, etwa Opioide oder Cannabis, können den Hormonhaushalt stören. Vor jeder Behandlung lohnt sich ein Medikamenten-Check mit dem Andrologen.
Zweitens: Körperliche Grundlagen optimieren. Übergewicht ist ein eigenständiger Risikofaktor für schlechte Spermienwerte. Fettgewebe wandelt Testosteron in Östrogen um, was die Spermienproduktion hemmt. Abnehmen kann die Werte verbessern, auch wenn kontrollierte Studien dazu widersprüchlich sind. Regelmäßige Bewegung ist laut einer Meta-Analyse mit besseren Spermienwerten verbunden, das gilt auch für intensivere Freizeitaktivität.
Drittens: Hitze vermeiden. Die Hoden hängen aus gutem Grund außerhalb des Körpers. Eine erhöhte Hodentemperatur geht mit schlechteren Spermienwerten einher (EAU). Ob lockere Unterwäsche die Fruchtbarkeit verbessert, ist laut der britischen Leitlinie NICE unklar. Ob es die Fruchtbarkeit verbessert, auf Sauna, heiße Bäder, Sitzheizung oder den Laptop auf dem Schoß zu verzichten, ist nicht belegt.
Wie schnell man Ergebnisse sieht, variiert. Der Reifeprozess neuer Spermien dauert gut drei Monate. Realistische Ergebnisse zeigen sich nach 3 bis 6 Monaten konsequenter Umsetzung.
Männliche Fruchtbarkeit steigern: Medizinische Wege 2026
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Spermienqualität gezielt verbessern
Über die Lebensstil-Änderungen hinaus gibt es gezielte Maßnahmen, die je nach Befund sinnvoll sein können.
Nahrungsergänzungsmittel
Die Datenlage ist durchwachsen. Laut EAU-Leitlinie lässt sich nicht sagen, welche Mittel in welcher Dosis helfen, und ein Cochrane-Review bewertet die Evidenz für Antioxidantien als gering. Zink und Selen sind wichtig für die Spermienbildung, ein Mangel sollte ausgeglichen werden. L-Carnitin, Coenzym Q10 und Vitamin E werden als Antioxidantien eingesetzt, um oxidativen Stress zu verringern. Folsäure spielt eine Rolle bei der DNA-Synthese während der Spermienbildung.
Teure Kombipräparate aus dem Internet sind in der Regel unnötig. Wenn überhaupt, reichen meist einzelne Präparate in normaler Dosierung. Mehr hilft nicht mehr, und manche Präparate liegen über den empfohlenen Höchstmengen.
Hormonelle Behandlung
Wenn das Hormonprofil Auffälligkeiten zeigt, lässt sich gezielt eingreifen. Bei einem sekundären Hypogonadismus (die Hirnanhangsdrüse gibt zu wenig Signal an die Hoden) kann hCG, bei Bedarf zusammen mit FSH, die körpereigene Produktion ankurbeln. Clomifen wird beim Mann nur off-label eingesetzt. Wichtig: Exogenes Testosteron, also Testosteron von außen, ist bei Kinderwunsch kontraindiziert. Es schaltet die eigene Spermienproduktion ab. Wird Testosteron-Gel trotz Kinderwunsch verschrieben, kann das Spermiogramm danach bei null liegen.
Varikozelen-Behandlung
Wenn eine tastbare Varikozele vorliegt und das Spermiogramm eingeschränkt ist, verbessern sich die Werte nach der Operation laut EAU-Leitlinie meist. Ein Cochrane-Review fand zudem eine höhere Schwangerschaftsrate als ohne Behandlung. Der Eingriff (mikrochirurgische Varikozelektomie) ist meist ambulant möglich. Bis sich die Werte verbessern, dauert es bis zu zwei Zyklen der Spermienbildung, eine spontane Schwangerschaft trat in Studien meist sechs bis zwölf Monate nach dem Eingriff ein.
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Spermiogramm: Die zentrale Untersuchung
Das Spermiogramm ist für den Andrologen, was das Blutbild für den Internisten ist. Eine einzelne Probe sagt enorm viel über die männliche Fruchtbarkeit aus. Vorausgesetzt, man weiß die Werte richtig einzuordnen.
