Vielleicht hat dir jemand gesagt, dein Progesteron sei zu niedrig. Oder deine Zykluskurve zeigt eine kurze zweite Hälfte, und du fragst dich, ob es daran liegt, dass es nicht klappt.
Die ehrliche Antwort ist unbequem. Die US-Fachgesellschaft ASRM hält 2026 fest: Es gibt keinen verlässlichen Test für eine Gelbkörperschwäche, als eigenständige Ursache für Unfruchtbarkeit oder wiederholte Fehlgeburten ist sie nicht bewiesen, und für Progesteron beim Schwangerwerden ohne Kinderwunschbehandlung fehlt ein Nutzennachweis.
Nutzlos ist Progesteron trotzdem nicht. Nach IVF oder ICSI gehört es zum Standard, beim Kryotransfer im künstlichen Zyklus ersetzt es den fehlenden Gelbkörper, und bei Blutungen in der Frühschwangerschaft nach früheren Fehlgeburten gibt es Hinweise auf einen kleinen Vorteil.
Was der Gelbkörper macht
Nach dem Eisprung entsteht im Eierstock der Gelbkörper (Corpus luteum). Er bildet Progesteron, das die Gebärmutterschleimhaut in der zweiten Zyklushälfte umwandelt (ASRM 2026). Ohne Eisprung entsteht kein Gelbkörper, es wird weniger Progesteron gebildet, und die Schleimhaut wird möglicherweise nicht ausreichend umgewandelt (S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause 2026).
Die Zeit vom Eisprung bis zur Periode heißt Lutealphase oder Gelbkörperphase. In Studien wird sie meist ab dem Gipfel des luteinisierenden Hormons (LH) bis zur Periode gezählt, die genaue Zählweise unterscheidet sich (Lenton 1984, Crawford 2017, ASRM 2026). Am höchsten ist Progesteron meist 6 bis 8 Tage nach dem Eisprung. Ein Wert über 3 ng/ml spricht laut ASRM für einen kürzlich erfolgten Eisprung.
Was ist eine Gelbkörperschwäche?
Fachleute sprechen von Lutealinsuffizienz, englisch luteal phase deficiency (LPD). Vermutet werden eine zu kurze oder zu geringe Progesteronbildung oder eine schwache Reaktion der Schleimhaut auf das Hormon.
Die ASRM definiert sie als klinische Diagnose bei einer Lutealphase von 10 Tagen oder weniger, andere Definitionen nennen 11 oder 9 Tage. Die gemeinsame Leitlinie aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu wiederholten Fehlgeburten sieht es genauso und betont: Es gibt keinen Grenzwert für Progesteron im Blut, der die Diagnose definiert (AWMF 015-050, Version 2.0, Mai 2026). Laut ASRM unterscheidet auch kein Test verlässlich zwischen fruchtbaren und unfruchtbaren Frauen.
Auch für „Progesteronmangel“ gibt es keine anerkannte Labordefinition. In Fachinformationen steht der Begriff als Anwendungsgebiet, etwa „Progesteronmangelzustände“ beim Wirkstoff Dydrogesteron. Das ist eine Zulassungsformulierung, kein Beleg für mehr Schwangerschaften.
Wie lang ist eine normale Lutealphase?
Laut ASRM dauert die zweite Zyklushälfte typischerweise 12 bis 14 Tage, normal sind 11 bis 17 Tage. Wie stark die Zykluslänge schwankt, hängt vor allem von der ersten Zyklushälfte ab (Fehring 2006, 141 Frauen, 1.060 Zyklen).
| Studie | Wer wurde untersucht | Ergebnis |
|---|---|---|
| Lenton 1984 | 327 Lutealphasen aus Zyklen mit Eisprung | Mittelwert 14,13 Tage, kurze Lutealphasen in 5,2 % |
| Crawford 2017 | 284 Frauen von 30 bis 44 Jahren ohne bekannte Fruchtbarkeitsprobleme, 1.635 Zyklen | Mittelwert 14 Tage, 11 Tage oder kürzer (Eisprungtag mitgezählt) in 18 % der Zyklen |
| Schliep 2014 (BioCycle) | 259 Frauen von 18 bis 44 Jahren mit regelmäßigem Zyklus, 463 Zyklen mit Eisprung | unter 10 Tagen in 8,9 %, unter 11 Tagen in 14,9 % der Zyklen |
| Bull 2019 | 612.613 Zyklen von 124.648 Nutzerinnen einer Zyklus-App | Mittelwert 12,4 Tage, vom App-Anbieter finanziert |
Eine kurze Lutealphase kommt also auch bei gesunden Frauen vor. Wiederholt trat sie in der BioCycle-Studie nur bei 3,4 % der Frauen auf.
