Als Gynäkologin sehe ich in meiner Praxis täglich Frauen, die mit Endometriose kämpfen und sich ein Kind wünschen. Die Diagnose löst oft Angst aus: "Kann ich überhaupt noch schwanger werden?" Diese Sorge verstehe ich gut. Aber es gibt Grund zur Hoffnung.
Was ist Endometriose
Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der sich Gewebe ähnlich der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter ansiedelt. Diese Herde können überall im Bauchraum auftreten: an den Eierstöcken, Eileitern, im Bauchfell oder sogar am Darm.
Endometrioseherde: Wo sie entstehen
Das versprengte Gewebe verhält sich wie die normale Gebärmutterschleimhaut. Es baut sich während des Zyklus auf. Und blutet während der Menstruation. Problem: Das Blut kann nicht abfließen.
Die häufigsten Lokalisationen:
- Eierstöcke (Endometriome oder "Schokoladenzysten")
- Eileiter und Eileiterfimbrien
- Bauchfell im kleinen Becken
- Gebärmutterband (Ligamentum sacrouterinum)
- Blase und Darm (seltener)
Symptome erkennen
Viele meiner Patientinnen berichten von starken Regelschmerzen. Diese haben sie für "normal" gehalten. Typische Anzeichen sind:
- Starke Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhoe)
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Chronische Unterbauchschmerzen
- Unregelmäßige oder sehr starke Blutungen
- Verdauungsprobleme während der Periode
Prävalenz und Dunkelziffer
Etwa 10-15% aller Frauen im gebärfähigen Alter sind betroffen. Bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch steigt die Rate auf 25-50%. Die Dunkelziffer ist hoch. Viele Fälle bleiben unentdeckt.
Wie beeinflusst Endometriose die Fruchtbarkeit
Hier komme ich zur zentralen Frage: Ja, du kannst mit Endometriose schwanger werden! Die Fruchtbarkeit ist allerdings oft eingeschränkt. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei etwa 2-10% pro Zyklus (verglichen mit 15-20% bei gesunden Frauen).
Mechanismen der Fruchtbarkeitsstörung
Endometriose beeinträchtigt die Fruchtbarkeit auf mehreren Ebenen. Das macht sie so tückisch.
Mechanische Störungen: Verwachsungen können die Eileiter verkleben. Oder verzerren. Die Eiaufnahme wird erschwert. Endometriome an den Eierstöcken können das gesunde Eierstockgewebe verdrängen.
Hormonelle Dysbalance: Die Erkrankung verändert das hormonelle Milieu. Progesteron-Resistenz kann entstehen. Die Einnistung wird dadurch erschwert.
Entzündliche Prozesse
Chronische Entzündungen im kleinen Becken beeinträchtigen:
- Die Eizellqualität
- Den Spermientransport
- Die Befruchtungsfähigkeit
- Das Implantationsgeschehen
Immunologische Faktoren: Das Immunsystem ist bei Endometriose oft verändert. Entzündungsmediatoren wie Zytokine können die Befruchtung stören. Antikörper gegen Eierstockgewebe sind möglich.
Auswirkungen auf die Eizellenreserve
Besonders Endometriome können problematisch sein. Sie können:
- Gesundes Eierstockgewebe verdrängen
- Die ovarielle Reserve verringern
- Die Hormonproduktion beeinträchtigen
- Nach Operationen weitere Schäden verursachen

Endometriose-Stadien und Schwangerschaftschancen
Die Klassifikation erfolgt nach dem rASRM-Score (revised American Society for Reproductive Medicine). Er teilt Endometriose in vier Stadien ein. Basis: Größe und Tiefe der Herde sowie das Ausmaß der Verwachsungen.
Stadium I: Minimale Endometriose
Charakteristika:
- Wenige, oberflächliche Implantate
- Keine oder minimale Verwachsungen
- Gesamtpunktzahl: 1-5 Punkte
Schwangerschaftschancen: Die Fruchtbarkeit ist nur leicht eingeschränkt. Spontane Schwangerschaften sind häufig möglich. Die monatliche Konzeptionsrate liegt bei etwa 8-10%.
Stadium II: Leichte Endometriose
Charakteristika:
- Mehrere oberflächliche Implantate
- Minimale Verwachsungen
- Gesamtpunktzahl: 6-15 Punkte
Schwangerschaftschancen: Die Fruchtbarkeit ist mäßig beeinträchtigt. Mit gezielter Behandlung sind die Aussichten gut. Die Konzeptionsrate beträgt etwa 6-8% pro Zyklus.
