Auf deinem Laborbefund steht ein LH-Wert, daneben ein Referenzbereich, vielleicht mit einem Sternchen markiert. Oder deine Ärztin hat LH zusammen mit FSH bestimmt und einen Quotienten ausgerechnet. Was sagt diese Zahl?
Weniger, als man denkt, solange niemand dazuschreibt, an welchem Zyklustag das Blut abgenommen wurde. LH, das luteinisierende Hormon, schwankt im Lauf des Zyklus um ein Vielfaches, wird in Pulsen ausgeschüttet und je nach Labor und Messmethode mit unterschiedlichen Referenzbereichen bewertet. Ein Wert, der im einen Labor als erhöht gilt, kann im anderen noch im Bereich liegen.
Hier findest du die Referenzbereiche großer Labore als Tabelle, den passenden Zeitpunkt für die Messung, was hohe und niedrige Werte bedeuten können, was der LH/FSH-Quotient zeigt und was beim Mann zählt. Deinen eigenen Befund kann das nicht deuten. Das gehört in das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, zusammen mit Zyklus, Beschwerden und den anderen Hormonwerten.
Was ist LH?
LH steht für luteinisierendes Hormon. Es wird im Vorderlappen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet und zusammen mit dem follikelstimulierenden Hormon (FSH) über das Steuerhormon GnRH aus dem Hypothalamus reguliert (Medicover 2026).
- Bei der Frau löst LH den Eisprung aus und hält danach den Gelbkörper (Corpus luteum) in Funktion. Was in dieser zweiten Zyklushälfte passiert, erklärt der Artikel Gelbkörperschwäche.
- Beim Mann regt LH die Leydig-Zellen im Hoden an, Testosteron zu bilden, und trägt so zur Regulation der Spermienbildung bei (Medicover 2026).
LH fließt nicht gleichmäßig ins Blut, sondern in Pulsen, weil auch GnRH stoßweise freigesetzt wird. Pulsfrequenz und Pulshöhe ändern sich mit der Zyklusphase: In der Follikelphase kommt etwa alle 90 Minuten ein Puls, in der Lutealphase nur alle 3 bis 6 Stunden (Endokrinologikum Hamburg). FSH hat eine längere Halbwertszeit, deshalb schlagen die Pulse vor allem beim LH durch. Ein einzelner LH-Wert schwankt stärker als ein FSH-Wert (Uniklinik Ulm 2024).
Für dich heißt das: Ein LH-Wert ist eine Momentaufnahme. Er zeigt den Stand zum Zeitpunkt der Blutabnahme, nicht deinen Zyklus als Ganzes.
LH-Wert Tabelle: Referenzbereiche nach Zyklusphase
Die Tabelle zeigt die Referenzbereiche von drei deutschen Laboren. Sie sind Beispiele, keine allgemeingültigen Normwerte. Das Universitätsklinikum Ulm, das mit dem Elecsys-Test von Roche misst (Methode ECLIA), bezeichnet seine Werte ausdrücklich als nur orientierend sowie alters- und geschlechtsabhängig (Uniklinik Ulm 2024).
| Zyklusphase oder Gruppe | Uniklinik Ulm (Roche-Test, ECLIA) | Medicover (CMIA) | MHH Hannover |
|---|---|---|---|
| Frauen, Follikelphase | 2,4 bis 12,6 | 1,80 bis 11,78 | gleiche Werte wie Ulm |
| Frauen, Eisprung (Zyklusmitte) | 14,0 bis 95,6 | 7,59 bis 89,08 | gleiche Werte wie Ulm |
| Frauen, Lutealphase | 1,0 bis 11,4 | 0,56 bis 14,00 | gleiche Werte wie Ulm |
| Frauen nach der Menopause | 7,7 bis 58,5 | 5,16 bis 61,99 (ohne Hormonersatztherapie) | gleiche Werte wie Ulm |
| Männer | 1,7 bis 8,6 | 0,57 bis 12,07 | 1,5 bis 14,0 |
Alle Werte in IU/l. Quellen: Universitätsklinikum Ulm (Revision 01/2024), Medicover Diagnostics (Stand 08/2026), Zentrallabor der Medizinischen Hochschule Hannover (Version 7.0, 06/2025).
Einheiten: 1 IU/l sind 1.000 mIU pro 1.000 ml, also 1 mIU/ml. Auf Befunden steht dasselbe auch als mIE/ml oder U/l: Das Endokrinologikum Hamburg gibt dieselben Roche-Bereiche in mIE/ml an, die Uniklinik Ulm in IU/l und die MHH in U/l. Ein Wert von 7 IU/l und einer von 7 mIU/ml sind also gleich hoch.