Datenbox: Kurze Lutealphase und Schwangerschaft
In einer US-Studie mit 284 Frauen, die schwanger werden wollten, war die Chance nach einem Zyklus mit kurzer Lutealphase im Folgezyklus etwas geringer (Odds Ratio 0,82). Nach 6 Monaten war die Fruchtbarkeit dieser Frauen signifikant geringer, nach 12 Monaten gab es keinen signifikanten Unterschied mehr (Crawford 2017). Kurz hieß hier 11 Tage oder weniger, den Eisprungtag mitgezählt.
Progesteron messen: Zeitpunkt, Werte, Grenzen
Progesteron sagt nur in der zweiten Zyklushälfte etwas aus. NICE nennt Tag 21 eines 28-Tage-Zyklus, bei längeren Zyklen später, zum Beispiel Tag 28 eines 35-Tage-Zyklus, bei Bedarf wöchentlich wiederholt (NICE NG257, 1.18.7 und 1.18.8). Das BioCycle-Team rät, etwa 6 bis 8 Tage nach dem Eisprung zu messen. Ein niedriger Einzelwert kann verschiedene Gründe haben: kein Eisprung in diesem Zyklus, ein ungünstiger Messzeitpunkt, die normale Schwankung oder eine kurze Lutealphase.

Welche Werte Studien nennen
Die Zahlen unten stammen aus Studien und Leitlinien. Sie sind keine Normwerte für deinen Befund: Labore haben eigene Referenzbereiche, und nach einer Stimulation mit Clomifen oder Gonadotropinen liegen die Werte höher, weil mehrere Gelbkörper beitragen (Hull 1982). 1 ng/ml entspricht etwa 3,18 nmol/l.
| Quelle | Wer wurde untersucht | Wert und Bedeutung |
|---|---|---|
| ASRM 2026 | Übersicht | über 3 ng/ml (etwa 9,5 nmol/l) spricht für einen Eisprung |
| Hull 1982 | 113 Frauen mit Kinderwunsch, 212 unbehandelte Zyklen, davon 21 mit Schwangerschaft | in Zyklen mit Schwangerschaft 8,5 bis 16,7 ng/ml; vorgeschlagene Untergrenze 9,4 ng/ml, sehr kleine Fallzahl |
| Schliep 2014 | 422 Zyklen mit normal langer Lutealphase | höchster gemessener Wert unter 10 ng/ml in 31,3 % der Zyklen |
Einen Mindestwert, der für eine Schwangerschaft nötig ist, hat keine Studie sicher belegt (ESHRE 2023). Dazu kommt: Progesteron wird in Stößen ausgeschüttet. Laut ASRM schwanken die Werte bei normalem Eisprung innerhalb kurzer Zeit zwischen 5 und 40 ng/ml und können sich in 90 Minuten bis zum Achtfachen ändern. Bei Messungen alle 10 Minuten über 24 Stunden lagen sie in der mittleren und späten Lutealphase zwischen 2,3 und 40,1 ng/ml, oft innerhalb von Minuten (Filicori 1984; Progesteron bei 6 Frauen gemessen, davon 4 in dieser Zyklusphase). Ein einzelner Wert ist deshalb schwer zu deuten.
Messen bei regelmäßigem Zyklus? Die Leitlinien sind uneins
NICE bietet die Messung auch bei regelmäßigem Zyklus an (Empfehlung von 2004, geändert 2013). Die ESHRE schlägt vor, dann nicht routinemäßig zu messen (2023, bedingte Empfehlung), die DACH-Leitlinie zu wiederholten Fehlgeburten rät bei regelmäßigem Zyklus von einer routinemäßigen Progesteronkontrolle ab (AWMF 015-050, 2026). Laut internationaler PCOS-Leitlinie kann ein gestörter Eisprung auch bei regelmäßigem Zyklus vorkommen und lässt sich dann per Progesteron prüfen (2023). Bei wiederholten Fehlgeburten rät die ESHRE ausdrücklich vom Test auf Gelbkörperschwäche ab (2022, starke Empfehlung).
Eine Gewebeprobe der Schleimhaut hilft nicht weiter: In einer US-Studie mit 619 ausgewerteten Proben war die Schleimhaut bei Frauen fruchtbarer Paare ähnlich oft nicht zeitgerecht wie bei ungewollt kinderlosen (mittluteal 49,4 % gegenüber 43,2 %; Coutifaris 2004). Die ASRM rät davon ab, molekulare Tests gelten als experimentell. Ein Speicheltest auf Progesteron konnte in einer von der ESHRE zitierten Studie eine Gelbkörperschwäche nicht erkennen (ESHRE 2022).
