Teil unseres Ratgebers: Künstliche Befruchtung

Die Intrauterine Insemination (kurz IUI) ist die einfachste Form der assistierten Reproduktion. Aufbereitete Spermien werden direkt in die Gebärmutter eingebracht. Kein OP-Saal, keine Narkose, keine Eizellentnahme. Der Eingriff selbst dauert nur wenige Minuten, und du kannst danach nach Hause gehen.

In vielen Kinderwunschzentren ist die IUI der erste Behandlungsschritt, bevor aufwändigere Methoden wie IVF oder ICSI zum Einsatz kommen. Als Richtwert nennt familienplanung.de etwa 370 Euro für eine Insemination ohne und 670 Euro mit Hormonbehandlung, das finanzielle Risiko pro Versuch ist also überschaubar. Ehrlicherweise muss man aber sagen: Die Erfolgschancen der intrauterinen Insemination sind begrenzt. Laut dem Deutschen Register für Insemination (DERI) führt eine IUI mit dem Samen des Partners nur in rund 10 Prozent der Fälle zu einer klinischen Schwangerschaft (2024: 10,3 %) und in rund 6 Prozent zu einer Geburt (2023: mindestens 6,3 %). Ob IUI für dich Sinn ergibt, hängt von eurer Diagnose, deinem Alter und eurer Geduld ab.

Weiter unten findest du die Chancen nach Alter aus zehntausenden Inseminationen in deutschen Zentren, getrennt nach Partner- und Spendersamen, dazu Studien über mehrere Zyklen und die Faktoren, die das Ergebnis verschieben.

Was ist eine IUI Behandlung?

Bei der Intrauterinen Insemination wird das Sperma deines Partners (oder eines Spenders) im Labor aufbereitet. Dabei werden die schnellsten und beweglichsten Spermien herausgefiltert und konzentriert. Anschließend werden diese Spermien mit einem dünnen Katheter direkt in deine Gebärmutterhöhle eingebracht, vorbei am Gebärmutterhals, der sonst als natürliche Barriere wirkt.

Der Gedanke dahinter: Die Spermien starten näher an der Eizelle, und es kommen nur die beweglichsten zum Einsatz. Das soll die Chance auf eine Befruchtung erhöhen, ohne dass in die Befruchtung selbst eingegriffen wird.

IUI gibt es in zwei Varianten:

Ohne hormonelle Stimulation (Naturzyklus): Genutzt wird dein natürlicher Eisprung, manchmal mit einer Auslösespritze zum passenden Zeitpunkt. Günstiger, weniger Nebenwirkungen, aber auch niedrigere Erfolgsraten: Im Deutschen Register für Insemination lag die klinische Schwangerschaftsrate bei 8,6 % pro Insemination (2020 bis 2024).

Mit hormoneller Stimulation: Tabletten (Clomifen oder Letrozol) oder niedrig dosierte FSH-Spritzen regen die Eierstöcke an. Ziel sind ein bis zwei, höchstens drei reife Follikel (mehr dazu unter Was die Chancen beeinflusst). Im Register lag die Schwangerschaftsrate mit FSH-Spritzen bei 14,5 % pro Insemination, mit Letrozol bei 11,7 % und mit Clomifen allein bei 8,0 %. Das sind Registerwerte ohne Zufallszuteilung, die Gruppen sind deshalb nicht direkt vergleichbar. Mit der Stimulation steigt aber auch das Mehrlingsrisiko, die Zahlen dazu stehen unter Stimulation und Mehrlingsrisiko.

Eine Übersicht über Kliniken, die Inseminationen anbieten, findest du auf unserer Seite Insemination (IUI).

Für wen ist IUI geeignet?

IUI funktioniert nicht für jede Konstellation. Gut geeignet ist die Behandlung bei:

  • Leicht eingeschränktem Spermiogramm: Wenn Spermienzahl oder Beweglichkeit leicht unter dem Normwert liegen. Entscheidend ist, wie viele bewegliche Spermien nach der Aufbereitung übrig bleiben. Einen allgemeingültigen Grenzwert gibt es nicht, was Studien dazu fanden, steht unter Bewegliche Spermien nach der Aufbereitung. Was die Werte im Befund bedeuten, erklärt der Artikel Spermiogramm: gute Werte.
  • Zervixfaktor: Der Gebärmutterhals-Schleim behindert den Spermientransport. IUI umgeht dieses Problem komplett.
  • Unerklärter Kinderwunsch (idiopathische Sterilität): Alle Befunde sind normal, es klappt trotzdem nicht. Die europäische Fachgesellschaft ESHRE empfiehlt hier die IUI mit Stimulation als erste Behandlung (Leitlinie 2023). Beachte aber: Die Richtlinie der gesetzlichen Kassen in Deutschland nennt die unerklärte Kinderlosigkeit nicht als Grund für eine Insemination. Kläre deshalb vorab mit Praxis und Kasse, ob sie zahlt.
  • Leichter Endometriose: Bei Endometriose im Stadium I oder II kann laut ESHRE-Leitlinie (2022) eine IUI mit Stimulation erfolgen. Mehr dazu unter Endometriose und Kinderwunsch.
  • Spendersamen: Single-Frauen oder lesbische Paare, die mit Spendersamen schwanger werden möchten. Wie das Schritt für Schritt abläuft, steht unter Samenspende: Ablauf.
  • Erektions- oder Ejakulationsstörungen: Wenn Geschlechtsverkehr zum richtigen Zeitpunkt nicht möglich ist.

IUI ist nicht geeignet bei verschlossenen Eileitern (mindestens einer muss durchgängig sein) und bei stark eingeschränkter Spermienqualität. Ab welchen Werten Studien die Chancen beeinträchtigt sehen, steht unter Bewegliche Spermien nach der Aufbereitung. In beiden Fällen kommen stattdessen IVF oder ICSI in Frage. Auch mit dem Alter wird es schwieriger: Bei Frauen von 40 bis 44 Jahren lag die Geburtenrate im Register bei mindestens 2,5 % pro Insemination, ab 45 gab es keine Geburt. Ab 38 Jahren führte IVF in der einzigen randomisierten Studie zu deutlich mehr Geburten als die stimulierte IUI (siehe IUI vs. IVF).

Ablauf einer IUI, Schritt für Schritt

Schritt 1: Zyklusmonitoring

Zu Beginn des Zyklus startet das Monitoring per Ultraschall und, je nach Praxis, Blutabnahme. Dabei wird beobachtet, wie deine Follikel wachsen. Bei einer stimulierten IUI nimmst du in den ersten Zyklustagen Tabletten wie Clomifen oder Letrozol, oder du spritzt niedrig dosiertes FSH. Warum FSH-Präparate (Gonadotropine) nur niedrig dosiert und gut überwacht eingesetzt werden sollen, steht unter Stimulation und Mehrlingsrisiko. Wie die Medikamente wirken, erklärt der Artikel Hormonbehandlung bei Kinderwunsch.

Schritt 2: Eisprung auslösen

Sobald der führende Follikel reif ist, wird der Eisprung meist mit einer hCG-Spritze ausgelöst. Laut Fachinformation des hCG-Präparats Brevactid folgt der Eisprung etwa 36 Stunden nach der Spritze in den Muskel. In einer französischen Studie wurde ausgelöst, sobald mindestens ein Follikel größer als 16 mm war, und 36 Stunden danach inseminiert (Merviel 2010). Den genauen Zeitpunkt plant deine Praxis.

Ultraschall-Monitoring während der IUI-Behandlung

Schritt 3: Spermaaufbereitung

Dein Partner gibt am Tag der Insemination eine Spermaprobe ab, bei Spendersamen wird eine Probe aus der Samenbank aufgetaut. Das Labor trennt die beweglichen Spermien von der Samenflüssigkeit, gängig sind die Dichtegradientenzentrifugation und das Swim-up-Verfahren. Das Wiesbadener Kinderwunschzentrum etwa arbeitete in der großen Auswertung von Schorsch und Kollegen (2013) mit Waschen und Swim-up. Die Aufbereitung braucht etwas Zeit, die Praxis sagt dir, wann ihr wiederkommen sollt.

Katheter-Vorbereitung für die intrauterine Insemination

Schritt 4: Insemination

Du liegst auf dem gynäkologischen Stuhl. Ein dünner, flexibler Katheter wird durch den Gebärmutterhals geführt, darüber werden die aufbereiteten Spermien eingebracht. Das dauert nur wenige Minuten. Viele Frauen empfinden es als leichtes Ziehen, vergleichbar mit einem Abstrich. Keine Narkose nötig. Ob du danach kurz liegen bleiben solltest, steht weiter unten unter Muss ich nach der IUI liegen bleiben?.

