Teil unseres Ratgebers: Unerfüllter Kinderwunsch

Vielleicht liegen nach deiner letzten Eizellentnahme noch Embryonen oder Vorkernstadien im Stickstofftank. Vielleicht hat deine Klinik geraten, alles einzufrieren und später zu übertragen. Dann heißt der nächste Schritt Kryotransfer: Die eingefrorenen Zellen werden aufgetaut und in einem späteren Zyklus übertragen, ohne neue Stimulation und Punktion.

Hier liest du, was die Studien von 2026 zu den Zyklusarten zeigen, wie ein Kryozyklus abläuft, wie hoch die Chancen sind und was Kasse und IVF-Fonds zahlen. Zu jeder Zahl nennen wir die Bezugsgröße: pro Transfer, pro Frau oder pro Schwangerschaft.

Was ist ein Kryotransfer?

Kryotransfer, auch Auftauzyklus oder FET (frozen embryo transfer), ist die Übertragung zuvor eingefrorener und aufgetauter Embryonen oder Vorkernstadien in einem späteren Zyklus. Der Embryotransfer selbst ist derselbe Schritt wie nach einer frischen IVF oder ICSI: Der Embryo wird mit einem dünnen Katheter durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutter gebracht. Wie die Behandlung bis dahin abläuft, steht im Artikel IVF-Ablauf.

2024 waren in Deutschland 49.487 von 131.801 gestarteten Behandlungszyklen Auftauzyklen, also 37,5 % (D.I.R. Jahrbuch 2024, S. 24). Bei ersten Punktionen mit Frischtransfer wurde 2018 in 32,9 % zusätzlich eingefroren, 2024 in 47,4 % (S. 33).

Warum in Deutschland oft Vorkernstadien eingefroren werden

Das Embryonenschutzgesetz verbietet, mehr Eizellen zu befruchten, als in einem Zyklus übertragen werden sollen (§ 1 Abs. 1 Nr. 5 ESchG). Embryo im Sinne des Gesetzes ist die befruchtete Eizelle erst ab der Kernverschmelzung (§ 8 Abs. 1). Deutsche Labore frieren deshalb häufig Vorkernstadien ein, befruchtete Eizellen vor diesem Schritt. Trotzdem betraf 2023 rund die Hälfte der Auftauungen Embryonen: 21.944 von 42.108 (D.I.R. Jahrbuch 2024, S. 31). Einfrieren dürfen nur Ärztinnen und Ärzte (§ 9 Nr. 4 ESchG).

Einfrieren und Auftauen: Vitrifikation und Überlebensraten

Die europäische Fachgesellschaft ESHRE empfiehlt für Eizellen, Vorkernstadien und Embryonen die Vitrifikation, ein sehr schnelles Einfrierverfahren (Laborleitlinie 2026). Gegenüber dem älteren langsamen Einfrieren überleben damit mehr Embryonen: In 7 randomisierten Studien mit 3.615 Embryonen war die Überlebensrate deutlich höher (relatives Risiko 1,59; moderate Evidenzqualität; Rienzi 2017). Wird ein Embryo nach einer Biopsie, etwa für eine Präimplantationsdiagnostik, ein zweites Mal eingefroren, gehen damit niedrigere Geburten- und höhere Fehlgeburtenraten einher (ESHRE 2026).

Eine Überlebensrate pro Embryo veröffentlichen die Register in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach unserer Recherche nicht. Laut Expertenkonsens sollen Labore mindestens 90 % der aufgewärmten Blastozysten intakt erhalten, sehr gute Labore 99 % (Vienna Consensus 2017). In einem Zentrum in Bregenz mit geschlossenem System waren es 83 % (Wirleitner 2013). Pro Zyklus gerechnet folgte in Deutschland 2024 auf 95,5 % der 45.714 Auftauungen ein Transfer (D.I.R. Jahrbuch 2024, S. 24). Frag deine Klinik ruhig nach ihrer eigenen Überlebensrate.