Basaltemperatur und LH-Tests
Um einen Eisprung zu bestätigen, ist die Temperaturkurve unzuverlässig, NICE rät davon ab (NICE NG257, 1.18.9). Bei 101 Frauen mit Kinderwunsch stimmte sie nur in 74 % mit dem Ultraschall überein, ein LH-Test im Urin in 98 von 101 Fällen (Guermandi 2001). Für die Länge der zweiten Zyklushälfte können Kurve oder LH-Tests aber helfen: Laut ASRM können sie einen normalen Eisprung und eine ausreichend lange Lutealphase untermauern. Unser Eisprungrechner schätzt die fruchtbaren Tage nach Kalender, er ist eine Planungshilfe und bestätigt keinen Eisprung.
Symptome: was oft genannt wird und was belegt ist
| Oft genannt | Was belegt ist |
|---|---|
| Kurze zweite Zyklushälfte | Das Definitionsmerkmal selbst (ASRM 2026) |
| Kurzer Zyklus, Schmierblutung vor der Periode | Laut ASRM nur „angeblich“ verbunden. In einer kleinen alten Fallserie hatten von 32 Frauen mit Gelbkörperschwäche 2 eine Schmierblutung, von 23 mit Endometriose 8 eine Schmierblutung von 3 oder mehr Tagen (Wentz 1980). |
| PMS, Brustspannen, Stimmungstiefs | Nicht belegt. Frauen mit PMS hatten in einer Studie normale Hormonverläufe und reagierten anders auf normale Schwankungen (Schmidt 1998). Ob Progesteron bei PMS hilft, ist offen (Cochrane 2012). |
| Probleme, schwanger zu werden | Kurzfristig etwas geringere Chance, nach 12 Monaten kein signifikanter Unterschied (Crawford 2017). Als eigenständige Ursache nicht bewiesen. |
| Fehlgeburten | Als Ursache nicht bewiesen, siehe Fehlgeburten. |
Ursachen: was mit einer kurzen Lutealphase zusammenhängt
Die ASRM nennt Zustände, die in Studien mit einer Gelbkörperschwäche verbunden waren: ein Ausbleiben der Periode durch eine Störung im Zwischenhirn (hypothalamische Amenorrhö), Essstörungen, sehr viel Sport, deutliche Gewichtsabnahme, Stress, Adipositas, PCOS, Endometriose, höheres Alter, Schilddrüsenstörungen, erhöhtes Prolaktin, ein nicht erkannter oder unzureichend behandelter 21-Hydroxylase-Mangel (eine Störung der Nebenniere) sowie Hormonstimulation und künstliche Befruchtung. Die Studien definieren Gelbkörperschwäche unterschiedlich, eine Rangfolge gibt es nicht. Liegt eine solche Störung vor, wird laut ASRM zuerst sie behandelt.
Prolaktin und Schilddrüse: Frauen mit erhöhtem Prolaktin hatten kürzere Lutealphasen und niedrigeres Progesteron (ASRM 2026). NICE sieht den Prolaktintest bei Eisprungstörungen, Milchfluss aus der Brust oder Verdacht auf einen Hypophysentumor vor, Schilddrüsenwerte bei Anzeichen einer Schilddrüsenerkrankung (1.18.11 und 1.18.12). Die Praxis im deutschsprachigen Raum kann abweichen.
Sport und Energiemangel: Bei 24 Freizeitläuferinnen mit regelmäßigem Zyklus waren nur 45 % der Zyklen unauffällig, 43 % zeigten eine Gelbkörperschwäche, 12 % keinen Eisprung. Bei 11 nicht sportlichen Frauen waren es 90 % unauffällige Zyklen (De Souza 1998, Hormonmessung im Urin). Ein regelmäßiger Zyklus schließt eine kurze Lutealphase also nicht aus.
PCOS, neu PMOS: Seit Mai 2026 heißt das polyzystische Ovarialsyndrom international polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS), mit einer Übergangszeit für beide Namen (Lancet 2026). Laut WHO ist es die häufigste Ursache für einen ausbleibenden Eisprung, die Behandlung setzt dann dort an: Schwanger werden mit PCOS.
Weitere Faktoren: Bei Adipositas fanden Studien schwächere LH-Impulse, in späteren fruchtbaren Jahren weniger Progesteron in der zweiten Zyklushälfte. Eine verminderte Eizellreserve allein war nach Berücksichtigung des Alters nicht mit Gelbkörperschwäche verbunden (ASRM 2026). Unter Frauen mit kurzer Lutealphase waren mehr Raucherinnen (Crawford 2017). Zur Endometriose: Endometriose und Kinderwunsch.