Schritt 5: Warten und Testen

Nach der Insemination gehst du deinem normalen Alltag nach. Etwa zwei Wochen später zeigt ein Bluttest auf das Schwangerschaftshormon hCG, ob es geklappt hat. Das Kinderwunsch-Zentrum Hannover zum Beispiel rät, nicht vor dem 14. Tag nach der Insemination zu testen.

Teste nicht zu früh: Hast du eine Auslösespritze mit hCG bekommen (zum Beispiel Ovitrelle oder Brevactid), kann diese laut Fachinformation bis zu 10 Tage lang hCG-Tests im Blut oder Urin beeinflussen. Ein früher Test kann dann falsch positiv sein. Auch die britische Behörde HFEA rät, nicht zu früh zu testen, weil das Ergebnis irreführend sein kann.

Wann ein Test sinnvoll ist, in welcher Schwangerschaftswoche du nach der IUI bist und wann der rechnerische Geburtstermin liegt, zeigt dir der Geburtstermin-Rechner. Er hat einen eigenen Modus für die Insemination. Weil der Eisprung bei der IUI nicht auf die Stunde bekannt ist, ist der Termin eine Schätzung, festgelegt wird er später per Ultraschall.

IUI-Erfolgschancen nach Alter

Hier die Zahlen so, wie sie sind, ohne Schönfärberei. Damit du sie richtig liest, vorab vier Begriffe:

So liest du die Zahlen

Pro Insemination heißt: pro tatsächlich durchgeführter Insemination. Zyklen, die vorher abgebrochen werden, fehlen. Bei stimulierten Zyklen mit Partnersamen erreichten im deutschen Register 88,8 % die Insemination, rund 11 % endeten also vorher.

Klinische Schwangerschaft heißt: ärztlich nachgewiesen, in der Regel per Ultraschall. Ein positiver Test, der danach wieder abfällt (biochemische Schwangerschaft), zählt nicht.

Geburt pro Insemination ist die Zahl, die am Ende zählt. Im deutschen Register ist sie eine Untergrenze, weil bei etwa jeder fünften klinischen Schwangerschaft weder Fehlgeburt noch Geburt dokumentiert ist.

Kumulativ heißt: über mehrere Versuche zusammengerechnet.

Partnersamen: die Zahlen aus Deutschland

Die verlässlichste Quelle für Deutschland ist das Deutsche Register für Insemination (DERI). Es wird beim Arbeitskreis Donogene Insemination geführt, die Zentren nehmen freiwillig teil, zuletzt waren es 48. Die Auswertung erscheint als Sonderteil im Jahrbuch des Deutschen IVF-Registers (D·I·R). Die Altersauswertung fasst die Jahre 2019 bis 2023 zusammen:

Alter der Frau Inseminationen Klinische Schwangerschaft pro Insemination Geburt pro Insemination (mindestens) Fehlgeburten pro klinischer Schwangerschaft
bis 24 570 8,2 % 5,0 % 21,7 %
25 bis 29 8.289 11,3 % 7,5 % 14,5 %
30 bis 34 24.036 10,3 % 6,5 % 15,2 %
35 bis 39 21.152 9,7 % 5,7 % 22,1 %
40 bis 44 5.940 6,4 % 2,5 % 43,5 %
ab 45 388 3 Schwangerschaften keine Geburt 3 Fehlgeburten

Quelle: Deutsches Register für Insemination, D·I·R-Jahrbuch 2024, S. 50, IUI mit Partnersamen, 2019 bis 2023.

Was auffällt: Zwischen 25 und 39 Jahren unterscheidet sich die Schwangerschaftsrate pro Insemination nur wenig (11,3 % gegenüber 9,7 %). Deutlich steigt dagegen der Anteil der Fehlgeburten, von 14,5 % auf 22,1 %. Deshalb fällt die Geburtenrate stärker als die Schwangerschaftsrate, von 7,5 % auf 5,7 %. Ab 40 sinkt sie auf 2,5 % pro Insemination, weil die Schwangerschaftsrate auf 6,4 % fällt und zugleich 43,5 % der Schwangerschaften in einer Fehlgeburt enden. Die jüngste Gruppe unter 25 schneidet schlechter ab als die 25- bis 29-Jährigen. Mit 570 Inseminationen ist sie aber klein, und das Register nennt keine Gründe.

Über die Jahre sind die Werte stabil. Die klinische Schwangerschaftsrate pro Insemination lag von 2019 bis 2024 zwischen 9,3 und 10,3 %, die Geburtenrate pro Insemination von 2019 bis 2023 zwischen 5,6 und 6,3 %. Das Durchschnittsalter der Frauen lag bei 34 Jahren.

Warum die Geburtenrate eine Untergrenze ist, zeigt ein Blick in die Jahreszahlen: 2023 gab es nach IUI mit Partnersamen 1.441 klinische Schwangerschaften, 264 Fehlgeburten und 871 Geburten. Bei 306 Schwangerschaften, rund 21 %, ist der Ausgang nicht dokumentiert. Ob es Eileiterschwangerschaften, Totgeburten oder schlicht fehlende Meldungen waren, weist das Jahrbuch nicht aus. Die tatsächliche Geburtenrate kann also etwas höher liegen als in der Tabelle, aber nicht über der Schwangerschaftsrate.

Die Tabelle zeigt Durchschnittswerte vieler Paare aus deutschen Zentren. Für dich persönlich können die Chancen höher oder niedriger liegen, je nach Befund. Das einordnen kann nur deine Ärztin oder dein Arzt.

Spendersamen: höhere Raten pro Insemination

Mit Spendersamen liegen die Raten in allen Altersgruppen bis 44 höher. Das Register nennt dafür keine Gründe.

Alter der Frau Inseminationen Klinische Schwangerschaft pro Insemination Geburt pro Insemination (mindestens)
bis 24 146 11,7 % 9,7 %
25 bis 29 1.481 17,7 % 15,4 %
30 bis 34 4.980 18,6 % 15,9 %
35 bis 39 5.333 15,3 % 11,4 %
40 bis 44 1.752 9,4 % 5,7 %
ab 45 101 4 Schwangerschaften keine Geburt

Quelle: Deutsches Register für Insemination, D·I·R-Jahrbuch 2024, S. 50, IUI mit Spendersamen, 2019 bis 2023.

2024 lag die klinische Schwangerschaftsrate mit Spendersamen bei 16,0 % pro Insemination, 2023 führten 14,2 % der Inseminationen zu einer Geburt. Zwillinge machten 2023 nur 1,8 % der Geburten aus.

Interessant für die Planung: Mit Spendersamen brachte die Stimulation im Register keinen Vorteil. Im Naturzyklus lag die Schwangerschaftsrate bei 16,3 %, über alle stimulierten Zyklen bei 16,2 % pro Insemination. Die Mehrlingsrate war mit Stimulation aber deutlich höher (6,7 % gegenüber 1,2 %, 2020 bis 2023). Auch das sind Beobachtungsdaten ohne Zufallszuteilung. Eine belgische Studie mit 1.654 Frauen und 6.630 Spendersamen-Zyklen kam zu einem ähnlichen Bild: Weder der Grund für die Behandlung noch die Art der Stimulation hatten einen signifikanten Einfluss auf die Geburtenrate, das Alter dagegen schon (De Brucker 2009). Pro Zyklus führten dort 14 % zu einer Entbindung.

Großbritannien erfasst über die Aufsichtsbehörde HFEA nur Inseminationen mit Spendersamen, zu Partnersamen hat sie keine detaillierten Daten. 2023 führten 14,2 % der stimulierten und 12,6 % der unstimulierten Spendersamen-Zyklen zu einer Geburt (270 von 1.902 und 456 von 3.621 Zyklen). Gezählt wird pro begonnenem Zyklus, Zwillinge zählen als eine Geburt. Für 2024 meldet die HFEA vorläufig 16,5 % und 11,9 %. Eine Aufteilung nach Alter enthalten die Berichte 2023 und 2024 nicht.

Was Spendersamen rechtlich und praktisch bedeutet, fasst der Ratgeber Samenspende zusammen.

