Ratgeber

Künstliche Befruchtung: Methoden und Chancen 2026

IVF, ICSI oder IUI: Welche Methode passt zu Ihnen? Ablauf, Kosten und Erfolgschancen im Vergleich. Plus Kassenleistungen im DACH-Raum.

· 15 min Lesezeit · 11 Vertiefungsartikel
Laborgläschen und Reagenzgefäße in warmem Licht in einem modernen Fertilitätslabor

In Deutschland werden jährlich über 130.000 Behandlungszyklen der künstlichen Befruchtung durchgeführt. Trotzdem ist das Thema für die meisten Betroffenen Neuland, wenn sie zum ersten Mal in einer Kinderwunschsprechstunde sitzen. Welche Methode passt? Was kostet das? Wie hoch sind die Chancen?

Dieser Ratgeber erklärt dir die drei gängigen Verfahren, was sie kosten und wie du den richtigen Weg für deine Situation findest.

Was ist künstliche Befruchtung?

Künstliche Befruchtung, medizinisch "assistierte Reproduktion" genannt, umfasst alle Verfahren, bei denen die Medizin aktiv bei der Befruchtung hilft. Das fängt bei der simplen Insemination an und geht bis zur aufwendigen In-vitro-Fertilisation im Labor.

Viele Paare setzen "künstliche Befruchtung" mit IVF gleich. Das stimmt so nicht. Es gibt drei Hauptverfahren, und sie unterscheiden sich in Aufwand, Kosten und Erfolgschancen erheblich:

  • IUI (Intrauterine Insemination): Aufbereitete Spermien werden direkt in die Gebärmutter eingebracht. Der einfachste Eingriff mit den geringsten Kosten.
  • IVF (In-vitro-Fertilisation): Eizellen werden entnommen und im Labor mit Spermien zusammengebracht. Die Befruchtung findet außerhalb des Körpers statt.
  • ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion): Wie IVF, aber ein einzelnes Spermium wird direkt in die Eizelle injiziert. Der präziseste Eingriff.

Die Wahl der Methode hängt von der Diagnose ab. Nicht jedes Paar braucht gleich eine ICSI. Manchmal reicht eine IUI. Manchmal führt kein Weg an einer IVF vorbei. Häufig starten Paare mit falschen Erwartungen in die Behandlung. Entweder unterschätzen sie den Aufwand, oder sie überschätzen die Risiken.

IVF: In-vitro-Fertilisation

1978 kam Louise Brown in England zur Welt, das erste "Retortenbaby". Seitdem hat sich bei der IVF viel getan, vor allem bei den Kulturmedien und der Embryo-Selektion. Aber das Grundprinzip ist dasselbe geblieben.

So funktioniert eine IVF

Zuerst werden deine Eierstöcke hormonell stimuliert, damit mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen. Nach etwa 10 bis 14 Tagen werden die reifen Eizellen per Punktion unter leichter Sedierung entnommen. Im Labor kommen dann aufbereitete Spermien zu den Eizellen.

Ab hier passiert alles ohne weiteres Zutun: Die Spermien müssen eigenständig in die Eizelle eindringen, genau wie im Körper. Nach 2 bis 5 Tagen Kultivierung wird der am besten entwickelte Embryo in deine Gebärmutter übertragen.

Pro Embryotransfer liegt die klinische Schwangerschaftsrate bei einer IVF laut Deutschem IVF-Register bei Frauen unter 35 bei rund 39 bis 43 Prozent. Ab 35 sinkt sie, ab 40 deutlich.

Vertiefungsartikel

IVF Ablauf: 7 Schritte der künstlichen Befruchtung 2026

IVF Ablauf Schritt für Schritt erklärt: Von der Stimulation bis zum Transfer. Erfahre, was dich bei der künstlichen Befruchtung erwartet.

Patientin mit Tee im Aufwachbereich nach der IVF-Behandlung

Was kostet eine IVF?

Ein IVF-Zyklus kostet in Deutschland zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Dazu kommen Medikamentenkosten von 1.000 bis 2.000 Euro pro Zyklus. In Österreich und der Schweiz liegen die Preise ähnlich, wobei die Schweiz tendenziell teurer ist.

Viele Paare brauchen mehrere Versuche. Die Gesamtkosten für eine erfolgreiche IVF-Behandlung liegen daher häufig bei 10.000 bis 20.000 Euro.

