AMH-Wert-Tabelle: Anti-Müller-Hormon nach Alter

Aktualisiert am 3. Oktober 2026 · Fertilio Redaktion

Frau liest am Küchentisch einen Laborbefund, daneben Laptop und Teetasse

Das Anti-Müller-Hormon (AMH) im Blut spiegelt wider, wie viele Follikel in den Eierstöcken noch vorhanden sind. Mit den Jahren sinkt der Wert bis zur Menopause (Nelson, Human Reproduction Update 2023). Hier findest du die Anti-Müller-Hormon-Werte nach Alter aus der Referenzstudie zum Labortest von Roche, in ng/ml und pmol/l, dazu eine Vergleichstabelle für einen zweiten verbreiteten Labortest.

Die Zahlen beschreiben Gruppen von Frauen. Sie sind keine Einstufung deines eigenen Befunds und ersetzen kein ärztliches Gespräch.

AMH-Werte nach Alter: Referenzwerte als Tabelle

Einheit
AMH-Referenzwerte nach Alter in ng/ml, Roche Elecsys AMH Plus
AlterP2,5P5MedianP95P97,5Frauen (n)
20 bis 241,221,524,009,9511,7150
25 bis 290,8901,203,319,059,85150
30 bis 340,5760,7112,817,598,13138
35 bis 390,1470,4052,006,967,49138
40 bis 44< 0,030,0590,8824,445,47142
45 bis 50< 0,01< 0,010,1941,792,71169

Quelle: Roche Diagnostics, Methodenblatt Elecsys AMH Plus 08818916500 V2.0 (2024-02), Abschnitt Expected values; Studie RD001727 (Anckaert et al., Clin Biochem 2016). Referenzgruppe: 887 augenscheinlich gesunde Frauen kaukasischer Herkunft mit regelmäßigem Zyklus, die keine Kontrazeptiva nahmen, gemessen in 5 europäischen Laboren. Perzentile beschreiben die Verteilung in dieser Gruppe, sie sind keine Bewertung eines einzelnen Befunds. Werte mit „<“ liegen unter der Bestimmungs- bzw. Nachweisgrenze des Tests. Andere Labortests messen andere Zahlen, maßgeblich ist der Referenzbereich deines Labors.

Die Werte stammen vom Hersteller Roche für den Labortest Elecsys AMH Plus (Methodenblatt V2.0, Stand Februar 2024). Grundlage ist die Studie RD001727 mit 887 augenscheinlich gesunden Frauen kaukasischer Herkunft, die keine Kontrazeptiva anwendeten. Die Frauen waren 20 bis 50 Jahre alt und hatten einen regelmäßigen Zyklus, ihre Blutproben wurden in 5 europäischen Laboren gemessen (Anckaert 2016). Die Werte in ng/ml und in pmol/l stehen beide so im Methodenblatt, umgerechnet wurde nichts.

  • P50 (Median): Die Hälfte der Frauen dieser Altersgruppe lag darunter, die andere Hälfte darüber.
  • P5 bis P95: In diesem Bereich lagen die mittleren 90 % der Frauen.
  • P2,5 bis P97,5: In diesem Bereich lagen die mittleren 95 % der Frauen.

Am unteren Rand stößt der Test an seine Messgrenzen. Mit 40 bis 44 Jahren liegt P2,5 unter der Bestimmungsgrenze von 0,03 ng/ml, deshalb steht dort „< 0,03“. Mit 45 bis 50 Jahren liegen P2,5 und P5 an der Nachweisgrenze von 0,01 ng/ml, also an der Grenze dessen, was der Test überhaupt nachweisen kann. Dort steht deshalb „< 0,01“. In der Ansicht pmol/l stehen an diesen Stellen „< 0,21“ (Bestimmungsgrenze, 40 bis 44 Jahre) und „< 0,07“ (Nachweisgrenze, 45 bis 50 Jahre).

Die Altersauswahl hebt nur die passende Zeile hervor. Einen eigenen Laborwert ordnet die Seite nicht ein.

