Teil unseres Ratgebers: Künstliche Befruchtung

Zwischen 35 und 45 verändern sich die Zahlen rund um eine Schwangerschaft von Jahr zu Jahr deutlich. Die Chance pro Zyklus sinkt, das Fehlgeburtsrisiko steigt. In Deutschland und Österreich endet außerdem mit dem 40. Geburtstag die Kassenbeteiligung an IVF und ICSI, von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Hier findest du für jedes Altersjahr von 35 bis 45 die wichtigsten Kennzahlen, jeweils mit Quelle und mit der Gruppe, die gezählt wurde. Viele Zahlen im Netz stammen aus alten Broschüren ohne Primärquelle oder vermischen Definitionen. Deshalb steht bei jeder Angabe, worauf sie sich bezieht.

Alle Werte sind Durchschnittswerte der jeweils untersuchten Gruppen, die ab 40 teils nur wenige Dutzend Frauen umfassen. Sie sagen nicht voraus, wie es bei dir ausgeht, und ersetzen keine ärztliche Beratung.

Alle Altersjahre auf einen Blick

Die Tabelle fasst vier Kennzahlen je Altersjahr zusammen. Die Spalten stammen aus verschiedenen Studien mit verschiedenen Gruppen. Was jeweils gezählt wurde, steht in den Hinweisen unter der Sprungnavigation.

Alter Natürlich: Chance pro Zyklus / nach 12 Zyklen Fehlgeburt, erkannte Schwangerschaften (Norwegen) Geburt pro Embryotransfer (IVF/ICSI, eigene Eizellen) Chromosomal auffällige Embryonen
35 16,2 % / 82 % (Klasse 34 bis 35) ca. 13 % 26,9 % 34,5 %
36 14,5 % / 76 % (Klasse 36 bis 37) ca. 15 % 24,7 % 35,5 %
37 14,5 % / 76 % (Klasse 36 bis 37) ca. 17 % 22,5 % 42,6 %
38 13,2 % / 71 % (Klasse 38 bis 39) ca. 19 % 20,1 % 47,9 %
39 13,2 % / 71 % (Klasse 38 bis 39) ca. 22 % 17,0 % 52,9 %
40 8,6 % / 54 % (Klasse 40 bis 41) ca. 27 % 13,4 % 58,2 %
41 8,6 % / 54 % (Klasse 40 bis 41) ca. 31 % 11,1 % 68,9 %
42 6,6 % / 48 % (Klasse 42 bis 44) ca. 35 % 7,4 % 75,1 %
43 6,6 % / 48 % (Klasse 42 bis 44) ca. 39 % 5,0 % 83,4 %
44 6,6 % / 48 % (Klasse 42 bis 44) ca. 46 % 3,0 % 88,2 %
45 nicht belegt 53,6 % (Gruppe ab 45) 1,1 % (Gruppe ab 45) 84,3 % (nur 39 Biopsien)

Quellen: Steiner und Jukic 2016 (natürliche Chance), Magnus et al. 2019 (Fehlgeburt), Deutsches IVF-Register, Jahrbuch 2024, Frischzyklen 2019 bis 2023, eigene Berechnung aus S. 26 und 27 (Geburt pro Transfer), Franasiak et al. 2014 (Embryonen). Auch die Fehlgeburtsanteile nach IVF und ICSI im Text sind eigene Berechnungen: gewichtetes Mittel aus IVF- und ICSI-Tabelle, bezogen auf die klinischen Schwangerschaften. Für 35 bis 39 sind die Einzeljahre aus einer Grafik des Registers abgelesen, der Gruppenwert liegt bei 24,3 %. Frühe biochemische Verluste erfasst das Register nicht.

Direkt zu deinem Altersjahr:

So liest du die Tabelle:

  • Natürliche Chance: US-Kohorte mit 960 Frauen von 30 bis 44 ohne bekannte Unfruchtbarkeit. Gezählt wurde ein positiver Schwangerschaftstest, also auch Schwangerschaften, die früh wieder enden. Die Studie bildet nur Altersklassen, ab 40 mit kleinen Gruppen (37 und 14 Frauen). Für 42 bis 44 reicht das 95-%-Konfidenzintervall nach 12 Zyklen von 24 bis 80 %. Für 45 gibt es keine Daten.
  • Fehlgeburt: alle in norwegischen Gesundheitsregistern erfassten Schwangerschaften von 2009 bis 2013 (421.201), Fehlgeburten von der 6. bis unter die 20. Schwangerschaftswoche. Sehr frühe Verluste ohne Kontakt zur Fachversorgung fehlen, die Werte sind um Schwangerschaftsabbrüche korrigiert. Die Einzeljahre sind aus einer Grafik der Studie abgelesen, deshalb „ca.“. Für 45 steht der Tabellenwert der Gruppe ab 45.
  • Geburt pro Embryotransfer: nur Frauen in Kinderwunschbehandlung mit eigenen Eizellen, IVF und ICSI zusammengerechnet. Der Nenner ist der Transfer, nicht die begonnene Behandlung. Je nach Alter kamen 2019 bis 2023 rund 20 % (35 bis 39) bis 28 % (ab 45) der Eizellentnahmen nicht zu einem Transfer (eigene Berechnung aus S. 26 und 27). Die Zeile 45 gilt für alle Frauen ab 45.
  • Chromosomal auffällige Embryonen: 15.169 Biopsien von Embryonen im Blastozystenstadium aus einem US-Zentrum, also nur von Frauen, deren Embryonen sich so weit entwickelt haben. Für 45 ist die Tabelle der Studie in sich widersprüchlich.
  • Die Spalten stammen aus verschiedenen Ländern und Jahren und lassen sich nicht miteinander verrechnen.

Schwanger mit 35

In der US-Kohorte von Steiner und Jukic lag die durchschnittliche Chance pro Zyklus mit 34 bis 35 bei 16,2 %. Nach 12 Zyklen hatten 82 % der Frauen einen positiven Schwangerschaftstest. Das Rechenmodell von Leridon zählt nur Empfängnisse, die zu einer Geburt führen, und kommt bei einem Beginn mit 35 auf 66 % im ersten Jahr.