Vertiefungsartikel

IVF Kosten Deutschland 2026: Preis pro Zyklus und Kasse

Ein IVF-Zyklus kostet in Deutschland 3.500 bis 6.500 € inklusive Medikamenten. Was die Kasse zahlt, welche 9 Länder fördern und was du steuerlich absetzen kannst.

Patientin mit Behandlungsunterlagen im Wartezimmer einer Kinderwunschklinik

ICSI: Intrazytoplasmatische Spermieninjektion

Rund zwei Drittel der Frischzyklen mit Befruchtung laufen in Deutschland mittlerweile als ICSI (66,5 Prozent laut Deutschem IVF-Register 2024). Der Unterschied zur klassischen IVF: Statt die Spermien zu den Eizellen zu geben und auf eine natürliche Befruchtung zu hoffen, wählt der Embryologe ein einzelnes Spermium aus und injiziert es direkt in die Eizelle.

Wann wird ICSI empfohlen?

ICSI kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die Spermienqualität eingeschränkt ist. Konkret bei:

  • Stark reduzierter Spermienzahl (unter 5 Millionen progressive Spermien)
  • Eingeschränkter Spermienbeweglichkeit
  • Veränderter Spermienform
  • Nach operativer Spermiengewinnung (TESE)
  • Nach wiederholtem IVF-Versagen ohne Befruchtung

Viele Kliniken entscheiden sich allerdings auch bei normalen Spermiogramm-Werten für ICSI. Der Grund: Die Befruchtungsrate ist etwas zuverlässiger, weil der Zufall der natürlichen Befruchtung eliminiert wird. Ob das immer sinnvoll ist, darüber diskutiert die Fachwelt.

Die Erfolgsraten von ICSI und IVF sind bei guter Spermienqualität vergleichbar. Bei eingeschränkter Spermienqualität hat ICSI klare Vorteile.

Vertiefungsartikel

IVF oder ICSI? Unterschied, Studien und Entscheidungshilfe

IVF oder ICSI? Unterschied, Studien und Leitlinien: wann ICSI sinnvoll ist, Erfolgsraten nach Alter und was die Kasse in DE, AT und CH zahlt.

Petrischalen im IVF-Labor für den Vergleich von ICSI und klassischer IVF

Was kostet eine ICSI?

Eine ICSI ist etwa 500 bis 1.500 Euro teurer als eine klassische IVF, da der Laboraufwand höher ist. Pro Zyklus musst du mit 4.000 bis 6.500 Euro plus Medikamente rechnen.

Vertiefungsartikel

ICSI Kosten 2026: Preis pro Zyklus und was die Kasse zahlt

Ein ICSI-Zyklus kostet meist 4.500 bis 5.500 € inklusive Medikamenten, rund 1.500 bis 2.000 € mehr als IVF. Kassenanteil, DACH-Vergleich und versteckte Kosten.

ICSI-Pipette über Petrischale in einem Fertilitätslabor

IUI: Intrauterine Insemination

Die IUI ist das schonendste Verfahren der künstlichen Befruchtung. Sie eignet sich für Paare, bei denen keine schwerwiegenden Fertilitätsprobleme vorliegen, aber eine natürliche Empfängnis nicht klappt.

So funktioniert eine IUI

Das Sperma deines Partners (oder eines Spenders) wird im Labor aufbereitet und zum richtigen Zeitpunkt direkt in deine Gebärmutter eingebracht. Das verkürzt den Weg der Spermien und erhöht die Trefferquote.

Der Eingriff dauert wenige Minuten, tut nicht weh und braucht keine Narkose. Oft wird die IUI mit einer leichten hormonellen Stimulation kombiniert, damit sich der Eisprung besser timen lässt.

10 bis 15 Prozent pro Zyklus: Das klingt wenig. Aber zum Vergleich: Die natürliche Schwangerschaftsrate pro Monat liegt bei gesunden Paaren auch nur bei 20 bis 25 Prozent. Nach 3 bis 6 IUI-Zyklen werden etwa 30 bis 40 Prozent der Paare schwanger.

Vertiefungsartikel

IUI (Insemination): Erfolgschancen nach Alter und Ablauf

IUI-Erfolgschancen nach Alter aus dem deutschen Register: rund 10 % Schwangerschaft pro Insemination, ab 40 deutlich weniger. Mit Ablauf, Kasse, Kosten.