Europa im Vergleich

Die europäische Fachgesellschaft ESHRE sammelt über ihr Monitoring-Konsortium EIM die Daten nationaler Register. Im neuesten Vollbericht für das Jahr 2020 führten 8,8 % der Inseminationen mit Partnersamen und 12,5 % der Inseminationen mit Spendersamen zu einer Entbindung. Nach IUI mit Partnersamen lag die Zwillingsrate bei 7,9 %, die Drillingsrate bei 0,4 %. Vorläufige Zahlen für 2022 liegen ähnlich (8,6 % mit Partnersamen, 13,3 % mit Spendersamen), die Autorinnen und Autoren mahnen aber zur Vorsicht bei der Interpretation.

Eine Aufteilung nach Alter gibt es nur in den Zusatztabellen zum Bericht 2019. Frauen bis 34 Jahre erreichten dort mit Partnersamen 9,7 % Entbindungen pro Zyklus, ab 40 Jahren 3,5 %. Mit Spendersamen waren es 14,4 % und 4,6 %. Die mittlere Altersgruppe lassen wir weg, weil sich die gedruckten Werte aus derselben Tabelle nicht nachrechnen lassen. Deutschland, Österreich und die Schweiz liefern in diesen Tabellen keine Werte, Frankreich und Großbritannien keine Entbindungszahlen. Die europäischen Werte sind deshalb nicht direkt mit den deutschen Registerdaten vergleichbar.

IUI-Erfolgschancen über 40

Frau am Fenster, nachdenklich über Kinderwunsch und Alter

Ab 40 ändern sich die Zahlen spürbar. Im deutschen Register führten Inseminationen mit Partnersamen bei Frauen von 40 bis 44 Jahren in 6,4 % zu einer klinischen Schwangerschaft, zu einer Geburt in mindestens 2,5 %. Bei 388 Inseminationen ab 45 gab es drei Schwangerschaften, alle endeten in einer Fehlgeburt. Mit Spendersamen lagen die Werte bei 40 bis 44 Jahren bei 9,4 % Schwangerschaften und mindestens 5,7 % Geburten pro Insemination, ab 45 gab es bei 101 Inseminationen keine Geburt.

Studien zeigen ein ähnliches Bild:

  • Wiesbaden (Schorsch 2013): In den ersten drei Zyklen unterschieden sich die Schwangerschaftsraten von 40- und 41-Jährigen nicht von denen der 35- bis 39-Jährigen. Nach mehr als drei Inseminationen gab es bei Frauen über 40 aber nur noch einzelne Schwangerschaften.
  • Boston (Dovey 2008, Clomifen und IUI): Bei 41 und 42 Jahren führten 3,6 % der begonnenen Zyklen zu einer Schwangerschaft, über 42 nur 0,8 % (eine Schwangerschaft bei 55 Frauen). Die Autoren sehen für Clomifen und IUI über 42 praktisch keinen Platz mehr.
  • FORT-T (Goldman 2014, randomisiert): 154 Paare, Frau 38 bis 42 Jahre, unerklärte Kinderlosigkeit. Nach zwei Zyklen waren 21,6 % (Clomifen und IUI) beziehungsweise 17,3 % (FSH und IUI) der Paare klinisch schwanger, mit sofortiger IVF 49,0 %. 84,2 % aller Lebendgeburten der Studie entstanden über IVF.
  • Frankreich (Merviel 2022): Bei unerklärter Kinderlosigkeit war IVF oder ICSI in allen Altersgruppen erfolgreicher als die IUI, außer bei Frauen ab 40. Dort fand die Studie keinen signifikanten Unterschied.

Die Daten sind also nicht ganz einheitlich, die Richtung ist es schon: Pro Versuch sind die Chancen ab 40 deutlich kleiner, und nach dem dritten Versuch kommen kaum noch Schwangerschaften hinzu. Dazu kommt in Deutschland die Kasse: Der Anspruch auf Kostenübernahme endet mit dem 40. Geburtstag, und die Altersgrenze muss in jedem Behandlungszyklus erfüllt sein (§ 27a SGB V, G-BA-Richtlinie Nr. 9.1). Mehr zur Situation ab 40 steht im Artikel Schwanger werden über 40. Wie die Eizellreserve gemessen wird und was der AMH-Wert aussagt (und was nicht), zeigt die AMH-Wert-Tabelle nach Alter.

Über mehrere Zyklen: kumulative Chancen

Bei rund 10 % Schwangerschaft pro Versuch geht es für die meisten Paare nicht um einen, sondern um mehrere Zyklen. Ein oft genanntes Rechenbeispiel: Drei Zyklen mit jeweils 10 % Chance ergeben zusammen rund 27 %. Diese Rechnung unterstellt, dass jede Insemination dieselbe Chance hat. Als Geburtschance ist sie zu optimistisch, weil sie mit der Schwangerschaftsrate rechnet und Fehlgeburten außen vor lässt.

Rechnet man stattdessen mit den Geburtenraten aus dem Register, ergibt sich die folgende Modellrechnung. Sie ist eine rechnerische Obergrenze, kein Studienergebnis: Sie unterstellt, dass jede Insemination gleich gute Chancen hat und kein Zyklus vorher abgebrochen wird. Beides trifft in der Praxis nicht zu.

Alter der Frau Geburt pro Insemination (Register) Rechnerisch nach 3 Inseminationen (Obergrenze)
25 bis 29 7,5 % 20,9 %
30 bis 34 6,5 % 18,3 %
35 bis 39 5,7 % 16,1 %
40 bis 44 2,5 % 7,3 %

Eigene Modellrechnung aus den DERI-Geburtenraten (D·I·R-Jahrbuch 2024, S. 50): 1 minus (1 minus Rate) hoch 3.

Echte Studien, die Paare über mehrere Zyklen begleitet haben, liegen in einer ähnlichen Größenordnung. Wichtig ist jeweils, wer behandelt wurde und was gezählt wurde:

Studie Wer wurde behandelt Ergebnis über mehrere Zyklen
Custers 2008, Niederlande 3.714 Paare, 15.303 Zyklen, männliche, zervikale oder unerklärte Ursache; in 70 % der Zyklen mit Stimulation Fortlaufende Schwangerschaft 5,6 % pro Zyklus; rechnerisch kumulativ 18 % nach 3, 30 % nach 7 und 41 % nach 9 Zyklen
Schorsch 2013, Wiesbaden 1.612 Frauen, 4.246 Zyklen, FSH-Stimulation, leicht bis mäßig eingeschränktes Spermiogramm Schwangerschaft pro Zyklus in den Zyklen 1 bis 6 zwischen 7,8 und 11,2 %
Dovey 2008, Boston 1.738 Frauen, 4.199 Zyklen, Clomifen Schwangerschaft pro Frau über alle gemachten Zyklen: 24,2 % unter 35, 18,5 % mit 35 bis 37, 15,1 % mit 38 bis 40 Jahren
AMIGOS 2015, USA (randomisiert) 900 Frauen, 18 bis 40 Jahre, unerklärte Kinderlosigkeit, bis 4 Zyklen Geburt pro Frau: 32,2 % mit Gonadotropinen, 23,3 % mit Clomifen, 18,7 % mit Letrozol
TUI 2018, Neuseeland (randomisiert) 201 Frauen, unerklärte Kinderlosigkeit, ungünstige Spontanprognose, 3 Zyklen Geburt bei 31 % mit IUI und Stimulation gegenüber 9 % beim Abwarten
INeS 2015, Niederlande (randomisiert) 602 Paare, Frau 18 bis 38 Jahre, bis 6 IUI-Zyklen in 12 Monaten Gesundes Einlingskind bei 47 % (stimulierte IUI) gegenüber 52 % (IVF mit Einzelembryotransfer)
Malchau 2017, Dänemark (Register) 3.028 Paare, die mit IUI begonnen haben Innerhalb von 5 Jahren: 35 % Geburt nach IUI, 24 % nach Wechsel zu IVF oder ICSI, 17 % ohne Behandlung

Ein paar Einordnungen dazu: Bei Custers sind die kumulativen Werte rechnerisch geschätzt (Life-Table-Methode). Wertet man Paare, die vorher aufgehört haben, als nicht schwanger, waren es nach neun Zyklen 25 %. Bei Dovey haben die Frauen unter 35 im Schnitt nur 2,4 Zyklen gemacht. In der TUI-Studie entstanden von den 31 Geburten im IUI-Arm 23 aus einem IUI-Zyklus und 8 ohne Behandlung. Bei Schorsch ist nicht angegeben, wie eine Schwangerschaft definiert wurde.