Hilft Progesteron im natürlichen Zyklus?
Wird keine Grunderkrankung gefunden, ist eine Behandlung laut ASRM „empirisch“, also auf Verdacht, und wird im Allgemeinen nicht empfohlen. Zu Progesteron bei Gelbkörperschwäche gibt es keine einzige randomisierte Studie, ein Nutzen im natürlichen Zyklus ohne Kinderwunschbehandlung ist nicht belegt. Dass Medikamente zur Auslösung des Eisprungs eine Gelbkörperschwäche behandeln, ist laut ASRM ebenfalls nicht nachgewiesen. Eine Cochrane-Übersicht fand keine Studie zu Progesteron im natürlichen Zyklus mit Geschlechtsverkehr oder Insemination (Salang 2022).
Für Frauen mit wiederholten Fehlgeburten führt die ASRM in einer zweiten Stellungnahme (2026) Progesteron in der zweiten Zyklushälfte dagegen als möglicherweise nützlich, bei begrenzter oder widersprüchlicher Studienlage. Die beiden Stellungnahmen bewerten das also unterschiedlich.
In Deutschland ist ein Präparat mit oralem mikronisiertem Progesteron trotzdem für Zyklusstörungen durch Progesteronmangel zugelassen, laut Fachinformation auch für die Lutealinsuffizienz bei Frauen mit eingeschränkter Fruchtbarkeit. Ein anderes orales Präparat ist nur für die Hormontherapie in den Wechseljahren zugelassen. Dydrogesteron ist für Zyklusunregelmäßigkeiten bei Progesteronmangel zugelassen, nicht aber für die Schwangerschaft. Eine Zulassung beweist keinen Nutzen für Schwangerschaften. Alle Arzneimittel mit Progesteron oder Dydrogesteron sind in Deutschland verschreibungspflichtig (AMVV), Österreich und die Schweiz haben wir nicht geprüft.
Statt einer Behandlung auf Verdacht steht die Suche nach behandelbaren Ursachen am Anfang. Was zur Abklärung beider Partner gehört, steht im Ratgeber unerfüllter Kinderwunsch.
Progesteron nach einer Insemination
Nach einer Insemination (IUI) ist die Lage unsicher. In der Cochrane-Übersicht zu ungewollt kinderlosen Frauen, die nach einer Stimulation per Insemination oder Geschlechtsverkehr schwanger werden wollten (25 Studien, 5.111 Teilnehmerinnen), war die Rate an Lebendgeburten oder fortlaufenden Schwangerschaften mit vaginalem Progesteron nicht sicher höher (RR 1,10; 95 % KI 0,81 bis 1,48; 7 Studien, 1.792 Frauen; geringe Vertrauenswürdigkeit). Nach Gonadotropin-Spritzen lag das relative Risiko bei 1,24 (0,80 bis 1,92; 4 Studien), nach Tabletten wie Clomifen oder Letrozol bei 0,97 (0,58 bis 1,64; 2 Studien; Salang 2022). Eine andere Metaanalyse fand nach Gonadotropinen mehr Lebendgeburten (RR 1,41; 1,17 bis 1,71; 7 Studien, 1.114 Patientinnen; geringe bis mäßige Qualität; Casarramona 2022).
Die zugelassenen vaginalen und subkutanen Präparate gelten für die assistierte Reproduktion. Ob die Insemination darunter fällt, ist nicht eindeutig: Nach dem internationalen ICMART-Glossar (2017) gehört sie nicht dazu, weil die Eizellen nicht außerhalb des Körpers behandelt werden. Die Richtlinie der Bundesärztekammer zur assistierten Reproduktion (2018) schließt sie dagegen ausdrücklich ein. Frag deine Praxis nach dem Zulassungsstatus. Clomifen ist zur Auslösung des Eisprungs zugelassen, Letrozol nur gegen Brustkrebs, beim Kinderwunsch also off-label. Beide sind verschreibungspflichtig. Mehr: IUI-Behandlung.
Lutealphasenunterstützung bei IVF und ICSI
Nach Hormonstimulation und künstlicher Befruchtung ist die Gelbkörperphase gestört (ASRM 2026). Deshalb bekommst du nach der Eizellentnahme Progesteron. Die ESHRE empfiehlt das stark, bewertet die Evidenzqualität aber als sehr gering (Leitlinie ovarielle Stimulation, Update 2025). In der Cochrane-Übersicht gab es mit Progesteron mehr Lebendgeburten oder fortlaufende Schwangerschaften als ohne (Odds Ratio 1,77; 1,09 bis 2,86; 5 Studien, 642 Frauen; sehr geringe Qualität; van der Linden 2015).