Moderner Behandlungsraum für IUI-Insemination in einer Kinderwunschklinik

Was kostet eine IUI?

Die IUI ist mit 300 bis 800 Euro pro Zyklus deutlich günstiger als IVF oder ICSI. Mit Hormonmedikamenten und Monitoring liegen die Gesamtkosten bei 500 bis 1.500 Euro pro Versuch.

Vertiefungsartikel

Insemination Kosten 2026: Was eine IUI pro Zyklus kostet

Eine IUI kostet Selbstzahler rund 800 bis 900 € pro Zyklus plus Medikamente. Was die Krankenkasse übernimmt und was unverheiratete Paare zahlen.

Paar wartet gemeinsam im Wartezimmer einer Kinderwunschklinik

Hormonbehandlung als Grundlage

Fast jede Form der künstlichen Befruchtung beginnt mit einer Hormonbehandlung. Bei der IUI ist sie optional, bei IVF und ICSI gehört sie zwingend dazu.

Welche Hormone werden eingesetzt?

Ziel der Stimulation: Deine Eierstöcke sollen mehrere Eizellen gleichzeitig reifen lassen, statt wie im natürlichen Zyklus nur eine. Dafür werden drei Medikamentengruppen kombiniert:

FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) treibt das Follikelwachstum an. GnRH-Antagonisten verhindern, dass dein Körper vorzeitig einen Eisprung auslöst. Und am Ende setzt eine HCG-Spritze den Eisprung gezielt zum richtigen Zeitpunkt in Gang.

8 bis 14 Tage lang spritzt du dir täglich FSH. Alle 2-3 Tage wird per Ultraschall und Blutabnahme kontrolliert, wie die Follikel wachsen. Anhand dieser Werte wird die Dosis angepasst.

Nebenwirkungen und Risiken

Was du während der Stimulation spüren wirst: Dein Unterbauch fühlt sich voll an, deine Stimmung schwankt, du nimmst vielleicht 1-2 Kilo zu. Das ist normal und geht nach der Punktion zurück.

Wichtig zu wissen: Manchmal reagieren die Eierstöcke zu stark. Dieses Überstimulationssyndrom (OHSS) kann Bauchschmerzen, Übelkeit und Flüssigkeitsansammlungen verursachen. Seit Antagonisten-Protokolle als Standard eingesetzt werden, ist OHSS aber deutlich seltener geworden. Die schwere Form trat laut Deutschem IVF-Register 2024 in rund 0,2 Prozent der Stimulationen auf.

Vertiefungsartikel

Hormonbehandlung Kinderwunsch: Alles Wichtige 2026

Hormonbehandlung beim Kinderwunsch erklärt: Ablauf, Chancen & Risiken. Erfahre, wie Hormonstimulation helfen kann. Jetzt informieren!

Ärztin erklärt Paar Hormonbehandlung beim Kinderwunsch
Vertiefungsartikel

Spätfolgen Hormonbehandlung Kinderwunsch: Risiken 2026

Welche Langzeitfolgen hat eine Hormontherapie beim Kinderwunsch? Die aktuelle Studienlage verständlich erklärt, mit Entscheidungshilfen.

Ärztin erklärt Patientin Hormonbehandlung Kinderwunsch

Kosten im Überblick

Was dich eine künstliche Befruchtung konkret kostet, hängt von der Methode, der Klinik und deinem Behandlungsplan ab. Hier die Richtwerte:

Methode Kosten pro Zyklus Medikamente Gesamt pro Versuch
IUI 300-800 Euro 100-500 Euro 500-1.500 Euro
IVF 3.000-5.000 Euro 1.000-2.000 Euro 4.000-7.000 Euro
ICSI 4.000-6.500 Euro 1.000-2.000 Euro 5.000-8.500 Euro

Gesetzlich versicherte Paare in Deutschland haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Kostenübernahme: Bei verheirateten Paaren übernimmt die Krankenkasse 50 Prozent der genehmigten Kosten für bis zu drei IVF- oder ICSI-Versuche. Beide Partner müssen mindestens 25 Jahre alt sein, die Frau darf ihren 40., der Mann seinen 50. Geburtstag noch nicht erreicht haben, und es dürfen nur eigene Ei- und Samenzellen verwendet werden. In einigen Bundesländern gibt es zusätzlich Förderprogramme von Bund und Land, die die Eigenbeteiligung weiter senken können. Die Mittel sind allerdings knapp, und die Förderung muss vor Behandlungsbeginn beantragt werden.