Auch für Spendersamen gibt es Langzeitdaten. In der belgischen Studie von De Brucker (2009) lag die rechnerisch erwartete Geburtenchance nach bis zu zwölf Zyklen bei 87 % (20 bis 29 Jahre), 77 % (30 bis 34), 76 % (35 bis 37), 66 % (38 bis 39) und 52 % (40 bis 45). Auch das sind Life-Table-Schätzungen. Sie unterstellen Frauen, die die Behandlung abbrechen, dieselben Chancen wie denen, die weitermachen, und liegen deshalb eher zu hoch.

Ab wann steigen die Chancen kaum noch?

Hier sind die Daten nicht einheitlich, und das solltest du wissen.

Für einen frühen Schwerpunkt sprechen: In einer finnischen Studie mit 811 Zyklen entstanden 97 % der Schwangerschaften in den ersten vier Zyklen (Nuojua-Huttunen 1999). Eine französische Auswertung bei unerklärter Kinderlosigkeit fand die besten Chancen in den ersten beiden Zyklen (Merviel 2022). In der Bostoner Studie lag die Rate pro Zyklus bei Frauen, die nur einen oder zwei Zyklen gemacht haben, deutlich höher als in den Zyklen 3 bis 9 (Dovey 2008).

Für stabile Chancen über mehrere Zyklen sprechen: In der großen niederländischen Kohorte lag die Rate fortlaufender Schwangerschaften auch im siebten bis neunten Zyklus noch bei 4,6 bis 6,7 % pro Zyklus. Nach dem sechsten Zyklus hatten Alter, Diagnose, Stimulation und Zyklusnummer keinen signifikanten Einfluss mehr (Custers 2008). In Wiesbaden blieben die Raten pro Zyklus bei Frauen unter 40 bis zum sechsten Versuch in einer ähnlichen Größenordnung wie am Anfang, allerdings machten deutlich weniger Frauen mehr als drei Versuche (Schorsch 2013). Für Frauen ab 40 gilt das nicht, siehe über 40.

Wie viele Zyklen die Leitlinien daraus ableiten und wie oft die Kasse zahlt, steht unter Was die Leitlinien empfehlen.

Was die Chancen beeinflusst

Das Alter ist der stärkste Faktor, aber nicht der einzige. Die folgenden Punkte stammen aus Studien und Leitlinien und beschreiben Gruppen. Was davon bei euch zutrifft, kann nur die Praxis anhand eurer Befunde beurteilen.

Alter

Mit jedem Lebensjahr sanken die Chancen in der Wiesbadener Auswertung messbar (Odds Ratio 0,933 pro Jahr, Schorsch 2013). In der finnischen Studie hatten Frauen unter 40 deutlich bessere Chancen als ältere (Odds Ratio 3,24, Nuojua-Huttunen 1999). Die Altersstaffel aus dem deutschen Register steht oben.

Die Wiesbadener Studie liefert zusätzlich Werte für die Jahre über 40, aus denen die Register keine eigenen Gruppen bilden:

Alter der Frau Patientinnen Schwangerschaft pro Zyklus Schwangerschaft pro Patientin
25 bis 29 260 12,94 % 28,02 %
30 bis 34 687 10,91 % 26,20 %
35 bis 39 658 8,84 % 22,19 %
40 und 41 94 9,01 % 21,28 %
42 und 43 27 6,25 % 14,81 %
über 43 12 3,45 % 8,33 %

Quelle: Schorsch et al., Geburtshilfe Frauenheilkd 2013, Tabelle 1. FSH-stimulierte IUI mit Partnersamen bei leicht bis mäßig eingeschränktem Spermiogramm (mindestens 10 Millionen Spermien pro ml und mindestens 35 % Beweglichkeit), Wiesbaden 1998 bis 2010. Die Gruppen ab 42 sind sehr klein.

Stimulation und Mehrlingsrisiko

Das deutsche Register zeigt, wie unterschiedlich die Stimulationen abschneiden, beim Erfolg wie bei den Mehrlingen:

Stimulation Inseminationen Klinische Schwangerschaft pro Insemination Mehrlingsrate laut Register
Naturzyklus 30.646 8,6 % 1,3 %
nur Clomifen 11.452 8,0 % 6,3 %
nur Letrozol 6.044 11,7 % 3,4 %
nur FSH (rekombinant) 9.529 14,5 % 9,4 %
FSH und LH (rekombinant) 1.388 16,0 % 8,2 %
alle stimulierten Zyklen 33.739 11,2 % 6,8 %

Quelle: Deutsches Register für Insemination, D·I·R-Jahrbuch 2024, S. 51, IUI mit Partnersamen; Schwangerschaften 2020 bis 2024, Mehrlinge 2020 bis 2023. Die Bezugsgröße der Mehrlingsrate gibt das Jahrbuch nicht an. "Alle stimulierten Zyklen" enthält auch Zyklen mit sonstigen oder fehlenden Angaben zur Stimulation. Keine Zufallszuteilung, die Gruppen sind nicht direkt vergleichbar.

Bezogen auf alle Geburten nach IUI mit Partnersamen waren 2023 3,9 % Zwillingsgeburten.

Was Studien mit Zufallszuteilung zeigen: Die stimulierte IUI führte gegenüber der IUI im Naturzyklus zu mehr Geburten (Odds Ratio 2,07; 4 Studien, 396 Frauen; ESHRE-Leitlinie 2023). Die IUI im Naturzyklus war dagegen nicht eindeutig besser als Abwarten (23 % gegenüber 16 % Geburten, statistisch nicht signifikant). Ob die Stimulation gegenüber dem Naturzyklus mehr Mehrlinge bringt, ist laut ESHRE unsicher, dazu gibt es nur eine kleine Studie mit 39 Frauen.

FSH-Spritzen (Gonadotropine) brachten gegenüber Clomifen rund 30 % mehr Geburten (relatives Risiko 1,30), aber auch gut doppelt so viele Mehrlingsschwangerschaften (relatives Risiko 2,17; Wessel 2022, 6 Studien, 2.058 Frauen). In zwei getrennten Nebenauswertungen, einmal nur mit Studien mit niedriger Startdosis bis 75 IE und einmal nur mit Studien mit strengeren Abbruchregeln, war der Unterschied bei den Mehrlingen nicht mehr eindeutig. In der zweiten Auswertung war auch der Vorteil bei den Geburten nicht mehr eindeutig.

Wie groß das Mehrlingsrisiko werden kann, zeigt die US-Studie AMIGOS (900 Frauen, unerklärte Kinderlosigkeit): Mit Gonadotropinen waren 32 % der Schwangerschaften Mehrlinge (34 von 107, darunter 10 Drillinge), mit Clomifen 9 % und mit Letrozol 13 %. Die ESHRE empfiehlt Gonadotropine deshalb nur in niedriger Dosis und mit ausreichender Überwachung.

Ein Detail aus dem deutschen Register zeigt, warum eine hohe Erfolgsquote allein wenig sagt: Unter den zehn erfolgreichsten Zentren mit mehr als 300 Inseminationen hatte das Zentrum mit der höchsten Schwangerschaftsrate pro Insemination (19,8 %, 2022 bis 2024) zugleich die höchste Mehrlingsrate (22,6 %, 2022 bis 2023). Über alle Zentren lag die Mehrlingsrate bei 4,2 % (2022 bis 2023). Frag deine Praxis deshalb nicht nur nach der Schwangerschafts-, sondern auch nach der Mehrlingsrate.

Anzahl der reifen Follikel

Mehr reife Follikel bedeuten mehr Chancen, aber auch mehr Mehrlinge. In einer Metaanalyse von 14 Studien mit 11.599 stimulierten Zyklen lag die Schwangerschaftsrate bei einem Follikel bei 8,4 %, bei mehreren Follikeln bei 15 %. Gegenüber einem Follikel stieg sie mit zwei Follikeln um 5, mit drei und mit vier Follikeln um jeweils 8 Prozentpunkte. Ein vierter Follikel brachte also keinen weiteren Zuwachs. Mehrlingsschwangerschaften gab es bei 0,3 % (ein Follikel) und 2,8 % (mehrere Follikel) der Zyklen. Das Fazit der Autorinnen und Autoren: Eine stimulierte IUI sollte nicht mehr als zwei Follikel anstreben (van Rumste 2008).

Andere Studien bestätigen den Vorteil von zwei gegenüber einem Follikel. In einer französischen Studie mit 707 Patientinnen lag die Geburtenrate bei einem reifen Follikel bei 9,4 %, bei zwei bei 15,2 % (Monraisin 2016). In einer kleineren britischen Auswertung mit 260 Zyklen waren es 7,6 % gegenüber 26 % Schwangerschaften (Tomlinson 1996).