Drei Wege, die Gebärmutter vorzubereiten

Der Transfer wird so gelegt, dass das Alter des Embryos zum Zyklus passt: Eine Blastozyste kommt etwa 5 Tage nach dem Eisprung oder 5 Tage nach Beginn der Progesterongabe (Wei 2026). Dafür gibt es drei Wege, ohne regelmäßigen Eisprung einen vierten.

Natürlicher Zyklus

Du nimmst keine Hormone. Ultraschall und Blutwerte oder LH-Urintests zu Hause zeigen, wann der Eisprung kommt. Heimtests reichen dafür offenbar aus: In der niederländischen Studie Antarctica-2 mit 1.464 Frauen von 18 bis 44 Jahren mit Eisprung waren nach LH-Heimtests 20,8 % fortlaufend schwanger, mit Ultraschall in der Klinik und Auslösespritze 20,9 % (Antarctica-2, Zaat 2023). Vaginales Progesteron in der zweiten Zyklushälfte erhöhte in 2 Studien mit 923 Zyklen die Geburtenrate (relatives Risiko 1,43; moderate Evidenzqualität; Erden 2026).

Modifizierter natürlicher Zyklus mit Auslösespritze

Auch hier wächst die Schleimhaut durch deine eigenen Hormone. Ist der führende Follikel reif, löst eine hCG-Spritze den Eisprung aus, laut Fachinformation etwa 36 Stunden später. In einer europäischen Studie gab es die Spritze ab einem Follikel über 17 mm, die Blastozyste folgte 6 oder 7 Tage danach (Stormlund 2020). In einer dänischen Studie mit 602 Frauen gab es an beiden Tagen ähnlich viele Geburten (33,8 % gegenüber 33,0 %), zusätzliches Progesteron brachte keinen gesicherten Vorteil (34,9 % gegenüber 31,9 %; Saupstad 2026). Gegenüber dem natürlichen Zyklus ohne Spritze zeigte sich kein gesicherter Unterschied bei den Geburten (Venetis 2026, 6 Studien, 1.708 Frauen).

Die hCG-Präparate (Choriogonadotropin alfa, urinäres hCG) sind verschreibungspflichtig und laut Fachinformation für die Auslösung nach einer Stimulation des Follikelwachstums zugelassen. Einen Zyklus ohne Stimulation nennt der Wortlaut nicht, nach unserer Lesart ist das off-label.

Künstlicher Zyklus mit Östrogen und Progesteron

Hier findet kein Eisprung statt, es entsteht also kein Gelbkörper. Östrogen-Tabletten (Estradiol, verschreibungspflichtig) bauen die Schleimhaut auf, danach kommt Progesteron dazu. In der großen chinesischen Studie begann das Östrogen am 2. oder 3. Zyklustag mit 6 bis 8 mg täglich, nach 10 bis 12 Tagen folgte ein Ultraschall. Ab einer Schleimhaut von mindestens 7 mm und einem Progesteronwert unter 1,5 ng/ml begann das Progesteron, die Blastozyste wurde 5 Tage später übertragen (Wei 2026). Weil der Gelbkörper fehlt, wird Progesteron bis in die Frühschwangerschaft weitergegeben, in der Studie bis zur 10. bis 11. Woche. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) nennt für Frauen nach keimzellschädigender Therapie etwa die 12. Woche, die Fachinformation zu vaginalem Progesteron höchstens die 12. Woche. Mehr dazu im Artikel Gelbkörperschwäche.

Der künstliche Zyklus braucht weniger Kontrolltermine (in einer belgischen Studie im Mittel 2,4 statt 3,0; Geysenbergh 2026). Nach einer keimzellschädigenden Therapie gibt es meist keinen eigenen Zyklus mehr, dann ist er laut G-BA erforderlich.

Vaginales Progesteron 200 mg ist zur Unterstützung der Lutealphase bei künstlicher Befruchtung zugelassen und verschreibungspflichtig. Dydrogesteron, das in manchen Studien eingesetzt wurde, ist dafür in Deutschland nicht zugelassen (off-label). Ob das Östrogenpräparat deiner Klinik ausdrücklich für den Schleimhautaufbau zugelassen ist, konnten wir nicht abschließend klären. Frag nach dem Zulassungsstatus.