In Österreich übernimmt der IVF-Fonds 70 Prozent der Kosten für bis zu vier Versuche, Medikamente inklusive. Voraussetzung ist eine bestimmte medizinische Indikation (eileiterbedingte Sterilität, Endometriose, PCO-Syndrom oder Sterilität des Mannes), außerdem muss die Frau bei Versuchsbeginn jünger als 40 und der Mann jünger als 50 sein. In der Schweiz zahlt die Grundversicherung keine IVF oder ICSI, diese Kosten tragen Paare selbst. Übernommen werden nur Inseminationen (höchstens drei Zyklen pro Schwangerschaft, mit Franchise und Selbstbehalt).

Vertiefungsartikel

Künstliche Befruchtung Kosten 2026: Was TK, AOK & Co. zahlen

IUI ab 200 €, IVF 3.500 bis 6.000 €, ICSI 4.500 bis 7.000 € pro Zyklus. Was die Kasse zahlt (TK, AOK, Barmer), welche Länder fördern und was du absetzen kannst.

Empfangsbereich einer modernen Kinderwunschklinik für künstliche Befruchtung

Präimplantationsdiagnostik (PGT)

Nach wiederholten Fehlgeburten oder bei bekannten genetischen Vorbelastungen kann eine PGT infrage kommen. Dabei werden die Embryonen vor dem Transfer auf chromosomale Auffälligkeiten untersucht.

In Deutschland ist PGT seit 2011 nur unter engen Voraussetzungen erlaubt, und jeder Einzelfall muss vorab von einer Ethikkommission genehmigt werden. Die Kosten tragen Paare selbst. Rechne mit 2.000 bis 5.000 Euro zusätzlich zur IVF/ICSI-Behandlung. Ob eine PGT in deiner Situation sinnvoll ist, klärst du am besten in einer genetischen Beratung, bevor du mit dem Zyklus startest.

Vertiefungsartikel

Präimplantationsdiagnostik Kosten: PGT-A und PID 2026

Was kostet die genetische Untersuchung von Embryonen? PGT-A rund 2.500 bis 4.500 € zusätzlich zur IVF, PID bis zu 20.000 €. Rechtslage in DE, AT und CH.

Genetiker untersucht Biopsie-Probe im Präimplantationsdiagnostik-Labor

Die richtige Klinik finden

Die Klinikwahl ist fast so wichtig wie die Behandlung selbst. Zwischen den Zentren gibt es erhebliche Unterschiede bei den Erfolgsraten. Das liegt am Labor, an der Erfahrung der Ärzte und an der Qualität der Embryo-Kultivierung.

Worauf du bei der Klinikwahl achten solltest:

Frage nach den klinikspezifischen Schwangerschaftsraten, aufgeschlüsselt nach Altersgruppen. Das Deutsche IVF-Register (D.I.R.) veröffentlicht jährlich Daten, die du online einsehen kannst. Achte darauf, wie viele Zyklen die Klinik pro Jahr durchführt, denn Routine im Labor zählt. Frage gezielt nach der Blastozystenrate, denn die verrät dir, wie gut das Labor arbeitet. Kläre auch, ob du einen festen Ansprechpartner hast oder bei jedem Termin jemand anderes vor dir sitzt. Und: Manche Kliniken haben Wartelisten von mehreren Monaten. Frage früh nach.

Alle Kinderwunschkliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz, mit Standortsuche und Filter nach Leistungen, findest du im Klinikfinder.

Künstliche Befruchtung ab 35 und 40

Das Alter ist der wichtigste Faktor für den Erfolg einer Kinderwunschbehandlung. Das ist keine Floskel, sondern biologische Realität.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Klinische Schwangerschafts- und Geburtenrate pro Embryotransfer nach Alter (IVF-Frischzyklen 2019 bis 2023, Deutsches IVF-Register, Jahrbuch 2024):

Alter Schwangerschaftsrate pro Transfer Geburtenrate pro Transfer
bis 29 43,1 % 34,8 %
30 bis 34 39,0 % 30,9 %
35 bis 39 31,9 % 22,8 %
40 24,1 % 14,5 %
41 bis 44 17,1 % 9,3 %

Ab 45 Jahren lag die Geburtenrate 2023 nur noch bei 0,4 Prozent pro Transfer.