So verändert sich AMH mit dem Alter

AMH sinkt mit dem AlterMedian (Linie und Zahl) sowie Bereich P5 bis P95 (Fläche) und P2,5 bis P97,5 (Strich) in ng/ml, Roche Elecsys AMH Plus
024681012 20 bis 24 Jahre: Median 4,00 ng/ml, P5 bis P95 1,52 bis 9,95 ng/ml 4,00 20-24 25 bis 29 Jahre: Median 3,31 ng/ml, P5 bis P95 1,20 bis 9,05 ng/ml 3,31 25-29 30 bis 34 Jahre: Median 2,81 ng/ml, P5 bis P95 0,711 bis 7,59 ng/ml 2,81 30-34 35 bis 39 Jahre: Median 2,00 ng/ml, P5 bis P95 0,405 bis 6,96 ng/ml 2,00 35-39 40 bis 44 Jahre: Median 0,882 ng/ml, P5 bis P95 0,059 bis 4,44 ng/ml 0,882 40-44 45 bis 50 Jahre: Median 0,194 ng/ml, P5 bis P95 < 0,01 bis 1,79 ng/ml 0,194 45-50 Alter in Jahren

Die Tabelle vergleicht verschiedene Frauen unterschiedlichen Alters, sie zeigt keinen Verlauf bei einzelnen Frauen. Der Median liegt mit 20 bis 24 Jahren bei 4,00 ng/ml und mit 30 bis 34 Jahren bei 2,81 ng/ml. In der Gruppe 40 bis 44 ist er mit 0,882 ng/ml weniger als halb so hoch wie in der Gruppe 35 bis 39 mit 2,00 ng/ml. Mit 45 bis 50 Jahren sind es 0,194 ng/ml.

In einer großen US-Auswertung von Kinderwunschpatientinnen, gemessen mit einem älteren Labortest, sank der Median bis zum Alter von 35 um etwa 0,2 ng/ml pro Lebensjahr, danach um etwa 0,1 ng/ml (Seifer 2011). Auf die Roche-Werte oben lassen sich diese Schritte nicht direkt übertragen.

Die Bereiche überlappen sich stark. Die oberen 5 % der 40- bis 44-Jährigen lagen über 4,44 ng/ml und damit über dem Median der 20- bis 24-Jährigen. In einem Modell aus Daten gesunder Frauen erreichte AMH im Mittel mit etwa 24,5 Jahren seinen Höchstwert, und das Alter erklärte nur 34 % der Unterschiede zwischen den Frauen (Kelsey 2011).

So liest du die Tabelle

Ein Perzentil ist der Wert, unter dem ein bestimmter Anteil der Studiengruppe lag. Unter P5 lagen 5 von 100 Frauen der Altersgruppe, unter P95 lagen 95 von 100. Das ist keine Diagnose und keine Aussage darüber, wie leicht eine einzelne Frau schwanger wird.

Labore übernehmen die Roche-Tabelle in zwei Varianten, so steht es in ihren Leistungsverzeichnissen: die Uniklinik Ulm und das MVZ Medizin-Zentrum Dortmund als P2,5 bis P97,5, das Endokrinologikum Hamburg als P5 bis P95. Ulm rundet etwa auf 0,58, 0,15 und 0,03 ng/ml. Deshalb zeigt die Tabelle oben beide Varianten. Andere Labore nutzen andere Tests oder eigene Grenzen.

Roche schreibt selbst, dass jedes Labor prüfen soll, ob sich die Werte auf seine Patientinnen übertragen lassen. Für deinen Befund gilt deshalb der Referenzbereich deines Labors, die Einordnung übernimmt deine Ärztin oder dein Arzt.

Die Ränder sind unsicherer als die Mitte, weil jede Altersgruppe nur 138 bis 169 Frauen umfasst. P2,5 der 35- bis 39-Jährigen liegt bei 0,147 ng/ml, das 95-%-Konfidenzintervall reicht von 0,053 bis 0,474 ng/ml. P5 und P95 sind robuster.

ng/ml oder pmol/l? Umrechnung

Befunde nennen AMH in ng/ml oder in pmol/l. Manche Labore schreiben µg/l, das entspricht zahlenmäßig ng/ml.