Stimulierter Zyklus bei unregelmäßigem Eisprung

Bei PCOS oder seltenem Eisprung kann der Eisprung mit Tabletten angestoßen werden, etwa mit Letrozol. In einer chinesischen Studie mit 200 Frauen mit PCOS wurden damit 66,0 % klinisch schwanger, im künstlichen Zyklus 53,0 %, statistisch nicht gesichert (Jiang 2025). Letrozol ist in Deutschland nur gegen Brustkrebs nach den Wechseljahren zugelassen, im Kinderwunsch ist es off-label und verschreibungspflichtig. Die internationale PCOS-Leitlinie von 2023 gibt zur Vorbereitung des Kryotransfers keine Empfehlung. Mehr dazu: Schwanger werden mit PCOS.

Ärztin notiert den Behandlungsplan für einen Kryozyklus auf einem Klemmbrett

Natürlicher oder künstlicher Zyklus: Studienlage 2026

Die Cochrane-Übersicht von 2025 mit 32 Studien und 6.352 Frauen hielt es wegen unsicherer Daten noch für offen, ob eine Zyklusart besser ist. Ihre Literatursuche endete aber im Dezember 2022. Seitdem sind große randomisierte Studien und zwei Metaanalysen zu Frauen mit Eisprung erschienen.

Studie Wer wurde untersucht Ergebnis natürlicher gegenüber künstlichem Zyklus
Wei 2026, randomisiert 4.376 Frauen von 20 bis 40 Jahren, China, eine Blastozyste Geburt 51,1 % gegenüber 50,1 % pro Frau; frühe Fehlgeburt 12,1 % gegenüber 15,2 %
Martins und Nastri 2026, Metaanalyse 17 randomisierte Studien, 10.611 Frauen Fehlgeburten seltener (relatives Risiko 0,75; hohe Evidenzsicherheit); Geburten gleich oder etwas häufiger (1,07; ohne Studien mit hohem Verzerrungsrisiko 1,15)
Lin 2026, Metaanalyse 11 randomisierte Studien, 9.955 Frauen Geburt 41,5 % gegenüber 39,2 % (1,11; moderate Sicherheit), Vorteil vor allem im Zyklus mit Auslösespritze; Fehlgeburt 13,4 % gegenüber 17,5 %
Geysenbergh 2026, randomisiert 561 Frauen von 18 bis 45 Jahren, Belgien Schwangerschaft mit Herzaktion 33,1 % gegenüber 28,9 %, nicht gesichert; nicht auf Geburten ausgelegt

Unterm Strich: Bei Frauen mit Eisprung ist der Zyklus mit eigenem Eisprung, mit oder ohne Auslösespritze, mindestens so erfolgreich wie der künstliche, und Fehlgeburten sind seltener. Die britische Leitlinie NICE NG257 (2026) übernimmt unverändert ihre Empfehlung von 2013, nach der die Geburtenchance bei regelmäßigem Eisprung in beiden Zyklusarten ähnlich ist. Deutsche Registerdaten passen dazu, sind aber nicht randomisiert: Im künstlichen Zyklus endeten 28,3 % der Schwangerschaften in einer Fehlgeburt, im natürlichen 19,6 % (D.I.R. Jahrbuch 2022, S. 16 bis 17).

Ob der natürliche Zyklus häufiger abgebrochen wird, ist uneinheitlich: in der chinesischen Studie öfter (16,2 % gegenüber 11,5 %), in der belgischen und der älteren niederländischen ANTARCTICA-Studie seltener (Geysenbergh 2026: 3,9 % gegenüber 9,4 %; Groenewoud 2016).

Präeklampsie: Beobachtungsstudien und randomisierte Studien

Präeklampsie ist eine Bluthochdruckerkrankung in der Schwangerschaft.

