Teil unseres Ratgebers: Unerfüllter Kinderwunsch

Viele Frauen mit Endometriose wünschen sich ein Kind. Die Diagnose löst oft Angst aus: "Kann ich überhaupt noch schwanger werden?" Diese Sorge ist gut nachvollziehbar. Die Studienlage gibt eine ehrliche Antwort: Ja, eine Schwangerschaft ist mit Endometriose möglich, auf natürlichem Weg und mit Kinderwunschbehandlung. Wie gut die Chancen stehen, hängt aber weniger vom Stadium ab als von deinem Alter, deinen Eileitern, deiner Eizellreserve und davon, wie lange ihr es schon versucht.

In diesem Ratgeber findest du, was die drei wichtigsten Leitlinien empfehlen: die europäische Leitlinie der ESHRE (2022), die deutschsprachige S2k-Leitlinie AWMF 015-045 der Fachgesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (Version 5.1, gültig seit April 2025) und die britische Leitlinie NICE NG73 (zuletzt aktualisiert 2024). Wo sie sich widersprechen, nennen wir beide Seiten. Jede medizinische Zahl stammt aus einer Studie, einer Leitlinie oder einem Register, und wir sagen dazu, an wem und wie gemessen wurde.

Auf einen Blick: Endometriose und Kinderwunsch

  • Ohne Behandlung: Bei minimaler oder leichter Endometriose hatten in einer kanadischen Studie 17,7 % der Frauen innerhalb von 36 Wochen eine Schwangerschaft, die mindestens 20 Wochen bestand. Nach Entfernung der Herde waren es 30,7 % (Marcoux 1997, 341 Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch).
  • Nach IVF oder ICSI: Die Lebendgeburtenrate pro Frau ist insgesamt ähnlich wie ohne Endometriose, bei schwerer Endometriose niedriger (Hamdan 2015, 36 Studien).
  • Hormontherapie: ESHRE, AWMF und NICE raten bei aktuellem Kinderwunsch davon ab. Ein Fertilitätsnutzen ist nicht nachgewiesen (AWMF).
  • Endometriom: Jede Operation senkt das AMH. Vor einer IVF empfiehlt die ESHRE keine routinemäßige Operation.
  • Adenomyose: Nach IVF ist die Lebendgeburtenrate niedriger, Fehlgeburten sind etwa doppelt so häufig (Cozzolino 2022, Vercellini 2014).

So liest du die Studienwerte: Viele Ergebnisse werden als Odds Ratio (OR) oder relatives Risiko (RR) angegeben. Ein Wert von 1 bedeutet: kein Unterschied zur Vergleichsgruppe. Werte unter 1 heißen seltener, Werte über 1 häufiger. In Klammern steht das 95-%-Konfidenzintervall. Schließt es die 1 ein, ist der Unterschied statistisch nicht gesichert.

Was ist Endometriose

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der sich Gewebe ähnlich der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter ansiedelt. Diese Herde können überall im Bauchraum auftreten: am Bauchfell, an den Eierstöcken, an den Haltebändern der Gebärmutter oder sogar am Darm. Wächst solches Gewebe in die Muskelschicht der Gebärmutter, spricht man von Adenomyose. Die deutsche Leitlinie führt sie als Endometriose des Uterus (ICD-10 N80.0). Ihr ist unten ein eigener Abschnitt gewidmet.

Endometrioseherde: Wo sie entstehen

Das versprengte Gewebe verhält sich ähnlich wie die normale Gebärmutterschleimhaut. Es baut sich während des Zyklus auf und blutet während der Menstruation. Das Blut kann aber nicht abfließen.

Laut AWMF-Leitlinie sind in abnehmender Häufigkeit befallen:

  • das Bauchfell im kleinen Becken (Beckenperitoneum)
  • die Eierstöcke, dort oft als Zysten (Endometriome, auch "Schokoladenzysten" genannt)
  • die Haltebänder der Gebärmutter (Ligamenta sacrouterina)
  • das Gewebe zwischen Scheide und Enddarm (Septum rectovaginale) und das hintere Scheidengewölbe
  • Organe außerhalb des Genitals, etwa Blase und Darm

Wie oft die Eileiter selbst befallen sind, ist nicht bekannt. Verwachsungen können sie aber einengen oder verziehen. Wachsen Herde tiefer in das Gewebe ein, etwa in die Wand von Darm oder Blase, sprechen Fachleute von tief infiltrierender Endometriose (TIE).

Symptome erkennen

Viele Betroffene haben starke Regelschmerzen lange für "normal" gehalten. Typische Anzeichen sind:

  • Starke Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhoe)
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Chronische Unterbauchschmerzen
  • Unregelmäßige oder sehr starke Blutungen
  • Verdauungsprobleme während der Periode
  • Unerfüllter Kinderwunsch: Die AWMF-Leitlinie zählt Sterilität ausdrücklich zu den Leitsymptomen (Empfehlung 3.E7)

Beschwerden sind aber keine Voraussetzung. In einer belgischen Studie wurde bei 40 % der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, die keine Schmerzen hatten, bei der Bauchspiegelung trotzdem eine Endometriose gefunden (Meuleman 2009, 108 Frauen ohne Schmerzen).

Schmerzen beim Sex können das Schwangerwerden zusätzlich erschweren, schlicht weil Verkehr seltener möglich ist. Die Leitlinie empfiehlt deshalb, mögliche sexuelle Probleme in der Sprechstunde aktiv zu erfragen (AWMF 3.E11). Du kannst das Thema also ruhig selbst ansprechen, es gehört zur Untersuchung dazu.

Wie häufig ist Endometriose?

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass etwa 10 % der Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter betroffen sind, weltweit rund 190 Millionen (WHO 2025). Die deutsche Leitlinie hält eine verlässliche Schätzung wegen der sehr unterschiedlichen Studien für nicht möglich (AWMF 1.S1). In deutschen Krankenversicherungsdaten ist die Diagnose pro Jahr bei 0,66 % der versicherten Frauen dokumentiert (2019, nach 0,53 % im Jahr 2010). In einer Befragung aus Kanada lag der Anteil über die Lebenszeit bei 7,0 %. Viele Fälle bleiben lange unerkannt. Wie viele genau, weiß niemand.

Bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch ist Endometriose deutlich häufiger. Die WHO nennt 25 bis 50 %, die AWMF-Leitlinie "bis zu 50 %". In der belgischen Studie mit 221 Frauen mit regelmäßigem Zyklus und unauffälligem Spermiogramm des Partners fand die Bauchspiegelung bei 47 % eine Endometriose. Davon waren 39 % im Stadium I, 24 % im Stadium II, 14 % im Stadium III und 23 % im Stadium IV (Meuleman 2009, retrospektive Fallserie eines spezialisierten Zentrums).

Im Deutschen IVF-Register wurde Endometriose 2024 bei 3.445 von 23.168 Indikationsangaben zur IVF (14,9 %) und bei 4.917 von 53.861 Indikationsangaben zur ICSI (9,1 %) genannt. Pro Behandlung sind mehrere Angaben möglich, die Werte sind also keine Anteile an allen Zyklen.

Wie beeinflusst Endometriose die Fruchtbarkeit

Damit zur zentralen Frage: Ja, du kannst mit Endometriose schwanger werden. Die Fruchtbarkeit ist aber oft eingeschränkt. Wie stark, lässt sich schwer in eine Zahl fassen. Ältere Übersichten nennen für unbehandelte Endometriose eine Chance von 2 bis 10 % pro Monat, bei Paaren ohne Fruchtbarkeitsprobleme 15 bis 20 %. Schon die US-Fachgesellschaft ASRM schrieb 2012, dass sich das wegen der großen Spannweite in der Literatur kaum beziffern lässt.

Belastbarer ist eine randomisierte Studie aus Kanada. Bei Frauen mit minimaler oder leichter Endometriose, deren Herde nur festgestellt und nicht entfernt wurden, kam es zu 2,4 Schwangerschaften pro 100 Beobachtungsmonate. Nach Entfernung der Herde waren es 4,7 (Marcoux 1997). Gezählt wurden nur Schwangerschaften, die mindestens 20 Wochen bestanden.

Mechanismen der Fruchtbarkeitsstörung

Endometriose kann die Fruchtbarkeit auf mehreren Ebenen beeinträchtigen. Nicht alles davon ist gleich gut belegt.

Mechanische Störungen: Verwachsungen können die Eileiter verkleben oder verziehen. Die Aufnahme der Eizelle wird erschwert. Endometriome an den Eierstöcken können gesundes Eierstockgewebe verdrängen. Diese anatomischen Veränderungen nennt die AWMF-Leitlinie als Ursache.

Entzündliche Prozesse: Diskutiert wird, ob eine Überproduktion von Entzündungsbotenstoffen wie Prostaglandinen, Zytokinen und Chemokinen die Eizellreifung, die Eizellqualität und die Einnistung stört (AWMF 015-045, Kap. 7.2). Die Leitlinie verwendet bewusst das Wort "diskutiert". Eine gesicherte Ursachenkette ist das nicht.

Empfänglichkeit der Gebärmutter: Ebenfalls diskutiert wird, ob die Gebärmutterschleimhaut bei Endometriose weniger empfänglich ist, etwa durch eine Resistenz gegen Progesteron. Das ist bisher eine Hypothese. Daten aus der Eizellspende sprechen höchstens für einen kleinen Effekt: In US- und britischen Registerdaten mit 162.082 Zyklen war die Lebendgeburtenrate bei Empfängerinnen mit Endometriose geringfügig niedriger (OR 0,89; 0,81 bis 0,97). In einer Metaanalyse veröffentlichter Studien mit 7.212 Zyklen zeigte sich kein gesicherter Unterschied (Paffoni 2024).

Auswirkungen auf Eizellen und Eizellreserve

Bei einer IVF werden bei Frauen mit Endometriose im Mittel etwa 2 Eizellen weniger gewonnen (Hamdan 2015). Die Embryonen, die daraus entstehen, sehen unter dem Mikroskop aber nicht schlechter aus. Eine Metaanalyse von 22 Studien fand keinen Unterschied im Anteil hochwertiger Embryonen (RR 1,00; 0,94 bis 1,06), auch nicht im Stadium III oder IV (Dongye 2021).

Besonders Endometriome betreffen die Eizellreserve. Sie können gesundes Gewebe verdrängen, und jede Operation an einem Endometriom senkt den AMH-Wert. Was das für die Entscheidung bedeutet, liest du im Abschnitt Endometriom-Operation und AMH.

Ultraschall-Diagnostik bei Endometriose in einer modernen Kinderwunschklinik

Chancen ohne Behandlung

Viele Paare fragen sich zuerst, ob es auch ohne Operation und ohne Kinderwunschbehandlung klappen kann. Bei einem Teil der Frauen klappt es. Die besten Daten stammen aus den Kontrollgruppen randomisierter Studien, also von Frauen, deren Herde bei der Bauchspiegelung nur festgestellt, aber nicht entfernt wurden.

Studie Wer wurde untersucht Zeitraum Schwangerschaft ohne Behandlung der Herde
Marcoux 1997, Kanada (randomisiert) 169 Frauen von 20 bis 39 Jahren mit minimaler oder leichter Endometriose und unerfülltem Kinderwunsch 36 Wochen 17,7 % (Schwangerschaft von mindestens 20 Wochen); nach Entfernung der Herde 30,7 %
Parazzini 1999, Italien (randomisiert) 96 auswertbare Frauen bis 36 Jahre, Stadium I oder II, mindestens 2 Jahre Kinderwunsch 1 Jahr 29 % Schwangerschaften, 22,2 % Geburten; nach Entfernung 24 % und 19,6 %
Larraín 2026 (Metaanalyse, 48 Beobachtungsstudien) 5.963 Frauen mit Darmendometriose und Kinderwunsch, nicht alle mit gesicherter Unfruchtbarkeit kumulativ 36 % ohne Operation (95-%-Konfidenzintervall 15 bis 57 %)

Wichtig für die Einordnung: Bei Marcoux und Parazzini hatten alle Frauen bereits einen unerfüllten Kinderwunsch, bei Larraín nur ein Teil. Die Studien liefen über Monate. Für dich persönlich kann die Chance höher oder niedriger liegen. Sie hängt stark vom Alter, von den Eileitern und vom Partner ab.

Wie lange abwarten?

Ein belegtes Zeitfenster, etwa "nach der Operation sechs Monate probieren", nennt keine Leitlinie. Die AWMF-Leitlinie empfiehlt, über den Einfluss des Alters aufzuklären (Empfehlung 7.E60). Die US-Fachgesellschaft ASRM rät, bei bekannter Endometriose nicht das übliche Jahr abzuwarten, sondern die Abklärung gleich zu beginnen (ASRM 2021). Wie diese Abklärung abläuft und was sie kostet, liest du im Ratgeber Unerfüllter Kinderwunsch.