  • ng/ml × 7,14 = pmol/l
  • pmol/l × 0,14 = ng/ml

Den Faktor nennen Roche, die britische Association for Clinical Biochemistry und die Uniklinik Ulm übereinstimmend. Er ergibt sich aus der Molmasse des AMH-Moleküls von 140 Kilodalton (Gassner & Jung 2014). Ein Beispiel: 4,00 ng/ml mal 7,14 ergibt 28,56 pmol/l, das Methodenblatt nennt gerundet 28,6 pmol/l.

Warum AMH-Tabellen im Netz verschieden sind

Der Hauptgrund ist der Labortest. Für AMH gibt es keinen internationalen Standard, nur ein Referenzreagenz der WHO (16/190). Der Roche-Test Elecsys misst 24 bis 28 % niedriger als die ältere, modifizierte Gen-II-ELISA, das zeigte ein Vergleich an 1.729 Routineproben (Anckaert 2016). Auch die beiden verbreiteten automatisierten Tests weichen voneinander ab: In 293 Blutproben lagen Elecsys-Werte bei etwa dem 0,81-Fachen der Werte von Access 2 (Han 2022).

Dazu kommt die Referenzgruppe. Viele ältere Tabellen beruhen auf Kinderwunschpatientinnen und älteren Testverfahren. Seifer 2011 wertete 17.120 Frauen aus US-Kinderwunschzentren aus, Nelson 2011 9.601 Kinderwunschpatientinnen und Almog 2011 3.871 Frauen mit Fruchtbarkeitsproblemen, bei denen das Testkit selbst den Wert beeinflusste. Die Tabellen dieser Studien konnten wir nicht am Volltext prüfen und zeigen sie deshalb nicht.

Auch bei Tests desselben Herstellers unterscheiden sich Referenzgruppen. In einer koreanischen Bevölkerungsstudie mit dem Test Elecsys AMH (nicht AMH Plus) lagen die Mediane in derselben Größenordnung wie bei Roche, die Ränder wichen aber deutlich ab: P2,5 betrug dort mit 30 bis 34 Jahren 1,14 pmol/l, in der Roche-Referenzstudie 4,11 pmol/l. Angaben zu Pille, PCOS und Zyklus fehlen in der koreanischen Studie.

Neben Elecsys ist der Test Access von Beckman Coulter verbreitet. Seine Referenz beruht auf 666 augenscheinlich gesunden Frauen von 18 bis 45 Jahren aus 5 Zentren (FDA-Marktfreigabe 510(k) K170524). Sie nennt nur den Median und den Bereich P2,5 bis P97,5, die Altersgruppen sind anders geschnitten.

AMH-Referenzwerte nach Alter in ng/ml, Beckman Coulter Access AMH
AlterP2,5MedianP97,5Frauen (n)
18 bis 251,023,6014,63120
26 bis 300,693,8213,39131
31 bis 350,362,4710,07120
36 bis 400,181,715,68123
41 bis 450,010,542,99126

Quelle: FDA 510(k) Decision Summary K170524 (2017), Expected values, Serum. Referenzgruppe: 666 augenscheinlich gesunde Frauen von 18 bis 45 Jahren an 5 Standorten. Weitere Perzentile sind dort nicht angegeben.

Welcher Test für deinen Befund verwendet wurde, kann dir dein Labor sagen.

Was der AMH-Wert aussagt und was nicht

AMH gibt ungefähr an, wie viele Eizellen sich bei einer Hormonstimulation gewinnen lassen, etwa bei einer IVF oder beim Einfrieren von Eizellen (ESHRE 2024). Um eine schwache oder starke Reaktion der Eierstöcke auf die Stimulation vorherzusagen, empfehlen ESHRE und NICE AMH oder die Zahl der Antralfollikel im Ultraschall (ESHRE 2025, NICE 2026).