Die wichtigsten Parameter
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2021 aktualisierte Referenzwerte veröffentlicht. Ein Spermiogramm analysiert drei Hauptparameter:
Konzentration: Wie viele Spermien sind pro Milliliter vorhanden? Der WHO-Referenzwert liegt bei mindestens 16 Millionen pro Milliliter. Zusätzlich gilt ein eigener Referenzwert für die Gesamtzahl: mindestens 39 Millionen im gesamten Ejakulat. Liegt der Wert darunter, spricht man von Oligozoospermie.
Motilität (Beweglichkeit): Wie viele Spermien bewegen sich vorwärts? Mindestens 30 Prozent sollten progressiv motil sein, also sich zielgerichtet fortbewegen. Sind es weniger, liegt eine Asthenozoospermie vor.
Morphologie (Form): Wie viele Spermien haben eine normale Kopf- und Schwanzform? Hier liegt der Referenzwert bei nur 4 Prozent. Das klingt erschreckend niedrig, ist aber normal. Die meisten Spermien weichen in irgendeiner Form von der Norm ab.
Was viele nicht wissen
Ein einzelnes Spermiogramm ist eine Momentaufnahme. Die Werte schwanken natürlich, manchmal erheblich. Eine kürzlich überstandene, vor allem fieberhafte Erkrankung oder eine ungewöhnlich kurze oder lange Karenzzeit können die Ergebnisse laut WHO beeinflussen. Deshalb wird ein auffälliger Befund nach etwa 3 Monaten wiederholt, frühestens nach 11 Wochen. Bei fehlenden oder sehr wenigen Spermien soll die Wiederholung so bald wie möglich stattfinden. Ist der erste Befund normal, ist keine Wiederholung nötig (WHO 2025, NICE 2026).
Auch wichtig: Die Referenzwerte der WHO sind keine Grenze zwischen "fruchtbar" und "unfruchtbar". Ein Mann mit 14 Millionen Spermien pro Milliliter liegt zwar unter dem Referenzwert, kann aber trotzdem auf natürlichem Weg Vater werden. Umgekehrt garantieren Werte im Normbereich keine Schwangerschaft. Die Werte geben eine statistische Orientierung, mehr nicht.
Spermiogramm Werte Tabelle: WHO-Normwerte 2021 erklärt
Spermiogramm Werte Tabelle nach WHO 2021: Konzentration ab 16 Mio./ml, Beweglichkeit ab 42 %, Morphologie ab 4 %. Alle Normwerte verständlich erklärt.
Was kostet ein Spermiogramm?
Zur Abklärung eines unerfüllten Kinderwunsches zahlt die gesetzliche Krankenkasse in Deutschland die Untersuchung vollständig. Als Selbstzahler kostet die Laboranalyse nach der GOÄ 23 bis 30 Euro, mit Beratung rund 37 bis 47 Euro. Das Informationsportal Kinderwunsch nennt für die privat abgerechnete Untersuchung inklusive Auswertung und Beratung 80 bis 200 Euro. In Österreich ist das Spermiogramm bei ärztlicher Zuweisung in der Regel Kassenleistung. In der Schweiz ist die Laboranalyse in der amtlichen Analysenliste mit 130.50 CHF bewertet, dazu kommt die ärztliche Konsultation.
Was viele nicht wissen: Der einfachste Weg ist oft der Gang zum Urologen oder direkt zur Kinderwunschklinik. Viele Kinderwunschzentren führen Spermiogramme als Routine durch und rechnen sie direkt mit der Kasse ab. Ein separater Andrologen-Termin ist für das erste Spermiogramm nicht zwingend nötig.
Weitergehende Diagnostik wie ein DNA-Fragmentationstest oder genetische Analysen kostet extra. Lass dir als Selbstzahler vorab einen Kostenvoranschlag geben. Diese Untersuchungen sind aber nur bei bestimmten Befunden sinnvoll, nicht als Standard.
Spermiogramm Kosten beim Urologen: Preise 2026 und Kasse
Was kostet ein Spermiogramm beim Urologen? Als Selbstzahler rund 40 bis 200 €, bei medizinischem Anlass zahlt die Kasse. Alle Preise für DE, AT und CH.