In Norwegen endeten mit 35 ca. 13 % der erkannten Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt.

Nach IVF oder ICSI mit eigenen Eizellen führten laut Deutschem IVF-Register 35,5 % der Embryotransfers zu einer klinischen Schwangerschaft und 26,9 % zu einer Geburt. Ca. 19 % dieser Schwangerschaften endeten mit einer Fehlgeburt (aus einer Grafik des Registers abgelesen).

Ab 35 raten Fachgesellschaften zur Abklärung, wenn es nach 6 Monaten nicht geklappt hat. Ist der Kinderwunsch noch nicht aktuell, kann Social Freezing ein Thema sein. Das Rechenmodell von Goldman (2017) setzt bis 35 rund 12 reife Eizellen für eine Chance von 75 % auf mindestens eine Geburt an. Die Autoren halten ihre Werte selbst für möglicherweise zu optimistisch.

In Deutschland zahlt die gesetzliche Krankenkasse verheirateten Paaren 50 % von bis zu drei IVF- oder ICSI-Versuchen. In Österreich trägt der IVF-Fonds 70 %, ab 35 in der zweiten Tarifstufe. Die Schweizer Grundversicherung zahlt keine IVF, aber bis zu drei Inseminationen pro Schwangerschaft.

Schwanger mit 36

Die Kohorte von Steiner und Jukic fasst 36 und 37 zusammen: 14,5 % Chance pro Zyklus und 76 % positive Tests nach 12 Zyklen. Das ist pro Zyklus rund ein Fünftel weniger als bei Frauen von 30 bis 31. In einer zweiten Kohorte aus Nordamerika (Wesselink 2017) wurden 74,8 % der Frauen von 34 bis 36 innerhalb von 12 Zyklen schwanger.

Das Fehlgeburtsrisiko lag in Norwegen mit 36 bei ca. 15 %.

Laut Deutschem IVF-Register führten mit 36 nach IVF oder ICSI 33,1 % der Transfers zu einer klinischen Schwangerschaft und 24,7 % zu einer Geburt. Ca. 21 % der Schwangerschaften endeten mit einer Fehlgeburt.

Eine Abklärung betrifft immer beide Partner, ein Spermiogramm gehört dazu. Für Social Freezing setzt das Goldman-Modell mit 36 rund 16 reife Eizellen für eine Chance von 75 % an. Ab 36 rechnet es damit, dass 85 % der Eizellen das Auftauen überstehen, bei Jüngeren 95 %.

Die Schweiz kennt keine feste Altersgrenze für eine Behandlung. Ein Paar muss aber voraussichtlich bis zur Volljährigkeit des Kindes für es sorgen können.

Schwanger mit 37

Für 37 gelten dieselben Kohortenwerte wie für 36: 14,5 % pro Zyklus und 76 % nach 12 Zyklen. Nach 6 Zyklen hatten in dieser Altersklasse 69 % einen positiven Test.

Mit 37 endeten in Norwegen ca. 17 % der erkannten Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt.

Im Deutschen IVF-Register lag die Geburtenrate pro Embryotransfer mit 37 bei 22,5 %, die klinische Schwangerschaftsrate bei 31,3 %. Ca. 24 % dieser Schwangerschaften endeten mit einer Fehlgeburt. Chromosomal auffällig waren bei Franasiak mit 37 bereits 42,6 % der Embryonen, mit 36 noch 35,5 %.

Zum Social Freezing setzt das Goldman-Modell mit 37 rund 20 reife Eizellen für eine Chance von 75 % an. Echte Verläufe zeigt eine spanische Studie (Cobo 2016). Frauen, die ihre Eizellen ab 36 eingefroren und 10 davon verwendet hatten, kamen auf eine kumulative Geburtenrate von 29,7 %, Frauen bis 35 auf 60,5 %. Nach im Mittel 2,1 Jahren Lagerzeit waren erst 9,3 % aller Frauen zurückgekommen, um ihre Eizellen zu nutzen.

In Österreich zahlt der IVF-Fonds nur bei bestimmten Ursachen: an den Eileitern, bei Endometriose, bei PCO-Syndrom oder beim Mann.

Schwanger mit 38

Mit 38 und 39 lag die durchschnittliche Chance pro Zyklus bei Steiner und Jukic bei 13,2 %, nach 12 Zyklen hatten 71 % einen positiven Test. Im Median dauerte es 4 Monate bis zur Schwangerschaft, unter 38 waren es 3 Monate. In der Wesselink-Kohorte wurden 67,4 % der Frauen von 37 bis 39 innerhalb von 12 Zyklen schwanger.

Von den erkannten Schwangerschaften 38-jähriger Frauen in Norwegen endeten ca. 19 % mit einer Fehlgeburt.

Nach IVF oder ICSI mit eigenen Eizellen zählte das Deutsche IVF-Register mit 38 bei 29,2 % der Transfers eine klinische Schwangerschaft und bei 20,1 % eine Geburt. Ca. 26 % der Schwangerschaften endeten mit einer Fehlgeburt.

Social Freezing ist mit 38 möglich, die Modellwerte sinken aber. Goldman setzt rund 25 reife Eizellen für eine Chance von 75 % an, mit 10 Eizellen kommt das Modell auf 45 %. Die US-Fachgesellschaft ASRM schreibt, dass Werte der Eizellreserve wie AMH nicht genutzt werden sollen, um für Social Freezing zu werben. Aussagekräftiger ist laut ASRM das Alter. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt das Einfrieren nur bei einer Erkrankung, deren Behandlung die Keimzellen schädigen kann (§ 27a Abs. 4 SGB V).

Schwanger mit 39

Für 39 gelten dieselben Kohortenwerte wie für 38: 13,2 % pro Zyklus und 71 % nach 12 Zyklen. Pro Zyklus sind das rund 30 % weniger als bei Frauen von 30 bis 31.

In Norwegen lag das Fehlgeburtsrisiko mit 39 bei ca. 22 %.