Laut ESHRE kann jeder nicht orale Weg genutzt werden, also Vaginalkapsel, Vaginaltablette, Gel oder Spritze. Beginn zwischen dem Abend der Eizellentnahme und dem dritten Tag danach, Dauer mindestens bis zum Schwangerschaftstest. Bei einer Schwangerschaft geben die deutschen Fachinformationen je nach Präparat bis zur 7. bis 12. Woche vor. Die Spritze unter die Haut ist für Frauen zugelassen, die Vaginalpräparate nicht anwenden können oder nicht vertragen.
Wurde der Eisprung mit hCG ausgelöst, rät die ESHRE von hCG in der üblichen Dosis von 1.500 IE zur Unterstützung ab (starke Empfehlung). In der Cochrane-Übersicht erhöhte hCG das Risiko einer Überstimulation gegenüber Placebo deutlich (Odds Ratio 4,28; 1 Studie). Von zusätzlichem Östradiol rät die ESHRE eher ab. Dydrogesteron als Tablette empfiehlt sie bedingt, bei mäßiger Evidenzqualität. In der vom Hersteller finanzierten LOTUS-I-Studie war es vaginalem Progesteron nicht unterlegen (fortlaufende Schwangerschaft in Woche 12: 37,6 % gegenüber 33,1 %, 974 Frauen mit Transfer). Die ESHRE erwähnt Berichte über einen Zusammenhang mit Fehlbildungen, die keinen Schluss auf eine Ursache zulassen. In Deutschland ist Dydrogesteron für die Schwangerschaft nicht zugelassen, nach IVF also off-label.
Nach Frischtransfer war die Lebendgeburtenrate bei früherem Absetzen in einer Metaanalyse ähnlich (RR 0,94; 0,88 bis 1,00; 3 Studien, 830 Frauen), ein kleiner Nachteil ist aber nicht ausgeschlossen (Watters 2020). Entscheide das nur mit deiner Klinik. Wann du testen kannst, zeigt der Geburtstermin-Rechner nach Transfer, den Behandlungsablauf beschreibt der Artikel IVF-Ablauf.

Progesteron beim Kryotransfer
Im künstlichen Zyklus findet kein Eisprung statt, es entsteht kein Gelbkörper, und Progesteron ersetzt ihn (von Versen-Höynck 2019). In Beobachtungsstudien war der natürliche Zyklus mit weniger Präeklampsie verbunden (Odds Ratio 0,50; 30 Studien, über 113.000 Einlingsschwangerschaften; Zaat 2023). Ob der fehlende Gelbkörper die Ursache ist, ist nicht bewiesen.
Im echten natürlichen Zyklus ohne Auslösespritze stieg mit vaginalem Progesteron die Lebendgeburtenrate pro Frau von 24,1 % auf 34,2 % (Wånggren 2022; 500 Frauen randomisiert, ohne Placebo, teilweise vom Hersteller finanziert). Eine Metaanalyse, die diese und eine weitere Studie zusammenfasst, kam zum selben Ergebnis (RR 1,43; 1,16 bis 1,78; 2 Studien, 923 Zyklen; mäßige Vertrauenswürdigkeit), für den modifizierten natürlichen Zyklus mit hCG-Auslösespritze dagegen nicht (RR 1,04; 0,82 bis 1,32; 2 Studien, 667 Zyklen; Erden 2026). Mehr zu den Zyklusarten: Kryotransfer.
Progesteron bei Fehlgeburten
Nach einer Fehlgeburt ist der Wunsch groß, beim nächsten Mal etwas tun zu können. Was Progesteron leisten kann, hängt davon ab, ob es in der neuen Schwangerschaft blutet.
Dass eine Gelbkörperschwäche wiederholte Fehlgeburten verursacht, ist nicht nachgewiesen (ASRM 2026). In einer von der ESHRE zitierten Studie mit 197 Frauen nach zwei Fehlgeburten kam es ohne Gelbkörperschwäche sogar etwas häufiger zu einer erneuten Fehlgeburt als mit (20,5 % gegenüber 15,2 %; Ogasawara 1997).