Wurde bei dir bereits operiert, lässt sich die Chance genauer schätzen: mit dem Endometriosis Fertility Index.

Diagnose bei Kinderwunsch

Eine sorgfältige Diagnose ist die Grundlage für jede Entscheidung, ob abwarten, operieren oder direkt eine Kinderwunschbehandlung. Die Leitlinien haben sich hier in den letzten Jahren deutlich verändert: Die Bauchspiegelung ist nicht mehr der einzige Weg zur Diagnose.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Gezielte Anamnese:

  • Schmerzcharakteristik und -lokalisation
  • Zyklusabhängigkeit der Beschwerden
  • Dauer der Kinderlosigkeit
  • Sexualanamnese, etwa Schmerzen beim Verkehr
  • Familienanamnese

Gynäkologische Untersuchung: Bei der Tastuntersuchung lassen sich teilweise Knoten oder Verhärtungen ertasten, besonders im Bereich der Haltebänder der Gebärmutter oder im Douglas-Raum hinter der Gebärmutter.

Ultraschall und MRT

Der transvaginale Ultraschall ist die erste Bildgebung. Die AWMF-Leitlinie empfiehlt ihn als erstes Verfahren und die MRT als Ergänzung in zweiter Linie (Empfehlung 3.E10). Auch NICE empfiehlt den Ultraschall bei jedem Verdacht (1.5.2) und für tiefe Endometriose einen Spezial-Ultraschall oder eine MRT des Beckens (1.5.9). Endometriome sind im Ultraschall oft gut als Zysten mit typischem "Milchglas"-Inhalt erkennbar.

Laut AWMF lässt sich die Diagnose mit Ultraschall oder MRT ausreichend zuverlässig stellen, mit einer Ausnahme: oberflächliche Herde am Bauchfell. Die ESHRE betont deshalb, dass ein unauffälliger Befund eine Endometriose nicht ausschließt (starke Empfehlung).

Weitere Untersuchungen, die bei Kinderwunsch dazukommen:

  • Eileiter: Vor einer Insemination werden die Eileiter geprüft, per Kontrastmittel-Ultraschall (HyCoSy) oder bei einer Bauchspiegelung mit Farbstofftest (Chromopertubation) (AWMF Kap. 7.2).
  • Nieren: Bei Verdacht auf tief infiltrierende oder Eierstock-Endometriose empfiehlt die Leitlinie einen Ultraschall der Nieren (AWMF 3.E9).
  • Adenomyose: Bei Endometriose und Kinderwunsch sollte auch nach einer Adenomyose gesucht werden (AWMF Kap. 7.2).

Moderner MRT-Diagnostikraum in einer Kinderwunschklinik mit warmer Atmosphäre

Labordiagnostik

CA-125: Dieser Blutwert wird oft noch bestimmt, eignet sich aber nicht zur Diagnose. AWMF (3.S8), ESHRE (starke Empfehlung) und NICE (1.5.8) raten übereinstimmend davon ab, Endometriose über CA-125 oder andere Biomarker festzustellen.

Anti-Müller-Hormon (AMH): Der AMH-Wert schätzt die Eizellreserve. Bei einem Endometriom empfiehlt die AWMF, ihn vor der Therapieentscheidung zu bestimmen (6.E45), vor einer Endometriom-Operation zusammen mit oder anstelle der Zahl kleiner Follikel im Ultraschall (7.E61).

Weitere Hormonwerte: FSH, LH, Östradiol, Progesteron, Schilddrüsenwerte und Prolaktin gehören zur allgemeinen Kinderwunsch-Abklärung und sind nicht endometriosespezifisch. Was sie aussagen, erklärt unser Ratgeber zum Fruchtbarkeitstest für Frauen.

Bauchspiegelung (Laparoskopie)

Lange galt die Bauchspiegelung als Goldstandard. Die ESHRE-Leitlinie von 2022 stellt das ausdrücklich in Frage. Die AWMF-Leitlinie nennt als Gründe für eine Bauchspiegelung anhaltende Schmerzen, Schäden an Organen und die Abklärung einer Sterilität. NICE empfiehlt, sie auch bei unauffälliger Bildgebung zu erwägen, wenn der Verdacht bleibt (1.5.11).

Bei Kinderwunsch hat die Bauchspiegelung drei Vorteile: Herde können in derselben Operation entfernt werden, die Durchgängigkeit der Eileiter lässt sich prüfen, und die Operateurin kann den EFI bestimmen. Gewebeproben sichern die Diagnose.

Endometriose-Stadien: Was rASRM aussagt

Die Klassifikation erfolgt meist nach dem rASRM-Score (revised American Society for Reproductive Medicine). Er teilt Endometriose nach Größe und Tiefe der Herde und dem Ausmaß der Verwachsungen in vier Stadien ein. Die Punktgrenzen stehen im Anhang der AWMF-Leitlinie.

Stadium Bezeichnung Punkte Typische Befunde
I minimal 1 bis 5 Wenige, oberflächliche Herde, keine oder minimale Verwachsungen
II gering 6 bis 15 Mehrere oberflächliche Herde, minimale Verwachsungen
III mäßig 16 bis 40 Viele, auch tiefe Herde, Endometriome an einem oder beiden Eierstöcken, deutliche Verwachsungen
IV schwer über 40 Ausgedehnte tiefe Herde, große Endometriome, starke Verwachsungen

Was das Stadium nicht sagt

Das Stadium beschreibt, was die Operateurin sieht. Über Schmerzen und Fruchtbarkeit sagt es wenig. Die AWMF-Leitlinie hält fest: Schmerz und Sterilität werden mit dem rASRM-Score und der #Enzian-Klassifikation nicht erfasst, und die Klassifikationen sagen den Krankheitsverlauf nicht voraus (Statement 2.S4). Zwei Ärztinnen können dieselbe Situation zudem unterschiedlich einstufen, die Abweichung zwischen Untersuchern liegt bei bis zu 40 %. NICE empfiehlt deshalb, nach Beschwerden, Wünschen und Prioritäten zu behandeln, nicht nach dem Stadium (1.6.1).

Auch Stadium und Symptome passen oft nicht zusammen. Manche Frauen mit Stadium I haben starke Schmerzen, andere mit Stadium IV spüren kaum etwas.

Monatliche Schwangerschaftsraten je Stadium, wie sie im Internet häufig stehen (etwa "Stadium IV unter 2 % pro Monat"), lassen sich auf keine belastbare Primärstudie zurückführen. Wir haben solche Werte deshalb aus diesem Artikel entfernt. Belegt ist dagegen: Bei einer IVF schneiden Frauen im Stadium III und IV schlechter ab als Frauen ohne Endometriose, im Stadium I und II kaum (mehr dazu unter IVF und ICSI bei Endometriose).

Endometriosis Fertility Index (EFI)

Der EFI wurde entwickelt, weil das rASRM-Stadium die Chance auf eine natürliche Schwangerschaft schlecht vorhersagt. Adamson und Pasta haben ihn an 801 Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch entwickelt (579 Frauen) und anschließend prospektiv geprüft (222 Frauen). Alle hatten eine operativ gesicherte und behandelte Endometriose und versuchten danach ohne IVF, schwanger zu werden (Adamson und Pasta 2010).

Die ESHRE-Leitlinie hält fest, dass der EFI genutzt werden sollte, weil er validiert, reproduzierbar und kostengünstig ist. Die AWMF-Leitlinie nennt ihn für die Beratung von Frauen mit Kinderwunsch sinnvoll.

So setzt sich der EFI zusammen

Der EFI vergibt 0 bis 10 Punkte. Einen Teil liefert die Vorgeschichte, den anderen der Befund bei der Operation. Ohne Bauchspiegelung lässt er sich deshalb nicht berechnen. Die Punkte vergibt die Operateurin oder der Operateur.

Bereich Merkmal Punkte
Vorgeschichte Alter bis 35 Jahre / 36 bis 39 Jahre / ab 40 Jahre 2 / 1 / 0
Vorgeschichte Kinderwunsch seit höchstens 3 Jahren / länger 2 / 0
Vorgeschichte Frühere Schwangerschaft ja / nein 1 / 0
Operation Funktion von Eileiter, Fimbrien und Eierstock, schlechtere Seite ("least function score") 7 bis 8 / 4 bis 6 / 1 bis 3 3 / 2 / 0
Operation rASRM-Punkte für die Herde unter 16 / ab 16 1 / 0
Operation rASRM-Gesamtpunkte unter 71 / ab 71 1 / 0

Quelle: AWMF 015-045, Anhang 5, nach Adamson und Pasta 2010.

Was der EFI vorhersagt

Eine Metaanalyse mit 17 Studien und 4.598 Frauen nach einer Endometriose-Operation hat geprüft, wie viele innerhalb von 36 Monaten ohne IVF oder ICSI schwanger wurden (Vesali 2020):

EFI Kumulative Schwangerschaftsrate nach 36 Monaten ohne IVF/ICSI 95-%-Konfidenzintervall
0 bis 2 10 % 3 bis 16 %
3 bis 4 18 % 12 bis 24 %
5 bis 6 44 % 26 bis 63 %
7 bis 8 55 % 47 bis 64 %
9 bis 10 69 % 58 bis 79 %

Gezählt wurden Schwangerschaften, nicht Geburten. Die Vorhersagekraft ist mittelmäßig (Fläche unter der Kurve 72 %), und die einzelnen Studien unterscheiden sich stark. Der EFI ist deshalb eine Orientierung für das Gespräch mit deiner Ärztin, keine persönliche Prognose. Bei niedrigem EFI empfiehlt die ESHRE eher eine IVF (schwache Empfehlung).

Operation, Insemination oder IVF: Was die Leitlinien empfehlen

Ob zuerst operiert, inseminiert oder gleich eine IVF gemacht wird, ist die schwierigste Entscheidung bei Endometriose und Kinderwunsch. Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Die ESHRE nennt als Kriterien: Schmerzen, Alter, deine Wünsche, frühere Operationen, weitere Fruchtbarkeitsfaktoren wie ein auffälliges Spermiogramm, die Eizellreserve und den geschätzten EFI (Good Practice Point).

Die Leitlinien im Vergleich

Situation ESHRE 2022 AWMF 015-045 (2025) NICE NG73 (2024)
Leichte Endometriose (rASRM I/II), natürlich schwanger werden Operative Bauchspiegelung kann angeboten werden, weil sie die Rate fortlaufender Schwangerschaften verbessert (schwach) Entfernung der Herde verbessert laut Leitlinientext die Fertilität bei allen Formen Entfernung oder Verödung der Herde plus Lösen von Verwachsungen anbieten, wenn Darm, Blase und Harnleiter nicht befallen sind (1.10.1)
Endometriom, natürlich schwanger werden Operation kann die Chance erhöhen, Vergleichsstudien fehlen (schwach) Vollständige Entfernung erhöht die Spontanschwangerschaftsrate gegenüber einer Fensterung (6.S15) Zystektomie oder Drainage mit Verödung anbieten (1.10.2)
Tief infiltrierende Endometriose Kein überzeugender Beleg, dass die Operation die Fruchtbarkeit verbessert (schwach) Laut Leitlinientext Verbesserung bei allen Formen Nutzen und Risiken der Operation besprechen (1.10.3)
Hormontherapie bei aktuellem Kinderwunsch Nicht zur Verbesserung der Fruchtbarkeit, auch nicht nach der Operation (stark) Kein positiver Effekt nachgewiesen, nach der Operation abgeraten Keine Hormonbehandlung allein oder mit Operation (1.10.4)

Die größte Abweichung betrifft die Operation bei tiefen Herden. Der AWMF-Text formuliert deutlich optimistischer, dass die chirurgische Entfernung die Fertilität bei allen Formen der Erkrankung verbessert. Die ESHRE sieht dafür bei tief infiltrierender Endometriose keinen überzeugenden Beleg.

Leichte Endometriose: Was die Operation bringt

Zwei randomisierte Studien kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen. In der kanadischen Studie (Marcoux 1997, 341 Frauen) wurden nach Entfernung der Herde innerhalb von 36 Wochen 30,7 % schwanger, ohne Entfernung 17,7 % (Rate Ratio 1,9; 1,2 bis 3,1). In der italienischen Studie (Parazzini 1999, 96 Frauen) zeigte sich nach einem Jahr kein Vorteil: 24 % mit gegenüber 29 % ohne Behandlung.