Mit 39 zählte das Deutsche IVF-Register von 2019 bis 2023 mehr Embryotransfers als in jedem anderen Altersjahr (27.193). Von 100 Transfers mit eigenen Eizellen führten rund 26 zu einer klinischen Schwangerschaft und 17 zu einer Geburt. Ca. 31 % dieser Schwangerschaften endeten mit einer Fehlgeburt.

Über mehrere Transfers weist das Register für 35 bis 39 (2020 bis 2023) nach dem ersten Transfer 32,0 und nach mehr als vier Transfers 71,2 klinische Schwangerschaften je 100 Patientinnen aus. Gezählt werden Schwangerschaften, keine Geburten, und eine Frau kann mehrfach zählen.

In Deutschland prüft die Krankenkasse die Altersgrenze für jeden Behandlungszyklus, maßgeblich ist der erste Zyklus- oder Stimulationstag. Ein Zyklus, der vor dem 40. Geburtstag beginnt, kann noch bezuschusst werden, wenn die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind. In Österreich zählt das Alter zu Beginn eines Versuchs, ein laufender Versuch darf beendet werden.

Paar Anfang 40 beim Herbstspaziergang im Wald

Schwanger mit 40

Mit 40 und 41 lag die durchschnittliche Chance pro Zyklus bei Steiner und Jukic bei 8,6 %. Nach 6 Zyklen hatten 47 % der Frauen einen positiven Test, nach 12 Zyklen 54 %. Die oft zitierten „unter 5 % pro Zyklus“ stammen aus einer Patientenbroschüre der ASRM von 2012, die keine Primärquelle nennt. Die verbreiteten 44 % im ersten Jahr entsprechen dem Modell von Leridon, das nur Empfängnisse mit späterer Geburt zählt.

In Norwegen endeten mit 40 ca. 27 % der erkannten Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt.

Nach IVF oder ICSI mit eigenen Eizellen kam es mit 40 bei 13,4 % der Embryotransfers zu einer Geburt und bei 22,5 % zu einer klinischen Schwangerschaft (Deutsches IVF-Register). 36,1 % der Schwangerschaften endeten mit einer Fehlgeburt. Pro Eizellentnahme wurden im Mittel 6,8 (IVF) bzw. 7,0 Eizellen (ICSI) gewonnen, mit 35 bis 39 waren es 8,3 bzw. 8,8.

Die britische Leitlinie NICE empfiehlt ab 36, gleich beim ersten Arzttermin an eine Spezialpraxis zu überweisen.

Mit dem 40. Geburtstag endet in Deutschland der gesetzliche Anspruch. Die AOK Baden-Württemberg leistet auch danach, wenn beide Partner dort versichert sind und der Behandlungsplan Erfolgsaussicht und keine besonderen Risiken ärztlich bestätigt. Das Programm BKK Kinderwunsch gibt nach erfolgtem Transfer 800 € (IVF) oder 1.000 € (ICSI) Zuschuss. In Österreich endet die Förderung durch den IVF-Fonds.

Schwanger mit 41

Für 41 gilt bei Steiner und Jukic dieselbe Klasse wie für 40: 8,6 % pro Zyklus und 54 % nach 12 Zyklen. Die Wesselink-Kohorte fand bei Frauen ab 40 eine um 60 % geringere Chance pro Zyklus als bei Frauen von 21 bis 24, nach 12 Zyklen waren 55,5 % schwanger. Beide Gruppen sind klein (37 bzw. 38 Frauen).

Mit 41 endeten in Norwegen ca. 31 % der erkannten Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt.

Mit 41 führte nach IVF oder ICSI mit eigenen Eizellen gut jeder zehnte Embryotransfer zu einer Geburt (11,1 %, Deutsches IVF-Register). Eine klinische Schwangerschaft gab es nach 20,1 % der Transfers, 40,2 % dieser Schwangerschaften endeten mit einer Fehlgeburt. Bei Franasiak waren mit 41 bereits 68,9 % der Embryonen chromosomal auffällig.

Für das Programm BKK Kinderwunsch ist 41 das letzte Jahr: Der Anspruch besteht bis zum Tag vor dem 42. Geburtstag und nur bei teilnehmenden BKKs und Zentren. Medikamente und Nebenleistungen zahlst du selbst. Eine Eizellspende ist in Deutschland und der Schweiz verboten. In Österreich ist sie erlaubt, wenn die eigenen Eizellen nicht fortpflanzungsfähig sind. Auch andere europäische Länder erlauben sie, zu eigenen Bedingungen (siehe mit 45).

Schwanger mit 42

Für 42 bis 44 fasst die Kohorte von Steiner und Jukic drei Jahre zusammen: 6,6 % pro Zyklus, 29 % positive Tests nach 6 und 48 % nach 12 Zyklen. Die Zahl beruht auf nur 14 Frauen, das Konfidenzintervall reicht nach 12 Zyklen von 24 bis 80 %. Im Median dauerte es ab 42 länger als 12 Monate.

In Norwegen endeten mit 42 ca. 35 % der erkannten Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt. Eine ältere dänische Registerstudie (1978 bis 1992) zählt auch Eileiterschwangerschaften und Totgeburten mit: Dort endeten mit 42 insgesamt 54,5 % der gewollten Schwangerschaften mit einem Verlust.

Nach IVF oder ICSI mit eigenen Eizellen führten mit 42 laut Deutschem IVF-Register 15,2 % der Transfers zu einer klinischen Schwangerschaft und 7,4 % zu einer Geburt. 47,1 % der Schwangerschaften endeten mit einer Fehlgeburt. Bei Franasiak hatte ein Drittel der 42-Jährigen keinen einzigen chromosomal unauffälligen Embryo.

In Deutschland bleibt mit 42 nur die AOK Baden-Württemberg, deren Satzung keine Altersobergrenze nennt. Der Wortlaut lässt offen, wie viel sie über 40 übernimmt: die vollen 75 % (50 % Kassenanteil plus 25 % Satzungsleistung) oder nur die zusätzlichen 25 %. Eine Eizellspende ist in Österreich bis vor dem 45. Geburtstag möglich, wenn die eigenen Eizellen nicht fortpflanzungsfähig sind (Anbieter im Überblick).