Die Tabelle ist kein Werkzeug, um den eigenen Wert einzuordnen. Ob ein Ergebnis auffällig ist, hängt von Zyklustag, Begleitwerten und deiner Vorgeschichte ab. Diese Einordnung macht deine Ärztin oder dein Arzt.
Warum es keinen einheitlichen LH-Normalwert gibt
Schon die drei Beispiele zeigen es: Für Männer liegt die Obergrenze bei Medicover um rund 3,5 IU/l höher als beim Roche-Test, an der MHH bei 14,0 statt 8,6. Referenzbereiche hängen von Messmethode und Labor ab, maßgeblich ist immer der Bereich auf deinem eigenen Befund (Medicover 2026, MHH 2025). Dazu kommen weitere Einflüsse:
- Der Zyklustag: Derselbe Wert kann in der Follikelphase über dem Referenzbereich liegen und um den Eisprung mittendrin. 20 IU/l etwa liegen beim Roche-Test über dem Bereich der Follikelphase, aber im Bereich der Ovulationsphase.
- Die Pulse: Ein Wert spiegelt den Moment der Blutabnahme, keinen Tagesdurchschnitt.
- Pille und GnRH-Analoga: Sie unterdrücken die Achse aus Hypothalamus, Hirnanhangdrüse und Eierstöcken und blockieren dadurch auch Bildung und Ausschüttung von LH. Ein unter der Pille gemessener Wert zeigt die Wirkung des Medikaments, nicht deine eigene Zyklusfunktion (Endokrinologikum Hamburg).
- Biotin: Beim Roche-Test kann hoch dosiertes Biotin das Ergebnis verfälschen. Bei mehr als 5 mg Biotin am Tag soll das Blut frühestens 8 Stunden nach der letzten Einnahme abgenommen werden (Endokrinologikum Hamburg). Biotin-Konzentrationen unter 50 ng/ml beeinflussen den Test laut Uniklinik Ulm nicht. Medicover, das mit einer anderen Methode misst, führt Biotin nicht unter seinen Störfaktoren auf. Wenn du hoch dosiertes Biotin nimmst, sag das vor der Blutabnahme und kläre den Abstand zur letzten Einnahme mit dem Labor.
- Antikörper im Blut: Humane Anti-Maus-Antikörper (HAMA), etwa nach einer Behandlung mit monoklonalen Antikörpern aus der Maus, und sogenannte heterophile Antikörper können die Messung stören. Der Wert fällt dann falsch hoch oder falsch niedrig aus (Medicover 2026).
Wann wird der LH-Wert gemessen?
Wann das Blut abgenommen wird, hängt von der Frage ab, die beantwortet werden soll.
| Fragestellung | Zeitpunkt | Quelle |
|---|---|---|
| Unerfüllter Kinderwunsch, hormonelle Basiswerte | LH zusammen mit FSH, Prolaktin, Gesamttestosteron, SHBG, DHEAS, TSH, Östradiol und AMH am 2. bis 5. Zyklustag, bei fehlender Follikelreifung an jedem beliebigen Tag | DACH-Leitlinie 2026 |
| Zyklusstörung, die Regel kommt noch | LH zusammen mit FSH an Zyklustag 1 bis 5 (frühe Follikelphase) | Endokrinologikum Hamburg |
| Verdacht auf PCOS oder vermehrte männliche Hormone | möglichst am 3. bis 5. Zyklustag, zusammen mit unter anderem FSH, Testosteron, DHEAS, Androstendion und SHBG | Labor Wisplinghoff |
| GnRH-Test (LH-RH-Test) | 2. bis 5. Zyklustag | Labor Augsburg |
| Findet ein Eisprung statt? | Zyklusmitte | Endokrinologikum Hamburg |
| Verdacht auf vorzeitige Ovarialinsuffizienz | FSH muss nicht an einen bestimmten Zyklustag gebunden sein, LH ist hier kein Kriterium | ESHRE 2024 |
Die DACH-Leitlinie von DGGG, OEGGG und SGGG (2026) nennt für die Basiswerte den 2. bis 5. Zyklustag. Die Labore nennen leicht abweichende Tage, gemeinsam ist allen die frühe Follikelphase. Die britische Leitlinie NICE NG257 (2026) empfiehlt, Frauen mit unregelmäßigem Zyklus eine Blutuntersuchung von FSH und LH anzubieten. Welche weiteren Werte zur Abklärung bei unerfülltem Kinderwunsch gehören und was sie kosten, steht im Artikel Fruchtbarkeitstest für Frauen.