Sinnlos ist eine Behandlung ab 35 oder 40 definitiv nicht. Aber du brauchst wahrscheinlich mehr Versuche, und du solltest die Erwartungen realistisch halten.

Frauen ab 35 sollten nicht zu lange warten. Jedes halbe Jahr zählt. Als Faustregel gilt: Wenn du über 35 bist und seit 6 Monaten erfolglos versuchst, schwanger zu werden, lass dich frühzeitig in einer Kinderwunschklinik beraten. Ab 40 solltest du noch früher ärztlichen Rat suchen.

Vertiefungsartikel

Schwanger mit 40, 42, 45: Chancen je Altersjahr

Chancen, Fehlgeburtsrisiko, IVF-Geburtenraten und Kassenregeln für jedes Altersjahr von 35 bis 45, mit Daten des Deutschen IVF-Registers. Für DE, AT, CH.

Zuversichtliche Frau über 40 sitzt am Fenster und denkt über Kinderwunsch nach

Erfolgschancen und Statistiken

Wie stehen deine Chancen konkret? Das hängt von deinem Alter ab, von der Diagnose, der Anzahl gewonnener Eizellen, der Embryo-Qualität und der Erfahrung deiner Klinik.

Kumulative Erfolgsraten

Ein einzelner IVF-Zyklus führt nicht immer zur Schwangerschaft. Was viele nicht wissen: Die Wahrscheinlichkeit steigt mit jedem Versuch deutlich an.

Laut Deutschem IVF-Register lag die kumulative klinische Schwangerschaftsrate (2020 bis 2023) nach einem Transfer bei 33,8 Prozent, nach zwei bei 53,0 Prozent, nach drei bei 63,6 Prozent und nach vier bei 69,0 Prozent. Die Werte hängen stark vom Alter ab.

Auch die gesetzliche Krankenkasse beteiligt sich in Deutschland an bis zu drei Versuchen. Ob danach ein Strategiewechsel sinnvoll ist, besprichst du am besten mit deinem Zentrum.

Faktoren, die den Erfolg beeinflussen

Neben dem Alter spielen folgende Faktoren immer wieder eine Rolle:

Dein AMH-Wert (Anti-Müller-Hormon) verrät, wie viele Eizellen deine Eierstöcke noch bereitstellen. Über 1,0 ng/ml ist günstig, unter 0,5 ng/ml wird es schwieriger. Dein BMI spielt ebenfalls eine Rolle: Starkes Unter- oder Übergewicht senkt die Chancen. Rauchen senkt die Erfolgschancen. Grunderkrankungen wie Endometriose, PCOS oder verschlossene Eileiter verändern die Prognose. Und wenn die Spermienqualität eingeschränkt ist, verbessert ICSI statt IVF die Befruchtungsrate.

Der Ablauf Schritt für Schritt

Ob IUI, IVF oder ICSI: Der Grundablauf ist ähnlich. So sieht ein typischer Behandlungszyklus aus:

Am Anfang steht die Diagnostik: eine ausführliche Anamnese, Blutbilder, Ultraschall und ein Spermiogramm. Das dauert 2 bis 4 Wochen. Danach erstellt die Klinik deinen Behandlungsplan mit Medikamenten und Zeitschema.

Bei IVF und ICSI folgt die hormonelle Stimulation: 8 bis 14 Tage tägliche Spritzen, alle paar Tage Kontrolle in der Klinik. Dann die Eizellentnahme, ein ambulanter Eingriff unter leichter Sedierung, der etwa 15 bis 20 Minuten dauert. Im Labor findet dann die Befruchtung statt, die Embryonen wachsen 2 bis 5 Tage.

Beim Embryotransfer wird der beste Embryo in deine Gebärmutter eingesetzt. Das ist schmerzfrei und braucht keine Narkose. Dann kommen die härtesten 12 bis 14 Tage: Warten auf den Schwangerschaftstest. In dieser Zeit wird die Einnistung mit Progesteron unterstützt.

Von der Erstvorstellung bis zum Testergebnis vergehen insgesamt etwa 2 bis 3 Monate.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen IVF und ICSI?

Bei der IVF werden Eizellen und Spermien im Labor zusammengebracht, und die Befruchtung findet ohne Eingriff statt. Bei ICSI wird ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle injiziert. ICSI wird vor allem bei eingeschränkter Spermienqualität eingesetzt.

Wie schmerzhaft ist eine künstliche Befruchtung?