Stadium III: Mäßige Endometriose
Charakteristika:
- Viele tiefe Implantate
- Endometriome an einem oder beiden Eierstöcken
- Deutliche Verwachsungen
- Gesamtpunktzahl: 16-40 Punkte
Schwangerschaftschancen: Die Fruchtbarkeit ist deutlich eingeschränkt. Operation und medikamentöse Behandlung sind oft notwendig. Reproduktionsmedizin wird häufiger benötigt.
Stadium IV: Schwere Endometriose
Charakteristika:
- Ausgedehnte tiefe Implantate
- Große Endometriome
- Starke Verwachsungen
- Gesamtpunktzahl: über 40 Punkte
Schwangerschaftschancen: Die Fruchtbarkeit ist stark beeinträchtigt. Die spontane Konzeptionsrate liegt unter 2%. Meist ist eine komplexe Behandlung erforderlich.
| Stadium | Charakteristika | Monatliche Konzeptionsrate | Behandlungsansatz |
|---|---|---|---|
| I | Minimale Herde | 8-10% | Abwartendes Verhalten möglich |
| II | Leichte Ausprägung | 6-8% | Hormonelle Stimulation |
| III | Mäßige Endometriose | 4-6% | Operation + Reproduktionsmedizin |
| IV | Schwere Form | <2% | Komplexe Therapie erforderlich |
Besonderheit: Adenomyose
Adenomyose wird oft als "innere Endometriose" bezeichnet. Hier wächst endometriumartiges Gewebe in die Gebärmuttermuskulatur. Die Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit sind ähnlich. Aber oft noch ausgeprägter.

Diagnose bei Kinderwunsch
Eine frühe und präzise Diagnose ist entscheidend für den Behandlungserfolg. In meiner Praxis kombiniere ich verschiedene Untersuchungsmethoden.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Gezielte Anamnese:
- Schmerzcharakteristik und -lokalisation
- Zyklusabhängigkeit der Beschwerden
- Dauer der Kinderlosigkeit
- Sexualanamnese (Dyspareunie)
- Familienanamnese
Gynäkologische Untersuchung: Bei der Tastuntersuchung kann ich teilweise Knoten oder Verhärtungen ertasten. Besonders im Bereich der Uterosacralligamente. Oder im Douglas-Raum.
Ultraschalldiagnostik
Transvaginaler Ultraschall: Die erste bildgebende Untersuchung. Endometriome sind oft gut darstellbar als echoarme Zysten mit typischem "Milchglas"-Inhalt.
Spezielle Ultraschalltechniken:
- 3D/4D-Ultraschall für bessere Darstellung
- Doppler-Sonographie zur Durchblutungsbeurteilung
- Hydro-Salpingographie bei Eileiterverdacht
Magnetresonanztomographie (MRT)
Das MRT ist der Goldstandard für die Darstellung tiefer Endometriose. Besonders wichtig bei:
- Verdacht auf Darmbefall
- Blasenendometriose
- Ausgedehnten Verwachsungen
- Operationsplanung
Labordiagnostik
CA-125: Dieser Tumormarker ist bei Endometriose oft erhöht. Werte über 35 U/ml können ein Hinweis sein. Allerdings ist er nicht spezifisch.
Anti-Müller-Hormon (AMH): Zur Beurteilung der ovariellen Reserve. Bei Endometriomen oft erniedrigt.
Weitere Parameter:
- FSH und LH
- Östradiol und Progesteron
- Schilddrüsenhormone
- Prolaktin
Laparoskopie als Goldstandard
Die Bauchspiegelung bleibt die sicherste Diagnosemethode. Gleichzeitig kann behandelt werden.
Vorteile der Laparoskopie:
- Direkte Sicht auf alle Organe
- Entnahme von Gewebeproben
- Sofortige operative Therapie möglich
- Beurteilung der Eileiterdurchgängigkeit
Behandlungsmoeglichkeiten: Medikamentoes und operativ
Die Behandlung folgt einem stufenweisen Konzept. Ich beginne meist mit weniger invasiven Methoden und steigere bei Bedarf.