Wenn du die Pille nimmst: Unter der Pille sagt ein LH-Wert wenig über deinen eigenen Zyklus (Endokrinologikum Hamburg). Für die PCOS-Diagnostik rät die internationale Leitlinie: Wenn männliche Hormone unbedingt gemessen werden müssen, soll die Pille mindestens 3 Monate vorher abgesetzt und anders verhütet werden (internationale PCOS-Leitlinie 2023). Ob und wann du absetzt, besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
LH-Peak: der Anstieg vor dem Eisprung
Vor dem Eisprung steigt LH steil an, bis es seinen Gipfel erreicht, den LH-Peak. Wie viel Zeit danach bis zum Eisprung vergeht, hat eine Studie im Auftrag der WHO untersucht. LH wurde im Blut gemessen, der Eisprung chirurgisch bestätigt. Untersucht wurden 177 Frauen, 107 davon gingen in die Auswertung ein (WHO 1980).
| Ausgangspunkt | Eisprung im Median nach | 95-%-Vertrauensbereich |
|---|---|---|
| Beginn des LH-Anstiegs | 32,0 Stunden | 23,6 bis 38,2 Stunden |
| LH-Gipfel | 16,5 Stunden | 9,5 bis 23,0 Stunden |
Quelle: WHO Task Force on Methods for the Determination of the Fertile Period (1980).
Dazu kommt die Streuung. Nach dem statistischen Modell der Studie lag der Eisprung in 90 % der Fälle zwischen 16 und 48 Stunden nach dem ersten deutlichen LH-Anstieg im Blut, jeweils mit einer Unschärfe von plus minus 6 Stunden. Bezogen auf den Gipfel lag er zwischen 3 Stunden davor und 36 Stunden danach, jeweils plus minus 5 Stunden (WHO 1980).
Wie hoch LH um den Eisprung steigt, ist sehr verschieden: Der Referenzbereich für die Ovulationsphase reicht beim Roche-Test von 14,0 bis 95,6 IU/l, bei Medicover von 7,59 bis 89,08 IU/l (Uniklinik Ulm 2024, Medicover 2026). Zu Hause lässt sich der Anstieg im Urin nachweisen.
LH-Bluttest oder LH-Urintest?
Ovulationstests aus Drogerie oder Apotheke messen ebenfalls LH, aber anders als das Labor.
| LH im Blut | LH-Urintest (Ovulationstest) | |
|---|---|---|
| Was gemessen wird | aktuelle LH-Konzentration im Serum, in IU/l | ob LH erhöht ist, bei Kombitests auch Östrogen (E3G) |
| Ergebnis | Zahl mit Referenzbereich des Labors | bei Teststreifen und digitalen Tests positiv oder negativ (qualitativ) |
| Wofür | Hormonstatus, etwa bei Zyklusstörungen | den LH-Anstieg finden, der meist 1 bis 1,5 Tage vor dem Eisprung auftritt |
| Grenzen | Momentaufnahme, weil LH in Pulsen ausgeschüttet wird | Streifen und digitale Tests zeigen nicht die Höhe des LH-Werts, Urinwerte von Hormonmonitoren sind nicht mit Blutwerten vergleichbar. Ob eine Schwangerschaft eintritt, zeigt der Test nicht. |
Quellen: FDA (2018), Endokrinologikum Hamburg, Uniklinik Ulm (2024).
Was Fachgesellschaften und Behörden zu Urintests festhalten:
- Urin-Ergebnisse stimmen meist gut mit dem Gipfel im Blut überein, besonders bei Mittags- oder Abendurin (ASRM 2021).
- Nach einem im Urin erkannten Anstieg kann der Eisprung irgendwann innerhalb der folgenden 2 Tage stattfinden. In etwa 7 % der Zyklen ist das Ergebnis falsch positiv (ASRM 2022).
- Korrekt angewendet erkennen Urintests den Anstieg laut FDA in etwa 9 von 10 Fällen. Erkannt wird der LH-Anstieg, nicht der Eisprung selbst. Zur Verhütung sind die Tests nicht geeignet (FDA 2018).
- Genauigkeit, Handhabung und Zuverlässigkeit unterscheiden sich je nach Produkt. Falsch positive und falsch negative Ergebnisse kommen vor (ASRM 2021).
- Bei PCOS kann ein dauerhaft erhöhtes Basis-LH zu falsch positiven Urintests führen (ASRM 2021).
Wie du Ovulationstests anwendest, ab welchem Zyklustag und zu welcher Uhrzeit, steht im Artikel Ovulationstest. Einen Blutwert, den du mit den Referenzbereichen deines Labors vergleichen kannst, liefert ein Urintest nicht.