Die Qualität der Eizellen bildet AMH nicht verlässlich ab (ESHRE 2024), und eine natürliche Schwangerschaft sagt der Wert nicht voraus. Das zeigt eine US-Studie mit 750 Frauen von 30 bis 44 Jahren ohne bekannte Fruchtbarkeitsprobleme, die seit höchstens 3 Monaten versuchten, schwanger zu werden (Steiner 2017):

AMH-Gruppe Frauen Positiver Schwangerschaftstest nach 6 Zyklen nach 12 Zyklen
unter 0,7 ng/ml 84 65 % 84 %
Vergleichsgruppe 579 62 % 75 %

Die Unterschiede waren nicht signifikant. Gezählt wurde ein positiver Test, keine Geburt, und die Gruppe mit AMH unter 0,7 ng/ml war klein. Die Fachgesellschaften kommen zu ähnlichen Schlüssen:

  • ASRM (USA, 2020): Bei Frauen ohne Fruchtbarkeitsproblem ist AMH kein Fruchtbarkeitstest. Der Wert soll weder der Werbung für Social Freezing noch der Verweigerung einer Behandlung dienen. Das Alter sagt mehr voraus.
  • ACOG (USA, 2019): Ein einzelner AMH-Wert sagt bei Frauen ohne Infertilitätsdiagnose die Zeit bis zur Schwangerschaft nicht voraus. Auch zur Vorhersage einer Fehlgeburt wird er nicht empfohlen.
  • ESHRE (2023) und NICE (2026): AMH soll nicht zur Vorhersage einer spontanen Schwangerschaft dienen. Bei regelmäßigem Zyklus braucht es laut ESHRE dafür keinen Reservetest.
  • DGGEF, DGRM und BVF (2014): Sie lehnen ein generelles Screening und einen selbst veranlassten Fertilitäts-Check ab. Ohne unerfüllten Kinderwunsch ist AMH nicht oder nur sehr bedingt aussagekräftig.

Auch die Chance auf eine Geburt nach einer IVF sagt AMH nur ungenau voraus (Iliodromiti 2014, ESHRE 2025). Den Zeitpunkt der Menopause schätzt der Wert bei Frauen unter 40 nur mit einer Unschärfe von 2 bis 12 Jahren (Nelson, Human Reproduction Update 2023). Was beim Einfrieren von Eizellen zählt, erklärt unser Ratgeber Social Freezing.

AMH und IVF: Daten des Deutschen IVF-Registers

Das Deutsche IVF-Register (D.I.R.) hat im Jahrbuch 2024 erstmals Ergebnisse nach AMH ausgewertet. Grundlage sind 42.572 Frischzyklen mit IVF oder ICSI aus dem Jahr 2024 mit dokumentiertem AMH. Das sind laut Register etwa 70 % dieser Behandlungszyklen. AMH ist dort erst seit Dezember 2023 ein Pflichtfeld. Das Register bildet drei Gruppen: unter 1,0 ng/ml, 1,0 bis 3,5 ng/ml und über 3,5 ng/ml.

So verteilen sich die AMH-Werte (ng/ml) bei IVF und ICSI: Anteil der Behandlungszyklen je Altersgruppe
AlterAMH unter 1,0AMH 1,0 bis 3,5AMH über 3,5
unter 3516,5 %50,6 %33,0 %
35 bis 3933,0 %50,2 %16,7 %
40 und älter51,6 %40,9 %7,5 %
alle30,0 %48,7 %21,3 %
Durchschnittlich gewonnene Eizellen je Punktion
AlterAMH unter 1,0AMH 1,0 bis 3,5AMH über 3,5
unter 355,7810,2012,57
35 bis 394,719,0512,30
40 und älter3,697,8111,07
alle4,629,3312,38
Klinische Schwangerschaften pro Embryotransfer
AlterAMH unter 1,0AMH 1,0 bis 3,5AMH über 3,5
unter 3533,3 %38,5 %39,5 %
35 bis 3925,6 %30,9 %34,5 %
40 und älter13,8 %19,1 %22,3 %
alle23,9 %32,2 %36,7 %

Quelle: D.I.R. Jahrbuch 2024, S. 12 und 13 (Zyklusjahr 2024, 42.572 IVF/ICSI-Frischzyklen mit AMH-Wert). Gezählt sind Behandlungszyklen von Frauen in Kinderwunschbehandlung in Deutschland, nicht Frauen in der Allgemeinbevölkerung. Die Anteile sind aus den Fallzahlen berechnet. Das Register nennt die Einteilung selbst grob und weist auf Unterschiede zwischen den Labortests hin.