Datenbox: Präeklampsie nach künstlichem und natürlichem Zyklus

In Beobachtungsstudien war das Risiko nach künstlichem Zyklus etwa doppelt so hoch (Busnelli 2022: Odds Ratio 2,11; niedrige Evidenzqualität). In der großen randomisierten Studie war der Unterschied kleiner: Präeklampsie hatten 4,6 % der Schwangeren nach künstlichem und 2,9 % nach natürlichem Zyklus (Wei 2026). Eine Metaanalyse aller randomisierten Studien fand für Bluthochdruck in der Schwangerschaft einen Trend, aber keinen gesicherten Unterschied (relatives Risiko 0,77; moderate Sicherheit; Martins und Nastri 2026).

Vermutete Ursache: Ohne Eisprung fehlt der Gelbkörper, der gefäßwirksame Hormone bildet. Die ESHRE nennt das als möglichen Teilgrund, bewiesen ist es nicht. In einer US-Kohorte mit 683 Einlingsgeburten nach IVF mit eigenen Eizellen lag die Präeklampsierate nach künstlichem Kryozyklus bei 12,8 %, nach modifiziert natürlichem bei 3,9 % (von Versen-Höynck 2019). Eine Auswertung von 30 Beobachtungsstudien empfiehlt, bei Frauen mit Eisprung den natürlichen Zyklus zu bevorzugen (Metaanalyse Zaat 2023).

Hast du einen regelmäßigen Eisprung, sprich mit deiner Klinik darüber, ob ein natürlicher Zyklus für dich in Frage kommt. Ist der künstliche Zyklus medizinisch nötig, ist er der richtige Weg.

Ablauf Tag für Tag

Typische Protokolle aus Studien, deine Klinik kann davon abweichen:

Schritt Natürlicher Zyklus Mit Auslösespritze Künstlicher Zyklus
Start 1. Tag der Periode, keine Medikamente 1. Tag der Periode, keine Medikamente Östrogen ab dem 2. oder 3. Zyklustag
Kontrollen Ultraschall und Blut oder LH-Urintests bis zum Eisprung Ultraschall, bis der führende Follikel reif ist (in einer Studie über 17 mm) Ultraschall nach 10 bis 12 Tagen
Auslöser eigener LH-Anstieg und Eisprung hCG-Spritze, Eisprung etwa 36 Stunden später Progesteron ab einer Schleimhaut von mindestens 7 mm
Transfer einer Blastozyste 5 Tage nach dem Eisprung oder 6 Tage nach dem LH-Anstieg 6 oder 7 Tage nach der Spritze 5 Tage nach Beginn des Progesterons
Danach Vaginales Progesteron erhöhte in 2 Studien die Geburtenrate (Erden 2026) Progesteron brachte in Studien keinen gesicherten Vorteil Progesteron bis in die 10. bis 12. Schwangerschaftswoche

Quellen: Wei 2026, Stormlund 2020, Saupstad 2026, Erden 2026, Fachinformation urinäres hCG.

Wurden Vorkernstadien eingefroren, taut das Labor sie vor dem Transfer auf und kultiviert sie weiter. 2023 gab es in Deutschland 7.601 solcher Einzeltransfers an Tag 5 oder 6, mit 25,2 % Geburten pro Transfer (D.I.R. Jahrbuch 2024, S. 31). Bei Blastozysten vom 6. Tag fanden zwei Studien im künstlichen Zyklus keinen gesicherten Unterschied, ob ein Tag früher oder später nach Beginn des Progesterons übertragen wurde (Celicanin 2025, 746 Zyklen; Zhou 2026, randomisiert, 338 Frauen).

Der Schwangerschaftstest folgte in Studien 10 bis 15 Tage nach dem Transfer (Wei 2026; Stormlund 2020: 11 Tage). Den genauen Tag legt deine Klinik fest. Das Progesteron nimmst du weiter, bis die Klinik etwas anderes sagt.