TESE: Wenn keine Spermien im Ejakulat sind
Die Diagnose Azoospermie ist für die meisten Männer ein Schock. Keine Spermien im Ejakulat. Das klingt nach dem Ende aller Hoffnung. Tatsächlich ist es aber häufig der Anfang einer Lösung, denn bei vielen Männern produzieren die Hoden trotzdem Spermien. Sie schaffen es nur nicht bis ins Ejakulat.
Obstruktive vs. nicht-obstruktive Azoospermie
Zuerst gilt es, die Ursache zu klären. Bei der obstruktiven Azoospermie liegt ein Verschluss der Samenwege vor. Die Spermienproduktion im Hoden funktioniert normal, aber die Transportwege sind blockiert. Ursachen sind zum Beispiel eine frühere Vasektomie, angeborene Fehlbildungen der Samenleiter oder Narbenbildung nach Infektionen. Die Prognose ist hier sehr gut: Weil Spermien gebildet werden, lassen sich in aller Regel Spermien gewinnen, oft genug für mehrere ICSI-Zyklen.
Bei der nicht-obstruktiven Azoospermie ist die Spermienproduktion selbst gestört. Das kann genetische Ursachen haben (Klinefelter-Syndrom, Y-Chromosom-Mikrodeletionen), hormonelle Störungen, oder die Folge von Hodenoperationen, Chemotherapie oder Bestrahlung sein. Hier gelingt die Spermiengewinnung laut familienplanung.de in rund 50 Prozent der Fälle, je nach Verfahren und Ursache mal mehr, mal weniger.
Konventionelle TESE vs. Mikro-TESE
Bei der konventionellen TESE werden unter lokaler Betäubung oder kurzer Narkose mehrere kleine Gewebeproben aus dem Hoden entnommen. Im Labor sucht der Biologe in diesen Proben nach Spermien. Der Eingriff ist vergleichsweise kurz und meist ambulant.
Die Mikro-TESE ist aufwendiger, aber präziser. Unter dem OP-Mikroskop wird der Hoden geöffnet und gezielt nach den Kanälchen gesucht, die am wahrscheinlichsten Spermien enthalten. Diese Kanälchen sehen unter dem Mikroskop anders aus als leere: Sie sind dicker und opaker. Ob die Mikro-TESE tatsächlich häufiger Spermien findet, ist umstritten: Eine Meta-Analyse kam auf 52 gegenüber 35 Prozent bei konventioneller TESE, eine andere fand keinen Unterschied (jeweils rund 46 Prozent). Klar ist der Vorteil beim Gewebe: Es wird weniger entnommen, Blutergüsse und Vernarbungen sind seltener.
Die gewonnenen Spermien werden per ICSI zur Befruchtung eingesetzt. Überschüssige Spermien können kryokonserviert werden, sodass bei einem späteren Kinderwunsch keine erneute TESE nötig ist.
Die Kosten für eine TESE liegen in Deutschland laut familienplanung.de bei 800 bis 2.000 Euro. Die gesetzliche Krankenkasse kann sich bei verheirateten Paaren an der Hälfte beteiligen. Vollständig zahlt sie die TESE samt Einfrieren nur vor einer keimzellschädigenden Therapie wie einer Chemotherapie.
TESE und Mikro-TESE: Ablauf, Kosten und Erfolgsraten
TESE: Spermiengewinnung aus dem Hoden bei Azoospermie. Ablauf, Kosten (laut familienplanung.de 800 bis 2.000 €) und Erfolgschancen im DACH-Raum.
Lebensstil und Fruchtbarkeit: Was die Forschung sagt
In den letzten 20 Jahren hat die Forschung zur männlichen Fruchtbarkeit erheblich zugelegt. Vieles, was früher als Bauchgefühl galt, ist heute besser untersucht, auch wenn viele Daten aus Beobachtungsstudien stammen.
Ernährung
Eine mediterrane Ernährung (viel Gemüse, Obst, Fisch, Olivenöl, wenig verarbeitete Lebensmittel) ging in Beobachtungsstudien mit besseren Spermienwerten einher. Eine mögliche Erklärung: Antioxidantien können die Spermien-DNA vor oxidativem Stress schützen.