Die ESHRE rät, die Zahl der wachsenden Follikel auf zwei bis drei zu begrenzen, um Mehrlinge zu vermeiden. Für Kassenpatientinnen in Deutschland legt die G-BA-Richtlinie nach Gonadotropin-Stimulation eine Grenze von drei gereiften Follikeln fest, den genauen Wortlaut findest du unter Kasse in Deutschland.

Bewegliche Spermien nach der Aufbereitung

Wichtiger als das Spermiogramm vor der Behandlung ist, wie viele bewegliche Spermien nach der Aufbereitung zur Verfügung stehen. Eine Metaanalyse von 16 Studien fand dafür Grenzwerte zwischen 0,8 und 5 Millionen beweglichen Spermien (van Weert 2004). Diese Grenzwerte erkennen vor allem Paare mit sehr geringen Chancen. Ob es bei Werten darüber klappt, sagen sie kaum voraus. Eine Übersichtsarbeit sieht die Chancen unter 1 Million beweglicher Spermien nach Aufbereitung und unter 5 % normal geformter Spermien beeinträchtigt, einen allgemeingültigen Schwellenwert gibt es laut den Autoren aber nicht (Ombelet 2003). Wie sich die Samenqualität beeinflussen lässt, steht unter Spermienqualität verbessern.

Ursache der Kinderlosigkeit

Auch die Diagnose zählt. In der Studie aus Amiens hatten Paare die besten Chancen, wenn die Frau unter 30 war, die Ursache am Gebärmutterhals oder in einem gestörten Eisprung lag und der Mann mindestens 5 Millionen bewegliche Spermien hatte (Merviel 2010). In der finnischen Studie waren die Chancen bei unerklärter Kinderlosigkeit besser als bei Endometriose (Odds Ratio 2,79). Bei Spendersamen spielte der Grund für die Behandlung dagegen keine signifikante Rolle (De Brucker 2009).

Zur Endometriose sagt die ESHRE-Leitlinie (2022): Bei Stadium I und II kann eine IUI mit Stimulation erfolgen. Bei Stadium III und IV mit durchgängigen Eileitern ist der Nutzen unsicher, eine stimulierte IUI kann aber erwogen werden. Beides sind schwache Empfehlungen. Die britische NICE-Leitlinie empfiehlt bei Endometriose, wenn Abwarten oder eine Operation nicht zum Erfolg geführt haben oder nicht in Frage kommen, entweder bis zu vier stimulierte IUI-Zyklen zu erwägen oder eine IVF anzubieten. Die stimulierte IUI sieht NICE laut Begründung eher für Frauen ohne tiefe Endometriose und mit offenen Eileitern.

Dauer des Kinderwunsches

Je länger ein Paar schon versucht, desto geringer waren in Studien die Chancen pro IUI-Zyklus. In der finnischen Studie hatten Paare mit höchstens sechs Jahren Kinderwunsch bessere Chancen (Odds Ratio 2,33), in der britischen Auswertung von Tomlinson war die Dauer ebenfalls ein signifikanter Faktor. Wie viel Prozent pro Jahr verloren gehen, lässt sich aus diesen Studien nicht ablesen. Die ESHRE nennt die Dauer neben dem Alter als Kriterium, um die Wahl zwischen IUI und IVF individuell zu treffen.

NICE rät bei unerklärter Kinderlosigkeit, es vor einer Behandlung insgesamt zwei Jahre mit regelmäßigem Geschlechtsverkehr zu versuchen. In dieser Zeit hilft der Eisprungrechner, die fruchtbaren Tage zu kennen.

Was die Leitlinien empfehlen

ESHRE (2023), unerklärte Kinderlosigkeit: Die IUI mit Stimulation der Eierstöcke wird als erste Behandlung empfohlen. Die Empfehlung ist stark, die Evidenz dafür allerdings von sehr niedriger Qualität. Gonadotropine sollen nur niedrig dosiert und mit ausreichender Überwachung eingesetzt werden. Eine IVF wird gegenüber der stimulierten IUI "probably not recommended", also eher nicht empfohlen. Im Begründungstext ist von drei bis sechs stimulierten Zyklen die Rede.

NICE NG257 (31. März 2026), Großbritannien: Bei unerklärter Kinderlosigkeit zuerst insgesamt zwei Jahre Geschlechtsverkehr. Keine Stimulation der Eierstöcke ohne weitere Behandlung. Danach entweder bis zu vier Zyklen IUI mit Gonadotropin-Stimulation erwägen oder IVF anbieten. IVF hält NICE für die kosteneffektivste erste Behandlung, die stimulierte IUI für eine Alternative davor. Zwölf Zyklen unstimulierte IUI vor einer IVF empfiehlt NICE unter anderem für Menschen, die wegen einer diagnostizierten körperlichen Behinderung oder psychosexuellen Störung keinen oder kaum Vaginalverkehr haben können. Wer mit Spendersamen nach sechs Zyklen nicht schwanger ist, soll ohne bekannte Ursache sechs weitere unstimulierte Spendersamen-IUI angeboten bekommen, bevor eine IVF erwogen wird.

Gesetzliche Kasse in Deutschland: Sie zahlt nach Stimulation mit Gonadotropinen bis zu drei, im Spontanzyklus bis zu acht Inseminationen. Voraussetzungen und Diagnosen stehen unter Kasse in Deutschland.

Muss ich nach der IUI liegen bleiben?

Genau das hat eine randomisierte Studie aus den Niederlanden untersucht (Custers 2009, BMJ). 391 Paare mit unerklärter Kinderlosigkeit, Zervixfaktor oder eingeschränkter Samenqualität wurden per Zufall zwei Gruppen zugeteilt: 15 Minuten liegen bleiben nach der Insemination oder sofort aufstehen. Gezählt wurde pro Paar über mehrere Behandlungszyklen.

Das Ergebnis: In der Liegen-Gruppe kam es bei 27 % der Paare zu einer Geburt, in der Aufsteh-Gruppe bei 17 %. Die Autorinnen und Autoren empfahlen, allen Frauen nach einer IUI 15 Minuten Liegen anzubieten.

Spätere Studien bestätigen das nicht eindeutig. Eine Metaanalyse von vier randomisierten Studien mit zusammen 1.361 Paaren fand keinen gesicherten Vorteil des Liegens. Für Geburten lag das relative Risiko bei 1,11, das 95-%-Konfidenzintervall reichte von 0,56 bis 2,20 und schließt damit auch keinen Effekt ein. Die Autorinnen und Autoren sehen derzeit keine Grundlage, Liegen oder sofortiges Aufstehen zu empfehlen (Cordary 2017). Eine chinesische Studie mit 198 ausgewerteten Paaren fand keinen Unterschied, ob die Frauen nach der Insemination 15 oder 30 Minuten lagen: 26 von 100 und 23 von 98 Paaren wurden klinisch schwanger (Mengye 2023).

Ob kurzes Liegen hilft, ist damit offen. Custers hat 15 Minuten Liegen mit sofortigem Aufstehen verglichen, Mengye 15 mit 30 Minuten. Bettruhe über Stunden hat keine der beiden Studien untersucht. Ob deine Praxis eine kurze Liegezeit vorsieht, sagt sie dir vor Ort.

Und der Gang zur Toilette? Die Spermien werden bei der IUI direkt in die Gebärmutterhöhle eingebracht, nicht in die Scheide. Harnröhre und Gebärmutter sind getrennte Wege, Wasserlassen spült die Spermien also nicht aus der Gebärmutter. Eine Studie zum richtigen Zeitpunkt für den Toilettengang kennen wir nicht.

IUI Kosten und Kassenleistung im DACH-Raum

Die Kosten halten wir hier kurz. Praxispreise für Selbstzahler, Eigenanteile mit Kasse und Rechenbeispiele stehen im Artikel IUI-Kosten. Deinen Eigenanteil in Deutschland, Österreich oder der Schweiz rechnet der Kinderwunsch-Kostenrechner aus.

Deutschland

Als Richtwert nennt familienplanung.de, das Portal des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, etwa 370 Euro für eine Insemination ohne und 670 Euro mit Hormonbehandlung. Was einzelne Praxen Selbstzahlern berechnen, kann davon abweichen, Beispiele stehen im Kostenartikel.

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt 50 % der Kosten, die sie mit dem Behandlungsplan genehmigt hat (§ 27a SGB V). Voraussetzungen: Ihr seid verheiratet, es werden nur eure eigenen Ei- und Samenzellen verwendet, ihr seid beide mindestens 25, die Frau ist unter 40, der Mann unter 50. Die Altersgrenzen müssen in jedem Zyklus erfüllt sein, maßgeblich ist der erste Zyklustag beziehungsweise der erste Stimulationstag (G-BA-Richtlinie Nr. 9.1). Unverheiratete Paare zahlen die IUI selbst, ebenso Inseminationen mit Spendersamen.