Der Anteil zeigt, wie sich die Zyklen einer Altersgruppe auf die AMH-Gruppen verteilen. Unter 35 lagen 16,5 % der Zyklen unter 1,0 ng/ml, ab 40 waren es 51,6 %. Mit höherem AMH wurden im Mittel mehr Eizellen gewonnen, über alle Altersgruppen 4,62 bei unter 1,0 ng/ml, 9,33 bei 1,0 bis 3,5 ng/ml und 12,38 bei über 3,5 ng/ml.

Die klinische Schwangerschaftsrate pro Frischtransfer unterschied sich stärker zwischen den Altersgruppen als zwischen den AMH-Gruppen. Bei Frauen unter 35 mit AMH unter 1,0 ng/ml lag sie im Durchschnitt bei 33,3 %, bei Frauen ab 40 mit AMH über 3,5 ng/ml bei 22,3 %.

Beim Lesen helfen diese Hinweise:

  • Gezählt sind Zyklen von Frauen in Kinderwunschbehandlung, nicht einzelne Frauen.
  • Die Rate gilt pro Frischtransfer mit bekanntem Ausgang und zählt Schwangerschaften, keine Geburten. Bei AMH unter 1,0 ng/ml kamen über alle Altersgruppen 78,8 % der Zyklen zum Transfer, pro begonnenem Zyklus ergaben sich 18,7 % klinische Schwangerschaften.
  • Das Register nennt seine Einteilung selbst „sehr grob“ und weist darauf hin, dass verschiedene Tests zu verschiedenen AMH-Werten führen können.

Registerdaten nach Alter zeigt auch unser IVF-Rechner mit AMH. Den Ablauf erklären die Seiten zu IVF und ICSI.

Wie viele Eizellen hat eine Frau?

Bei der Geburt hat eine Frau nach Angaben der US-Fachgesellschaft ACOG 1 bis 2 Millionen Eizellen in beiden Eierstöcken, in der Pubertät 300.000 bis 500.000. Mit 37 Jahren sind es rund 25.000, mit 51 Jahren, dem durchschnittlichen Menopausealter in den USA, rund 1.000 (ACOG 2025). Der Vorrat wird vor der Geburt angelegt und nimmt danach nur noch ab (Wallace & Kelsey 2010). Welche Zahl du für ein bestimmtes Alter findest, hängt von der Zählweise ab. Wallace & Kelsey modellieren die ruhenden Follikel je Eierstock aus 325 histologischen Datenpunkten, das ACOG Committee Statement Nr. 22 von 2025 nennt Zahlen für beide Eierstöcke aus älteren Zählungen. Direkt vergleichbar sind die Spalten deshalb nicht.

Alter Modell Wallace & Kelsey 2010 (je Eierstock) ACOG 2025 (beide Eierstöcke)
Höchststand vor der Geburt rund 300.000 (18. bis 22. Woche nach der Empfängnis) 6 bis 7 Millionen (20. Schwangerschaftswoche)
Geburt rund 295.000 1 bis 2 Millionen
Pubertät rund 180.000 (mit 13 Jahren) 300.000 bis 500.000
25 Jahre rund 65.000 nicht angegeben
30 Jahre etwa 12 % des Höchststands nicht angegeben
35 Jahre rund 16.000 nicht angegeben
37 Jahre nicht angegeben rund 25.000
40 Jahre etwa 3 % des Höchststands nicht angegeben
Menopause unter 1.000 (im Mittel mit 49,6 Jahren) rund 1.000 (mit 51 Jahren)

Die ASRM nennt für die Geburt etwa 500.000 bis 1 Million Eizellen (ASRM 2020). Die Unterschiede zwischen Frauen sind enorm: Mit 35 Jahren reicht das 95-%-Vorhersageintervall des Modells von 1.900 bis 135.000 Follikeln je Eierstock. AMH gibt nur einen Hinweis auf diese Zahl. Was sie für eine Schwangerschaft ab 40 bedeutet, steht im Artikel Schwanger werden mit 40.