LH-Wert zu hoch: mögliche Ursachen
Ein hoher LH-Wert allein ist keine Diagnose. Um den Eisprung ist ein hoher Wert sogar zu erwarten, das zeigt der Referenzbereich der Ovulationsphase. Aussagekräftig wird LH erst zusammen mit dem Zyklustag, mit FSH und mit weiteren Werten. Labore und Leitlinien beschreiben vor allem diese Muster:
| Befundmuster | Kann vorkommen bei | Quelle |
|---|---|---|
| LH und FSH erhöht (hypergonadotrop) | Wechseljahren, nach der Menopause, vorzeitiger Ovarialinsuffizienz, anderen Störungen von Funktion oder Entwicklung der Eierstöcke | Endokrinologikum Hamburg |
| LH erhöht bei normalem FSH, also hoher LH/FSH-Quotient | chronisch ausbleibendem Eisprung und seltener Regel, besonders bei PCOS; typisch, aber nicht beweisend | Endokrinologikum Hamburg |
| Beim Mann: LH und FSH erhöht, Testosteron niedrig oder noch normal | Schaden im Hoden selbst (primärer Hypogonadismus), etwa beim Klinefelter-Syndrom | EAU 2026 |
Vorzeitige Ovarialinsuffizienz: FSH entscheidet, nicht LH
Verlieren die Eierstöcke vor dem 40. Lebensjahr ihre Funktion, sprechen Fachleute von vorzeitiger Ovarialinsuffizienz (POI). Für die Diagnose verlangt die Leitlinie von ESHRE und ASRM mindestens 4 Monate gestörten Zyklus und ein FSH über 25 IU/l. Wiederholt wird der Test nach 4 bis 6 Wochen nur, wenn die Diagnose unsicher ist. LH gehört nicht zu den Diagnosekriterien (ESHRE 2024).
Hormonelle Verhütung mit Pille, Spritze oder Langzeitverhütung kann Zyklusstörungen verdecken oder auslösen und die FSH-Werte senken. Die Leitlinie rät deshalb, manche Präparate vor einer POI-Diagnose abzusetzen (ESHRE 2024).
Hohes LH bei PCOS
Die deutsche S2k-Leitlinie beschreibt bei PCOS häufig eine gestörte Ausschüttung der Steuerhormone mit verstärkter LH-Sekretion (AWMF 089-004, 2025). Ein erhöhtes LH ist also typisch. Zu den Diagnosekriterien gehört es trotzdem nicht, mehr dazu im Abschnitt zum LH/FSH-Quotienten.
LH-Wert zu niedrig: mögliche Ursachen
Auch ein niedriger Wert kann im Referenzbereich liegen: In der Lutealphase reicht der Bereich beim Roche-Test bis 1,0 IU/l hinunter, bei Medicover bis 0,56 IU/l (Uniklinik Ulm 2024, Medicover 2026). Diese Gründe für niedrige Werte nennen Labore und Leitlinien:
- Pille und GnRH-Analoga: Sie unterdrücken LH, der Wert zeigt dann die Medikamentenwirkung (Endokrinologikum Hamburg). Wie Hormone in einer Kinderwunschbehandlung gezielt gesteuert werden, erklärt der Artikel Hormonbehandlung bei Kinderwunsch.
- Ursache in Hypothalamus oder Hirnanhangdrüse: Niedrige bis nicht messbare LH-Werte zusammen mit niedrigem FSH und niedrigem Östrogen finden sich, wenn die Regel wegen einer Störung in diesen Steuerzentren ausbleibt. Genannt werden besonders Magersucht (Anorexia nervosa), deutliches Untergewicht, Verletzungen des Hypophysenstiels und andere Schäden an der Hirnanhangdrüse (Endokrinologikum Hamburg).
- Erhöhtes Prolaktin: Bei Frauen zeigt sich eine Hyperprolaktinämie typischerweise durch Milchfluss aus der Brust und einen zentral bedingten Hypogonadismus mit Zyklusstörungen bis zum Ausbleiben der Regel (Labor Wisplinghoff). Beim Mann unterdrückt erhöhtes Prolaktin LH und FSH (EAU 2026).
- Anabolika: Anabol-androgene Steroide unterdrücken die Ausschüttung von LH und FSH. Bei Frauen kann das zu Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit führen (Endocrine Society 2014).
Funktionelle hypothalamische Amenorrhö: LH oft im Normbereich
Bleibt der Eisprung dauerhaft aus, ohne dass eine organische Ursache gefunden wird, kann eine funktionelle hypothalamische Amenorrhö (FHA) dahinterstecken. Laut Leitlinie der Endocrine Society wird sie häufig durch Stress, Gewichtsverlust, exzessiven Sport oder eine Kombination davon ausgelöst. Diagnostiziert wird sie erst, wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind (Endocrine Society 2017).
Für die Laborwerte heißt das: LH und FSH liegen bei FHA laut ASRM im normalen bis niedrig-normalen Bereich. Ein normaler LH- oder FSH-Wert schließt eine FHA also nicht aus (ASRM 2024).