Wie oft die Kasse zahlt, regelt die Richtlinie über künstliche Befruchtung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA, in Kraft seit 9. Februar 2022):

Art der Insemination Kassenleistung
Im Spontanzyklus, auch mit Auslösespritze (hCG) oder Antiöstrogenen wie Clomifen (Nr. 10.1) bis zu 8 Versuche
Nach hormoneller Stimulation mit Gonadotropinen, also FSH-Spritzen (Nr. 10.2) bis zu 3 Versuche

Gezählt werden Versuche, die vollständig durchgeführt wurden, "ohne dass eine klinisch nachgewiesene Schwangerschaft eingetreten ist" (Nr. 8). Endet eine Schwangerschaft ohne Geburt, zählt der Versuch nicht. Nach der Geburt eines Kindes besteht erneut Anspruch. Für Inseminationen im Spontanzyklus genehmigt die Kasse bis zu 8 Zyklen in Folge (Nr. 9.2).

Zwei Punkte aus der Richtlinie werden oft übersehen:

Die Diagnose muss passen. Für die Insemination nach Gonadotropin-Stimulation nennt die Richtlinie nur "Subfertilität des Mannes, immunologisch bedingte Sterilität" (Nr. 11.2). Die Insemination im Spontanzyklus ist zusätzlich bei körperlichen Ursachen wie Ejakulationsstörungen und bei einer gestörten Wechselwirkung zwischen Spermien und Zervixschleim vorgesehen (Nr. 11.1). Die unerklärte Kinderlosigkeit steht bei keiner der beiden Formen auf der Liste. Kläre deshalb vorab mit Praxis und Kasse, ob eure Diagnose anerkannt wird.

Es gibt eine Follikelgrenze. Nach Nr. 11.2 sollen Inseminationen nach Gonadotropin-Stimulation "wegen des Risikos hochgradiger Mehrlingsschwangerschaften nur durchgeführt werden, wenn nicht mehr als drei Follikel gereift sind". Das gilt "von medizinisch begründeten Ausnahmefällen (zum Beispiel bestimmte Formen der Subfertilität des Mannes) abgesehen".

Manche Kassen zahlen mehr: Laut familienplanung.de übernehmen "manche Krankenkassen auch sämtliche Kosten". Welche das sind, zeigt unser Krankenkassen-Vergleich.

Zusätzlich fördert der Bund Kinderwunschbehandlungen gemeinsam mit einzelnen Ländern über die Bundesinitiative "Hilfe und Unterstützung bei ungewollter Kinderlosigkeit". Laut Informationsportal Kinderwunsch des Bundesfamilienministeriums bestehen Kooperationsvereinbarungen mit neun Ländern: Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Niedersachsen bewilligt derzeit keine neuen Anträge, die aktuellen Bedingungen je Land stehen auf unserer Seite zur Kostenübernahme. Gefördert werden nur IVF und ICSI. Für die IUI gibt es diese Förderung also nicht, falls ihr später zur IVF wechselt, kann sie aber eine Rolle spielen.

Österreich

In Österreich zahlt der IVF-Fonds keine Insemination. Das IVF-Fonds-Gesetz deckt nur die Methoden mit Befruchtung außerhalb des Körpers ab (§ 1 Abs. 2 Z 2 bis 4 Fortpflanzungsmedizingesetz), die Insemination steht im Gesetz als eigene Methode unter Z 1. Für IVF und ICSI übernimmt der Fonds 70 % der Kosten. Zur Kostenübernahme und zu den möglichen Kosten verweist das Gesundheitsportal gesundheit.gv.at auf den jeweiligen Sozialversicherungsträger. Frag also vorab bei deiner Kasse nach.

Zugang zur Insemination haben in Österreich Paare in Ehe, eingetragener Partnerschaft oder Lebensgemeinschaft, auch Frauenpaare. Alleinstehende Frauen sind ausgeschlossen (FMedG § 2). Den Selbstzahlerpreis nennt dir die Klinik, eine Schätzung liefert der Kostenrechner.

Schweiz

In der Schweiz ist die intrauterine Insemination eine Pflichtleistung der Grundversicherung, laut Leistungsverordnung (KLV Anhang 1) "höchstens drei Behandlungszyklen pro Schwangerschaft". Eine IVF zahlt die Grundversicherung dagegen nicht. Wie bei allen Leistungen trägst du die Franchise (ordentlich 300 Franken pro Jahr) und 10 % Selbstbehalt, höchstens 700 Franken pro Jahr. Spendersamen dürfen in der Schweiz nur bei Ehepaaren verwendet werden, seit dem 1. Juli 2022 auch bei verheirateten Frauenpaaren (FMedG Art. 3). Was ein Zyklus ohne Kasse kostet, schätzt der Kostenrechner mit Klinikpreisen.

IUI vs. IVF: der Vergleich

Wann lohnt sich IUI, wann solltest du direkt zu IVF gehen? Hier die Gegenüberstellung mit Zahlen aus dem D·I·R-Jahrbuch 2024:

Kriterium IUI IVF
Kosten pro Zyklus Richtwert 370 € ohne, 670 € mit Hormonen (familienplanung.de) deutlich höher, siehe IVF-Kosten
Klinische Schwangerschaft bis 29 11,3 % pro Insemination (25 bis 29) 43,1 % pro Transfer
Klinische Schwangerschaft 30 bis 34 10,3 % pro Insemination 39,0 % pro Transfer
Klinische Schwangerschaft 35 bis 39 9,7 % pro Insemination 31,9 % pro Transfer
Klinische Schwangerschaft mit 40 6,4 % pro Insemination (40 bis 44) 24,1 % pro Transfer (nur 40-Jährige)
Ablauf pro Zyklus Monitoring, Insemination Stimulation, Eizellentnahme, Befruchtung im Labor, Transfer
Hormonbelastung Keine bis moderat Hoch
Eizellentnahme nötig? Nein Ja (unter Narkose)
Geeignet bei verschlossenen Eileitern? Nein Ja
Mehrlingsrate laut Register 6,8 % stimuliert, 1,3 % im Naturzyklus (2020 bis 2023, Bezugsgröße im Jahrbuch nicht angegeben) 8,0 % (2023, alle Frisch- und Auftauzyklen), mit Einzelembryotransfer bei guter Prognose 1,6 %

Die IUI-Werte stammen aus dem Deutschen Register für Insemination (2019 bis 2023), die IVF-Werte aus dem Deutschen IVF-Register (konventionelle IVF, 2019 bis 2023). Die Bezugsgrößen sind verschieden. "Pro Transfer" heißt, dass Zyklen ohne Transfer fehlen. Fairer ist der Vergleich pro Eizellentnahme: Da lag die klinische Schwangerschaftsrate bei IVF bei 32,2 % (bis 29), 30,3 % (30 bis 34) und 25,3 % (35 bis 39). Wie sich die IVF-Chancen nach Alter verteilen, kannst du im IVF-Erfolgsrechner nachschlagen.

Noch aussagekräftiger sind Studien, die Paare per Zufall einer Behandlung zuteilen und über die gesamte Behandlung zählen. In der niederländischen INeS-Studie (602 Paare, Frau 18 bis 38 Jahre, unerklärte oder leicht männliche Ursache, ungünstige Spontanprognose) bekamen innerhalb von 12 Monaten 47 % der Paare mit bis zu sechs stimulierten IUI-Zyklen ein gesundes Einlingskind, mit IVF und Einzelembryotransfer 52 %. Der Unterschied war statistisch nicht eindeutig. Die ESHRE-Leitlinie (2023) wertet die Studienlage bei Frauen unter 38 entsprechend: Dort brachte IVF ohne vorherige Behandlung keine höhere Geburtenrate als die stimulierte IUI (relatives Risiko 1,01; 3 Studien, 925 Frauen). Ab 38 sieht das anders aus: In der einzigen randomisierten Studie lag die Geburtenrate nach IVF gut doppelt so hoch (relatives Risiko 2,15; 154 Frauen).

Wie viele Versuche die Leitlinien für sinnvoll halten, steht unter Was die Leitlinien empfehlen. Mehrere erfolglose Zyklen summieren sich auch finanziell, was das für euch bedeutet, rechnet der Kostenrechner aus. Alle Details zu IVF-Kosten findest du hier.

Wann von IUI zu IVF wechseln?