Die Cochrane-Übersicht fasst 14 randomisierte Studien mit 1.563 Frauen zusammen. Ihr Fazit: Die operative Bauchspiegelung verbessert wahrscheinlich die Rate intakter Schwangerschaften in der Gebärmutter (OR 1,89; 1,25 bis 2,86; 3 Studien, 528 Frauen; mäßige Vertrauenswürdigkeit). Lebendgeburten hat keine der Studien berichtet (Bafort 2020).

Exzision oder Ablation: Herde können herausgeschnitten (Exzision) oder durch Hitze zerstört werden (Ablation). Ob eines der Verfahren bei oberflächlichen Herden besser ist, lässt sich laut Cochrane nicht sagen. Die Daten reichen nur für Schmerzen und stammen aus einer einzigen Studie mit 103 Frauen. NICE bietet für Kinderwunsch beide Verfahren an, zusammen mit dem Lösen von Verwachsungen (Adhäsiolyse), das besonders für die Eileiterfunktion wichtig ist.

Erste Operation oder Wiederholung: Nach einer ersten Operation war eine spontane Schwangerschaft 2,1-mal so wahrscheinlich wie nach einer Wiederholungsoperation (OR 2,1; 1,5 bis 2,8; Cao 2026, 7 retrospektive Studien mit 2.101 Frauen). Das spricht dafür, die erste Operation gut zu planen. Bei tiefer Endometriose sind nervenschonende Techniken wichtig, um die Organfunktion zu erhalten.

Endometriom: Zystektomie, Drainage oder abwarten

Bei einem Endometriom gibt es mehrere Operationsverfahren: die vollständige Ausschälung der Zystenwand (Zystektomie), das Eröffnen und Entleeren mit Verödung der Innenwand (Drainage und Ablation) oder nur das Eröffnen (Fensterung).

Hier unterscheiden sich die Leitlinien in der Gewichtung:

  • AWMF: Die vollständige Entfernung erhöht im Vergleich zur Fensterung die Spontanschwangerschaftsrate und ist medikamentösen Ansätzen bei Schmerzreduktion und Rückfallvermeidung überlegen (6.S15). Die Rückfallrate ist nach Zystektomie geringer als nach anderen Verfahren.
  • ESHRE: Zystektomie statt Drainage und Elektrokoagulation, um Schmerz-Rückfällen vorzubeugen (stark). Die Leitlinie fügt hinzu, dass das Risiko einer verringerten Eizellreserve berücksichtigt werden muss.
  • NICE: Bei Kinderwunsch Zystektomie oder Drainage mit Ablation, weil Drainage und Ablation die Eizellreserve möglicherweise besser schonen (1.10.2). Allgemein empfiehlt NICE eher die Exzision und verlangt, Kinderwunsch und Eizellreserve zu berücksichtigen (1.9.6).

Eine Metaanalyse von 24 prospektiven Studien mit 2.458 Frauen fand nach Zystektomie in 40,25 % und nach Ablation in 34,08 % eine natürliche Schwangerschaft. Der Unterschied war nicht signifikant. Koagulation und Fensterung schnitten schlechter ab, die Rückfallrate lag bis zu 38,79 % (Askary 2025).

Eine weitere Option ist die Verödung mit Alkohol (Sklerotherapie). Laut AWMF gibt es zunehmend Daten bei großen Endometriomen und einen geringeren AMH-Abfall als nach Zystektomie. Die Evidenz ist aber niedrig, eine abgestufte Empfehlung gibt es nicht.

Tief infiltrierende Endometriose und Darmbefall

Bei tiefen Herden, etwa am Darm, sieht die ESHRE keinen überzeugenden Beleg, dass eine Operation die Fruchtbarkeit verbessert. Für Frauen mit Beschwerden kann sie eine Option sein. NICE empfiehlt, Nutzen und Risiken offen zu besprechen.

Die größte Übersicht stammt aus 48 Beobachtungsstudien mit 5.963 Frauen mit Darmendometriose (Larraín 2026). Die kumulativen Schwangerschaftsraten lagen:

  • ohne Operation spontan bei 36 % (15 bis 57 %)
  • mit Kinderwunschbehandlung (assistierte Reproduktion) als erster Behandlung bei 40 % (25 bis 55 %)
  • nach Operation spontan bei 29 % (25 bis 34 %), bei vorher bestätigter Unfruchtbarkeit bei 24 % (19 bis 30 %)
  • nach Operation insgesamt, also spontan oder mit Kinderwunschbehandlung, bei 56 % (51 bis 62 %)

Die Autoren schreiben, die Wahl zwischen Operation und Kinderwunschbehandlung solle nicht als Entweder-oder verstanden werden. Randomisierte Studien gibt es nicht.

Insemination (IUI)

Bei einer Insemination wird aufbereitetes Sperma zum Zeitpunkt des Eisprungs direkt in die Gebärmutter gegeben. Bei Endometriose ist sie nur sinnvoll, wenn die Eileiter durchgängig sind.

  • ESHRE: Bei rASRM I/II eine IUI mit ovarieller Stimulation statt Abwarten oder IUI ohne Stimulation, weil das die Schwangerschaftsraten erhöht (schwach). Bei rASRM III/IV mit offenen Eileitern kann sie erwogen werden, der Nutzen ist unsicher (schwach).
  • AWMF: Endometriose ist keine Indikation für eine Hormonstimulation allein, ohne Insemination. Vorher werden die Eileiter geprüft. Mehr als drei bis vier Inseminationszyklen sind wenig sinnvoll.

Die Daten dazu: In einer randomisierten Studie mit 103 Paaren und 311 Zyklen bei minimaler oder leichter Endometriose lag die Lebendgeburtenrate pro Zyklus nach Stimulation mit FSH plus IUI bei 11 %, ohne Behandlung bei 2 % (OR 5,6; 1,8 bis 17,4; Tummon 1997). Bei Stadium III/IV fand eine retrospektive Studie fortlaufende Schwangerschaften bei 40,0 % (8 von 20 Frauen) mit Stimulation und bei 15,6 % (7 von 45 Frauen), die zunächst drei Zyklen ohne Stimulation hatten (van der Houwen 2014).

Eine Übersicht fand schwache Hinweise, dass eine IUI das Rückfallrisiko der Endometriose erhöhen kann (Somigliana 2019, niedrige Vertrauenswürdigkeit). Zu Letrozol als Stimulationsmittel bei Endometriose fehlen Studien (AWMF). Letrozol ist dafür nicht zugelassen und wird off-label eingesetzt. Mehr zu Ablauf und Voraussetzungen findest du im Ratgeber IUI-Behandlung.

Direkt IVF oder ICSI: Wann das sinnvoll ist

Die ESHRE empfiehlt eine IVF oder ICSI bei Endometriose besonders dann, wenn die Eileiterfunktion eingeschränkt ist, ein männlicher Faktor vorliegt, der EFI niedrig ist oder andere Behandlungen nicht erfolgreich waren (schwach).

Für Frauen mit Endometriom listet die AWMF-Leitlinie Kriterien für beide Wege:

Spricht eher für IVF/ICSI als ersten Schritt Spricht eher für eine Operation
wenig Beschwerden Beschwerden, vor allem Schmerzen
weitere Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch intakte Eizellreserve
Alter über 35 Jahre einseitiges Endometriom
bereits verringerte Eizellreserve Verdacht auf einen bösartigen Befund
Endometriome an beiden Eierstöcken
Rückfall nach früherer Operation

Feste Fristen wie "nach 6 bis 12 Monaten erfolgloser Behandlung" nennt keine Leitlinie.

Operation vor der IVF: meist nicht nötig

Ist eine IVF ohnehin geplant, raten die Leitlinien von einer routinemäßigen Operation vorher ab:

  • ESHRE: Bei rASRM I/II keine routinemäßige Operation vor einer IVF, um die Lebendgeburtenrate zu verbessern (stark). Bei Endometriomen ebenfalls nicht, weil die Operation wahrscheinlich die Eizellreserve verringert (stark). Bei tiefer Endometriose richtet sich die Entscheidung vor allem nach Schmerzen und deinem Wunsch (stark).
  • AWMF: Die Erfolgsaussichten einer IVF werden durch eine vorherige Endometriomentfernung vermutlich nicht erhöht (Kap. 6.2). An anderer Stelle (Kap. 7.2) beschreibt sie die Chancen nach vorheriger Operation dagegen als "tendenziell höher". Die Leitlinie ist hier also nicht einheitlich.

Neuere Daten stützen die Position "kein Vorteil". Bei Endometriom fand eine Metaanalyse nach Operation vor IVF keine höhere Lebendgeburtenrate (OR 0,90; 0,63 bis 1,28; 5 Studien, 655 Frauen; Hamdan 2015). Die neueste Übersicht mit 22 Studien und 3.590 Frauen kommt zum selben Ergebnis: Lebendgeburtenrate bei Endometriom OR 0,89 (0,68 bis 1,16), bei tiefer Endometriose OR 1,82 (0,70 bis 4,77), beides nicht gesichert. Nach der Operation lag das AMH im Mittel um 0,57 ng/ml niedriger, und es wurden 1,24 Eizellen weniger gewonnen. Die Vertrauenswürdigkeit der Daten ist sehr niedrig. Die Autoren empfehlen, IVF oder ICSI als erste Behandlung zu bevorzugen (Riemma 2026).

Gute Gründe für eine Operation vor der IVF bleiben: starke Schmerzen, Eierstöcke, die für die Eizellentnahme schlecht erreichbar sind (ESHRE, Good Practice Point), ein auffälliger Befund, der abgeklärt werden muss, und ein mit Flüssigkeit gefüllter, verschlossener Eileiter (Hydrosalpinx). Bei einer Hydrosalpinx erhöht die Entfernung des Eileiters vor der IVF wahrscheinlich die klinische Schwangerschaftsrate (RR 2,02; 1,44 bis 2,82; 4 randomisierte Studien, 455 Frauen; Melo 2020). Lebendgeburten wurden nicht berichtet.

Feste Grenzen wie "ab 4 cm operieren", "unter AMH 1 ng/ml nicht operieren" oder "ab 38 Jahren nicht mehr operieren" stehen in keiner der drei Leitlinien. Die Entscheidung bleibt individuell. Hilfreich ist, wenn sich Operateurin und Kinderwunschzentrum vorher abstimmen. Eine Übersicht über Zentren findest du unter Kinderwunschkliniken im Vergleich.

Endometriom-Operation und AMH

Das Anti-Müller-Hormon (AMH) spiegelt die Zahl der verbleibenden Eibläschen wider. Bei einem Endometriom ist es der wichtigste Wert vor jeder Entscheidung. Die AWMF-Leitlinie formuliert klar: Alle bekannten Operationsverfahren für Endometriome schränken die Eizellreserve ein (Statement 6.S13). Besonders deutlich ist der Effekt bei Endometriomen über 7 cm und bei beidseitigen Endometriomen, aber auch einseitig ist er nachweisbar.

So stark sinkt das AMH nach einer Zystektomie in Studien:

Studie Wer wurde untersucht Zeitpunkt nach der Operation AMH-Abfall im Mittel
Raffi 2012 8 prospektive Studien, 237 Frauen zusammengefasst 1,13 ng/ml
Younis 2022 14 prospektive Studien, 650 Frauen 1 bis 6 Wochen 1,77 ng/ml (44,4 %)
Younis 2022 2 bis 6 Monate 1,17 ng/ml (35,1 %)
Younis 2022 9 bis 18 Monate 2,13 ng/ml (54,2 %)

Interessant: Die Zahl der kleinen Follikel im Ultraschall (antrale Follikelzahl) änderte sich in der Übersicht von Younis nicht signifikant. Die Werte sind Mittelwerte aus Studien. Wie dein eigener AMH-Wert einzuordnen ist, kann nur deine Ärztin im Zusammenhang mit Alter, Ultraschall und Vorgeschichte beurteilen. Wie sich AMH-Werte in Studien nach Alter verteilen, zeigt unsere AMH-Wert-Tabelle.

Ultraschalluntersuchung zur Bestimmung der Antralfollikelzahl

Was das für die Entscheidung bedeutet

Die AWMF-Leitlinie empfiehlt, die Eizellreserve vor einer Endometriom-Operation mit AMH oder Follikelzählung zu messen (7.E61). Vor jeder Behandlung eines Endometrioms sollen Eierstockfunktion und Alter berücksichtigt und eine reproduktionsmedizinische Beratung sowie gegebenenfalls das Einfrieren von Eizellen oder Embryonen angeboten werden (AWMF 6.E47). Auch eine Kinderwunschbehandlung vor der Operation kann angeboten werden (7.E62).