In einer Wiener Kohorte mit 135 Frauen mit gesicherter FHA hatten nur 39 % ein LH von höchstens 2,0 mIU/ml und 13 % ein FSH von höchstens 2,0 mIU/ml. Typischer war ein niedriger Quotient: 81,5 % hatten einen LH/FSH-Quotienten von höchstens 1,0, nur 2,2 % einen von 2,1 oder mehr (MedUni Wien 2024).
Der GnRH-Test
Um eine Störung in Hypothalamus oder Hirnanhangdrüse genauer einzugrenzen, gibt es den GnRH-Stimulationstest, auch LH-RH-Test genannt. Er misst, wie LH und FSH auf GnRH reagieren. Bei Frauen steigt LH normalerweise auf das 2- bis 8-Fache an, FSH weniger stark. Ein verminderter oder fehlender Anstieg spricht für eine Störung in Hypothalamus oder Hirnanhangdrüse (Labor Augsburg).
Optimal ist die frühe Follikelphase, also der 2. bis 5. Zyklustag. Hormonelle Verhütungsmittel sollen je nach Wirkdauer mindestens einen regulären Zyklus lang vorher abgesetzt sein, bei ausbleibender Regel 8 Wochen (Labor Augsburg).
LH/FSH-Quotient: was er zeigt und was nicht
Für den LH/FSH-Quotienten wird der LH-Wert durch den FSH-Wert geteilt. Bei gesunden Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter liegt er laut Zentrallabor der MHH um 1 (MHH 2025).
| Gruppe | LH/FSH-Quotient | Quelle |
|---|---|---|
| Gesunde Frauen, Follikelphase | 0,82 | MHH 2025 |
| Gesunde Frauen, Lutealphase | 1,12 | MHH 2025 |
| Frauen mit PCOS, Median über einen Zyklus (12 Frauen) | 1,6 (gesunde Vergleichsgruppe 1,2; Unterschied nicht signifikant) | Cho 2006 |
| Frauen mit FHA (135 Frauen) | bei 81,5 % höchstens 1,0 | MedUni Wien 2024 |
Ein hohes LH bei normalem FSH findet sich oft bei chronisch ausbleibendem Eisprung, besonders bei PCOS. Typisch ist das, beweisend nicht (Endokrinologikum Hamburg).
Was die PCOS-Leitlinien sagen
Die internationale evidenzbasierte PCOS-Leitlinie von 2023 verlangt für die Diagnose 2 von 3 Kriterien:
- zu viele männliche Hormone, an Zeichen am Körper erkennbar oder im Blut gemessen (Hyperandrogenismus),
- ein gestörter Eisprung (ovulatorische Dysfunktion),
- polyzystische Eierstöcke im Ultraschall oder alternativ ein erhöhtes AMH.
Dazu müssen andere Ursachen ausgeschlossen sein. LH und der LH/FSH-Quotient gehören nicht zu den Kriterien (internationale PCOS-Leitlinie 2023). Die deutsche S2k-Leitlinie stellt die Diagnose ebenso nach den modifizierten Rotterdam-Kriterien, beschlossen mit 100 % Konsens. Auch hier sind LH und der Quotient kein Diagnosekriterium (AWMF 089-004, 2025, Empfehlung 1.2.1). Wie AMH-Werte in Studien je nach Alter verteilt sind, zeigt die AMH-Wert-Tabelle.
Wofür LH dann bestimmt wird: zum Ausschluss anderer Ursachen. Im Diagnosealgorithmus der internationalen Leitlinie gehört FSH zusammen mit TSH, Prolaktin und 17-OH-Progesteron zu den Standardtests, um andere Ursachen auszuschließen. LH und FSH dienen zusätzlich dazu, einen hypogonadotropen Hypogonadismus auszuschließen, also einen Mangel an Steuerhormonen aus der Hirnanhangdrüse. Er entsteht meist durch einen niedrigen Körperfettanteil oder intensives Training (internationale PCOS-Leitlinie 2023).
Die deutsche Leitlinie bestimmt LH, FSH und Östradiol, um unter anderem eine hypothalamische Amenorrhö (auch eine funktionelle, etwa bei Magersucht, Sport oder Stress) oder eine Unterfunktion der Hirnanhangdrüse abzugrenzen (AWMF 089-004, 2025).
Seit Mai 2026 heißt PCOS international PMOS, polyendokrines metabolisches Ovarsyndrom (Lancet 2026). Die ASRM verwendet den neuen Namen bereits, die DACH-Leitlinie (2026) die Abkürzung PMOS. Es gilt eine Übergangsphase. Eine neuere Fassung der internationalen Leitlinie gibt es bisher nicht, die Kriterien von 2023 gelten weiter. Wir bleiben hier bei PCOS, weil die meisten Menschen danach suchen. Wie die Behandlung bei Kinderwunsch abläuft, beschreibt der Artikel Schwanger werden mit PCOS.