Schwanger mit 43

Einzelne Altersjahre weist die Kohorte von Steiner und Jukic für die natürliche Chance in keinem Alter aus, ab 42 fasst sie sogar drei Jahre zusammen. Für 43 gilt deshalb der Wert der Klasse 42 bis 44: 6,6 % pro Zyklus und 48 % nach 12 Zyklen, bei nur 14 Frauen.

Das Fehlgeburtsrisiko aller erkannten Schwangerschaften lag in Norwegen mit 43 bei ca. 39 %.

Im Deutschen IVF-Register endete mit 43 gut die Hälfte der klinischen Schwangerschaften nach IVF oder ICSI mit einer Fehlgeburt (51,2 %). Pro Embryotransfer mit eigenen Eizellen lag die Schwangerschaftsrate bei 11,5 %, die Geburtenrate bei 5,0 %. Bei Franasiak waren 83,4 % der Embryonen chromosomal auffällig.

Den Unterschied zur Eizellspende zeigen Daten aus Großbritannien. 2018 bis 2019 lag die Geburtenrate bei Frauen von 43 bis 44 mit eigenen Eizellen bei 5 % pro übertragenem Embryo, mit Spender-Eizellen bei 35 % (HFEA). Weil die britische Behörde pro Embryo zählt und nicht pro Transfer, sind die Werte nicht direkt mit dem deutschen Register vergleichbar.

Die DACH-Leitlinie von 2026 empfiehlt Frauen über 40, sich sofort in einem reproduktionsmedizinischen Zentrum abklären zu lassen. Für eine Eizellspende in Österreich gelten dieselben Bedingungen wie mit 42, die Kosten der Spende trägt der IVF-Fonds nicht.

Schwanger mit 44

Auch für 44 gibt es nur den Klassenwert 42 bis 44: 6,6 % Chance pro Zyklus und 48 % positive Tests nach 12 Zyklen.

Das Fehlgeburtsrisiko lag in Norwegen mit 44 bei ca. 46 %.

Mit 44 führten nach IVF oder ICSI laut Deutschem IVF-Register 3,0 % der Transfers zu einer Geburt und 8,8 % zu einer klinischen Schwangerschaft. Mehr als sechs von zehn dieser Schwangerschaften endeten mit einer Fehlgeburt (61,6 %). Pro Eizellentnahme wurden im Mittel 4,9 (IVF) bzw. 4,7 Eizellen (ICSI) gewonnen. Bezogen auf die Eizellentnahme statt auf den Transfer lag die Schwangerschaftsrate nach IVF bei 7,8 %.

Bei Franasiak waren mit 44 Jahren 88,2 % der Embryonen chromosomal auffällig. 53 % der 44-Jährigen hatten keinen einzigen unauffälligen Embryo.

Für eine Eizellspende in Österreich ist 44 das letzte mögliche Jahr: Die Behandlung muss vor dem 45. Geburtstag beginnen, die eigenen Eizellen dürfen nicht fortpflanzungsfähig sein, und der Spenderin dürfen die Eizellen nur zwischen ihrem 18. und 30. Geburtstag entnommen werden. In Deutschland und der Schweiz bleibt sie verboten. Bei der Kasse ändert sich gegenüber 42 und 43 nichts.

Schwanger mit 45

Für eine natürliche Schwangerschaft ab 45 liefert die Kohortenstudie von Steiner und Jukic keine Daten, belastbare Zahlen pro Zyklus gibt es nicht. In Norwegen endeten ab 45 Jahren 53,6 % der erkannten Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt.

Das Deutsche IVF-Register fasst alle Frauen ab 45 in einer Gruppe zusammen. Von 2019 bis 2023 führten dort 3,8 % der 2.502 Transfers mit eigenen Eizellen zu einer klinischen Schwangerschaft und 1,1 % zu einer Geburt. 68,4 % der Schwangerschaften endeten mit einer Fehlgeburt. 2023 gab es nach 462 Transfers 21 Schwangerschaften und 2 Geburten. Nach 388 Inseminationen ab 45 verzeichnete das Deutsche Register für Insemination (DERI) keine Geburt.

Mit Spender-Eizellen sehen die Zahlen anders aus. In Großbritannien lag die Geburtenrate bei Frauen von 45 bis 50 mit eigenen Eizellen bei 4 % pro übertragenem Embryo, mit Spender-Eizellen bei 30 % (HFEA, 2018 bis 2019). 2019 nutzten dort 57 % der Frauen von 45 bis 50 in Behandlung Spender-Eizellen.

Rechtlich wird es ab 45 enger. In Österreich ist eine Eizellspende nur bei Behandlungsbeginn vor dem 45. Geburtstag möglich. In Deutschland und der Schweiz ist sie verboten, die Schweiz plant aber eine Zulassung. In anderen europäischen Ländern ist sie erlaubt, die meisten Eizellspende-Zyklen in Europa meldeten 2019 Spanien, Tschechien und Russland (ESHRE). Einen Überblick über Anbieter findest du unter Eizellspende.

Warum die Chancen mit dem Alter sinken

Zwei Entwicklungen laufen parallel: Die Zahl der Eizellen nimmt ab, und der Anteil der Eizellen mit fehlerhafter Chromosomenzahl steigt.

Laut der US-Fachgesellschaft ACOG sind bei der Geburt 1 bis 2 Millionen Eizellen angelegt, in der Pubertät noch 300.000 bis 500.000, mit 37 rund 25.000 und mit 51 rund 1.000. Ein Modell von Wallace und Kelsey kommt pro Eierstock auf im Mittel 65.000 ruhende Follikel mit 25 und 16.000 mit 35. Mit 30 sind demnach noch etwa 12 % des Höchststands vorhanden, mit 40 etwa 3 %, bei großen Unterschieden zwischen einzelnen Frauen. Das Deutsche IVF-Register zeigt den Rückgang ebenfalls: Mit 35 bis 39 wurden pro Eizellentnahme im Mittel 8,3 bis 8,8 Eizellen gewonnen, ab 45 noch 4,0 bis 4,2.