Ultraschallkontrolle der Gebärmutter über die Bauchdecke

Der Embryotransfer: was am Transfertag passiert

Der Embryotransfer läuft im Kryozyklus ab wie nach einer frischen IVF. Die Ärztin führt einen dünnen Katheter durch den Gebärmutterhals und setzt den Embryo in einem winzigen Tropfen Kulturmedium ab, laut ESHRE 10 bis 30 Mikroliter. Ein Ultraschall über die Bauchdecke zeigt dabei, wo der Katheter liegt. ESHRE nennt das den Goldstandard, auch NICE empfiehlt es. In einer Cochrane-Übersicht stieg damit die Chance auf eine Geburt oder fortlaufende Schwangerschaft gegenüber einem Transfer nach Tastgefühl: bei 23 % Ausgangschance auf 28 bis 33 % (13 Studien, 5.859 Frauen; niedrige Evidenzqualität; Brown 2016). Ist die Schleimhaut dünner als 5 mm, rät NICE vom Transfer ab.

Danach kannst du aufstehen. Die ESHRE rät von Bettruhe ab, laut NICE verbessert Liegen über 20 Minuten das Ergebnis nicht. Belege für Verbote wie Sport, Sauna oder Sex haben wir in diesen Leitlinien nicht gefunden. Halte dich an die Hinweise deiner Klinik.

Ein Embryo oder zwei?

Hier unterscheiden sich die Leitlinien. NICE richtet die Zahl nach dem Alter: Unter 37 Jahren soll im ersten Zyklus ein Embryo übertragen werden, mit 40 bis 41 Jahren lässt NICE zwei Embryonen erwägen, mehr als zwei nie. Die ESHRE-Leitlinie von 2024 empfiehlt dagegen mit starker Empfehlung den Einzeltransfer unter und ab 38 Jahren, ab 38 bei sehr geringer Evidenzsicherheit. Weder frühere erfolglose Versuche noch das Alter rechtfertigen danach für sich zwei Embryonen, im Kryozyklus auch kein Befund der Schleimhaut.

In deutschen Kryozyklen 2023 führten zwei Embryonen in 25,3 % der Transfers zu einer Geburt, einer in 22,6 %. Unter den Geburten waren aber 19,3 % statt 1,2 % Mehrlinge (D.I.R. Jahrbuch 2024, S. 31; Transfers aufgetauter Embryonen, nicht randomisiert). Zwei Einzeltransfers nacheinander erreichten in randomisierten Studien ähnlich viele Geburten wie ein Doppeltransfer, mit deutlich weniger Mehrlingen (Cochrane, Kamath 2020; niedrige Evidenzsicherheit).

Erfolgschancen beim Kryotransfer

Eine klinische Schwangerschaft ist noch keine Geburt, und Registerzahlen sind Durchschnittswerte für Gruppen, keine Vorhersage für dich.

Deutschland: Schwangerschaften 2024

2024 führten 13.674 von 43.653 Kryotransfers zu einer klinischen Schwangerschaft, 31,5 % pro Transfer und 29,9 % pro Behandlung. Nach IVF und ICSI lagen die Raten fast gleich (31,3 % und 31,7 %), mit aufgetauten unbefruchteten Eizellen bei 25,3 % (D.I.R. Jahrbuch 2024, S. 24). Im Frischzyklus waren es 30,5 % (S. 22), der Kryotransfer lag damit erstmals einen Prozentpunkt höher. Die Gruppen sind aber nicht direkt vergleichbar.

Deutschland: Geburten 2023

2023 endeten 8.798 von 40.083 Kryotransfers mit einer Geburt, das sind mindestens 21,9 % pro Transfer und 20,9 % pro Behandlung (Frischtransfer 22,5 %). Bei 5,5 % der Schwangerschaften war der Ausgang zum Stichtag noch nicht erfasst, die tatsächliche Rate liegt also etwas höher. 22,4 % der Schwangerschaften endeten in einer Fehlgeburt, 0,9 % waren Eileiterschwangerschaften. Unter den Geburten waren 6,1 % Zwillinge (D.I.R. Jahrbuch 2024, S. 25).

Nach Alter

Alter Klinische Schwangerschaft pro Kryotransfer Ausgewertete Transfers
bis 29 35,3 % 17.743
30 bis 34 33,7 % 49.133
35 bis 39 28,6 % 46.447
ab 40 18,9 % 12.461

Quelle: D.I.R. Jahrbuch 2024, S. 32, Kryozyklen 2020 bis 2023, prospektive Daten, Schwangerschaften nachverfolgt bis Ende 2024. Alle Transfernummern zusammengefasst (eigene Rechnung).