Ärztin notiert den Behandlungsplan auf einem Klemmbrett

Ein Wechsel zu IVF oder ICSI ist in der Regel ein Thema, wenn:

  • Mehrere IUI-Zyklen erfolglos waren. Die Leitlinien nennen drei bis sechs (ESHRE) beziehungsweise bis zu vier stimulierte Zyklen (NICE). In der finnischen Studie entstanden 97 % der Schwangerschaften in den ersten vier Zyklen. Spätestens dann lohnt es sich, die Strategie mit der Klinik neu zu bewerten. Die gesetzliche Kasse zahlt Inseminationen nach Stimulation mit FSH-Spritzen ohnehin nur bis zu dreimal.
  • Du 38 Jahre oder älter bist. In dieser Altersgruppe lag die Geburtenrate nach IVF in der einzigen randomisierten Studie gut doppelt so hoch wie nach stimulierter IUI (siehe oben). In der FORT-T-Studie mit Frauen von 38 bis 42 waren nach zwei Zyklen mit sofortiger IVF mehr als doppelt so viele Paare schwanger wie mit IUI, die Zahlen stehen unter über 40. Die Registerwerte pro Insemination und pro Transfer nach Alter zeigt die Vergleichstabelle.
  • Das Spermiogramm sich verschlechtert. Wenn nach der Aufbereitung nur noch sehr wenige bewegliche Spermien übrig sind, sinken die IUI-Chancen. Welche Grenzwerte Studien dafür nennen, steht unter Bewegliche Spermien nach der Aufbereitung. Dann kommt eher ICSI in Frage, die Unterschiede erklärt ICSI oder IVF.
  • Endometriose diagnostiziert wird. Bei Endometriose im Stadium III oder IV ist der Nutzen der IUI laut ESHRE-Leitlinie (2022) unsicher. Sind die Eileiter durchgängig, kann eine stimulierte IUI trotzdem erwogen werden. Was die britische NICE-Leitlinie bei Endometriose empfiehlt, steht unter Ursache der Kinderlosigkeit.
  • Neue Befunde dazukommen, etwa ein Verschluss der Eileiter. Dann ist eine IUI nicht mehr möglich.

Für die Kasse in Deutschland spielt die Reihenfolge eine Rolle. Bei unerklärter Kinderlosigkeit zahlt sie eine IVF nur, wenn "alle diagnostischen und sonstigen therapeutischen Möglichkeiten der Sterilitätsbehandlung ausgeschöpft sind". Bei eingeschränkter Samenqualität des Mannes gilt das, wenn Inseminationen nach Stimulation "keinen Erfolg versprechen oder erfolglos geblieben sind" (G-BA-Richtlinie Nr. 11.3). Kläre vorab mit Praxis und Kasse, was das für euch heißt.

Überblick: was Leitlinien und Daten sagen

Situation Was Leitlinien und Studien für diese Gruppe sagen
Unerklärte Kinderlosigkeit, Frau unter 38 ESHRE: stimulierte IUI als erste Behandlung; IVF brachte in Studien keine höhere Geburtenrate (relatives Risiko 1,01)
Unerklärte Kinderlosigkeit, Frau ab 38 IVF führte in der einzigen randomisierten Studie zu deutlich mehr Geburten (relatives Risiko 2,15)
Leicht eingeschränktes Spermiogramm IUI möglich, wenn nach Aufbereitung genug bewegliche Spermien vorhanden sind; Kasse zahlt bis zu 3 stimulierte oder 8 Inseminationen im Spontanzyklus
Spendersamen ohne bekannte Ursache NICE: nach 6 erfolglosen Spendersamen-Zyklen 6 weitere unstimulierte IUI vor einer IVF
Verschlossene Eileiter IUI nicht möglich, IVF
Frau ab 40 Register: mindestens 2,5 % Geburt pro Insemination; nach dem dritten Versuch kaum noch Schwangerschaften (Schorsch 2013); keine Kassenleistung in Deutschland

Die Tabelle fasst Ergebnisse für Gruppen zusammen. Welcher Weg für euch passt, entscheidet ihr gemeinsam mit eurer Ärztin oder eurem Arzt.

Eine IUI, die nicht klappt, ist kein Misserfolg. Sie ist auch ein diagnostischer Schritt. Du lernst, wie dein Körper auf die Stimulation reagiert, und das Behandlungsteam gewinnt Informationen für eine mögliche IVF. Auch ein erfolgloser Zyklus liefert also Erkenntnisse.

Du bist unsicher, welcher Weg für dich der richtige ist? Unser Online-Berater hilft dir in wenigen Minuten, die passende Behandlung einzugrenzen.

Häufige Fragen

Ist eine IUI Behandlung schmerzhaft?

Meist nicht. Viele Frauen beschreiben ein leichtes Ziehen im Unterbauch, vergleichbar mit Regelschmerzen. Der Katheter ist dünner als ein Strohhalm. Keine Narkose, keine Betäubung. Danach kannst du nach Hause fahren, ob du vorher kurz liegen bleiben solltest, steht im Abschnitt Liegen bleiben. Leichte Schmierblutungen danach sind möglich.

Wie hoch sind die Chancen bei einer IUI pro Versuch?

Mit Partnersamen führt in Deutschland rund jede zehnte Insemination zu einer klinischen Schwangerschaft: 11,3 % mit 25 bis 29, 10,3 % mit 30 bis 34, 9,7 % mit 35 bis 39 und 6,4 % mit 40 bis 44 Jahren. Zu einer Geburt führen mindestens 7,5 %, 6,5 %, 5,7 % und 2,5 % der Inseminationen (Deutsches Register für Insemination, 2019 bis 2023). Mit Spendersamen liegen die Werte höher, mit 30 bis 34 Jahren bei 18,6 % Schwangerschaften pro Insemination. Die vollständigen Tabellen stehen oben.

Wie hoch sind die Chancen bei der IUI über 40?

Deutlich niedriger als in jüngeren Jahren. Im deutschen Register führten Inseminationen mit Partnersamen bei Frauen von 40 bis 44 in 6,4 % zu einer klinischen Schwangerschaft, aber 43,5 % dieser Schwangerschaften endeten in einer Fehlgeburt. Zu einer Geburt kam es bei mindestens 2,5 % der Inseminationen, ab 45 gab es bei 388 Inseminationen keine Geburt. In einer Wiesbadener Auswertung wurden Frauen über 40 nach dem dritten Versuch nur noch in Einzelfällen schwanger. Die gesetzliche Kasse in Deutschland zahlt ab dem 40. Geburtstag nicht mehr. Mehr dazu unter IUI über 40.

Wie viele Inseminationen braucht man bis zur Schwangerschaft?

Das lässt sich nur für Gruppen sagen. In einer großen niederländischen Studie mit 3.714 Paaren lag die Chance auf eine fortlaufende Schwangerschaft rechnerisch bei 18 % nach drei, 30 % nach sieben und 41 % nach neun Zyklen. In der randomisierten AMIGOS-Studie bekamen nach bis zu vier stimulierten Zyklen je nach Medikament 18,7 bis 32,2 % der Frauen ein Kind. In einer finnischen Studie entstanden 97 % der Schwangerschaften in den ersten vier Zyklen, andere Studien fanden auch in späteren Zyklen noch ähnliche Raten pro Zyklus. Die Details stehen unter kumulative Chancen.

Wie viele IUI-Versuche sollte man machen?

Die Leitlinien sind sich nicht ganz einig. Die europäische ESHRE sieht bei unerklärter Kinderlosigkeit drei bis sechs stimulierte Zyklen als erste Behandlung, die britische NICE-Leitlinie empfiehlt seit 2026, bis zu vier stimulierte Zyklen mit Gonadotropinen zu erwägen oder direkt IVF anzubieten. Die gesetzliche Kasse in Deutschland zahlt nach Stimulation mit FSH-Spritzen bis zu drei Inseminationen, im Spontanzyklus bis zu acht. Ab 40 zeigen die Daten nach dem dritten Versuch kaum noch Schwangerschaften. Wenn mehrere Zyklen nicht geklappt haben, lohnt es sich, mit der Praxis über IVF zu sprechen.

Wie viele IUI-Versuche zahlt die Krankenkasse?