Bei Franasiak lag der Anteil chromosomal auffälliger Embryonen mit 26 bis 30 am niedrigsten (20,7 bis 27,1 %), mit 40 bei 58,2 %. Laut ASRM gehen etwa 50 bis 60 % der Fehlgeburten im ersten Trimenon auf eine fehlerhafte Chromosomenzahl zurück. Nachgewiesen wurde sie bei etwa der Hälfte der untersuchten Fehlgeburten von Frauen unter 35 und bei 75 % der Fehlgeburten von Frauen über 40 (ASRM 2026). Die ASRM fasst zusammen, dass die Fruchtbarkeit mit 40 etwa halb so hoch ist wie Ende 20 oder Anfang 30. Das fruchtbare Fenster im Zyklus wird dabei nicht kürzer, aber die Chance pro Tag sinkt (Dunson 2002).

Der AMH-Wert im Blut spiegelt die Zahl der heranreifenden Follikel wider, nicht ihre Qualität. Eine natürliche Schwangerschaft sagt er nicht voraus. Untersucht wurden 750 Frauen von 30 bis 44 ohne bekannte Unfruchtbarkeit, die es seit höchstens drei Monaten versuchten: Frauen mit niedrigem AMH-Wert hatten nach 12 Zyklen nicht seltener einen positiven Schwangerschaftstest (Steiner 2017). Feste Grenzen wie „unter 1,0 ng/ml“ passen auch nicht zu den Referenzdaten. Bei gesunden Frauen von 40 bis 44, die nicht verhüteten, lag der Median in der Referenzstudie eines verbreiteten Labortests (Roche Elecsys) bei 0,88 ng/ml. Wie sich die Werte nach Alter verteilen, zeigt unsere AMH-Wert-Tabelle.

Wie lange dauert es mit 40?

Bei Steiner und Jukic dauerte es bis zum positiven Schwangerschaftstest im Median so lange:

Alter Mediane Zeit bis zur Schwangerschaft
unter 38 3 Monate
38 bis 39 4 Monate
40 bis 41 8 Monate
42 bis 44 länger als 12 Monate

Median heißt: Die Hälfte der Frauen war bis dahin schwanger, die andere Hälfte später oder gar nicht. Nach 12 Zyklen hatten 54 % der 40- bis 41-Jährigen einen positiven Test. In der Wesselink-Kohorte waren es bei Frauen ab 40 nach 6 Zyklen 27,6 % und nach 12 Zyklen 55,5 %.

Längere Zeiträume betrachtet das Rechenmodell von Leridon (2004), das nur Empfängnisse mit späterer Lebendgeburt zählt. Bei einem Beginn mit 40 erreichen das laut Modell 44 % im ersten Jahr und 64 % innerhalb von vier Jahren, mit 35 sind es 66 und 84 %. Dieselben Werte für das erste Jahr nennt familienplanung.de ohne Quellenangabe und spricht dabei von „schwanger“. Eine Kinderwunschbehandlung gleicht laut Modell nur einen Teil der Geburten aus, die durch späteres Versuchen verloren gehen: beim Aufschieben von 35 auf 40 weniger als 30 %.

Die britische Leitlinie NICE nennt für Paare mit einer Frau von 35 bis 39 Jahren 82 % Schwangerschaften nach einem und 90 % nach zwei Jahren. Für über 39 enthält ihre Tabelle keine Werte. Laut Dunson (2004) wurden bei Frauen von 35 bis 39 je nach Alter des Mannes 18 bis 28 % der Paare in 12 Zyklen nicht schwanger. Von den Paaren ohne Schwangerschaft im ersten Jahr wurden 43 bis 63 % im zweiten Jahr schwanger.

Die Zahlen weichen voneinander ab, weil die Studien Unterschiedliches zählen. Steiner und Wesselink werten positive Tests, Leridon nur Empfängnisse mit späterer Geburt.

Sanduhr auf Holzschreibtisch als Symbol für den Zeitfaktor bei Kinderwunsch

Risiken in der Schwangerschaft nach Alter

Zwei Risiken lassen sich je Altersjahr gut mit Zahlen beschreiben: die Fehlgeburt und die Trisomie 21 beim Kind.

Alter Fehlgeburt (alle erkannten Schwangerschaften) Trisomie 21 pro Lebendgeburt (ohne Pränataldiagnostik)
35 ca. 13 % 1 zu 353
36 ca. 15 % 1 zu 268
37 ca. 17 % 1 zu 200
38 ca. 19 % 1 zu 149
39 ca. 22 % 1 zu 112
40 ca. 27 % 1 zu 86
41 ca. 31 % 1 zu 68
42 ca. 35 % 1 zu 55
43 ca. 39 % 1 zu 46
44 ca. 46 % 1 zu 40
45 53,6 % (Gruppe ab 45) 1 zu 36

Quellen: Magnus et al. 2019, Norwegen 2009 bis 2013, Einzeljahre aus einer Grafik abgelesen. Morris et al. 2002 mit Korrektur 2005: Häufigkeit bei Lebendgeburt ohne Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch, England und Wales 1989 bis 1998, aus der Modellformel berechnet. Zum Vergleich: 1 zu 1.340 mit 25, 1 zu 939 mit 30.

Eine ältere dänische Registerstudie fand für 40 bis 44 einen Anteil von 40,8 % Spontanfehlgeburten und ab 45 von 74,7 %. Dort sind nur Fehlgeburten mit Klinikaufnahme erfasst.

Auch frühere Fehlgeburten spielen eine Rolle. In Norwegen endeten bei Frauen ohne frühere Schwangerschaft 11,6 % der Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt. Nach einer unmittelbar vorausgegangenen Fehlgeburt waren es 19,8 %, nach zwei in Folge 27,7 % und nach drei oder mehr in Folge 41,9 % (Magnus 2019). Wie es nach einem Verlust weitergehen kann, erklärt unser Artikel Schwanger werden nach einer Fehlgeburt.

Die Versicherteninformation des G-BA zum Bluttest auf Trisomien rechnet pro 10.000 Schwangerschaften statt pro Geburt und in gröberen Altersgruppen. Sie nennt für Schwangere von 35 bis 39 Jahren 52 Fälle von Down-Syndrom, 10 von Trisomie 18 und 4 von Trisomie 13, für über 40-Jährige 163, 41 und 10. Mit der Tabelle oben lassen sich diese Werte nicht verrechnen.