Geburtenraten pro Kryotransfer nach Alter veröffentlicht das Register im Jahrbuch nicht. Ob das Alter bei Eizellentnahme oder Transfer gemeint ist, steht dort nicht. Schwangerschafts- und Geburtenraten im Frischzyklus nach Alter stehen im Ratgeber Künstliche Befruchtung.

Was Kryotransfers zur Gesamtchance beitragen

Das Register hat 54.019 erste Punktionen der Jahre 2018 bis 2022 ausgewertet, nach denen zusätzlich zum Frischtransfer eingefroren wurde. Nach dem Frischtransfer kamen auf 100 Punktionen 30,0 Geburten, nach dem ersten Auftauzyklus 45,1, nach vier und mehr Auftauzyklen 54,8. Pro Auftauzyklus blieb die Geburtenrate ähnlich: 22,5 % im ersten, 20,4 % ab dem vierten (D.I.R. Jahrbuch 2024, S. 33).

Österreich

Im IVF-Fonds gab es 2024 4.995 Kryotransfers, 37,0 % führten zu einer Schwangerschaft. Das Register zählt sie erst mit nachgewiesener Herzaktion. Für die Versuche 2023 lag die Geburtenrate bei 30,6 % pro Kryotransfer, 1.446 Geburten bei 4.718 Transfers (IVF-Register Jahresbericht 2024). Die Daten gelten nur für Fonds-Paare, die Frau ist also unter 40, und sind mit den deutschen Zahlen nicht direkt vergleichbar.

Schweiz

Veröffentlichte Erfolgsraten für Kryotransfers in der Schweiz haben wir nicht gefunden.

Freeze-all oder Frischtransfer?

Bei Freeze-all werden alle Embryonen eingefroren, ein Frischtransfer findet nicht statt. In Deutschland war das 2024 bei 7.369 von 61.612 Zyklen mit Befruchtung der Fall, also bei 12,0 % (D.I.R. Jahrbuch 2024, S. 22).

Die Cochrane-Übersicht von 2021 (8 Studien, 4.712 Frauen) fand für die Gesamtchance auf ein Kind wahrscheinlich keinen Unterschied: Liegt sie mit Frischtransfer bei 58 %, läge sie mit Freeze-all bei 57 bis 63 %. Eine Überstimulation (OHSS) wurde seltener, bei 3 % Ausgangsrisiko etwa 1 %. Bluthochdruck in der Schwangerschaft kam häufiger vor (Peto-Odds-Ratio 2,15; niedrige Evidenzqualität), die Kinder waren im Mittel 127 g schwerer (Zaat 2021).

Zwei große chinesische Studien fanden mit Freeze-all mehr Geburten nach dem ersten Transfer: bei 1.508 Frauen mit PCOS 49,3 % gegenüber 42,0 % (Chen 2016), bei 1.650 Frauen mit Eisprung und einer Blastozyste 50 % gegenüber 40 % Einlingsgeburten (Wei 2019). Präeklampsie war dabei häufiger, 4,4 % gegenüber 1,4 % und 3,1 % gegenüber 1,0 %. Andere große Studien fanden keinen gesicherten Unterschied (Shi 2018; Maheshwari 2022). Bei 460 Frauen mit regelmäßigem Zyklus in Europa lagen die Geburten nach mindestens zwei Jahren mit Freeze-all bei 42,6 %, mit Frischtransfer bei 41,7 %, bis zur Schwangerschaft dauerte es mit Freeze-all im Median 106 statt 29 Tage (Stormlund 2020 und 2025).

Die ESHRE empfiehlt elektives Freeze-all derzeit nicht als Routine, sondern bei klarem Grund, etwa einem erhöhten Überstimulationsrisiko, Problemen der Gebärmutterschleimhaut oder einer Präimplantationsdiagnostik (Good-Practice-Empfehlungen zu Add-ons, 2023). Gegen eine späte Überstimulation empfiehlt sie Freeze-all mit starker Empfehlung, bei niedriger Evidenzsicherheit (Stimulationsleitlinie 2025). Auch die PCOS-Leitlinie von 2023 rät in einer Konsensempfehlung, bei erhöhtem Überstimulationsrisiko alle geeigneten Embryonen einzufrieren.