Kann sich der AMH-Wert verbessern oder wieder steigen?

Ein zweiter Messwert kann höher ausfallen, ohne dass sich an der Eizellreserve etwas geändert hat. AMH schwankt bei derselben Frau im Lauf eines Zyklus im Mittel um 20 %, überwiegend aus biologischen Gründen. Bei 29 % der Frauen hätte ein Wert von einem anderen Zyklustag zu einer anderen AMH-Kategorie der Studie geführt (Hadlow 2016, 38 Frauen).

Nach dem Absetzen der Pille stieg AMH bei 68 Frauen mit langjähriger Einnahme im Mittel um 53 % und erreichte nach etwa 2 Monaten ein Plateau (Landersoe, Reproductive BioMedicine Online 2020). In der niederländischen Doetinchem-Studie war AMH bei aktueller Pilleneinnahme und bei aktuellem Rauchen niedriger, bei früherer Einnahme und früherem Rauchen dagegen nicht. Die Autorinnen und Autoren halten diese Effekte deshalb für vermutlich umkehrbar (Dólleman 2013).

Die Zahl der Eizellen selbst lässt sich nach heutigem Wissen nicht erhöhen, weil der Vorrat vor der Geburt angelegt wird (Wallace & Kelsey 2010). In den ausgewerteten Leitlinien und Studien fanden wir keine Methode, die nachweislich zu mehr Eizellen führt. Body-Mass-Index, Taillenumfang, Alkohol und Sport hingen in der Doetinchem-Studie nicht mit dem altersbezogenen AMH zusammen (Dólleman 2013).

Was den AMH-Wert außerdem beeinflusst

Hormonelle Verhütung: Unter der kombinierten Pille lag AMH im Mittel 17 % (Nelson, Fertility and Sterility 2023, 42.684 Frauen), 19 % (Birch Petersen 2015, Vaginalring eingeschlossen) bzw. 31,1 % niedriger (Landersoe, Eur J Contracept Reprod Health Care 2020), unter der Minipille 35,6 % (ebenda). Für Vaginalring und Implantat sind die Daten uneinheitlich, bei der Hormonspirale zeigte sich kein sicherer Effekt. Die Roche-Gruppe nahm keine Kontrazeptiva, Werte unter der Pille passen deshalb nur eingeschränkt zur Tabelle.

Schwangerschaft, Zyklus und Rauchen: In der Doetinchem-Studie mit 2.320 Frauen aus der Allgemeinbevölkerung lag das altersbezogene AMH bei Schwangeren 17 Perzentile niedriger als bei Frauen mit regelmäßigem Zyklus. Bei unregelmäßigem Zyklus und bei aktueller Pilleneinnahme waren es je 11 Perzentile. Aktuelles Rauchen ging unabhängig von der Zigarettenmenge mit 4 Perzentilen niedrigerem AMH einher (Dólleman 2013).

PCOS: In der Roche-Studie hatten 149 Frauen mit polyzystischem Ovarsyndrom einen Median von 6,81 ng/ml (P5 bis P95: 2,41 bis 17,1 ng/ml, nicht nach Alter aufgeteilt). Die internationale PCOS-Leitlinie von 2023 hat AMH bei Erwachsenen als Alternative zum Ultraschall für das Kriterium polyzystischer Eierstöcke aufgenommen (Teede 2023). Das ist eines von mehreren Kriterien, ein AMH-Wert allein ergibt keine Diagnose. Mehr dazu im Artikel Schwanger werden mit PCOS.