Was schadet: Stark verarbeitete Lebensmittel, Trans-Fette, übermäßiger Zuckerkonsum. Wichtig zu wissen: Du musst keine radikale Diät machen. Aber drei Monate bewusst gut essen kann den Unterschied machen.
Schlaf und Stress
Ob Schlafmangel und Stress die Spermienqualität direkt verschlechtern, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Guter Schlaf und ein entspannterer Alltag tun aber dem Hormonhaushalt gut und helfen, mit der Belastung durch den Kinderwunsch besser umzugehen.
Umweltfaktoren
Pestizide, Weichmacher (Phthalate), Bisphenol A (in manchen Kunststoffen und Thermopapier): Diese Stoffe wirken als endokrine Disruptoren und können die Hormonbalance und damit die Spermienproduktion beeinflussen. Nicht alles ist eindeutig belegt, einfache Vorsichtsmaßnahmen schaden aber nicht: BPA-freie Behälter verwenden, Obst und Gemüse gründlich waschen und den Kontakt mit Thermopapier-Kassenbons minimieren.
Wann zum Andrologen?
Viele Männer sind unsicher, wann der richtige Zeitpunkt für einen Arztbesuch ist. Als Faustregel gilt:
Sofort zum Andrologen bei: bekannter Vorgeschichte (Hodenhochstand, Varikozele, Hodenoperationen, Mumps-Orchitis in der Kindheit), Einnahme von Testosteron oder anabolen Steroiden, nach Krebsbehandlung mit Chemo oder Bestrahlung.
Nach 12 Monaten erfolglosem Versuch: Ab dann empfiehlt die EAU-Leitlinie, beide Partner untersuchen zu lassen. Ist deine Partnerin älter, ist eine frühere Abklärung sinnvoll, weil die Zeit dann kostbarer ist.
Als Vorsorge ohne Kinderwunsch-Versuch: Leitlinien sehen ein Spermiogramm bei unerfülltem Kinderwunsch vor, nicht als Vorsorge (EAU 2026, WHO 2025). Wer es trotzdem wissen möchte, zahlt selbst: nach GOÄ ab rund 37 Euro inklusive Beratung.
Wichtig ist: Die Untersuchung beim Mann ist deutlich weniger aufwendig und invasiv als bei der Frau. Ein Spermiogramm ist schnell gemacht. Die komplette Basisdiagnostik der Frau kann Wochen bis Monate dauern. Es macht keinen medizinischen Sinn, mit dem einfachen Test zu warten und stattdessen zuerst den komplexen Weg zu gehen. Welche Ursachen bei beiden Partnern in Frage kommen, erklärt unser Ratgeber unerfüllter Kinderwunsch.
Häufige Fragen
Wie läuft ein Spermiogramm ab?
Du gibst eine Samenprobe ab, entweder in der Klinik (in einem diskreten Raum) oder zu Hause, wenn du die Probe innerhalb von 30 bis 60 Minuten ins Labor bringen kannst. Vor der Abgabe solltest du laut WHO 2 bis 7 Tage keinen Samenerguss haben, familienplanung.de nennt 3 bis 5 Tage. Wann das Ergebnis vorliegt, hängt von Praxis und Labor ab.
Können Nahrungsergänzungsmittel wirklich helfen?
Ja, aber mit realistischen Erwartungen. Antioxidantien und Mikronährstoffe zeigten in Studien teils Verbesserungen, die Qualität der Studien ist aber sehr gering, und eine US-Studie (MOXI, 171 Paare, vorzeitig beendet) fand keinen Nutzen für die Spermienwerte. Am ehesten sinnvoll sind sie bei nachgewiesenem Mangel. Wunder sollte man nicht erwarten. Sie sind ein Baustein neben anderen, kein Ersatz für eine medizinische Abklärung.
Macht Radfahren unfruchtbar?
Normales Radfahren: nein. Regelmäßige Bewegung ist sogar mit besseren Spermienwerten verbunden. Ob sehr intensives Radsporttraining die Werte verschlechtert, ist nicht eindeutig geklärt, Druck und Hitze im Schritt gelten als mögliche Faktoren. Ein gepolsterter Sattel und regelmäßige Pausen schaden nicht. Hobbyradler müssen sich keine Sorgen machen.