Laut ACOG treten ab 35 außerdem Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck und Präeklampsie häufiger auf, ebenso Kaiserschnitte. In Deutschland nennt die Mutterschafts-Richtlinie des G-BA Erstgebärende über 35 und Mehrgebärende über 40 als Beispiele für Schwangerschaften mit besonderem Überwachungsbedarf, umgangssprachlich Risikoschwangerschaft. Dasselbe gilt dort für eine Schwangerschaft nach Kinderwunschbehandlung. Ob das zutrifft, beurteilt die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall. Dann können häufigere Vorsorgetermine angezeigt sein. Welche Vorsorge für dich sinnvoll ist, besprichst du mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt.

Wann zum Arzt?

Die Fachgesellschaften staffeln ihre Empfehlung nach dem Alter der Frau:

  • ASRM (2021 und 2023): Abklärung nach 12 Monaten ohne Schwangerschaft, ab 35 nach 6 Monaten. Über 40 kann eine raschere Abklärung und Behandlung angezeigt sein.
  • Leitlinie von DGGG, OEGGG und SGGG (S2k, Version 2.0, 2026): 12 Monate, über 35 schon 6 Monate, über 40 sofortige Abklärung im reproduktionsmedizinischen Zentrum.
  • familienplanung.de (BIÖG): Frauen ab 35 nach 6 Monaten.
  • NICE NG257 (2026): ab 36 Überweisung an eine Spezialpraxis schon beim ersten Arztbesuch.
  • ACOG (2025) gibt die ASRM-Regel so wieder: bis 35 nach einem Jahr, 36 bis 40 nach 6 Monaten, über 40 sofort. Die Altersgrenzen sind dort um ein Jahr verschoben. In der ASRM-Stellungnahme von 2023, auf die ACOG verweist, steht diese Staffel so allerdings nicht.

Bei unregelmäßigem Zyklus oder bekannten Risiken wie einer Endometriose ist ein früherer Termin sinnvoll. Welche Ursachen hinter einem unerfüllten Kinderwunsch stecken können, erklärt unser Ratgeber unerfüllter Kinderwunsch. Die Fristen sind ärztliche Empfehlungen, keine Kassenregeln. Untersuchungen zur Ursache eines unerfüllten Kinderwunsches zahlt die gesetzliche Krankenkasse laut familienplanung.de vollständig. Welche Einzelleistungen manche Praxen trotzdem privat abrechnen, etwa die Eileiterprüfung per Ultraschall, steht im Artikel zum Fruchtbarkeitstest für Frauen. Für IVF oder ICSI verlangt sie zusätzlich eine Beratung durch eine nicht selbst behandelnde Ärztin oder einen solchen Arzt und eine Überweisung an ein zugelassenes Zentrum (§ 27a SGB V). Für ein erstes Gespräch in einer Kinderwunschpraxis brauchst du nicht immer eine Überweisung.

Ärztin berät am Laptop über Fruchtbarkeitsoptionen ab 40

Untersuchungen vorab

Was bei der Abklärung untersucht wird und was es kostet, erklärt unser Artikel zum Fruchtbarkeitstest für Frauen. Die Leitlinie von DGGG, OEGGG und SGGG (Version 2.0, 2026) nennt bei unerfülltem Kinderwunsch als Basis: Hormonwerte am 2. bis 5. Zyklustag, nämlich LH, FSH, TSH, Prolaktin, Gesamttestosteron, DHEAS, SHBG, Östradiol und AMH, dazu einen Ultraschall über die Scheide mit Zählung der kleinen Follikel (AFC). Wenn nötig, folgt eine Prüfung der Eileiter, in der Regel per Kontrastmittel-Ultraschall (HyCoSy). Bei Verdacht auf einen Verschluss, bei Infektion, Endometriose oder früherer Eileiterschwangerschaft empfiehlt die Leitlinie eine Bauchspiegelung mit Gebärmutterspiegelung. Beim Partner gehört ein Spermiogramm dazu.

Bei Frauen ohne unerfüllten Kinderwunsch ist der AMH-Wert laut einer Stellungnahme von DGGEF, DGRM und BVF nicht oder nur sehr bedingt aussagekräftig. Bei Frauen, die die Pille nahmen, lag er in einer Studie im Mittel 19 % niedriger (Birch Petersen 2015).

Ultraschall-Monitor bei der Fruchtbarkeitsuntersuchung

Für die Zeit des Versuchens zeigt eine Cochrane-Auswertung (2023): Geschlechtsverkehr nach einem positiven Urin-Ovulationstest erhöht bei Frauen unter 40, die es seit weniger als 12 Monaten versuchen, wahrscheinlich die Geburtenrate. Eine erste Orientierung zu den fruchtbaren Tagen gibt unser Eisprungrechner. Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt Frauen mit Kinderwunsch in seiner Fassung von 2026 400 µg Folsäure pro Tag zusätzlich zur Ernährung, ab dem Kinderwunsch bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche. Wer nicht mindestens 4 Wochen vor der Empfängnis beginnt, nimmt 800 µg. Bei Übergewicht gilt dieselbe Dosis. Details stehen im Artikel Folsäure bei Kinderwunsch.

Vitamine und Folsäure-Supplemente auf dem Nachttisch

Behandlungen und Rechtslage in DE, AT, CH

Zyklusmonitoring

Der einfachste Schritt ist ein Zyklusmonitoring per Ultraschall, damit der Geschlechtsverkehr zum Eisprung passt. Manchmal wird der Eisprung mit Clomifen oder Letrozol unterstützt. Letrozol ist dafür in Deutschland nicht zugelassen und wird off-label eingesetzt.