Was Studien zum Quotienten zeigen
In einer kleinen Studie wurde 12 Frauen mit PCOS und 11 Frauen ohne PCOS über einen ganzen Zyklus jeweils 10-mal Blut abgenommen. Der mediane LH/FSH-Quotient unterschied sich nicht signifikant: 1,6 gegenüber 1,2 (p = 0,14). Nur 7,6 % der Proben von Frauen mit PCOS lagen über 3, aber 15,6 % der Proben gesunder Frauen. Die Autoren folgern, dass der Quotient für die PCOS-Diagnose wenig nützt (Cho 2006).
Hilfreich sein kann der Quotient bei einer anderen Frage: PCOS oder FHA? Bei FHA ist LH laut ASRM oft unverhältnismäßig niedriger als FSH, bei PCOS ist ein im Verhältnis zu FSH erhöhtes LH nicht ungewöhnlich (ASRM 2024). Das zählt, weil bis zu 50 % der Frauen mit FHA im Ultraschall polyzystische Eierstöcke mit erhöhtem AMH zeigen und deshalb leicht fälschlich als PCOS eingestuft werden (MedUni Wien 2024). Bei dieser Abgrenzung kann der Quotient helfen, die Diagnosekriterien ersetzt er nicht (ASRM 2024).
LH-Wert beim Mann
Beim Mann ist LH das Signal an den Hoden, Testosteron zu bilden. Die Leydig-Zellen reagieren darauf, und LH trägt so zur Regulation der Spermienbildung bei (Medicover 2026).
Die Referenzbereiche gehen auch hier weit auseinander: 1,7 bis 8,6 IU/l beim Roche-Test (Uniklinik Ulm 2024), 0,57 bis 12,07 IU/l bei Medicover (Medicover 2026) und 1,5 bis 14,0 IU/l an der MHH (MHH 2025).
Die DACH-Leitlinie (2026) sieht beim Mann FSH, LH und Testosteron als hormonelle Basisdiagnostik vor. Erst im Zusammenspiel dieser drei Werte wird LH aussagekräftig:
| Befundmuster | Spricht für | Quelle |
|---|---|---|
| LH und FSH hoch, Testosteron niedrig oder noch normal | Schaden im Hoden selbst, primärer (hypergonadotroper) Hypogonadismus | EAU 2026, Endokrinologikum Hamburg |
| LH und FSH niedrig oder nicht messbar, Testosteron niedrig | Ursache in Hypothalamus oder Hirnanhangdrüse (sekundärer Hypogonadismus) | Endokrinologikum Hamburg |
| LH und FSH niedrig, dazu Einnahme von Testosteron oder Anabolika | Hemmung der Hirnanhangdrüse durch die zugeführten Hormone, die Spermienbildung kann unterdrückt sein | EAU 2026, Endocrine Society 2014 |
Klinefelter-Syndrom
Die häufigste genetische Ursache eines primären Hypogonadismus mit erhöhtem LH ist das Klinefelter-Syndrom mit dem Chromosomensatz 47,XXY. Es betrifft 1 von 500 bis 1.000 lebend geborenen Jungen. Weniger als die Hälfte der Betroffenen wird zu Lebzeiten diagnostiziert (EAU 2026).
Erhöhtes Prolaktin
Ein erhöhter Prolaktinspiegel unterdrückt LH und FSH und führt so zu eingeschränkter Fruchtbarkeit. Behandelt wird laut EAU-Leitlinie unabhängig von der Ursache, auch bei einem Hypophysenadenom, mit einem Dopaminagonisten oder durch Absetzen des auslösenden Medikaments (EAU 2026).
Testosteron und Anabolika
Testosteron von außen, auch als ärztlich verordnete Therapie, bremst die Ausschüttung von LH und FSH durch die Hirnanhangdrüse. Dadurch verschlechtern sich Spermienbildung und Spermienreifung. Bei Kinderwunsch ist eine Testosterontherapie deshalb kontraindiziert (EAU 2026).
Nach demselben Prinzip wirken Anabolika: Anabol-androgene Steroide unterdrücken LH und FSH, beim Mann kann das die Spermienbildung unterdrücken und zu Unfruchtbarkeit führen (Endocrine Society 2014). Sind durch Anabolika nur sehr wenige oder gar keine Spermien im Ejakulat, ist der erste Schritt das Absetzen. Spermienzahl und Spermienqualität erholen sich meist innerhalb von 6 bis 12 Monaten. Diese Angabe beruht auf Fallberichten und klinischer Erfahrung (EAU 2026).