Wie lange dauert es, bis sich Spermienwerte verbessern?
Der Reifeprozess neuer Spermien dauert gut drei Monate. Verbesserungen durch Lebensstil-Änderungen oder Behandlungen zeigen sich frühestens nach 3 Monaten. Für eine zuverlässige Beurteilung kann ein weiteres Kontroll-Spermiogramm nach 6 Monaten sinnvoll sein.
Ist männliche Unfruchtbarkeit heilbar?
Das hängt von der Ursache ab. Eine Varikozele lässt sich operativ beheben. Hormonelle Störungen können medikamentös behandelt werden. Lebensstilfaktoren lassen sich ändern. Bei genetischen Ursachen oder schwerer Azoospermie ist eine natürliche Zeugung oft nicht möglich, aber über TESE und ICSI gibt es trotzdem realistische Wege zum eigenen Kind.
Beeinflusst das Alter die männliche Fruchtbarkeit?
Ja, wenn auch weniger dramatisch als bei Frauen. Meist ab etwa 40 werden weniger Spermien gebildet, und ihre Befruchtungsfähigkeit kann abnehmen. Die DNA-Fragmentation steigt, und genetische Fehler in den Spermien erhöhen das Risiko für Fehlgeburten. Ob ein DNA-Fragmentationstest sinnvoll ist, klärt der Androloge im Einzelfall.
Kann Stress die Spermienqualität beeinflussen?
Möglicherweise, eindeutig belegt ist das aber nicht. Diskutiert wird, dass Stresshormone den Hormonhaushalt beeinflussen. Stressreduktion ist trotzdem kein Luxus: Sie hilft vor allem, mit der Belastung durch den Kinderwunsch besser umzugehen.
Was ist der Unterschied zwischen Urologe und Androloge?
Ein Urologe behandelt das gesamte Spektrum der Harnwege und männlichen Geschlechtsorgane, von Nierensteinen bis zur Prostata. Ein Androloge ist auf männliche Reproduktionsmedizin spezialisiert, also gezielt auf Fruchtbarkeit, Hormonstörungen und Kinderwunsch. Für ein erstes Spermiogramm reicht der Urologe. Wenn die Werte auffällig sind oder eine gezielte Behandlung nötig wird, ist der Androloge die bessere Adresse.
Quellen
- WHO laboratory manual for the examination and processing of human semen, 6th edition, World Health Organization, 2021
- EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health: Male Infertility, European Association of Urology, 2026
- Antioxidants for male subfertility, Cochrane Database of Systematic Reviews 2022;5:CD007411 (de Ligny et al.), 2022
- Fruchtbarkeitsuntersuchungen beim Mann, familienplanung.de (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit), 2026
- Fruchtbarkeitsstörungen beim Mann: Körperliche Ursachen, familienplanung.de (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit), 2026
- Alter, Lebensstil und Umwelt: Viele Faktoren beeinflussen die Fruchtbarkeit, familienplanung.de (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit), 2026
- Spermien und männliche Fruchtbarkeit, familienplanung.de (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit), 2026
- Männliche Geschlechtsorgane, familienplanung.de (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit), 2026
- TESE (Testikuläre Spermienextraktion), familienplanung.de (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit), 2026
- Untersuchungen bei Männern, Informationsportal Kinderwunsch (BMFSFJ), abgerufen 2026
- Analysenliste, Ausgabe 1. Juli 2026, Bundesamt für Gesundheit (BAG), 2026
- Fertility problems: assessment and treatment (NG257), Empfehlungen 1.17.1 bis 1.17.4, National Institute for Health and Care Excellence (NICE), 31.03.2026
- Fertility problems: assessment and treatment (NG257), Empfehlung 1.11.1, National Institute for Health and Care Excellence (NICE), 31.03.2026
- WHO-Leitlinie zu Prävention, Diagnose und Behandlung von Infertilität, Human Reproduction 2026;41(1):25-38, Weltgesundheitsorganisation (WHO), online 28.11.2025