IUI

Bei der Insemination (IUI) werden aufbereitete Spermien direkt in die Gebärmutter gegeben. Das Deutsche Register für Insemination (DERI) wertet Inseminationen mit dem Samen des Partners nach Alter aus. Von 2019 bis 2023 führten sie mit 35 bis 39 in 9,7 % zu einer klinischen Schwangerschaft und in 5,7 % zu einer Geburt. Mit 40 bis 44 waren es 6,4 % und 2,5 %. In der Schweiz ist die IUI die einzige Kinderwunschbehandlung, die die Grundversicherung zahlt, höchstens drei Zyklen pro Schwangerschaft. Mehr dazu unter IUI-Behandlung.

IVF und ICSI

IVF und ICSI sind die Verfahren mit den meisten Daten, die Werte je Altersjahr stehen oben. Über mehrere Transfers weist das Deutsche IVF-Register (2020 bis 2023) diese kumulierten klinischen Schwangerschaften pro Patientin aus:

Altersgruppe nach 1 Transfer nach 2 nach 3 nach 4 nach mehr als 4
35 bis 39 32,0 % 50,3 % 60,5 % 65,7 % 71,2 %
ab 40 18,0 % 27,6 % 32,5 % 34,8 % 37,5 %

Gezählt sind Schwangerschaften, keine Geburten, und eine Frau kann mehrfach zählen. Die Werte sind deshalb eine Obergrenze für den Anteil der Frauen, die schwanger wurden. Den Unterschied der Verfahren erklärt ICSI vs. IVF, den Ablauf unser Ratgeber künstliche Befruchtung. Eine Orientierung auf Basis der Registerdaten gibt der IVF-Rechner.

PGT-A

Bei einer PGT-A werden Embryonen vor dem Transfer auf die Zahl ihrer Chromosomen untersucht. In Deutschland ist das nur in engen Ausnahmefällen nach Zustimmung einer Ethikkommission erlaubt (§ 3a Embryonenschutzgesetz), ein Screening allein wegen des Alters ist nicht vorgesehen. Österreich erlaubt die Untersuchung nur nach drei oder mehr Transfers ohne Schwangerschaft bei vermuteter genetischer Ursache, nach mindestens drei Fehl- oder Totgeburten mit wahrscheinlich genetischer Ursache oder bei ernster erblicher Gefahr. Die Schweiz erlaubt sie, um chromosomale Eigenschaften zu erkennen, die die Entwicklung des Embryos beeinträchtigen können. Mehr unter Präimplantationsdiagnostik.

Eizellspende

In Deutschland ist die Eizellspende verboten (§ 1 Embryonenschutzgesetz). Gesundheitsministerin Warken plant eine teilweise Zulassung für überzählige Eizellen aus Kinderwunschbehandlungen, einen Gesetzentwurf gab es laut Ärzteblatt vom 27.02.2026 nicht. In Österreich ist sie seit der Reform von 2015 erlaubt, wenn die eigenen Eizellen nicht fortpflanzungsfähig sind und die Behandlung vor dem 45. Geburtstag beginnt. In der Schweiz ist sie verboten, der Bundesrat will sie zulassen, die Vernehmlassung ist für das 2. Quartal 2027 geplant. In Europa führten 2019 laut ESHRE 50,5 % der Frischtransfers mit frisch gespendeten Eizellen zu einer Schwangerschaft (nicht Geburt), das Alter der Empfängerin hatte dabei wenig Einfluss. Anbieter im Überblick findest du unter Eizellspende.

Thema Deutschland Österreich Schweiz
Kassenleistung IVF/ICSI 50 %, bis zu 3 Versuche, nur Ehepaare 70 % über den IVF-Fonds, bis zu 4 Versuche, nur Vertragszentren und bestimmte Ursachen keine (nur IUI, höchstens 3 Zyklen)
Altersgrenze der Kasse Frau unter 40, Mann unter 50, beide ab 25 Frau unter 40, Partner unter 50 entfällt
Ausnahmen ab 40 AOK Baden-Württemberg, BKK Kinderwunsch bis vor dem 42. Geburtstag keine bekannt entfällt
Eizellspende verboten erlaubt bis vor dem 45. Geburtstag, wenn eigene Eizellen nicht fortpflanzungsfähig verboten, Zulassung geplant
PGT-A nur in engen Ausnahmen mit Ethikkommission nur bei bestimmten Indikationen erlaubt

Kosten und Kasse nach Alter

Bis zum 40. Geburtstag beteiligt sich in Deutschland die gesetzliche Krankenkasse mit 50 % an bis zu drei IVF- oder ICSI-Versuchen, in Österreich der IVF-Fonds mit 70 % an bis zu vier Versuchen. Danach trägst du die Kosten in der Regel selbst, mit den Ausnahmen der AOK Baden-Württemberg und des Programms BKK Kinderwunsch (siehe mit 40 und mit 41). Bei privaten Versicherungen hängt die Erstattung vom Vertrag ab und davon, bei wem die Ursache liegt. In der Schweiz zahlt die Grundversicherung in keinem Alter eine IVF.

Was eine Behandlung kostet und welchen Anteil deine Kasse übernimmt, rechnest du mit dem Kostenrechner aus. Die Preise aller Verfahren stehen im Ratgeber Kinderwunsch-Kosten, die Leistungen der Kassen unter Kostenübernahme. Selbst gezahlte Kosten lassen sich unter Umständen steuerlich absetzen. Kliniken findest du im Klinikvergleich, und der Online-Berater hilft dir, den nächsten Schritt einzuordnen.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, mit 40 schwanger zu werden?

In einer US-Kohorte von Frauen ohne bekannte Unfruchtbarkeit lag die durchschnittliche Chance pro Zyklus mit 40 bis 41 bei 8,6 %. Nach 12 Zyklen hatten 54 % einen positiven Test (Steiner und Jukic 2016). Nach IVF oder ICSI mit eigenen Eizellen führten in Deutschland mit 40 Jahren 13,4 % der Embryotransfers zu einer Geburt (Deutsches IVF-Register, Frischzyklen 2019 bis 2023). Für dich persönlich kann es anders aussehen.

Kann man mit 40 noch natürlich schwanger werden?