AMH-Test: wann sinnvoll, was er kostet

Fachlich vorgesehen ist der Anti-Müller-Hormon-Test vor allem bei der Abklärung eines unerfüllten Kinderwunsches und vor einer geplanten Hormonstimulation. Die S2k-Leitlinie von DGGG, OEGGG und SGGG zählt AMH zur Basis-Hormondiagnostik bei Infertilität (Toth 2019, formal gültig bis Januar 2022) und empfiehlt eine Abklärung nach 12 Monaten ohne Schwangerschaft, bei Paaren über 35 nach 6 Monaten. Vor einer Stimulation hilft der Wert bei der Planung der Dosis (Nawroth 2014). Als Check ohne Kinderwunsch-Abklärung empfehlen die Fachgesellschaften den Test nicht (Nawroth 2014, ASRM 2020). Welche Untersuchungen sonst dazugehören und was sie kosten, erklärt der Artikel Fruchtbarkeitstest für Frauen: Kosten und Ablauf.

Kosten in Deutschland

Ohne medizinische Indikation ist AMH eine Selbstzahlerleistung (IGeL) ohne eigene Ziffer in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Der reine Laborpreis lag in den geprüften Preislisten meist bei rund 29 bis 60 €, Bioscientia nennt über eine niedrigere Position 23,46 €.

Angebot Preis Stand
Laborpreis IGeL (MVZ Labor Ravensburg, synlab München Zentrum) 29,15 € Mai bzw. April 2026
Laborpreis IGeL bzw. privat (Labor Leipzig) 43,72 € bzw. 50,28 € Dezember 2024
Direkt beim Labor ohne Arzttermin (MVZ Labor Berlin) 59,82 € inkl. MwSt. plus 5,00 € Blutentnahme Januar 2026
Beim Frauenarzt gesamt (Beispielrechnung nach GOÄ) ca. 45 bis 66 € Oktober 2026

Die Beispielrechnung umfasst Laborpreis (29,15 bis 50,28 €), Beratung (GOÄ 1, 10,72 €) und Blutentnahme (GOÄ 250, 5,36 €) zum 2,3-fachen Satz, gegebenenfalls plus Auslagen wie Versand. Vor einer IGeL muss die Praxis dich in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren (§ 630c Abs. 3 BGB).

Bei unerfülltem Kinderwunsch zahlt die gesetzliche Krankenkasse die Untersuchungen zur Ursachenabklärung (familienplanung.de). AMH kann die Praxis dann über die Kasse abrechnen, wenn sie die medizinische Notwendigkeit im Einzelfall begründet (EBM 32361). Manche Labore führen AMH trotzdem als Selbstzahlerleistung, frag deshalb vor der Blutabnahme nach. Was die Kassen bei einer Behandlung übernehmen, zeigt unser Krankenkassen-Vergleich.

Kosten in Österreich

Am Kepler Universitätsklinikum Linz kostet AMH als Selbstzahlerleistung 90 €, das gilt auch bei unerfülltem Kinderwunsch. Die dort genannten Kassen zahlen nur bei Endometriose, PCO-Syndrom, beginnendem Klimakterium bei abgeschlossenem Kinderwunsch oder einer geplanten oder erfolgten Operation an den Eierstöcken (Formular gültig ab 26.06.2025). Das ist ein Beispiel, keine allgemeine ÖGK-Regel. Bei synlab Österreich kostet AMH mit Blutabnahme 59,50 € inkl. MwSt., als Leistung ohne Übernahme durch die Gebietskrankenkasse gekennzeichnet.

Kosten in der Schweiz

AMH steht nicht namentlich in der Analysenliste des Bundesamts für Gesundheit (Stand 01.07.2026). Eine Übernahme durch die Grundversicherung ist deshalb nicht gesichert, die Versicherer entscheiden im Einzelfall. Die Laboranalyse kostet rund 55 CHF (Zetlab: 54,90 CHF), mit venöser Blutentnahme an einer Entnahmestelle rund 66 CHF inkl. MwSt.

Kinderwunschzentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz findest du im Klinikvergleich.

Häufige Fragen

Welcher AMH-Wert ist in welchem Alter typisch?