In Deutschland zahlt die gesetzliche Kasse 50 % für bis zu acht Inseminationen im Spontanzyklus (auch mit Auslösespritze oder Clomifen) und bis zu drei nach Stimulation mit FSH-Spritzen. Voraussetzung sind Ehe, eigene Ei- und Samenzellen, beide mindestens 25, die Frau unter 40 und der Mann unter 50. Eine Schwangerschaft, die nicht zur Geburt führt, zählt nicht als Versuch. In Österreich zahlt der IVF-Fonds keine Insemination, zu Zuschüssen informiert der Sozialversicherungsträger. In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung höchstens drei Behandlungszyklen pro Schwangerschaft, abzüglich Franchise und Selbstbehalt. Details unter Kosten und Kassenleistung.

Muss ich nach der IUI liegen bleiben?

Das ist nicht geklärt. In einer niederländischen Studie mit 391 Paaren kam es nach 15 Minuten Liegen häufiger zu einer Geburt (27 % gegenüber 17 %, Custers 2009). Eine spätere Metaanalyse von vier randomisierten Studien mit 1.361 Paaren konnte einen Vorteil aber nicht bestätigen (Cordary 2017). Längere Bettruhe wurde in der niederländischen Studie nicht untersucht. Auf die Toilette kannst du gehen, die Spermien liegen in der Gebärmutter und werden beim Wasserlassen nicht ausgespült. Mehr unter Liegen bleiben.

Kann ich IUI mit Spendersamen machen?

Ja. IUI mit Spendersamen (Donor-Insemination) ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz erlaubt, allerdings mit Einschränkungen: In Österreich und der Schweiz haben alleinstehende Frauen keinen Zugang, in der Schweiz ist Spendersamen verheirateten Paaren vorbehalten, seit Juli 2022 auch verheirateten Frauenpaaren. Laut Deutschem Register für Insemination lag die Schwangerschaftsrate mit Spendersamen 2024 bei 16,0 % pro Insemination. Die Kosten für den Spendersamen kommen obendrauf, was Samenbanken verlangen, steht unter Samenspende Kosten. Spendersamen-IUI wird nicht von der gesetzlichen Kasse bezahlt. Vergleiche Kliniken, die Donor-IUI anbieten.

Wie hoch ist das Mehrlingsrisiko bei IUI?

Es hängt vor allem von der Stimulation ab. Laut Deutschem Register für Insemination lag die Mehrlingsrate im Naturzyklus bei 1,3 %, über alle stimulierten Zyklen bei 6,8 %, mit FSH-Spritzen bei 9,4 %, mit Clomifen bei 6,3 % und mit Letrozol bei 3,4 % (2020 bis 2023, Bezugsgröße im Jahrbuch nicht angegeben). Bei IVF lag die Mehrlingsrate 2023 bei 8,0 %, mit Einzelembryotransfer in der Gruppe mit guter Prognose bei 1,6 %. Der Grund: Bei der IUI lässt sich nicht steuern, wie viele Eizellen befruchtet werden. Nach Gonadotropin-Stimulation soll eine Kassen-IUI deshalb nur stattfinden, wenn nicht mehr als drei Follikel gereift sind, von medizinisch begründeten Ausnahmen abgesehen. Reifen mehr heran, bespricht die Praxis mit dir, wie es in diesem Zyklus weitergeht.

Was kann ich selbst tun, um die IUI-Erfolgsrate zu verbessern?

Die größten Einflussfaktoren, Alter und Diagnose, hast du nicht in der Hand. Was du selbst tun kannst, gehört zur allgemeinen Vorbereitung auf eine Schwangerschaft, Studien speziell zur IUI haben wir dazu nicht ausgewertet. Erstens Folsäure, Dosis und Zeitpunkt stehen im Artikel Folsäure bei Kinderwunsch. Zweitens, Normalgewicht anstreben. Drittens, mit dem Rauchen aufhören. Auf Alkohol verzichtest du während der Behandlungszyklen am besten komplett. Ob kurzes Liegen nach der Insemination hilft, ist nicht geklärt, mehr unter Liegen bleiben.

Lässt sich der IUI-Erfolg medizinisch steigern?

Einige Stellschrauben liegen bei der Praxis, und dazu gibt es Studien. Stimulation erhöhte die Geburtenrate gegenüber dem Naturzyklus (Odds Ratio 2,07), FSH-Spritzen stärker als Clomifen (relatives Risiko 1,30), jeweils aber mit mehr Mehrlingen. Gegenüber einem reifen Follikel lag die Schwangerschaftsrate mit zwei Follikeln um 5, mit drei oder vier um 8 Prozentpunkte höher, dafür stieg das Mehrlingsrisiko. Welche Strategie zu euch passt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt anhand eurer Befunde. Details unter Was die Chancen beeinflusst.

Wann wechselt man von IUI zu IVF?

Typische Anlässe sind mehrere erfolglose Zyklen (ESHRE: drei bis sechs, NICE: bis zu vier stimulierte), ein Alter ab 38, sehr wenige bewegliche Spermien nach der Aufbereitung, fortgeschrittene Endometriose oder verschlossene Eileiter. Ab 38 führte IVF in einer randomisierten Studie zu deutlich mehr Geburten (relatives Risiko 2,15). Details unter Wann von IUI zu IVF wechseln?.

IUI oder IVF: Was ist besser für uns?

Pro Versuch ist IVF deutlich erfolgreicher, sie ist aber auch aufwändiger, teurer und braucht eine Eizellentnahme. Über die gesamte Behandlung ist der Abstand kleiner: In der INeS-Studie (Frauen 18 bis 38, unerklärte oder leicht männliche Ursache) bekamen in 12 Monaten 47 % der Paare mit stimulierter IUI ein gesundes Einlingskind und 52 % mit IVF und Einzelembryotransfer. Ab 38 sprechen die Daten eher für IVF, bei verschlossenen Eileitern kommt nur IVF in Frage. Eine erste Orientierung gibt unser Online-Berater, die Entscheidung trefft ihr mit eurer Praxis.

Wie viele Paare bleiben trotz künstlicher Befruchtung kinderlos?

Für Paare, die mit IUI beginnen, gibt es Daten aus dem dänischen Register (Malchau 2017, 3.028 Paare): Innerhalb von fünf Jahren bekamen 35 % ein Kind nach IUI, 24 % nach dem Wechsel zu IVF oder ICSI und 17 % ohne Behandlung. Zusammengerechnet (eigene Rechnung) hatten damit rund drei von vier Paaren innerhalb von fünf Jahren ein Kind, etwa jedes vierte nicht. Der Anteil hängt stark vom Alter der Frau ab. Über alle Paare, die in Dänemark eine Behandlung begonnen hatten, ob mit IUI oder mit IVF beziehungsweise ICSI, bekamen innerhalb von fünf Jahren 80 % der Frauen unter 35 ein Kind, 60 % der Frauen von 35 bis 39 und 26 % der Frauen ab 40, spontane Schwangerschaften eingerechnet. Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass die Raten in Ländern, die Kinderwunschbehandlungen nicht wie Dänemark landesweit bezahlen, wahrscheinlich niedriger liegen.

Was kostet eine Insemination?

Als Richtwert nennt familienplanung.de etwa 370 Euro ohne und 670 Euro mit Hormonbehandlung. Gesetzlich versicherte Ehepaare zahlen mit genehmigtem Behandlungsplan die Hälfte. Praxispreise, Eigenanteile und die Regeln in Österreich und der Schweiz stehen im Artikel IUI-Kosten.

Fazit

Die IUI ist ein schonender und vergleichsweise günstiger Einstieg in die Kinderwunschbehandlung. Die Chance pro Versuch ist mit rund 10 % klinischer Schwangerschaft und rund 6 % Geburt (Registerwert, eher eine Untergrenze) aber deutlich kleiner als bei IVF oder ICSI, und sie sinkt mit dem Alter, ab 40 deutlich. Über mehrere Zyklen summieren sich die Chancen: Nach drei Zyklen erreichten in einer großen niederländischen Studie rechnerisch 18 % der Paare eine fortlaufende Schwangerschaft. Sinnvoll ist die IUI vor allem bei leicht eingeschränktem Spermiogramm, Zervixfaktor, ungeklärter Kinderlosigkeit, leichter Endometriose oder Spendersamen. Wenn nach mehreren Versuchen keine Schwangerschaft eingetreten ist oder du 38 oder älter bist, lohnt sich der Blick auf IVF oder ICSI.

Quellen

Register und Statistik

Leitlinien

Studien

Fach- und Patienteninformationen

Recht und Kostenübernahme

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Fertilio Redaktion

Die Fertilio Redaktion recherchiert Kinderwunsch-Themen anhand von Fachquellen wie dem Deutschen IVF-Register, medizinischen Leitlinien und Gesetzestexten. Die Quellen stehen jeweils am Ende des Artikels. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.