Ja, aber seltener als mit Mitte 30. In einer US-Kohorte von Frauen ohne bekannte Unfruchtbarkeit (Steiner und Jukic 2016, 37 Frauen von 40 bis 41) hatte die Hälfte nach 8 Monaten einen positiven Schwangerschaftstest, nach 12 Zyklen waren es 54 %. Mitgezählt sind auch Schwangerschaften, die früh wieder endeten. Die britische Leitlinie NICE empfiehlt ab 36, frühzeitig eine Spezialpraxis einzubeziehen.

Wie hoch ist das Fehlgeburtsrisiko mit 40?

In Norwegen endeten mit 40 ca. 27 % der erkannten Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt, in der Gruppe von 40 bis 44 waren es 32,2 % (Magnus 2019). Nach IVF oder ICSI lag der Anteil laut Deutschem IVF-Register mit 40 bei 36,1 %. Die beiden Werte stammen aus unterschiedlichen Gruppen und sind nicht direkt vergleichbar.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, mit 39 Jahren schwanger zu werden?

Mit 38 bis 39 lag die durchschnittliche Chance pro Zyklus in einer US-Kohorte von Frauen ohne bekannte Unfruchtbarkeit (Steiner und Jukic 2016, 61 Frauen) bei 13,2 %, nach 12 Zyklen hatten 71 % einen positiven Test. Im Median dauerte es 4 Monate. Nach IVF oder ICSI mit eigenen Eizellen führten in Deutschland mit 39 Jahren 17,0 % der Embryotransfers zu einer Geburt (Deutsches IVF-Register, Frischzyklen 2019 bis 2023).

Wie viele Frauen werden mit 42 schwanger?

In einer US-Kohorte von Frauen ohne bekannte Unfruchtbarkeit (Steiner und Jukic 2016) hatten 48 % der Frauen zwischen 42 und 44 nach 12 Zyklen einen positiven Test. Die Gruppe war mit 14 Frauen sehr klein, das Konfidenzintervall reicht von 24 bis 80 %. Nach IVF oder ICSI mit eigenen Eizellen führten in Deutschland mit 42 Jahren 15,2 % der Transfers zu einer klinischen Schwangerschaft und 7,4 % zu einer Geburt (Deutsches IVF-Register, Frischzyklen 2019 bis 2023).

Bin ich mit 43 zu alt für ein Kind?

Das kann dir keine Statistik beantworten, die Entscheidung ist persönlich. Die Daten zeigen geringere Chancen als mit Mitte 30: Nach IVF oder ICSI mit eigenen Eizellen führten mit 43 Jahren 5,0 % der Embryotransfers zu einer Geburt, und in Norwegen endeten ca. 39 % der erkannten Schwangerschaften 43-Jähriger mit einer Fehlgeburt. Welche Wege dir offenstehen, auch eine Eizellspende in Österreich bis vor dem 45. Geburtstag, kann eine Kinderwunschpraxis mit dir besprechen.

Kann man mit 45 noch schwanger werden?

Es ist möglich, aber selten. Nach IVF oder ICSI mit eigenen Eizellen führten in Deutschland ab 45 Jahren 1,1 % der Embryotransfers zu einer Geburt (2019 bis 2023), 2023 waren es 2 Geburten nach 462 Transfers. Mit Spender-Eizellen lag die Geburtenrate in Großbritannien bei 45 bis 50 Jahren bei 30 % pro übertragenem Embryo (HFEA, 2018 bis 2019). In Deutschland und der Schweiz ist die Eizellspende verboten.

Ab welchem Alter gilt eine Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft?

In Deutschland nennt die Mutterschafts-Richtlinie des G-BA (in Kraft seit 25.08.2026) Erstgebärende über 35 und Mehrgebärende über 40 als Beispiele für Schwangerschaften mit besonderem Überwachungsbedarf, umgangssprachlich Risikoschwangerschaft. Die Einstufung trifft die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall. Laut der US-Fachgesellschaft ACOG kommen ab 35 unter anderem Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck und Chromosomenabweichungen häufiger vor. Ein höheres Risiko in der Statistik heißt nicht, dass deine Schwangerschaft schwierig verläuft.

Stimmt es, dass die Fruchtbarkeit ab 35 rapide abnimmt?

Die Chancen sinken nach 35 deutlich, mit 40 ist die Fruchtbarkeit laut ASRM etwa halb so hoch wie Ende 20 oder Anfang 30. In einer US-Kohorte von Frauen ohne bekannte Unfruchtbarkeit (Steiner und Jukic 2016) lag die Chance pro Zyklus mit 34 bis 35 bei 16,2 % und mit 40 bis 41 bei 8,6 %. Einzelne Frauen weichen davon stark ab, nach oben wie nach unten.

Bis wann kann ich eine IVF machen?

Das Deutsche IVF-Register verzeichnet auch Behandlungen ab 45, von 2019 bis 2023 waren es 2.502 Transfers. Die Geburtenrate pro Transfer lag mit 44 bei 3,0 % und ab 45 bei 1,1 %. Die Kassenbeteiligung endet in Deutschland und Österreich mit dem 40. Geburtstag, Ausnahmen sind die AOK Baden-Württemberg und das Programm BKK Kinderwunsch. In der Schweiz gibt es keine feste Altersgrenze, eine Kassenleistung ist die IVF dort in keinem Alter.

Lohnt sich Social Freezing nach 35 noch?

Das hängt von deinem Alter und deiner Lebensplanung ab, nicht von einem einzelnen Laborwert. Im Rechenmodell von Goldman braucht es mit 37 rund 20 reife Eizellen für eine Chance von 75 % auf mindestens eine Geburt, mit 40 rund 40. Die Autoren halten die Modellwerte selbst für möglicherweise zu optimistisch. In der Studie von Cobo gab es bei 27 Frauen, die ihre Eizellen ab 40 eingefroren und später genutzt hatten, ein Kind. Mehr im Ratgeber Social Freezing.

Quellen

FR

Über diesen Artikel

Fertilio Redaktion

Die Fertilio Redaktion recherchiert Kinderwunsch-Themen anhand von Fachquellen wie dem Deutschen IVF-Register, medizinischen Leitlinien und Gesetzestexten. Die Quellen stehen jeweils am Ende des Artikels. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.