In der Roche-Referenzstudie lag der Median bei 4,00 ng/ml mit 20 bis 24 Jahren, 3,31 mit 25 bis 29, 2,81 mit 30 bis 34, 2,00 mit 35 bis 39, 0,882 mit 40 bis 44 und 0,194 ng/ml mit 45 bis 50 Jahren. Innerhalb jeder Altersgruppe streuen die Werte stark, und andere Tests liefern andere Zahlen.

Welcher AMH-Wert ist mit 35, 40 und 45 typisch?

Mit 35 bis 39 Jahren lag der Median bei 2,00 ng/ml (P5 bis P95: 0,405 bis 6,96 ng/ml), mit 40 bis 44 bei 0,882 ng/ml (0,059 bis 4,44 ng/ml) und mit 45 bis 50 bei 0,194 ng/ml (P95: 1,79 ng/ml). Mehr als die Hälfte der 40- bis 44-Jährigen der Studie lag damit unter 1,0 ng/ml. Diese Spannen beschreiben die Studiengruppe und sind kein Normbereich für eine einzelne Frau.

Kann man mit niedrigem AMH schwanger werden?

In einer US-Studie mit Frauen von 30 bis 44 Jahren ohne bekannte Fruchtbarkeitsprobleme hatten diejenigen mit AMH unter 0,7 ng/ml nach 12 Zyklen zu 84 % einen positiven Schwangerschaftstest, die Vergleichsgruppe zu 75 % (Steiner 2017). Der Unterschied war nicht signifikant, gezählt wurde ein positiver Test und keine Geburt. In der Kinderwunschbehandlung in Deutschland lag die klinische Schwangerschaftsrate pro Frischtransfer 2024 bei AMH unter 1,0 ng/ml im Durchschnitt bei 33,3 % unter 35, bei 25,6 % mit 35 bis 39 und bei 13,8 % ab 40 Jahren (D.I.R.). Das sind Gruppenmittelwerte, keine persönliche Prognose.

Kann sich der AMH-Wert wieder erhöhen?

Ein einzelner Messwert kann steigen: AMH schwankt im Lauf eines Zyklus im Mittel um 20 % (Hadlow 2016), nach dem Absetzen der Pille stieg er in einer Studie mit 68 Frauen im Mittel um 53 % (Landersoe, Reproductive BioMedicine Online 2020). Der Vorrat an Eizellen nimmt dagegen nach der Geburt nur ab (Wallace & Kelsey 2010), eine Methode zu seiner Vergrößerung ist nicht belegt.

Was bedeutet ein hoher AMH-Wert?

Ein hoher Wert spricht für viele verbliebene Follikel (Nelson, Human Reproduction Update 2023), eine höhere Chance auf eine natürliche Schwangerschaft sagt er aber nicht voraus (ASRM 2020, ACOG 2019). Bei AMH über 3,5 ng/ml wurden in der Kinderwunschbehandlung 2024 im Mittel 12,38 Eizellen gewonnen (D.I.R.). Vor einer Stimulation hilft der Wert, eine starke Reaktion vorherzusehen und das Risiko einer Überstimulation abzuschätzen (ESHRE 2025, Nawroth 2014). Beim PCOS ist AMH häufig erhöht, eine Diagnose ergibt sich aus dem Wert allein aber nicht.

Was kostet ein AMH-Test?

In Deutschland kostet die Laboranalyse meist rund 29 bis 60 €, beim Frauenarzt nach einer GOÄ-Beispielrechnung ca. 45 bis 66 €. In Österreich nennt das Kepler Universitätsklinikum Linz 90 €, in der Schweiz sind es rund 55 bis 66 CHF. Bei medizinischer Indikation kann die Krankenkasse zahlen.

Sind AMH-Heimtests aussagekräftig?

Heimtests messen AMH aus Fingerblut, das ins Labor geschickt wird. In einer nicht herstellerfinanzierten Studie mit 90 Frauen lag Fingerblut im Mittel bei 3,42 ng/ml, Venenblut bei 2,74 ng/ml, voll austauschbar waren beide nicht (Lavadia 2026). Eine Schwangerschaft sagt auch dieser Wert nicht voraus, trotzdem machten 74 % von 27 untersuchten Verkaufsseiten Aussagen dazu (Johnson 2023).

Quellen

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