Hormonelle Therapieansätze
GnRH-Analoga: Die stärksten Medikamente in der Endometriose-Therapie. Sie versetzen die Frau in eine künstliche Menopause.
Wirkmechanismus: Die Hypophyse wird gehemmt. Die Östrogenproduktion sinkt drastisch. Endometriose-Herde bilden sich zurück.
Anwendung: 3-6 Monate Therapiedauer. Spritzen oder Nasenspray verfügbar. Add-back-Therapie mit niedrig dosiertem Östrogen möglich.
Nebenwirkungen: Wechseljahrsbeschwerden, Knochendichteverlust, Stimmungsveränderungen.
Gestagene als Dauertherapie
Dienogest: Ein modernes Gestagen mit anti-androgenen Eigenschaften. Besonders gut verträglich.
Dosierung: 2 mg täglich kontinuierlich Vorteile: Weniger Nebenwirkungen als GnRH-Analoga Nachteile: Verhütende Wirkung während der Behandlung
Levonorgestrel-IUS (Mirena-Spirale): Lokale Gestagenabgabe direkt in die Gebärmutter. Besonders bei Adenomyose wirksam.
Aromatase-Hemmer
Bei therapieresistenter Endometriose. Hemmen die lokale Östrogenproduktion in den Herden.
Anwendung: Letrozol 2,5 mg täglich Kombination: Meist mit Gestagenen Überwachung: Regelmäßige Knochendichtemessung
Operative Therapie
Laparoskopische Entfernung: Der Goldstandard bei symptomatischer Endometriose mit Kinderwunsch.
Vorgehensweise:
- Vollständige Entfernung aller sichtbaren Herde
- Lösung von Verwachsungen
- Wiederherstellung der anatomischen Verhältnisse
- Schonung des gesunden Eierstockgewebes
Endometriome-Behandlung: Hier ist Vorsicht geboten. Die Operation kann die ovarielle Reserve schädigen.
Optionen:
- Zystektomie (komplette Entfernung)
- Drainage und Koagulation
- Sklerotherapie mit Alkohol
Operative Techniken im Detail
Excision vs. Ablation:
- Excision: Vollständige Entfernung der Herde
- Ablation: Oberflächliche Zerstörung durch Hitze oder Kälte
- Excision ist meist nachhaltiger
Nervenschonende Techniken: Bei tiefer Endometriose wichtig zur Erhaltung der Organfunktion.
Adhäsiolyse: Lösung von Verwachsungen zur Wiederherstellung der Anatomie. Besonders wichtig für die Eileiterfunktion.

IVF und ICSI bei Endometriose
Wenn konservative Behandlungen nicht ausreichen, ist die Reproduktionsmedizin oft der nächste Schritt. Die Erfolgsraten sind bei Endometriose etwas geringer. Aber durchaus vielversprechend.
Wann ist IVF/ICSI indiziert?
Absolute Indikationen:
- Verschlossene oder schwer geschädigte Eileiter
- Schwere männliche Subfertilität zusätzlich
- Erfolglosigkeit anderer Behandlungen nach 6-12 Monaten
- Alter über 35 Jahre mit geringerer ovarieller Reserve
Relative Indikationen:
- Endometriose Stadium III-IV
- Mehrere erfolglose IUI-Versuche
- Zusätzliche Fruchtbarkeitsstörungen
Besonderheiten bei der Stimulation
Protokollwahl: Bei Endometriose verwende ich oft modifizierte Protokolle.
Long-Protokoll: Klassisches GnRH-Agonisten-Protokoll Antagonisten-Protokoll: Flexibler, weniger Nebenwirkungen Mikro-Flare-Protokoll: Bei schlechten Respondern
Stimulationsmedikamente:
- FSH-Präparate (rekombinant oder urinär)
- LH-Zusatz bei älteren Patientinnen
- Niedrigere Startdosen oft sinnvoll
Erfolgsraten und Prognose
Die Schwangerschaftsraten bei IVF/ICSI mit Endometriose:
Stadium I-II:
- Schwangerschaftsrate pro Transfer: 35-40%
- Geburtenrate: 25-30%
- Vergleichbar mit anderen Indikationen
Stadium III-IV:
- Schwangerschaftsrate pro Transfer: 25-35%
- Geburtenrate: 20-25%
- Etwas niedrigere Raten, aber durchaus erfolgreich
Komplikationen und Risiken
Ovarielle Stimulation: Bei Endometriomen erhöhtes Risiko für:
- Zystenruptur
- Infektion
- Überstimulationssyndrom
Punktion: Erschwerte Follikelpunktion bei:
- Verwachsungen
- Ungünstiger Lage der Ovarien
- Endometriomen
Kombinierte Behandlungsstrategien
Präoperative IVF: Bei großen Endometriomen manchmal sinnvoll:
- Erst Eizellgewinnung
- Dann operative Sanierung
- Anschließend Embryotransfer
Adjuvante Therapien:
- Endometrium-Scratching
- Immunmodulation
- Thromboseprophylaxe
Die ICSI vs. IVF Entscheidung hängt auch von der Spermienqualität ab. Bei zusätzlichen männlichen Faktoren ist ICSI oft die bessere Wahl.