Ohne Blutung: Die PROMISE-Studie untersuchte 836 Frauen von 18 bis 39 Jahren mit drei oder mehr unerklärten frühen Fehlgeburten. Mit vaginalem Progesteron ab dem positiven Test bis zur 12. Woche hatten 65,8 % eine Lebendgeburt, mit Placebo 63,3 %, kein signifikanter Unterschied (Coomarasamy 2015). Die Cochrane-Übersicht 2025 (Frauen mit zwei oder mehr unerklärten Fehlgeburten, ohne Blutung, ohne IVF-Schwangerschaften) sieht wahrscheinlich wenig oder keinen Effekt (Lebendgeburt RR 1,04; 0,96 bis 1,12; 5 Studien, 1.063 Frauen; mäßige Vertrauenswürdigkeit).
Mit Blutung: Die PRISM-Studie schloss 4.153 Frauen mit Blutung in der Frühschwangerschaft ein. Insgesamt endeten 75 % mit Progesteron und 72 % mit Placebo mit einer Lebendgeburt ab der 34. Woche, knapp nicht signifikant (P = 0,08; Coomarasamy 2019). Bei mindestens einer früheren Fehlgeburt waren es 75 % gegenüber 70 %, bei drei oder mehr 72 % gegenüber 57 % (Coomarasamy 2020). Die Untergruppe mit drei oder mehr Fehlgeburten war vorab geplant, aber klein (285 Frauen), die mit mindestens einer wurde nachträglich gebildet. Die ASRM hält die Untergruppen für unsicher, weil ohne statistische Korrektur mehrfach verglichen wurde. Cochrane sieht für Frauen mit früherer Fehlgeburt und Blutung einen möglichen Vorteil (RR 1,08; 1,02 bis 1,15; Untergruppe der Studien zu vaginalem Progesteron bei Blutung; Devall 2021).

Die Leitlinien sind sich nicht einig, vor allem ohne Blutung:
| Leitlinie | Was sie zu Progesteron sagt |
|---|---|
| NICE NG126 (2021) | anbieten bei bestätigter Schwangerschaft in der Gebärmutter, Blutung und früherer Fehlgeburt: vaginal 400 mg zweimal täglich, bei Herzaktion bis zur vollendeten 16. Woche |
| ESHRE (2022) | kann bei drei oder mehr Verlusten und Blutung die Lebendgeburtenrate verbessern (bedingt); bei Gelbkörperschwäche unzureichende Evidenz |
| AWMF 015-050, DACH (2026) | bei unerklärten wiederholten Fehlgeburten „kann“ gegeben werden, bei zusätzlich drohender Fehlgeburt „sollte“ vaginal bis zur 16. Woche gegeben werden (Expertenkonsens) |
| ASRM wiederholte Fehlgeburten (2026) | vaginal bei Blutung oder unerklärten wiederholten Fehlgeburten nach gemeinsamer Entscheidung erwägbar; auch Gabe in der zweiten Zyklushälfte als möglicher Nutzen bei begrenzter oder widersprüchlicher Studienlage |
| ASRM Gelbkörperschwäche (2026) | bei unerklärten wiederholten Fehlgeburten kein Nutzen gezeigt |
In Deutschland nennt keine der geprüften Fachinformationen Fehlgeburten als Anwendungsgebiet, die Gabe ist hier off-label. Ob Progesteron für dich in Frage kommt, besprich mit deiner Frauenärztin. Blutungen in der Frühschwangerschaft solltest du ärztlich abklären lassen.
Manchmal wird in der Frühschwangerschaft Progesteron gemessen. Die ASRM sieht keinen Beleg dafür, in Schwangerschaften ohne Kinderwunschbehandlung zu messen und nach dem Wert zu ergänzen (2026). In einer Metaanalyse spontaner Schwangerschaften unter 14 Wochen mit Schmerzen oder Blutung und unklarem Ultraschall sprach ein Wert unter 3,2 bis 6 ng/ml mit hoher Sicherheit für eine nicht intakte Schwangerschaft (Untergruppe aus 5 Studien mit 1.998 Frauen in einer Metaanalyse von 26 Studien; Verhaegen 2012). Unter Progesterongabe, etwa nach IVF, gilt das nicht. Einen einzelnen Wert kann nur deine Ärztin im Zusammenhang einordnen.
Wie es nach einem Verlust weitergehen kann: Schwanger nach Fehlgeburt. War der Test nur kurz positiv: Biochemische Schwangerschaft.