Ein mögliches Vorgehen sieht dann so aus: Zuerst werden Eizellen gewonnen und eingefroren, danach wird operiert, später erfolgt der Transfer. Das ist eine Option für bestimmte Situationen, kein Standard. Den tatsächlichen Nutzen eines solchen Fertilitätserhalts bei Endometriose hält die ESHRE für unbekannt. Mehr dazu im Abschnitt Social Freezing bei Endometriose.

Eizellentnahme bei bestehendem Endometriom

Wird ein Endometriom nicht operiert, ist eine IVF trotzdem möglich. Die Lebendgeburtenrate war in einer Metaanalyse mit und ohne Endometriom ähnlich, kein gesicherter Unterschied (OR 0,98; 0,71 bis 1,36; 5 Studien, 928 Frauen). Es wurden aber weniger Eizellen gewonnen, und Zyklen wurden häufiger abgebrochen (OR 2,83; 1,32 bis 6,06; 3 Studien, 491 Frauen; Hamdan 2015).

Bei der Punktion kann eine vorbeugende Antibiotikagabe erwogen werden. Das Risiko eines Abszesses am Eierstock nach der Punktion ist laut ESHRE gering. Ein erhöhtes Risiko für ein Platzen der Zyste oder ein Überstimulationssyndrom durch das Endometriom ist in den geprüften Quellen nicht belegt.

Hormontherapie nach der Operation

Hormontherapien werden bei Endometriose vor allem gegen Schmerzen eingesetzt. Für den Kinderwunsch sieht es anders aus: Sie unterdrücken den Eisprung, während der Anwendung ist eine Schwangerschaft also nicht vorgesehen.

Was die Leitlinien sagen

Alle drei Leitlinien raten bei aktuellem Kinderwunsch von einer Hormontherapie zur Verbesserung der Fruchtbarkeit ab:

  • ESHRE: keine Unterdrückung der Eierstockfunktion, um die Fruchtbarkeit zu verbessern (stark), und keine Hormontherapie nach der Operation mit dem alleinigen Ziel, spätere Schwangerschaftsraten zu erhöhen (stark). Frauen, die nach der Operation nicht sofort schwanger werden möchten, kann eine Hormontherapie angeboten werden, weil sie die Fruchtbarkeit nicht verschlechtert (schwach).
  • NICE: keine Hormonbehandlung allein oder in Kombination mit einer Operation bei Frauen, die schwanger werden möchten (1.10.4).
  • AWMF: Ein positiver Effekt auf die Fertilität ist bisher nicht nachgewiesen. Von einer Therapie nach der Operation bei aktuellem Kinderwunsch wird grundsätzlich weiterhin abgeraten. Bei späterem Kinderwunsch ist eine Hormontherapie nach der Operation zur Vorbeugung von Rückfällen sinnvoll.

Was die Cochrane-Übersichten zeigen

Hier lohnt ein genauer Blick, denn die Studienlage ist nicht ganz so eindeutig, wie es die Leitlinien vermuten lassen.

Die ältere Cochrane-Übersicht (Hughes 2007, 24 Studien) fand nach Unterdrückung des Eisprungs im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung keine höhere Schwangerschaftsrate (OR 0,79; 0,54 bis 1,14; bei Paaren mit Fruchtbarkeitsproblemen OR 0,80; 0,51 bis 1,24). Die Autoren schreiben, es gebe keinen Beleg für einen Nutzen bei Frauen mit Kinderwunsch.

Die neuere Cochrane-Übersicht (Chen 2020) umfasst 26 randomisierte Studien mit 3.457 Frauen. Vor der Operation zeigte eine Hormontherapie keinen gesicherten Effekt (RR 1,16; 0,99 bis 1,36; 1 Studie, 262 Frauen; sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit). Nach der Operation war die Schwangerschaftsrate dagegen wahrscheinlich höher als nach Operation allein (RR 1,22; 1,06 bis 1,39; 11 Studien, 932 Frauen; mäßige Vertrauenswürdigkeit).

Warum raten die Leitlinien trotzdem ab? Die AWMF begründet das damit, dass die Studien nicht erfasst haben, wie lange es bis zur Schwangerschaft dauert. Während einer Hormontherapie über mehrere Monate ist keine Schwangerschaft vorgesehen, weil der Eisprung unterdrückt wird. Mit zunehmendem Alter sinken die Chancen, deshalb zählt diese Zeit (AWMF 7.E60). Wenn dir nach einer Operation eine Hormontherapie empfohlen wird, frag deshalb nach dem Ziel: Schmerzlinderung und Rückfallschutz bei späterem Kinderwunsch sind gute Gründe. Für einen aktuellen Kinderwunsch empfehlen die Leitlinien sie nicht.

Ebenfalls nicht empfohlen: Pentoxifyllin, andere entzündungshemmende Mittel oder Letrozol außerhalb einer Eisprungauslösung, um die natürliche Schwangerschaftsrate zu erhöhen (ESHRE, stark).

Wirkstoffe und Zulassung im Überblick

Alle hier genannten Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig. Der Zulassungsstatus bezieht sich auf Deutschland.

Wirkstoff Zulassung bei Endometriose Rolle bei aktuellem Kinderwunsch
Dienogest (Gestagen) zugelassen zur Behandlung der Endometriose, nicht zur Verhütung; hemmt ab 1 mg täglich den Eisprung kein nachgewiesener Fertilitätsnutzen; vor einer IVF ohne belegten Nutzen
Leuprorelinacetat (GnRH-Agonist) zugelassen bei symptomatischer, per Bauchspiegelung gesicherter Endometriose; allein höchstens 6 Monate, zusammen mit täglich 5 mg Norethisteronacetat bis zu 1 Jahr kein nachgewiesener Fertilitätsnutzen; lange Vorbehandlung vor IVF nicht empfohlen (ESHRE)
Relugolix mit Estradiol und Norethisteronacetat (GnRH-Antagonist mit Add-back) in Deutschland seit Oktober 2023 erhältlich, nach vorausgegangener hormoneller oder operativer Behandlung; in der Schweiz für Endometriose nicht zugelassen hemmt den Eisprung, keine Fertilitätsindikation
Linzagolix mit Add-back (GnRH-Antagonist) zugelassen seit November 2024; in der Schweiz für Endometriose nicht zugelassen hemmt den Eisprung, keine Fertilitätsindikation
Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel off-label bei Endometriose Rückfallschutz nach Operation bei späterem Kinderwunsch
Levonorgestrel-Intrauterinsystem (52 mg) off-label bei Endometriose und Adenomyose Rückfallschutz bei Regelschmerzen nach Operation; wirkt verhütend
Letrozol (Aromatasehemmer) nur für Brustkrebs zugelassen; bei Endometriose und zur Eisprungauslösung off-label nicht zur Verbesserung natürlicher Schwangerschaftsraten (ESHRE, stark)

Quellen: AWMF 015-045 Kap. 4.1; Fachinformation Leuprorelinacetat 3,75 mg Monatsdepot (Stand Mai 2026); Fachinformation Letrozol.

GnRH-Analoga: Sie senken die Östrogenbildung stark und versetzen den Körper vorübergehend in einen Zustand wie in den Wechseljahren. Nebenwirkungen sind entsprechend Wechseljahrsbeschwerden und eine Abnahme der Knochendichte. Die ESHRE empfiehlt GnRH-Agonisten und GnRH-Antagonisten wegen der Nebenwirkungen erst als zweite Wahl (Good Practice Point). Die AWMF sieht GnRH-Agonisten ebenfalls als Zweitlinie (4.E13), nennt orale GnRH-Antagonisten mit Add-back nach operativ gesicherter Diagnose aber bereits als Erstlinienoption neben einem Gestagen (4.E12). Bei Schmerzen wirkt Dienogest laut AWMF genauso gut. Zu GnRH-Agonisten empfiehlt die ESHRE eine kombinierte hormonelle Add-back-Therapie mit Östrogen und Gestagen (stark).

Dienogest: zugelassen zur Behandlung der Endometriose. Es ist nicht als Verhütungsmittel zugelassen, hemmt aber ab einer Dosis von 1 mg täglich den Eisprung.

Levonorgestrel-Intrauterinsystem und kombinierte Pille: Nach einer Operation empfiehlt die ESHRE eines von beiden für mindestens 18 bis 24 Monate, um wiederkehrenden Regelschmerzen vorzubeugen (stark). Beides ist bei Endometriose off-label und wirkt verhütend, passt also nur, wenn der Kinderwunsch noch warten kann. Für Adenomyose ist keine Substanzklasse nachweislich überlegen (AWMF 6.S12).

Aromatasehemmer: Die AWMF sieht sie nur bei Beschwerden, die auf andere Therapien nicht ansprechen, und nur im Rahmen klinischer Studien vor. Die ESHRE nennt sie ebenfalls für therapierefraktäre Schmerzen. Letrozol steht nicht in der Off-Label-Liste des Gemeinsamen Bundesausschusses (Stand Juni 2026), eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist daher nur im Einzelfall möglich.

IVF und ICSI bei Endometriose

Wenn natürliche Versuche oder eine Insemination nicht ausreichen oder die Ausgangslage es nahelegt, ist die Reproduktionsmedizin der nächste Schritt. Die gute Nachricht vorweg: Insgesamt ist die Lebendgeburtenrate nach IVF oder ICSI bei Endometriose ähnlich wie bei anderen Ursachen. Wie eine IVF Schritt für Schritt abläuft, erklären wir im Ratgeber IVF-Ablauf.

Ergebnisse im Vergleich zu Frauen ohne Endometriose

Studie Wer wurde untersucht Ergebnis
Hamdan 2015 (Obstet Gynecol) Metaanalyse, 36 Studien; Lebendgeburt aus 13 Studien mit 12.682 Frauen Lebendgeburtenrate pro Frau ähnlich, kein gesicherter Unterschied (OR 0,94; 0,84 bis 1,06); klinische Schwangerschaftsrate niedriger (OR 0,78; 0,65 bis 0,94); im Mittel 1,98 Eizellen weniger; Fehlgeburten nicht gesichert häufiger (OR 1,26; 0,92 bis 1,70); bei schwerer Endometriose schlechtere Ergebnisse
Harb 2013 (BJOG) 27 Beobachtungsstudien, 8.984 Frauen Stadium III/IV: Einnistungsrate (RR 0,79; 0,67 bis 0,93) und klinische Schwangerschaftsrate (RR 0,79; 0,69 bis 0,91) niedriger; Stadium I/II: nur die Befruchtungsrate leicht niedriger (RR 0,93; 0,87 bis 0,99)
Senapati 2016 (Fertil Steril) US-Register SART 2008 bis 2010, 347.185 Frisch- und Kryozyklen mit eigenen Eizellen Endometriose in 11 % der Zyklen, davon 64 % mit weiterer Diagnose; bei Endometriose als einziger Diagnose Lebendgeburtenrate gleich oder leicht höher als bei anderen Kinderwunsch-Diagnosen, mit weiteren Diagnosen am niedrigsten
Liao 2025 (Arch Gynecol Obstet) Metaanalyse, 19 Studien Lebendgeburtenrate niedriger (OR 0,87, Konfidenzintervall im Abstract nicht angegeben); klinische Schwangerschaftsrate ohne Unterschied; nur ergänzend zu werten

Das Deutsche IVF-Register veröffentlicht keine eigenen Erfolgsraten für Endometriose. Als Orientierung über alle Indikationen hinweg: 2024 lag die Schwangerschaftsrate pro Embryotransfer im Frischzyklus bei 30,5 %. Die Geburtenrate pro Transfer betrug 2023 im Frischzyklus 22,5 % und im Kryozyklus 21,9 % (DIR Jahrbuch 2024). Mit dem Alter sinken beide Werte deutlich, mehr dazu in den häufigen Fragen.

IVF-Labor mit Petrischalen und Kulturmedium unter dem Stereomikroskop

Stimulationsprotokoll

Für die Hormonstimulation empfiehlt die ESHRE-Endometriose-Leitlinie kein bestimmtes Protokoll. Antagonisten- und Agonisten-Protokoll können nach Präferenz gewählt werden, ein Unterschied bei Schwangerschafts- oder Lebendgeburtenrate ist nicht gezeigt (schwach). Eine Übersicht mit 8 Studien (1 randomisiert, 7 Beobachtungsstudien) und 2.695 Frauen fand ebenfalls keinen Unterschied (Kuan 2023).