Adenomyose als Sonderform
Adenomyose wird oft übersehen. Ist aber bei Kinderwunschpatientinnen besonders relevant. Etwa 20-25% aller Frauen mit Endometriose haben zusätzlich eine Adenomyose.
Definition und Pathophysiologie
Bei Adenomyose wächst endometriumartiges Gewebe in die Gebärmuttermuskulatur (Myometrium). Die Gebärmutter verdickt sich. Wird größer und schmerzhaft.
Formen der Adenomyose:
- Diffuse Form: Gleichmäßige Durchsetzung des Myometriums
- Fokale Form: Umschriebene Adenomyome
- Oberflächliche Form: Nur oberflächliche Schichten betroffen
Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit
Adenomyose beeinträchtigt die Fruchtbarkeit stärker als Endometriose:
Implantationsstörungen:
- Veränderte Gebärmutterkontraktionen
- Gestörte Durchblutung des Endometriums
- Entzündliche Veränderungen
Erhöhte Abortrate: Das Fehlgeburtsrisiko ist bei Adenomyose deutlich erhöht. Bis zu 50% der Schwangerschaften enden vorzeitig.
Diagnostik der Adenomyose
Transvaginaler Ultraschall:
- Verdickte Gebärmutterwand
- Unregelmäßige Echostruktur
- Zystische Einschlüsse
- Asymmetrie der Gebärmutterwände
MRT: Der Goldstandard für die Adenomyose-Diagnostik.
- Signalveränderungen in T2-gewichteten Sequenzen
- Dickenmessung der Junctional Zone
- Abgrenzung zu Myomen
Behandlungsoptionen
Konservative Therapie:
- GnRH-Analoga für 3-6 Monate
- Levonorgestrel-IUS (besonders effektiv)
- Dienogest kontinuierlich
Operative Verfahren:
- Endometriumablation (bei abgeschlossener Familienplanung)
- Uterine Arterien-Embolisation
- Hysterektomie als Ultima Ratio
Reproduktionsmedizin: IVF/ICSI oft notwendig. Erfolgsraten sind geringer als bei isolierter Endometriose.
Prognose bei Kinderwunsch
Die Prognose ist schlechter als bei Endometriose allein:
- Spontane Konzeptionsrate unter 5%
- IVF-Erfolgsrate um 10-15% niedriger
- Höhere Komplikationsrate in der Schwangerschaft

Kosten und Kassenuebername in DE AT CH
Die Finanzierung der Endometriose-Behandlung unterscheidet sich erheblich zwischen den DACH-Ländern. Ein Überblick über die wichtigsten Regelungen.
Deutschland: Gesetzliche und private Krankenversicherung
Diagnostik: Alle diagnostischen Maßnahmen werden von den Krankenkassen übernommen:
- Ultraschalluntersuchungen
- MRT bei entsprechender Indikation
- Laparoskopie zur Diagnosestellung
- Laboruntersuchungen
Medikamentöse Therapie:
- GnRH-Analoga: Vollständige Kostenübernahme
- Gestagene: Rezeptpflichtig, Zuzahlung 5-10€
- Aromatase-Hemmer: Off-Label-Use, meist Kostenübernahme nach Antrag
Operative Behandlung: Laparoskopische Eingriffe werden vollständig übernommen. Bei Kombinationseingriffen können Zusatzkosten entstehen.