Welche Untersuchungen beim Mann dazugehören, vom Spermiogramm bis zu den Hormonen, erklärt der Artikel Fruchtbarkeitstest für Männer. Ursachen und Behandlungen beschreibt der Ratgeber Männliche Unfruchtbarkeit.
Was du mit deinem Befund machen kannst
Keine Tabelle im Internet kann deinen Befund deuten, auch diese nicht. Für das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt helfen dir ein paar Angaben, die du vorher notieren kannst:
- An welchem Zyklustag wurde das Blut abgenommen, und wann kam die nächste Regel?
- Hast du in den Wochen davor hormonell verhütet oder andere Hormone genommen?
- Nimmst du hoch dosiertes Biotin?
- Wurden FSH und andere Hormone bei derselben Blutabnahme bestimmt?
- Gibt es Beschwerden wie einen unregelmäßigen Zyklus, eine ausbleibende Regel oder Milchfluss aus der Brust?
Ab wann eine Abklärung beider Partner sinnvoll ist, beschreibt der Ratgeber unerfüllter Kinderwunsch. Kliniken in deiner Nähe findest du in der Kliniksuche.
Häufige Fragen
Was ist ein normaler LH-Wert?
Das hängt von Zyklusphase und Labor ab. Beim Roche-Test gelten in der Follikelphase 2,4 bis 12,6 IU/l, um den Eisprung 14,0 bis 95,6 IU/l, in der Lutealphase 1,0 bis 11,4 IU/l und nach der Menopause 7,7 bis 58,5 IU/l (Uniklinik Ulm 2024). Andere Labore nennen andere Bereiche, maßgeblich ist der Bereich auf deinem Befund.
Wann ist der LH-Wert zu hoch?
Um den Eisprung ist ein hoher Wert normal. Sind LH und FSH gleichzeitig erhöht, kann das in den Wechseljahren, nach der Menopause oder bei vorzeitiger Ovarialinsuffizienz vorkommen. Ein hohes LH bei normalem FSH findet sich oft bei PCOS, ist aber nicht beweisend (Endokrinologikum Hamburg).
Was bedeutet ein zu niedriger LH-Wert?
Ein niedriger Wert kann im Referenzbereich liegen, in der Lutealphase reicht dieser beim Roche-Test bis 1,0 IU/l. Unter der Pille ist LH unterdrückt. Niedriges LH zusammen mit niedrigem FSH und Östrogen kann auf eine Ursache in Hypothalamus oder Hirnanhangdrüse hinweisen, etwa bei Magersucht oder deutlichem Untergewicht. Umgekehrt schließt ein normaler Wert eine funktionelle hypothalamische Amenorrhö nicht aus (Endokrinologikum Hamburg, ASRM 2024).
Was sagt der LH/FSH-Quotient aus?
Bei gesunden Frauen liegt er um 1 (MHH 2025). Ein hoher Quotient findet sich oft bei PCOS, gehört aber laut internationaler und deutscher Leitlinie nicht zu den Diagnosekriterien. Hilfreich sein kann er bei der Abgrenzung zur funktionellen hypothalamischen Amenorrhö, bei der er meist höchstens 1,0 beträgt (ASRM 2024, MedUni Wien 2024).
Wie hoch ist der LH-Peak und wann folgt der Eisprung?
Wie hoch LH um den Eisprung steigt, ist sehr unterschiedlich: Beim Roche-Test reicht der Referenzbereich für die Ovulationsphase von 14,0 bis 95,6 IU/l (Uniklinik Ulm 2024). In der WHO-Studie folgte der Eisprung im Median 16,5 Stunden auf den LH-Gipfel und 32,0 Stunden auf den Beginn des Anstiegs (WHO 1980).
Welcher LH-Wert ist beim Mann normal?
Beim Roche-Test 1,7 bis 8,6 IU/l, bei Medicover 0,57 bis 12,07 IU/l, an der MHH 1,5 bis 14,0 IU/l. Hohes LH und FSH bei niedrigem Testosteron sprechen für einen Schaden im Hoden, niedriges LH und FSH bei niedrigem Testosteron für eine Ursache in Hypothalamus oder Hirnanhangdrüse (Endokrinologikum Hamburg). Testosteron von außen und Anabolika unterdrücken LH (EAU 2026, Endocrine Society 2014).
Kann ein Ovulationstest meinen LH-Wert messen?