Mönchspfeffer und Yamswurzel
Für Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) ist die Studienlage dünn. Eine kleine Studie mit 37 ausgewerteten Frauen mit Gelbkörperschwäche und leicht erhöhtem Prolaktin fand normalisierte Lutealphasen und bessere Progesteronwerte (Milewicz 1993). Drei kleine Studien prüften Mischpräparate: Zwei homöopathische Präparate zeigten keinen signifikanten Vorteil (Gerhard 1998, 96 Frauen; Bergmann 2000, 67 Frauen), beim dritten, einem Nahrungsergänzungsmittel mit vielen Zutaten, lässt sich der Effekt nicht dem Mönchspfeffer zuordnen (Westphal 2006, 93 Frauen). Belastbare Daten für mehr Schwangerschaften oder Lebendgeburten gibt es nicht. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA führt Mönchspfeffer nur beim prämenstruellen Syndrom und leichten Beschwerden vor der Periode (2018). Als Nebenwirkung sind Zyklusstörungen beschrieben, in der Schwangerschaft soll er nicht eingenommen werden (Daniele 2005).
Yamswurzel-Creme veränderte in einer Studie mit 23 Frauen nach der Menopause den Progesteronspiegel nicht (Komesaroff 2001).
Progesteronmangel in den Wechseljahren
Ein großer Teil der Suchanfragen zu Progesteronmangel betrifft die Wechseljahre, ein anderes Thema. In der Perimenopause werden Eisprünge seltener, im letzten Jahr vor der letzten Periode sinkt ihre Rate auf 5 %. Ohne Eisprung kein Gelbkörper, also weniger Progesteron. Hormonwerte sind in dieser Phase nur 2 bis 4 Wochen aussagekräftig (S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause 2026). Zugelassen ist orales Progesteron dort als Zusatz zu einer Östrogentherapie, verschreibungspflichtig. Ob und wie behandelt wird, klärst du in deiner frauenärztlichen Praxis.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du eine kurze Lutealphase vermutest, halte ein paar Zyklen lang mit LH-Tests fest, wann der Eisprung war und wann die Periode kommt. Laut ASRM können LH-Tests und die so festgehaltene Länge der zweiten Zyklushälfte einen normalen Eisprung und eine ausreichend lange Lutealphase untermauern. Ein einzelner Progesteronwert ist dagegen schwer zu deuten (ASRM 2026). Ab wann eine Abklärung beider Partner sinnvoll ist, steht im Ratgeber unerfüllter Kinderwunsch. Kliniken in deiner Nähe findest du in der Kliniksuche, Orientierung für den nächsten Schritt im Online-Berater.
Häufige Fragen
Was ist eine Gelbkörperschwäche?
Eine zweite Zyklushälfte (Lutealphase) von 10 Tagen oder weniger. Vermutet werden eine zu kurze oder zu geringe Progesteronbildung oder eine schwache Reaktion der Gebärmutterschleimhaut. Es ist eine klinische Diagnose, ein Laborwert, der sie definiert, existiert nicht (ASRM 2026, AWMF 015-050).
Welche Symptome hat eine Gelbkörperschwäche?
Belegt ist nur das Kernmerkmal, eine kurze zweite Zyklushälfte. Schmierblutungen vor der Periode werden oft genannt, in einer kleinen alten Studie hingen sie eher mit Endometriose zusammen. Dass PMS, Brustspannen oder Stimmungstiefs auf Progesteronmangel hinweisen, ist nicht belegt (ASRM 2026, Wentz 1980, Schmidt 1998).
Wie lang ist eine normale Lutealphase?
Meist 12 bis 14 Tage, normal sind 11 bis 17 Tage. In einer vom Anbieter finanzierten App-Auswertung mit über 600.000 Zyklen lag der Mittelwert bei 12,4 Tagen (ASRM 2026, Bull 2019).
Wann sollte man Progesteron messen?
Etwa 6 bis 8 Tage nach dem Eisprung. „Tag 21“ passt nur zu einem 28-Tage-Zyklus. Bei regelmäßigem Zyklus rät die ESHRE eher von einer Routinemessung ab, ebenso die DACH-Leitlinie zu wiederholten Fehlgeburten, NICE bietet sie an (ASRM 2026, Schliep 2014, NICE NG257, ESHRE 2023, AWMF 015-050).
Kann man mit Gelbkörperschwäche schwanger werden?
Ja. Nach einem Zyklus mit kurzer zweiter Hälfte war die Chance im nächsten Zyklus etwas geringer, nach 12 Monaten gab es keinen signifikanten Unterschied (Crawford 2017, 284 Frauen).
Hilft Progesteron beim Schwangerwerden ohne Kinderwunschbehandlung?
Dafür gibt es keine randomisierte Studie und keinen Nutzennachweis. Ein Präparat ist in Deutschland zwar für Zyklusstörungen durch Progesteronmangel zugelassen, ein Vorteil für Schwangerschaften ist damit nicht gezeigt (ASRM 2026, Cochrane 2022).