Reproduktionsmedizinische Behandlung
IVF/ICSI-Zyklen:
- 3 Versuche zu 50% bei verheirateten Paaren
- Altersgrenze: Frau 25-39 Jahre, Mann bis 49 Jahre
- Eigenanteil: 1.500-2.500€ pro Zyklus
Zusätzliche Leistungen:
- ICSI-Zuschlag: 500-800€ pro Zyklus
- Blastozystenkultur: 200-400€
- Kryokonservierung: 300-600€ pro Jahr
Mehr Details zur Kostenerstattung findest du in unserem AOK Kinderwunsch Guide.
Österreich: Sozialversicherung
Allgemeine Regelungen: Die österreichische Sozialversicherung übernimmt Endometriose-Behandlungen großzügiger als Deutschland.
Diagnostik und Therapie:
- Vollständige Kostenübernahme für alle Untersuchungen
- Medikamente mit geringer Rezeptgebühr
- Operative Eingriffe ohne Eigenanteil
IVF-Fonds:
- 70% Kostenübernahme für 4 Versuche
- Altersgrenze: bis 39 Jahre (40. Geburtstag)
- Voraussetzung: Österreichischer Hauptwohnsitz
- Eigenanteil: etwa 800-1.200€ pro Zyklus
Besonderheiten:
- Unverheiratete Paare gleichberechtigt
- Behandlung im Ausland möglich (EU-weit)
- Wartelisten deutlich kürzer als in Deutschland
Schweiz: Grundversicherung und Zusatzversicherungen
Grundversicherung (KVG): Die obligatorische Krankenversicherung übernimmt:
- Diagnostische Maßnahmen vollständig
- Medikamentöse Therapie mit Selbstbehalt
- Operative Eingriffe nach Kostengutsprache
Selbstbehalt und Franchise:
- Jährliche Franchise: 300-2.500 CHF
- Selbstbehalt: 10% bis maximal 700 CHF/Jahr
- Spitalaufenthalte: Zusätzliche Kosten möglich
Reproduktionsmedizin in der Schweiz
Kostenübernahme:
- Grundversicherung: Nur diagnostische Abklärung
- IVF/ICSI: Keine Kassenleistung
- Vollständige Selbstzahlung notwendig
Behandlungskosten:
- IVF-Zyklus: 8.000-12.000 CHF
- ICSI-Zyklus: 9.000-13.000 CHF
- Medikamente: 1.500-3.000 CHF zusätzlich
Zusatzversicherungen: Manche Zusatzversicherungen übernehmen Teile der Kosten:
- Behandlungskostenpauschalen
- Medikamentenzuschüsse
- Spitalzusatzversicherung für Komfort
Kostenvergleich DACH-Region
| Land | Diagnostik | Operation | IVF-Zyklus | Medikamente |
|---|---|---|---|---|
| Deutschland | Vollständig | Vollständig | 1.500-2.500€ | 5-10€ |
| Österreich | Vollständig | Vollständig | 800-1.200€ | Rezeptgebühr |
| Schweiz | Vollständig | Nach Gutsprache | 8.000-12.000 CHF | Selbstbehalt |
Antragstellung und Bewilligung
Deutschland: Bei besonderen Behandlungen Kostenvoranschlag einreichen. Bearbeitungszeit: 2-4 Wochen.
Österreich: IVF-Fonds-Antrag vor Behandlungsbeginn. Online-Antragstellung möglich.
Schweiz: Kostengutsprache bei der Krankenkasse beantragen. Detaillierter Arztbericht erforderlich.
Haeufige Fragen
Kann man mit Endometriose auf natürlichem Weg schwanger werden?
Ja, das ist durchaus möglich! Etwa 60-70% der Frauen mit leichter Endometriose werden auch ohne Behandlung schwanger. Selbst bei moderater Endometriose schaffen es noch etwa 40-50%.
Die Wahrscheinlichkeit hängt stark vom Stadium ab. Bei Stadium I und II sind spontane Schwangerschaften häufig. Bei Stadium III und IV wird es schwieriger. Aber nicht unmöglich.
Lass dich nicht entmutigen! Ich habe schon viele Patientinnen erlebt, die trotz ausgeprägter Endometriose spontan schwanger wurden. Manchmal braucht es nur etwas mehr Zeit und Geduld.
Welches Endometriose-Stadium ist am schlimmsten für die Fruchtbarkeit?
Stadium IV ist am problematischsten für den Kinderwunsch. Hier sind die Verwachsungen oft so ausgeprägt, dass die Eileiter komplett verschlossen sind. Die monatliche Konzeptionsrate liegt unter 2%.