Nicht so wie im Labor. Teststreifen und die meisten digitalen Ovulationstests sind qualitative Tests: Sie zeigen nur, ob LH erhöht ist, nicht wie hoch, und auch nicht, ob eine Schwangerschaft eintritt (FDA 2018). Einige Hormonmonitore zeigen zwar eine Zahl für LH im Urin an. Dieser Urinwert lässt sich aber nicht mit dem Blutwert und den Referenzbereichen auf deinem Laborbefund vergleichen. Bei PCOS kann ein dauerhaft erhöhtes LH zu falsch positiven Tests führen (ASRM 2021).
Verändert die Pille den LH-Wert?
Ja. Die Pille unterdrückt die Steuerachse aus Hypothalamus, Hirnanhangdrüse und Eierstöcken und damit auch LH. Ein unter der Pille gemessener Wert zeigt die Medikamentenwirkung, nicht deine eigene Zyklusfunktion (Endokrinologikum Hamburg). Für einen GnRH-Test soll hormonelle Verhütung je nach Wirkdauer mindestens einen regulären Zyklus lang vorher abgesetzt sein (Labor Augsburg).
Quellen
Leitlinien und Stellungnahmen
- Diagnostik und Therapie vor einer medizinisch assistierten Reproduktionsbehandlung, S2k-Leitlinie AWMF 015-085, Version 2.0, DGGG, OEGGG und SGGG, 2026
- Teede HJ et al.: Recommendations from the 2023 International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome, Hum Reprod 2023;38(9):1655-1679, Monash University mit ESHRE, ASRM, Endocrine Society und ESE, 2023
- Recommendations from the 2023 International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of PCOS, Algorithm 1 (Diagnostic algorithm), ASRM-Fassung, 2023
- Teede HJ et al.: Polyendocrine metabolic ovarian syndrome, the new name for polycystic ovary syndrome: a multistep global consensus process, Lancet 2026;407(10545):2329-2339
- S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS), Langversion, AWMF 089-004, Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie et al., Version 08/2025
- Evidence-based guideline: premature ovarian insufficiency, Hum Reprod Open 2024;2024(4):hoae065, ESHRE, ASRM, CRE-WHiRL und IMS Guideline Group on POI, 2024
- Current evaluation of amenorrhea: a committee opinion, Fertil Steril 2024;122:52-61, ASRM Practice Committee, 2024
- Fertility evaluation of infertile women: a committee opinion, Fertil Steril 2021;116:1255-1265, ASRM Practice Committee, 2021 (Online-Fassung)
- Optimizing natural fertility: a committee opinion, Fertil Steril 2022;117:53-63, ASRM Practice Committee und SREI, 2022
- Gordon CM et al.: Functional Hypothalamic Amenorrhea: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline, J Clin Endocrinol Metab 2017;102(5):1413-1439, Endocrine Society mit ASRM, ESE und PES, 2017
- Pope HG Jr et al.: Adverse health consequences of performance-enhancing drugs: an Endocrine Society scientific statement, Endocr Rev 2014;35(3):341-375, Endocrine Society, 2014
- EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Kapitel Male Infertility, European Association of Urology, 2026
- EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Kapitel Male Hypogonadism, European Association of Urology, 2026
- Fertility problems: assessment and treatment (NG257), Investigation of fertility problems and management strategies, NICE, 31.03.2026
Studien
- WHO Task Force on Methods for the Determination of the Fertile Period: Temporal relationships between ovulation and defined changes in the concentration of plasma estradiol-17 beta, luteinizing hormone, follicle-stimulating hormone, and progesterone. I. Probit analysis, Am J Obstet Gynecol 1980;138(4):383-390
- Cho LW et al.: The LH/FSH ratio has little use in diagnosing polycystic ovarian syndrome, Ann Clin Biochem 2006;43(Pt 3):217-219
- The LH:FSH Ratio in Functional Hypothalamic Amenorrhea: An Observational Study, J Clin Med 2024;13(5):1201, Medizinische Universität Wien, 2024
Labor-Leistungsverzeichnisse
- Leistungsverzeichnis luteinisierendes Hormon (FB-PÄ 6 LH OE), Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie, Revision 003 vom 23.01.2024
- Luteinisierendes Hormon (LH), Leistungsverzeichnis Labormedizin, Medicover Diagnostics (MVZ Martinsried), Stand 31.08.2026
- Leistungsverzeichnis ZLA Referenzbereiche, Version 7.0, Zentrallabor der Medizinischen Hochschule Hannover, 18.06.2025
- Leistungsverzeichnis Luteinisierendes Hormon, Endokrinologikum / Aesculabor Hamburg, abgerufen 04.10.2026
- Leistungen Gynäkologie (Androgenisierung, Verdacht auf PCO-Syndrom, Hyperprolaktinämie), Labor Dr. Wisplinghoff Köln, abgerufen 04.10.2026
- LH-RH-Test (Funktionsteste), Labor Augsburg MVZ GmbH, abgerufen 04.10.2026
Behörden