Wie lange muss ich Progesteron nach einem Frischtransfer nehmen?
Mindestens bis zum Schwangerschaftstest, bei einer Schwangerschaft je nach Präparat bis zur 7. bis 12. Woche. Früheres Absetzen nach Frischtransfer war in einer Metaanalyse ähnlich gut, ein kleiner Nachteil ist nicht ausgeschlossen. Entscheide das nur mit deiner Klinik (ESHRE 2025, Watters 2020).
Verhindert Progesteron eine Fehlgeburt?
Ohne Blutung bei unerklärten wiederholten Fehlgeburten wahrscheinlich nicht (PROMISE: 65,8 % gegenüber 63,3 % Lebendgeburten). Bei Blutung und früherer Fehlgeburt kann vaginales Progesteron möglicherweise helfen (75 % gegenüber 70 % in einer nachträglich gebildeten Untergruppe von PRISM; Cochrane: möglicher Vorteil). Die Leitlinien sind nicht einig, in Deutschland ist die Anwendung off-label (Coomarasamy 2015, 2019 und 2020; Cochrane 2025; NICE NG126).
Kann ich Progesteron rezeptfrei kaufen?
Nein. Arzneimittel mit Progesteron oder Dydrogesteron sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Yamswurzel-Creme hob in einer Studie mit 23 Frauen nach der Menopause den Progesteronspiegel nicht an (AMVV Anlage 1, Komesaroff 2001).
Quellen
Leitlinien und Stellungnahmen
- Practice Committees of ASRM and SREI: Diagnosis and treatment of luteal phase deficiency: a Committee Opinion, Fertil Steril 2026;126(4):633-639, ASRM, 07/2026
- Practice Committee of ASRM: Recurrent pregnancy loss: a committee opinion, Fertil Steril 2026;125:1023-1041, ASRM, 2026
- ESHRE Guideline Ovarian Stimulation for IVF/ICSI, Update 2025, Hum Reprod 2026;41(4):498-514, ESHRE, 2025
- ESHRE Guideline Group on RPL: Recurrent pregnancy loss, an update in 2022, Hum Reprod Open 2023;hoad002, ESHRE
- ESHRE Guideline Recurrent Pregnancy Loss, Update 2022, Volltext mit Evidenzkapiteln, ESHRE, 01/2023
- Romualdi D et al.: Evidence-based guideline: unexplained infertility, Hum Reprod 2023;38(10):1881-1890, ESHRE, 2023
- NICE NG257: Investigation of fertility problems and management strategies, Empfehlungen 1.18.7 bis 1.18.12, NICE, 31.03.2026
- NICE NG126: Ectopic pregnancy and miscarriage, Empfehlungen 1.9.2 und 1.9.3, NICE, zuletzt aktualisiert 17.06.2026
- DGGG, OEGGG, SGGG: S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten, AWMF 015-050, Version 2.0, Stand Mai 2026
- S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause, Diagnostik und Interventionen, AWMF 015-062, Langfassung, Dateistand 06/2026
- Teede HJ et al.: Recommendations from the 2023 International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of PCOS, J Clin Endocrinol Metab 2023;108(10):2447-2469
- Teede HJ et al.: Polyendocrine metabolic ovarian syndrome, the new name for polycystic ovary syndrome, Lancet 2026;407(10545):2329-2339
- Polycystic ovary syndrome, Fact Sheet, WHO, 22.01.2026
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- Bundesärztekammer: Richtlinie zur Entnahme und Übertragung von menschlichen Keimzellen im Rahmen der assistierten Reproduktion, Abschnitte 1.2 und 1.4, BAnz AT 20.07.2018 B3, Paul-Ehrlich-Institut
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Zulassung und Recht Deutschland
- Fachinformation Progesteron 100 mg und 200 mg Weichkapseln zum Einnehmen, Stand 01/2023
- Fachinformation Progesteron 100 mg Weichkapseln zum Einnehmen, Anwendungsgebiet Endometriumprotektion, Stand 05/2022
- Fachinformation Progesteron 200 mg Weichkapseln zur vaginalen Anwendung, Stand 02/2026
- Fachinformation Progesteron-Vaginalgel 90 mg, Stand 02/2022
- Fachinformation Progesteron 25 mg Injektionslösung, Stand 11/2023
- Fachinformation Dydrogesteron 10 mg Filmtabletten, Stand 09/2025
- Fachinformation Clomifen 50 mg Tabletten, Stand 08/2016
- Fachinformation Letrozol 2,5 mg Filmtabletten, Stand 04/2025
- Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Bundesministerium der Justiz, abgerufen 04.10.2026