Für die IVF allgemein gilt die ESHRE-Leitlinie zur ovariellen Stimulation von 2025:

  • Das Antagonisten-Protokoll wird gegenüber Agonisten-Protokollen empfohlen (stark).
  • Wenn ein GnRH-Agonist verwendet wird, dann im langen Protokoll und nicht im kurzen oder ultrakurzen (stark). Das spricht gegen Varianten wie das früher oft genannte "Mikro-Flare-Protokoll", das zu den kurzen Agonisten-Protokollen gehört.
  • Ein LH-Zusatz zum FSH ist bei Frauen ab 35 Jahren nicht überlegen. Beide Varianten gelten als gleichwertig (bedingte Empfehlung).

Eine eigene Dosierempfehlung für Endometriose enthalten die Leitlinien nicht.

Lange Vorbehandlung mit GnRH-Agonisten

Früher wurden Frauen mit Endometriose vor einer IVF oft über mehrere Monate hormonell "heruntergefahren" (ultralanges Protokoll). Die Leitlinien bewerten das unterschiedlich:

  • ESHRE: Eine verlängerte Gabe von GnRH-Agonisten vor der IVF wird nicht empfohlen, weil der Nutzen unsicher ist (stark).
  • AWMF: Eine definitive Empfehlung kann derzeit nicht gegeben werden. Die Entscheidung soll individuell mit der Patientin fallen; das Stadium zu berücksichtigen, kann sinnvoll sein.

Neuere Netzwerk-Metaanalysen randomisierter Studien sprechen gegen einen Nutzen. Die eine (9 Studien, 2.087 Frauen) sieht keine Indikation für eine Hormonvorbehandlung vor der IVF (Riemma 2025). Die andere (11 Studien, 1.435 Frauen) fand weder durch GnRH-Agonisten noch durch Dienogest eine klare Verbesserung von klinischer Schwangerschafts- oder Lebendgeburtenrate (Li D 2026). Auch für eine Vorbehandlung mit Dienogest allein zeigte eine Übersicht aus 4 Studien mit 422 Frauen keinen Effekt auf Schwangerschaft (OR 1,07) oder Lebendgeburt (OR 1,09), bei sehr unterschiedlichen Einzelergebnissen (Li X 2023). Für eine Vorbehandlung mit Pille oder Gestagen ist die Evidenz laut ESHRE unzureichend.

Frischtransfer oder Kryotransfer

Eine Metaanalyse von 6 Studien mit 3.010 Frauen mit Endometriose fand nach dem ersten Kryotransfer eine höhere Lebendgeburtenrate als nach dem ersten Frischtransfer (OR 1,53; 1,13 bis 2,08) und weniger Fehlgeburten (OR 0,70; 0,50 bis 0,97). Die klinische Schwangerschaftsrate unterschied sich nicht gesichert (OR 1,26; 0,95 bis 1,69). Alle sechs Studien waren retrospektiv, die Autoren nennen die Evidenz "noch nicht reichlich" (Chang 2022). Wie ein Transfer mit eingefrorenen Embryonen abläuft, erklärt unser Ratgeber zum Kryotransfer.

Verschlechtert eine IVF die Endometriose?

Diese Sorge haben viele. Nach heutiger Datenlage nicht: Die ESHRE hält fest, dass Rückfälle nach einer IVF nicht häufiger sind (schwache Empfehlung, mäßige Vertrauenswürdigkeit). Eine systematische Übersicht kommt zum Ergebnis, dass eine IVF Endometriose-Schmerzen nicht verschlimmert (Somigliana 2019, mäßige Vertrauenswürdigkeit). Dieselbe Übersicht fand schwache Hinweise auf mehr Rückfälle nach IUI und sehr schwache Hinweise, dass tiefe Herde unter einer Stimulation fortschreiten können.

Zusatzbehandlungen ("Add-ons")

Viele Zentren bieten Zusatzbehandlungen an. Die ESHRE hat sie 2023 bewertet:

  • Endometrium-Scratching: für die Routine nicht empfohlen.
  • Immunmodulation (zum Beispiel Fettemulsionen als Infusion, Immunglobuline, TNF-Hemmer): nicht empfohlen.
  • Glukokortikoide (Kortison) in der Kinderwunschbehandlung: nicht empfohlen.

Keine der geprüften Leitlinien empfiehlt eine Blutverdünnung, um die IVF-Ergebnisse bei Endometriose zu verbessern.

IVF oder ICSI? Endometriose allein ist kein Grund für eine ICSI. Die ESHRE empfiehlt ICSI nicht, wenn keine männliche Ursache vorliegt. Bei zusätzlichen männlichen Faktoren ist ICSI dagegen die passende Methode. Mehr dazu in unserer Entscheidungshilfe ICSI oder IVF.

Ernährung, Akupunktur, Naturheilkunde: Für nicht-medizinische Maßnahmen kann die ESHRE keine Empfehlung zur Steigerung der Fruchtbarkeit aussprechen. Zu Homöopathie nennt die AWMF nur eine Studie mit 128 Frauen zu Regelschmerzen, zur Fruchtbarkeit gibt es keine Daten. Osteopathie kann laut AWMF bei Beschwerden erwogen werden (4.E28).

Social Freezing und Fertilitätserhalt bei Endometriose

Manche Frauen mit Endometriose überlegen, Eizellen einzufrieren, bevor sie operiert werden. Die Leitlinien sind hier vorsichtig:

  • ESHRE: Bei ausgedehnter Endometriose an den Eierstöcken sollen Vor- und Nachteile des Fertilitätserhalts besprochen werden (stark). Der tatsächliche Nutzen bei Endometriose ist aber unbekannt.
  • AWMF: Vor jeder Behandlung eines Endometrioms sollen Eierstockfunktion und Alter berücksichtigt und eine reproduktionsmedizinische Beratung sowie gegebenenfalls das Einfrieren von Eizellen oder Embryonen angeboten werden (6.E47). Auch eine Kinderwunschbehandlung oder das Einfrieren von Eizellen oder Eierstockgewebe vor einer Operation kann angeboten werden (7.E62).

Laborärztin lagert eingefrorene Eizellen in einem Stickstofftank ein

Was die Daten zeigen

Die größte Studie dazu ist eine retrospektive Auswertung (Cobo 2020). Sie umfasst 485 Frauen mit Endometriose, die zwischen 2007 und 2018 Eizellen eingefroren haben. Das mittlere Alter lag bei 35,7 Jahren. 83,2 % der Eizellen überlebten das Auftauen. Bei den Frauen, die ihre Eizellen später nutzten, lag die kumulative Lebendgeburtenrate bei 46,4 %. Bei Frauen bis 35 Jahre, die vor dem Einfrieren nicht operiert worden waren, lag sie bei 72,5 %, bei gleichaltrigen Frauen mit vorheriger Operation bei 52,8 %.

Eine Folgeauswertung derselben Gruppe zeigt, wie stark Alter und Eizellzahl zählen: Wurden etwa 20 Eizellen aufgetaut und verwendet, lag die geschätzte kumulative Lebendgeburtenrate bei Frauen bis 35 Jahre bei 95,4 %, bei älteren Frauen bei 79,6 %, mit großer statistischer Unsicherheit (Cobo 2021). Diese Werte stammen aus einer einzelnen retrospektiven Auswertung und lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Zentren übertragen.

Ein wichtiger Unterschied zum klassischen Social Freezing: Laut ESHRE kamen in dieser Gruppe 43 % der Frauen zurück, um ihre Eizellen zu nutzen, im Mittel nach 1,5 Jahren. Das Einfrieren war für die meisten also Teil einer Kinderwunschbehandlung und keine Vorsorge für viele Jahre.

Allgemeine Informationen zu Ablauf, Kosten und Erfolgsaussichten findest du im Ratgeber Social Freezing.

Wer zahlt das Einfrieren?

In Deutschland haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf das Einfrieren von Ei- oder Samenzellen oder Keimzellgewebe, wenn es wegen einer Erkrankung und deren Behandlung mit einer keimzellschädigenden Therapie medizinisch notwendig erscheint (§ 27a Abs. 4 SGB V). Die Einzelheiten regelt die Kryokonservierungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (aktuelle Fassung von 2022, in Kraft seit 15.11.2022):

  • Als keimzellschädigend nennt die Richtlinie unter anderem die operative Entfernung der Keimdrüsen.
  • Ob eine Behandlung keimzellschädigend ist, stellt die Fachärztin fest, die die Grunderkrankung behandelt. Die Indikation zum Einfrieren stellt eine reproduktionsmedizinisch qualifizierte Fachärztin.
  • Für Frauen besteht der Anspruch bis zum 40. Geburtstag.
  • Erfasst sind Eizellen und Eierstockgewebe, nicht aber Embryonen (Kryo-RL § 2 Abs. 1, § 5).

Eine Endometriom-Operation ist in der Richtlinie nicht ausdrücklich genannt. Ob sie im Einzelfall als keimzellschädigend gilt, ist ärztlich festzustellen und mit der Krankenkasse zu klären. Social Freezing ohne medizinischen Grund bleibt eine Selbstzahlerleistung. Wie einzelne Kassen damit umgehen, beschreibt unser Beitrag zu Eizellen einfrieren und Kosten bei der AOK.

Adenomyose und Kinderwunsch

Adenomyose wird oft als "innere Endometriose" bezeichnet und bei Kinderwunsch leicht übersehen. Dabei wächst endometriumartiges Gewebe in die Muskelschicht der Gebärmutter (Myometrium). Die Gebärmutter kann sich verdicken, größer und schmerzhaft werden. Laut AWMF tritt Adenomyose in 38 bis 64 % der Fälle ohne sonstige Endometriose auf, und 30 % der Betroffenen haben keine Beschwerden.

Unterschieden werden vor allem eine diffuse Form, bei der die Muskelschicht gleichmäßig durchsetzt ist, und eine fokale Form mit umschriebenen Knoten (Adenomyome). Daneben gibt es zystische Formen.

Wie häufig Adenomyose bei Kinderwunsch ist, lässt sich schwer sagen. In einer spanischen Studie wurde sie im 3D-Ultraschall bei 24,4 % von 1.015 Frauen gefunden (Puente 2016). Die Frauen waren aber ausgewählt: Sie wurden vor einer Kinderwunschbehandlung, nach mindestens drei gescheiterten IVF-Versuchen oder nach mindestens zwei Fehlgeburten zur Untersuchung überwiesen. Zudem galten damals ältere Diagnosekriterien. Auf alle Frauen mit Kinderwunsch lässt sich die Zahl daher nicht übertragen.

Diagnose nach MUSA

Die AWMF-Leitlinie empfiehlt den transvaginalen Ultraschall als erste und die MRT als zweite Untersuchung. Beide sind gleichwertig in ihrer Aussagekraft (Empfehlung 6.E37). Die MRT ist also nicht mehr der alleinige Goldstandard.

Für den Ultraschall gibt es seit 2015 eine gemeinsame Sprache, die MUSA-Kriterien (Morphological Uterus Sonographic Assessment). Sie wurden 2022 in einem Delphi-Verfahren europäischer Expertinnen und Experten überarbeitet und unterscheiden zwei Gruppen von Zeichen:

  • Direkte Zeichen (einstimmig festgelegt): kleine Zysten im Muskel, echoreiche Inseln sowie echoreiche Linien und Knospen direkt unter der Schleimhaut.
  • Indirekte Zeichen: eine kugelige Gebärmutter, eine ungleich verdickte Wand, fächerförmige Schallschatten, Gefäße quer durch den Befund und eine unregelmäßige oder unterbrochene Übergangszone zwischen Schleimhaut und Muskel.

Sind nur indirekte Zeichen vorhanden, gilt die Diagnose laut AWMF als unsicher. Zur Genauigkeit nennt die Leitlinie für den 3D-Ultraschall eine Sensitivität von 75 bis 78 % und eine Spezifität von 78 bis 81 %, für die MRT 77 % und 89 %. In der MRT gilt eine auf über 12 mm verbreiterte Übergangszone (Junctional Zone) als Hinweis, eine Arbeit fand allerdings keinen Zusammenhang mit dieser Grenze. Eine Gewebeprobe zur Diagnose sollte nicht entnommen werden (6.E38), und Blutwerte wie CA-125 sind für die Routine ungeeignet.