Aber Achtung: Das Stadium korreliert nicht immer mit der Symptomstärke! Ich habe Patientinnen mit Stadium I, die starke Schmerzen haben. Und andere mit Stadium IV, die kaum Beschwerden spüren.
Entscheidend für die Fruchtbarkeit ist besonders:
- Der Zustand der Eileiter
- Die ovarielle Reserve
- Das Ausmaß der Verwachsungen
- Die Lokalisation der Herde
Verschlechtert sich Endometriose während der Schwangerschaft?
Nein, meist passiert das Gegenteil! Schwangerschaft wirkt oft wie eine natürliche Therapie gegen Endometriose. Die hohen Progesteronspiegel hemmen das Wachstum der Herde.
Viele meiner Patientinnen berichten von deutlich weniger Schmerzen während der Schwangerschaft. Nach der Geburt können die Beschwerden zurückkehren. Sind aber oft milder als vorher.
Allerdings gibt es Ausnahmen:
- Sehr seltene maligne Entartung möglich
- Blutungen aus Endometrioseherden
- Bei Adenomyose können Komplikationen häufiger auftreten
Sollte man vor einer IVF operieren lassen?
Das ist eine der schwierigsten Entscheidungen in der Endometriose-Behandlung. Es gibt keine pauschale Antwort, jeder Fall muss individuell beurteilt werden.
Operation sinnvoll bei:
- Großen Endometriomen über 4 cm
- Starken Schmerzen
- Verdacht auf Eileiterschädigung
- Hydrosalpinx (wassergefüllte Eileiter)
Operation eher vermeiden bei:
- Geringer ovarieller Reserve (AMH unter 1 ng/ml)
- Mehrfach voroperierten Eierstöcken
- Alter über 38 Jahren
- Stadium I-II ohne Symptome
Die IUI Behandlung ist manchmal eine gute Alternative vor dem Schritt zur IVF.
Kann Endometriose nach einer Schwangerschaft wiederkommen?
Ja, das ist möglich. Schwangerschaft heilt Endometriose nicht dauerhaft (auch wenn sie die Symptome vorübergehend lindert).
Nach der Geburt normalisieren sich die Hormonspiegel wieder. Endometrioseherde können dann erneut aktiv werden. Bei etwa 30-50% der Frauen kehren die Beschwerden innerhalb von 2 Jahren zurück.
Präventive Maßnahmen:
- Langes Stillen kann protektiv wirken
- Hormonelle Kontrazeption nach Familienabschluss
- Regelmäßige gynäkologische Kontrollen
Positive Aspekte:
- Oft milderer Verlauf als vor der Schwangerschaft
- Manche Frauen bleiben dauerhaft beschwerdefrei
- Zweite Schwangerschaft oft leichter zu erreichen
Welche Rolle spielt das Alter bei Endometriose und Kinderwunsch?
Das Alter ist ein entscheidender Faktor, der oft unterschätzt wird. Endometriose und Alter wirken additiv. Beide reduzieren die Fruchtbarkeit.
Unter 30 Jahren:
- Auch bei Stadium III-IV noch gute Chancen
- Zeit für konservative Therapieversuche
- Spontane Schwangerschaften häufiger möglich
30-35 Jahre:
- Goldenes Zeitfenster für reproduktionsmedizinische Behandlung
- Operation und IVF oft erfolgreich kombinierbar
- Gute Eizellqualität trotz Endometriose
Über 35 Jahre:
- Dringlichkeit steigt deutlich
- Aggressivere Behandlungsstrategien nötig
- Erfolgsraten sinken (aber durchaus noch Erfolg möglich)
Über 40 Jahre:
- Meist IVF/ICSI mit Eizellspende erforderlich
- Risiken in der Schwangerschaft erhöht
- Individuelle Beratung besonders wichtig
Die Kombination aus Endometriose und fortgeschrittenem Alter macht eine umfassende Beratung unerlässlich. Informiere dich auch über die Behandlungsmöglichkeiten ab 35.
Endometriose und Kinderwunsch? Das muss kein Widerspruch sein. Mit der richtigen Diagnostik und zielgerichteten Therapie lassen sich auch bei ausgeprägten Befunden oft gute Erfolge erzielen. Wichtig ist, dass du nicht aufgibst. Und dir die Unterstützung