Die täglichen Hormonspritzen empfinden die meisten Frauen als unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Die Eizellentnahme findet unter Sedierung statt, sodass du währenddessen nichts spürst. Der Embryotransfer ist schmerzfrei. Insgesamt ist der Prozess weniger schmerzhaft, als viele befürchten.

Wie viele Versuche braucht man im Durchschnitt?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Laut Deutschem IVF-Register liegt die kumulative klinische Schwangerschaftsrate nach drei Transfers bei 63,6 Prozent, nach vier bei 69,0 Prozent. Wie viele Versuche du brauchst, hängt vor allem vom Alter und der Diagnose ab.

Wird künstliche Befruchtung von der Krankenkasse bezahlt?

In Deutschland übernehmen gesetzliche Krankenkassen 50 Prozent der genehmigten Kosten für bis zu drei IVF- oder ICSI-Versuche, aber nur bei verheirateten Paaren mit eigenen Ei- und Samenzellen. Bei privaten Krankenversicherungen ist der einzelne Vertrag maßgeblich. In Österreich trägt der IVF-Fonds bei bestimmten Indikationen 70 Prozent. In der Schweiz zahlt die Grundversicherung keine IVF oder ICSI, sondern nur Inseminationen (höchstens drei Zyklen pro Schwangerschaft).

Gibt es ein Höchstalter für künstliche Befruchtung?

In Deutschland gibt es keine gesetzliche Altersgrenze für die Behandlung selbst. Die gesetzliche Krankenkasse beteiligt sich aber nur, wenn beide Partner mindestens 25 Jahre alt sind und die Frau ihren 40., der Mann seinen 50. Geburtstag noch nicht erreicht hat. Viele Kliniken behandeln auch ältere Frauen, raten dann aber zu einer ausführlichen Beratung über realistische Erfolgsaussichten: Ab 45 Jahren lag die Geburtenrate pro Transfer zuletzt bei 0,4 Prozent.

Wie hoch ist das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft?

Weil heute häufiger nur ein einziger Embryo übertragen wird (Single Embryo Transfer, SET), ist die Mehrlingsrate deutlich gesunken. Laut Deutschem IVF-Register lag sie 2023 bei 8,0 Prozent, 2017 waren es in Frischzyklen noch 22,0 Prozent. Nach einem Einzeltransfer bei jungen Frauen mit guter Prognose lag sie bei nur 1,6 Prozent.

Welche Nebenwirkungen hat die Hormonbehandlung?

Häufige Nebenwirkungen sind Völlegefühl, Stimmungsschwankungen und leichte Gewichtszunahme. Ein schweres Überstimulationssyndrom (OHSS) ist selten: Laut Deutschem IVF-Register trat es 2024 in rund 0,2 Prozent der Stimulationen auf. Moderne Protokolle haben dieses Risiko deutlich reduziert.

Kann man zwischen den Zyklen eine Pause machen?

Ja, das ist problemlos möglich. Viele Paare legen zwischen den Zyklen eine Pause von 1 bis 2 Monaten ein, um sich körperlich und seelisch zu erholen. Es gibt keine medizinische Notwendigkeit, die Zyklen unmittelbar hintereinander durchzuführen.

Wie wähle ich die richtige Kinderwunschklinik?

Achte auf die Erfolgsraten (beim Deutschen IVF-Register einsehbar), die Anzahl der jährlich durchgeführten Zyklen, die Laborausstattung und die persönliche Betreuung. Ein unverbindliches Erstgespräch in 2-3 Kliniken hilft bei der Entscheidung.

Gibt es Alternativen zur künstlichen Befruchtung?

Je nach Diagnose kann eine hormonelle Unterstützung des natürlichen Zyklus, eine operative Behandlung (z.B. Endometriose-Sanierung) oder eine Lifestyle-Änderung der erste Schritt sein. Künstliche Befruchtung ist nicht immer der erste und einzige Weg.

Quellen

FR

Über diesen Artikel

Fertilio Redaktion

Die Fertilio Redaktion recherchiert Kinderwunsch-Themen anhand von Fachquellen wie dem Deutschen IVF-Register, medizinischen Leitlinien und Gesetzestexten. Die Quellen stehen jeweils am Ende des Artikels. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Bereit für den nächsten Schritt?

Unser Online-Berater hilft dir, den passenden Anbieter für deinen Kinderwunsch zu finden, in nur 2 Minuten.

Jetzt Berater starten