Einfluss auf IVF und Fehlgeburt

Für die natürliche Fruchtbarkeit bei Adenomyose gibt es keine belastbaren Zahlen. Die AWMF beschreibt einen möglicherweise negativen Effekt, sowohl bei spontaner Schwangerschaft als auch nach Kinderwunschbehandlung. Besser untersucht ist die IVF:

Metaanalyse Wer wurde untersucht Klinische Schwangerschaft Lebendgeburt Fehlgeburt
Vercellini 2014 9 Studien, 1.865 Frauen 40,5 % gegenüber 49,8 % (RR 0,72; 0,55 bis 0,95) nicht zusammengefasst Fehlgeburten pro klinischer Schwangerschaft 31,9 % gegenüber 14,1 % (7 Studien; RR 2,12; 1,20 bis 3,75)
Younes und Tulandi 2017 11 Studien, 519 Frauen mit und 1.535 ohne Adenomyose niedriger niedriger höher
Nirgianakis 2021 17 Beobachtungsstudien OR 0,69 (0,51 bis 0,94) nicht im Abstract OR 2,17 (1,25 bis 3,79)
Cozzolino 2022 Metaanalyse, registriert bei PROSPERO OR 0,66 (0,48 bis 0,90) OR 0,59 (0,37 bis 0,92) OR 2,11 (1,33 bis 3,33)

Die AWMF fasst zusammen: Mehrere Metaanalysen zeigen eine um 30 % reduzierte Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft, und die Fehlgeburtenrate nach IVF oder ICSI ist um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Einschränkend unterscheiden die meisten Studien nicht zwischen fokaler und diffuser Adenomyose, und die Diagnosekriterien sind uneinheitlich.

Im Vergleich zu Endometriose ohne Adenomyose wirken die Effekte größer: Lebendgeburt OR 0,59 bei Adenomyose gegenüber OR 0,94 bei Endometriose insgesamt. Direkt verglichen hat das aber keine Studie, es ist also nur eine Tendenz.

Wenn du nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden möchtest, findest du im Ratgeber Schwanger nach Fehlgeburt Antworten zu Zeitpunkt, Untersuchungen und Chancen.

Embryotransfer-Katheter auf steriler Unterlage im Behandlungsraum

GnRH-Agonist vor dem Kryotransfer

Bei Adenomyose wird vor einem Kryotransfer manchmal über einen oder mehrere Monate ein GnRH-Agonist gegeben, der die Eierstockfunktion unterdrückt. Wie gut ist das belegt?

Die AWMF-Leitlinie hält fest: Aktuelle Beobachtungsstudien lassen bei Adenomyose eine möglicherweise höhere Lebendgeburtenrate nach Kryotransfer mit vorheriger Unterdrückung durch GnRH-Analoga vermuten (Statement 7.S22, Expertenkonsens). Die neueren Übersichten sind zurückhaltender:

Studie Wer wurde untersucht Ergebnis
Steinmann 2025 7 retrospektive Studien und 1 randomisierte Studie, Kryotransfer mit Hormonersatz mit oder ohne GnRH-Agonist Lebendgeburt OR 1,19 (0,69 bis 2,06), klinische Schwangerschaft OR 1,36 (0,83 bis 2,23), Fehlgeburt OR 1,09 (0,69 bis 1,74); keine Überlegenheit
Galati 2025 10 Studien klinische Schwangerschaft im Frischtransfer höher (OR 1,49; 1,15 bis 1,92), im Kryotransfer nicht gesichert (OR 1,34; 0,70 bis 2,55); kein Effekt auf Lebendgeburt und Fehlgeburt
Latif 2024 8 retrospektive Studien, 2.422 Frauen mit Adenomyose vor IVF/ICSI allgemein, GnRH-Agonist 1 bis 6 Monate Einnistung (OR 1,69; 1,09 bis 2,56) und klinische Schwangerschaft (OR 1,42; 1,03 bis 2,0) höher, Lebendgeburt ohne gesicherten Unterschied (OR 1,12; 0,70 bis 1,79)
González-Comadran 2025 8 retrospektive Studien Vorbehandlung vor Kryotransfer ohne Verbesserung; Antagonisten-Protokoll mit höherer Lebendgeburtenrate als langes Agonisten-Protokoll (OR 2,59; 1,03 bis 6,52)

Zwei kleinere randomisierte Studien zeigen ebenfalls keinen Vorteil. Bei 140 Frauen mit Kryotransfer unterschieden sich Schwangerschafts-, Fehlgeburts- und Lebendgeburtenraten mit und ohne GnRH-Agonist nicht (Eslami Moayed 2023). Bei 72 Frauen war eine dreimonatige Gabe nicht besser als die übliche kürzere Unterdrückung, berichtet wurden nur frühe und klinische Schwangerschaften (Ansaripour 2024). Eine dritte randomisierte Studie verglich zwei Vorbehandlungen miteinander: Bei 156 Frauen mit diffuser, beschwerdereicher Adenomyose lag die Lebendgeburtenrate nach drei Monaten niedrig dosiertem Letrozol bei 17,7 % und nach drei Monaten GnRH-Agonist bei 19,5 % (Sharma 2025). Eine Gruppe ohne Vorbehandlung gab es dort nicht.

Eine große randomisierte Studie läuft: GOLD-FET vergleicht bei 432 Frauen von 20 bis 38 Jahren eine oder zwei Dosen GnRH-Agonist mit und ohne Letrozol, mit der Lebendgeburt als Hauptziel. Die ersten Teilnehmerinnen wurden im August 2025 aufgenommen, der Abschluss der Hauptauswertung ist für Mai 2027 geplant.

Zulassung: Der GnRH-Agonist Leuprorelinacetat ist für die symptomatische, per Bauchspiegelung gesicherte Endometriose zugelassen. Eine Vorbehandlung bei Adenomyose vor dem Kryotransfer, um die Schwangerschaftschance zu verbessern, ist davon nicht umfasst und damit off-label. Letrozol ist nur für Brustkrebs zugelassen, auch hier ist der Einsatz off-label.

Fazit: Eine GnRH-Vorbehandlung vor dem Kryotransfer kann erwogen werden, ihr Nutzen für die Lebendgeburt ist aber nicht belegt. Frag in deinem Zentrum nach, warum es sie empfiehlt und wie lange sie dauern soll.

Behandlung der Adenomyose bei Kinderwunsch

Hormontherapie: Kombinierte Pille, Gestagene, ein geeignetes Gestagen-Intrauterinsystem, GnRH-Agonisten und GnRH-Antagonisten lindern die Beschwerden. Keine Substanzklasse ist nachweislich überlegen (AWMF 6.S12). Während der Therapie ist keine Schwangerschaft vorgesehen; nicht jedes dieser Mittel ist ein zugelassenes Verhütungsmittel. Kombinierte Pille und Hormonspirale sind bei Endometriose off-label, GnRH-Antagonisten in der Schweiz für Endometriose nicht zugelassen (siehe Tabelle oben). Die AWMF erwähnt, dass eine Therapie mit GnRH-Analoga mit einer höheren Schwangerschaftsrate danach verbunden ist, allerdings ohne Zahl und ohne randomisierte Studie.

Organerhaltende Operation: Bei fokaler oder zystischer Adenomyose kann der Herd zur Kontrolle von Schmerzen und Blutungen entfernt werden (AWMF 6.E40). Ob das bei Kinderwunsch nützt, ist durch randomisierte Studien nicht belegt. Beobachtungsdaten:

  • Eine Übersicht mit 64 Studien und 1.049 Frauen fand nach vollständiger Entfernung eine Schwangerschaftsrate von 60,5 %, nach teilweiser Entfernung von 46,9 % (Grimbizis 2014).
  • Eine Metaanalyse mit 32 Studien und 2.501 Frauen, ohne randomisierte Studien, ergab nach Adenomyomektomie eine Schwangerschaftsrate von 50,1 % (40,0 bis 60,2 %), eine Geburtenrate von 39,5 %, eine Fehlgeburtenrate von 16,3 % und eine Frühgeburtenrate von 18,4 %. Fast alle Kinder (99,6 %) kamen per Kaiserschnitt zur Welt (Liu 2025).

Wie hoch das Risiko ist, dass die Gebärmutter nach einer solchen Operation in der Schwangerschaft reißt, ist in den geprüften Quellen nicht beziffert. Das solltest du vor einer Operation unbedingt ansprechen.

Verfahren nur in Studien: Fokussierter Ultraschall (HIFU), Embolisation der Gebärmutterarterien, Elektroablation über die Scheide und Mikrowellenablation sollen laut AWMF nur in Studien eingesetzt werden (6.E39). Das gilt auch, wenn einzelne Beobachtungsdaten gut aussehen, etwa eine Schwangerschaftsrate von 52,0 % nach thermischer Ablation (Liu 2025).

Verfahren, die die Fruchtbarkeit beenden: Die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) kommt nur bei abgeschlossener Familienplanung und nicht ausreichender Besserung unter konservativer Therapie in Frage (AWMF 6.E41). Auch eine Verödung der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumablation) ist bei Kinderwunsch keine Option.

Schwangerschaft mit Adenomyose

Bei Adenomyose sind einige Schwangerschaftskomplikationen häufiger, auch nach Berücksichtigung von Alter und Art der Empfängnis: Präeklampsie, Frühgeburt, Kaiserschnitt, Lageanomalien, ein zu kleines Kind und stärkere Blutungen nach der Geburt (Nirgianakis 2021). Die AWMF nennt zusammengefasste Werte: Präeklampsie OR 4,35 bis 7,87, Frühgeburt OR 2,65 bis 3,09 und ein zu kleines Kind oder niedriges Geburtsgewicht OR 2,86 bis 3,90. Liegen Endometriose und Adenomyose gemeinsam vor, ist das Risiko für ein zu kleines Kind zusätzlich erhöht.

Die Autoren der Metaanalyse empfehlen deshalb eine engmaschige Betreuung der Schwangerschaft bei Adenomyose. Das unterscheidet sich von der Empfehlung bei Endometriose ohne Adenomyose, für die die ESHRE keine zusätzliche Überwachung vorsieht (siehe nächster Abschnitt). Sprich deine Frauenärztin früh auf die Diagnose an.

Schwangerschaft mit Endometriose

Wenn es geklappt hat, kommt oft die nächste Sorge: Ist die Schwangerschaft mit Endometriose riskanter? Einige Komplikationen sind etwas häufiger. Die ESHRE betont aber, dass sie selten sind und weder eine zusätzliche Überwachung rechtfertigen noch ein Grund sind, von einer Schwangerschaft abzuraten (stark).

Risiken in Zahlen

Die größte Metaanalyse umfasst 33 Beobachtungsstudien mit über 3,2 Millionen Frauen (Lalani 2018):

Komplikation OR (95-%-Konfidenzintervall)
Präeklampsie 1,18 (1,01 bis 1,39)
Schwangerschaftsdiabetes 1,26 (1,03 bis 1,55)
Placenta praevia (Plazenta vor dem Muttermund) 3,31 (2,37 bis 4,63)
Kaiserschnitt 1,86 (1,51 bis 2,29)
Frühgeburt 1,70 (1,40 bis 2,06)
Vorzeitiger Blasensprung 2,33 (1,39 bis 3,90)
Zu kleines Kind für die Schwangerschaftswoche 1,28 (1,11 bis 1,49)
Totgeburt 1,29 (1,10 bis 1,52)
Tod des Neugeborenen 1,78 (1,46 bis 2,16)

Placenta praevia und Frühgeburt waren auch bei Frauen häufiger, die ohne Kinderwunschbehandlung schwanger geworden waren. Die Werte sind relative Angaben: Ein OR von 1,70 bedeutet nicht, dass 70 % der Kinder zu früh kommen, sondern dass die Wahrscheinlichkeit im Vergleich zu Frauen ohne Endometriose erhöht ist. Wie groß das tatsächliche Risiko ist, hängt davon ab, wie häufig die Komplikation insgesamt vorkommt.

Die ESHRE weist auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt im ersten Drittel der Schwangerschaft und für eine Eileiterschwangerschaft hin (stark). Die AWMF ergänzt in ihrer Liste unter anderem eine vorzeitige Plazentalösung und, sehr selten, eine spontane Blutung in den Bauchraum. Neue, starke Bauchschmerzen in der Schwangerschaft solltest du deshalb immer ärztlich abklären lassen.

Endet eine Schwangerschaft so früh, dass sie nur über das Schwangerschaftshormon hCG nachweisbar war und im Ultraschall noch nicht zu sehen ist, spricht man von einer biochemischen Schwangerschaft. Was das für den nächsten Versuch bedeutet, erklären wir dort.

Wird die Endometriose in der Schwangerschaft besser?

Oft, aber nicht verlässlich. In einer Ultraschallstudie mit 65 Schwangeren bildeten sich 85 % der Endometriome (29 von 34) und 84 % der tiefen Herde (43 von 51) zurück. 6 % der Endometriome und 4 % der tiefen Herde wuchsen dagegen (Bean 2023). Im ersten und zweiten Drittel der Schwangerschaft sind auch vorübergehende Verschlechterungen möglich (AWMF).

Eine systematische Übersicht kommt zu dem Schluss, dass sich nicht generell erwarten lässt, dass eine Schwangerschaft Größe und Zahl der Herde verringert (Leeners 2018). Die ESHRE rät ausdrücklich davon ab, Frauen eine Schwangerschaft als Behandlung der Endometriose zu empfehlen (stark).

Eine Besonderheit: Endometriome können sich in der Schwangerschaft durch die Hormone verändern und im Ultraschall wie ein bösartiger Befund aussehen. Die ESHRE empfiehlt, auffällige Endometriome in der Schwangerschaft in einem erfahrenen Zentrum beurteilen zu lassen (stark). Laut AWMF erleichtert ein Ultraschallbefund von vor der Schwangerschaft die Einordnung.

Geburt

Eine operierte oder noch vorhandene tief infiltrierende Endometriose spricht nicht gegen eine vaginale Geburt (AWMF 7.S23). Bei Endometriose am Enddarm gibt es keine Empfehlung für einen bestimmten Geburtsmodus, die Risiken sollen aber besprochen werden (7.E63). Weil bei tief infiltrierender Endometriose unter der Geburt häufiger ein Kaiserschnitt nötig wird, sollte die Geburt im Krankenhaus stattfinden (7.E64).

Stillen

In einer großen US-Kohorte mit 72.394 Frauen, die mindestens eine Schwangerschaft hatten, erhielten Frauen, die insgesamt 36 Monate oder länger gestillt hatten, seltener neu die Diagnose Endometriose (HR 0,60; 0,50 bis 0,72; Farland 2017). Ob Stillen einen Rückfall bei bereits bekannter Endometriose verhindert, ist nicht untersucht.

Pipette und Petrischale im Reproduktionslabor bei Endometriose-Behandlung

Kosten und Kassenübernahme in DE AT CH

Die Finanzierung der Endometriose-Behandlung unterscheidet sich erheblich zwischen den DACH-Ländern. Ein Überblick über die wichtigsten Regelungen. Mit dem Kostenrechner kannst du deinen Eigenanteil für IVF oder ICSI für Deutschland, Österreich und die Schweiz abschätzen.

Deutschland: Gesetzliche und private Krankenversicherung

Diagnostik: Alle diagnostischen Maßnahmen werden von den Krankenkassen übernommen:

  • Ultraschalluntersuchungen
  • MRT bei entsprechender Indikation
  • Laparoskopie zur Diagnosestellung
  • Laboruntersuchungen

Medikamentöse Therapie:

  • GnRH-Analoga: Kassenleistung, gesetzliche Zuzahlung 5 bis 10 €
  • Gestagene: Rezeptpflichtig, Zuzahlung 5 bis 10 €
  • Aromatase-Hemmer: Off-Label-Use, Kostenübernahme nur im Einzelfall

Operative Behandlung: Laparoskopische Eingriffe werden vollständig übernommen. Bei Kombinationseingriffen können Zusatzkosten entstehen.

Reproduktionsmedizinische Behandlung

IVF/ICSI-Zyklen:

  • 3 Versuche zu 50 % bei verheirateten Paaren (IVF oder ICSI, nicht beides zusätzlich)
  • Altersgrenze: beide mindestens 25; die Frau darf ihren 40., der Mann seinen 50. Geburtstag noch nicht erreicht haben
  • Behandlungsplan muss vor Beginn von der Krankenkasse genehmigt werden
  • Eigenanteil: laut einem Kinderwunschzentrum in Augsburg etwa 1.200 bis 1.700 € je IVF- und 1.400 bis 1.900 € je ICSI-Versuch, Medikamente inklusive (Details und Rechner unter Kostenübernahme)

Zusätzliche Kosten:

  • Leistungen außerhalb des genehmigten Behandlungsplans, etwa ein Kryotransfer, zahlst du selbst (§ 27a Abs. 3 SGB V; Richtlinie über künstliche Befruchtung Nr. 10)
  • Einfrieren und Lagerung überzähliger Eizellen oder Embryonen aus einer IVF: Selbstzahlerleistung, die Kosten unterscheiden sich je nach Zentrum
  • Einfrieren unbefruchteter Eizellen vor einer keimzellschädigenden Behandlung: Kassenleistung nach § 27a Abs. 4 SGB V und Kryo-Richtlinie bis zum 40. Geburtstag, Einzelheiten unter Wer zahlt das Einfrieren?

Mehr Details zur Kostenerstattung findest du in unserem AOK Kinderwunsch Guide.

Österreich: Sozialversicherung

Allgemeine Regelungen: Diagnostik und Behandlung der Endometriose sind Leistungen der Krankenversicherung.

Diagnostik und Therapie:

  • Kostenübernahme für die notwendigen Untersuchungen
  • Medikamente gegen Rezeptgebühr (2026: 7,55 € pro Packung)
  • Operative Eingriffe als Kassenleistung

IVF-Fonds:

  • Endometriose ist ausdrücklich eine der Indikationen, für die der Fonds zahlt
  • 70 % Kostenübernahme für bis zu 4 Versuche (IVF, ICSI und Kryotransfers), Medikamente inklusive
  • Altersgrenze: Die Frau muss bei Versuchsbeginn jünger als 40 sein, der Partner jünger als 50
  • Voraussetzung: Mindestens ein Partner mit Hauptwohnsitz in Österreich
  • Selbstbehalt 30 %: etwa 970 bis 1.330 € pro Versuch, je nach Alter, Methode und Zentrum

Besonderheiten:

  • Ehe, eingetragene Partnerschaft und Lebensgemeinschaft sind gleichgestellt
  • Nur in österreichischen Vertragszentren, keine Erstattung für Behandlungen im Ausland
  • Keine nachträgliche Rückerstattung bei Selbstfinanzierung

Schweiz: Grundversicherung und Zusatzversicherungen

Grundversicherung (KVG): Die obligatorische Krankenversicherung übernimmt:

  • Diagnostische Maßnahmen vollständig
  • Medikamentöse Therapie mit Selbstbehalt
  • Operative Eingriffe nach Kostengutsprache

Selbstbehalt und Franchise:

  • Jährliche Franchise: 300 bis 2.500 CHF
  • Selbstbehalt: 10 % bis maximal 700 CHF/Jahr
  • Spitalaufenthalte: Zusätzliche Kosten möglich

Reproduktionsmedizin in der Schweiz

Kostenübernahme:

  • Grundversicherung: Diagnostische Abklärung sowie bis zu 3 Inseminationen (IUI) pro Schwangerschaft, jeweils mit Franchise und Selbstbehalt
  • IVF/ICSI: Keine Kassenleistung
  • Vollständige Selbstzahlung notwendig

Behandlungskosten:

  • IVF- und ICSI-Zyklen kosten in der Schweiz mehrere tausend Franken
  • Die Preise unterscheiden sich je nach Zentrum deutlich, Medikamente kommen meist hinzu
  • Ein schriftlicher Kostenvoranschlag vor Beginn schafft Klarheit

Zusatzversicherungen: Manche Zusatzversicherungen übernehmen Teile der Kosten:

  • Behandlungskostenpauschalen
  • Medikamentenzuschüsse
  • Spitalzusatzversicherung für Komfort

Kostenvergleich DACH-Region

Land Diagnostik Operation IVF-Zyklus Medikamente
Deutschland Vollständig Vollständig ca. 1.200 bis 1.900 € Eigenanteil 5 bis 10 € Zuzahlung
Österreich Vollständig Kassenleistung ca. 970 bis 1.330 € Selbstbehalt 7,55 € Rezeptgebühr
Schweiz Vollständig Nach Gutsprache Selbstzahlung (mehrere tausend CHF) Selbstbehalt

Antragstellung und Bewilligung

Deutschland: Für IVF oder ICSI stellt die Praxis einen Behandlungsplan aus. Die Krankenkasse muss ihn vor Behandlungsbeginn genehmigen.

Österreich: Kein eigener Antrag beim IVF-Fonds nötig: Das Vertragszentrum prüft Indikation und Anspruch, du zahlst 30 % und das Zentrum rechnet den Rest direkt mit dem Fonds ab.

Schweiz: Kostengutsprache bei der Krankenkasse beantragen. Detaillierter Arztbericht erforderlich.

Häufige Fragen

Kann man mit Endometriose auf natürlichem Weg schwanger werden?

Ja. Bei minimaler oder leichter Endometriose hatten in einer randomisierten Studie ohne Entfernung der Herde 17,7 % der Frauen innerhalb von 36 Wochen eine Schwangerschaft, die mindestens 20 Wochen bestand, nach Entfernung der Herde 30,7 % (Marcoux 1997, 341 Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch). In einer italienischen Studie wurden ohne Behandlung innerhalb eines Jahres 29 % schwanger (Parazzini 1999). Auch bei Darmendometriose kommt es ohne Operation zu Schwangerschaften, in Beobachtungsstudien kumulativ bei 36 % (Larraín 2026). Weil das Alter die Chancen stark beeinflusst, empfiehlt die AWMF, darüber offen aufzuklären. Bei bekannter Endometriose rät die ASRM, die Abklärung gleich zu beginnen, statt ein Jahr abzuwarten (ASRM 2021).

Wie viele Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch haben Endometriose?

Schätzungsweise 25 bis 50 % (WHO 2025), die AWMF-Leitlinie nennt "bis zu 50 %". In einer belgischen Studie mit 221 Frauen mit regelmäßigem Zyklus und unauffälligem Spermiogramm des Partners fand die Bauchspiegelung bei 47 % eine Endometriose (Meuleman 2009).

Welches Endometriose-Stadium ist am schlimmsten für die Fruchtbarkeit?

Bei der IVF schneiden Frauen im Stadium III und IV schlechter ab: Einnistungs- und klinische Schwangerschaftsrate waren um etwa ein Fünftel niedriger (RR 0,79; Harb 2013). Für natürliche Schwangerschaften gibt es keine belastbaren monatlichen Raten je Stadium. Das Stadium sagt Schmerz und Fruchtbarkeit ohnehin schlecht voraus (AWMF 2.S4), und das Stadium passt oft nicht zur Stärke der Beschwerden. Aussagekräftiger sind der Zustand der Eileiter, die Eizellreserve, dein Alter und nach einer Operation der EFI.

Wie hoch ist die Chance, nach einer Endometriose-OP natürlich schwanger zu werden?

Das hängt vom Endometriosis Fertility Index ab, den die Operateurin nach der Bauchspiegelung bestimmt. In einer Metaanalyse mit 17 Studien und 4.598 Frauen lag die kumulative Schwangerschaftsrate innerhalb von 36 Monaten ohne IVF oder ICSI bei 10 % (EFI 0 bis 2) bis 69 % (EFI 9 bis 10) (Vesali 2020). Ein belegtes Zeitfenster, in dem die meisten Schwangerschaften nach der Operation eintreten, gibt es nicht.

Hilft Dienogest oder eine andere Hormontherapie beim Schwangerwerden?

Nein. ESHRE (starke Empfehlung), NICE und AWMF raten bei aktuellem Kinderwunsch von einer Hormontherapie ab. Sie unterdrückt den Eisprung und kostet Zeit. Eine Cochrane-Analyse fand nach Operation mit anschließender Hormontherapie zwar etwas höhere Schwangerschaftsraten (RR 1,22; 11 Studien, 932 Frauen), die Studien haben aber nicht erfasst, wie lange es bis zur Schwangerschaft dauerte (Chen 2020; AWMF 2025). Bei späterem Kinderwunsch ist eine Hormontherapie nach der Operation zum Rückfallschutz sinnvoll.

Sollte man vor einer IVF operieren lassen?

In der Regel nicht routinemäßig. Bei leichter Endometriose und bei Endometriomen empfiehlt die ESHRE keine routinemäßige Operation vor einer IVF (stark). Eine Endometriom-Operation senkt die Eizellreserve, eine höhere Lebendgeburtenrate ist nicht belegt (OR 0,89; sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit; Riemma 2026). Gründe für eine Operation sind starke Schmerzen, schlecht erreichbare Eierstöcke, ein abklärungsbedürftiger Befund oder ein flüssigkeitsgefüllter Eileiter (Hydrosalpinx). Feste Grenzen wie eine bestimmte Zystengröße oder ein AMH-Schwellenwert stehen in keiner Leitlinie. Bei leichter Endometriose mit offenen Eileitern kann vor der IVF auch eine Insemination eine Option sein.

Senkt eine Endometriom-OP das AMH?

Ja. Nach einer Zystektomie fiel das AMH in einer Übersicht von 14 Studien im Mittel um 1,17 bis 2,13 ng/ml, das entspricht 35 bis 54 % (Younis 2022, 650 Frauen). Laut AWMF schränken alle Operationsverfahren die Eizellreserve ein. Die AWMF empfiehlt deshalb, das AMH vor der Therapieentscheidung zu bestimmen (6.E45).

Wie erfolgreich ist IVF bei Endometriose?

Insgesamt ähnlich wie ohne Endometriose: Die Lebendgeburtenrate pro Frau unterschied sich in einer Metaanalyse nicht gesichert (OR 0,94; Hamdan 2015). Bei rASRM III/IV sind Einnistungs- und klinische Schwangerschaftsraten niedriger (RR 0,79; Harb 2013). Eigene Erfolgsraten für Endometriose veröffentlicht das Deutsche IVF-Register nicht.

Brauche ich bei Endometriose ICSI statt IVF?

Nicht wegen der Endometriose allein. Die ESHRE empfiehlt ICSI nur bei männlicher Ursache (ESHRE Add-ons 2023). Ist das Spermiogramm deines Partners auffällig, ist ICSI dagegen sinnvoll.

Bringt eine lange GnRH-Vorbehandlung vor der IVF etwas?

Nach aktueller Datenlage nicht sicher. Die ESHRE empfiehlt sie nicht (stark), zwei Netzwerk-Metaanalysen randomisierter Studien von 2025 und 2026 fanden keinen Vorteil bei der Lebendgeburt. Die AWMF hält bei schwerer Endometriose eine individuelle Entscheidung für möglich.

Ist ein Kryotransfer bei Endometriose besser als ein Frischtransfer?

Möglicherweise. Sechs retrospektive Studien mit 3.010 Frauen zeigen nach dem ersten Kryotransfer eine höhere Lebendgeburtenrate als nach dem ersten Frischtransfer (OR 1,53; Chang 2022). Randomisierte Studien fehlen. Mehr zum Ablauf im Ratgeber Kryotransfer.

Ist eine Insemination bei Endometriose sinnvoll?

Bei leichter Endometriose mit durchgängigen Eileitern ja, und zwar mit Hormonstimulation (ESHRE, schwache Empfehlung). In einer randomisierten Studie lag die Lebendgeburtenrate pro Zyklus nach Stimulation plus IUI bei 11 %, ohne Behandlung bei 2 % (Tummon 1997). Vorher sollten die Eileiter geprüft werden. Mehr als drei bis vier Zyklen sind laut AWMF wenig sinnvoll.

Sollte ich vor einer Endometriose-OP Eizellen einfrieren?

Bei ausgedehnter Endometriose an den Eierstöcken sollte das besprochen werden. Den tatsächlichen Nutzen hält die ESHRE für unbekannt. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt das Einfrieren unbefruchteter Eizellen vor einer keimzellschädigenden Behandlung bis zum 40. Geburtstag (§ 27a Abs. 4 SGB V, Kryo-Richtlinie). Ob eine Endometriom-Operation dazu zählt, ist nicht ausdrücklich geregelt und wird im Einzelfall ärztlich festgestellt.

Verschlechtert eine Kinderwunschbehandlung die Endometriose?

Bei der IVF nach heutiger Datenlage nicht: Schmerzen und Rückfälle nehmen nicht zu (ESHRE; Somigliana 2019, mäßige Vertrauenswürdigkeit). Für die IUI gibt es schwache Hinweise auf mehr Rückfälle, und tiefe Herde können unter einer Stimulation möglicherweise fortschreiten (niedrige und sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit).

Hat Endometriose Einfluss auf die Eizellqualität?

Bei einer IVF werden im Mittel etwa 2 Eizellen weniger gewonnen (Hamdan 2015). Die Embryoqualität ist unter dem Mikroskop aber nicht schlechter, auch nicht bei Stadium III/IV (Dongye 2021, 22 Studien). Für Ernährung, Nahrungsergänzung oder andere nicht-medizinische Maßnahmen kann die ESHRE keine Empfehlung zur Steigerung der Fruchtbarkeit geben.

Verschlechtert sich Endometriose während der Schwangerschaft?

Meist nicht, aber eine Schwangerschaft ist keine Therapie. In einer Ultraschallstudie bildeten sich 85 % der Endometriome und 84 % der tiefen Herde zurück, 6 % beziehungsweise 4 % wuchsen (Bean 2023, 65 Schwangere). Im ersten und zweiten Drittel sind vorübergehende Verschlechterungen möglich. Die ESHRE rät, Frauen eine Schwangerschaft nicht als Behandlung zu empfehlen (stark). Endometriome, die in der Schwangerschaft auffällig aussehen, sollen in einem erfahrenen Zentrum beurteilt werden.

Ist Endometriose in der Schwangerschaft gefährlich?

Einige Komplikationen sind häufiger, etwa eine Placenta praevia (OR 3,31) und eine Frühgeburt (OR 1,70) (Lalani 2018, 33 Studien). Die ESHRE betont, dass diese Komplikationen selten sind, und sieht darin keinen Grund, von einer Schwangerschaft abzuraten oder routinemäßig häufiger zu kontrollieren (stark). Bei zusätzlicher Adenomyose empfehlen Fachleute dagegen eine engmaschige Betreuung (Nirgianakis 2021).

Ist bei Endometriose eine natürliche Geburt möglich?

Ja. Auch eine operierte oder noch vorhandene tief infiltrierende Endometriose spricht nicht gegen eine vaginale Geburt (AWMF 7.S23). Weil bei tief infiltrierender Endometriose, auch nach einer Operation, häufiger ein Kaiserschnitt nötig wird, sollte die Geburt im Krankenhaus stattfinden (AWMF 7.E64).

Kann Endometriose nach einer Schwangerschaft wiederkommen?

Ja, das ist möglich. Eine Schwangerschaft heilt Endometriose nicht dauerhaft, auch wenn sich viele Herde währenddessen zurückbilden (Bean 2023; Leeners 2018). Wie häufig die Beschwerden nach der Geburt zurückkehren, ist nicht verlässlich untersucht. Langes Stillen war in einer großen Studie mit seltener neu gestellten Endometriose-Diagnosen verbunden (Farland 2017). Ob es einen Rückfall bei bekannter Endometriose verhindert, weiß man nicht. Wenn die Familienplanung abgeschlossen ist oder pausiert, kann eine Hormontherapie Rückfällen vorbeugen. Nach einer Operation empfiehlt die ESHRE gegen wiederkehrende Regelschmerzen ein Levonorgestrel-Intrauterinsystem oder eine kombinierte Pille für mindestens 18 bis 24 Monate (stark); beides ist bei Endometriose off-label und verschreibungspflichtig.

Welche Rolle spielt das Alter bei Endometriose und Kinderwunsch?

Eine große. Beide, Endometriose und Alter, senken die Chancen, und die AWMF empfiehlt, über den Alterseffekt aufzuklären (7.E60). Wie stark das Alter bei einer IVF zählt, zeigen die Daten des Deutschen IVF-Registers über alle Indikationen (IVF, Datenjahre 2019 bis 2023): Bei Frauen von 30 bis 34 Jahren lag die Schwangerschaftsrate bei 39,0 % und die Geburtenrate bei 30,9 % pro Embryotransfer, bei Frauen von 41 bis 44 Jahren bei 17,1 % und 9,3 %. Bei einem Endometriom nennt die AWMF-Leitlinie ein Alter über 35 Jahre als Argument, eher direkt eine IVF zu beginnen. Eizellspende ist in Deutschland und der Schweiz verboten, in Österreich nur unter engen Voraussetzungen erlaubt (ESchG § 1; FMedG Schweiz Art. 4; FMedG Österreich § 2b, § 3). Mehr zu den einzelnen Altersjahren findest du im Ratgeber Schwanger werden ab 35.

Kann man mit Adenomyose schwanger werden?

Ja, die Chancen nach einer IVF sind aber niedriger: Lebendgeburt OR 0,59 und klinische Schwangerschaft OR 0,66 im Vergleich zu Frauen ohne Adenomyose (Cozzolino 2022). Belastbare Zahlen zur natürlichen Schwangerschaftsrate bei Adenomyose fehlen.

Erhöht Adenomyose das Fehlgeburtsrisiko?

Ja. Nach IVF oder ICSI waren Fehlgeburten etwa doppelt so häufig wie ohne Adenomyose (RR 2,12, Vercellini 2014; OR 2,17, Nirgianakis 2021). In der Metaanalyse von Vercellini lag der Anteil der Fehlgeburten unter den klinischen Schwangerschaften mit Adenomyose bei 31,9 %, ohne bei 14,1 %.

Wie wird Adenomyose festgestellt?

Zuerst mit einem transvaginalen Ultraschall nach den MUSA-Kriterien, die MRT folgt in zweiter Linie. Beide gelten als gleichwertig (AWMF 6.E37). Direkte Zeichen sind kleine Zysten im Muskel, echoreiche Inseln sowie Linien und Knospen unter der Schleimhaut (MUSA 2022). Eine Gewebeprobe wird nicht empfohlen (AWMF 6.E38).

Hilft eine GnRH-Spritze vor dem Kryotransfer bei Adenomyose?

Das ist unklar. Die AWMF hält eine höhere Lebendgeburtenrate auf Basis von Beobachtungsstudien für möglich. Die aktuellste Metaanalyse (Steinmann 2025) und kleine randomisierte Studien zeigen keinen Vorteil. Die Anwendung ist off-label. Eine große randomisierte Studie läuft (GOLD-FET), Ergebnisse sind frühestens 2027 zu erwarten.

Kann man Adenomyose operieren und danach schwanger werden?

Bei fokaler oder zystischer Adenomyose ist eine organerhaltende Entfernung möglich (AWMF 6.E40). Nach Adenomyomektomie lag die Schwangerschaftsrate in Beobachtungsstudien bei rund 50 % (Liu 2025), Vergleichsstudien fehlen. Fast alle Geburten erfolgten per Kaiserschnitt. Embolisation, HIFU und Ablationsverfahren sollen nur in Studien eingesetzt werden (AWMF 6.E39).

Hilft Homöopathie, Osteopathie oder Naturheilkunde bei Endometriose und Kinderwunsch?

Für eine bessere Fruchtbarkeit gibt es keinen Beleg. Die ESHRE kann keine nicht-medizinische Maßnahme empfehlen. Osteopathie kann laut AWMF bei Beschwerden erwogen werden (4.E28).

Ist Letrozol bei Endometriose zugelassen?

Nein. Letrozol ist in Deutschland nur für Brustkrebs zugelassen. Bei Endometriose und zur Auslösung des Eisprungs wird es off-label eingesetzt, und es steht nicht in der Off-Label-Liste des Gemeinsamen Bundesausschusses. Die AWMF sieht Aromatasehemmer bei Endometriose nur in Studien bei Beschwerden vor, die auf andere Therapien nicht ansprechen.

Fazit

Endometriose und Kinderwunsch müssen kein Widerspruch sein. Wie gut die Chancen stehen, hängt vor allem vom Zustand der Eileiter, von der Eizellreserve, vom Alter und nach einer Operation vom EFI ab, weniger vom Stadium. Bei leichter Endometriose können eine Operation oder eine Insemination mit Stimulation helfen. Ist eine IVF ohnehin geplant, raten die Leitlinien von einer routinemäßigen Operation vorher ab, vor allem bei Endometriomen. Eine Hormontherapie wird bei aktuellem Kinderwunsch nicht empfohlen. Bei Adenomyose sind die Chancen nach einer IVF niedriger und Fehlgeburten häufiger, hier lohnt eine genaue Diagnostik nach den MUSA-Kriterien.

Eine sorgfältige Abklärung ist die Grundlage für jede Entscheidung, ob abwarten, operieren oder direkt eine Kinderwunschbehandlung. Hol dir die Unterstützung, die du brauchst, am besten in einem Zentrum, in dem Endometriose-Chirurgie und Reproduktionsmedizin eng zusammenarbeiten. Eine Übersicht bietet unser Vergleich der Kinderwunschkliniken, und unser Kinderwunsch-Berater hilft dir, die nächsten Schritte zu sortieren.

Quellen

Leitlinien und Stellungnahmen

Recht, Register und Arzneimittel

Studien: Häufigkeit, Fruchtbarkeit und Prognose

Studien: Operation, Endometriom und Eizellreserve

Studien: Hormontherapie, Insemination und IVF

Studien: Fertilitätserhalt

Studien: Adenomyose

Studien: Schwangerschaft und Stillen

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Fertilio Redaktion

Die Fertilio Redaktion recherchiert Kinderwunsch-Themen anhand von Fachquellen wie dem Deutschen IVF-Register, medizinischen Leitlinien und Gesetzestexten. Die Quellen stehen jeweils am Ende des Artikels. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.