Wie lange können Embryonen eingefroren bleiben?

Land Höchstdauer Grundlage
Deutschland keine gesetzliche Höchstdauer Embryonenschutzgesetz
Österreich höchstens zehn Jahre § 17 Abs. 1 Fortpflanzungsmedizingesetz
Schweiz fünf Jahre, auf Antrag des Paares um höchstens fünf Jahre verlängerbar, danach zu vernichten Art. 16 Abs. 2 und 4 Fortpflanzungsmedizingesetz, Stand 01.08.2025

Ob die Chance mit der Lagerzeit sinkt, ist nicht geklärt. Kohorten aus Japan, Spanien und Österreich fanden keinen Zusammenhang (Ueno 2018; Cobo 2024; Wirleitner 2013), die Lagerzeiten lagen dort aber meist unter drei Jahren. In Japan lag die Geburtenrate bei 8.736 Einzeltransfers von Blastozysten mit bis zu 97 Monaten Lagerung je nach Lagerdauer zwischen 34,9 % und 37,3 %, ohne gesicherten Unterschied (Ueno 2018). In Spanien begann das längste Zehntel der Lagerzeiten bei knapp 35 Monaten (Cobo 2024).

Zwei chinesische Kohorten fanden nach mehr als fünf Jahren etwas niedrigere Geburtenraten, 34,91 % gegenüber 37,29 % nach bis zu 2 Jahren (Zhan 2024). Die zweite mit 13.054 ersten Kryotransfers sah nach mehr als fünf Jahren ebenfalls niedrigere Geburtenraten, knapp gesichert schon ab 2 Jahren; laut den Autoren betraf der Effekt nur Frauen bis 35 (Ji 2026). Randomisierte Daten fehlen, ein gesicherter Nachteil ist das also nicht.

Was kostet ein Kryotransfer?

Deutschland

Leistung Preis Quelle
Kryozyklus mit Auftauen, Zyklusüberwachung und Transfer ca. 800 bis 1.100 € Kinderwunschzentrum Ludwigshafen
Kryo-Transfer-Zyklus mit Medikamenten ca. 1.000 € Kinderwunsch-Arzt Berlin
Auftau-Kryozyklus, Medikamente nicht angegeben etwa 400 bis 600 € Kinderwunschzentrum Ludwigsburg
Einfrieren befruchteter Eizellen 350 € (Ludwigshafen), etwa 350 € (Ludwigsburg); Berlin nennt für Vorkernstadien widersprüchlich ca. 400 € und ca. 600 € Klinikseiten

Angaben ohne Datum, abgerufen im Oktober 2026. Preise für die Lagerung von Vorkernstadien und Embryonen haben wir nicht gefunden, frag deine Klinik danach.

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt weder das Einfrieren befruchteter Eizellen noch den Kryotransfer. Die G-BA-Richtlinie schließt Leistungen aus „wie etwa die Kryokonservierung von Samenzellen, imprägnierten Eizellen oder noch nicht transferierten Embryonen“ (Nr. 4). Als Methoden nennt sie den Transfer aufgetauter Embryonen nicht (Nr. 10). Auch die Beihilfe des Bundes listet ihn nicht (§ 43 BBhV).

Eine Ausnahme: Ist das Einfrieren von Eizellen wegen einer keimzellschädigenden Therapie, etwa einer Chemotherapie, medizinisch notwendig, besteht darauf Anspruch (§ 27a Abs. 4 SGB V). Die spätere ICSI mit den aufgetauten Eizellen gehört dann einschließlich Schleimhautvorbereitung und Transfer zu den Kassenleistungen (G-BA-Richtlinie Nr. 11.5 b, 12.3 b und 12.8). Befruchtete Eizellen und Embryonen erfasst dieser Anspruch nicht, auch die Kryo-Richtlinie des G-BA nennt sie nicht.

Einzelne Kassen zahlen freiwillig. Die TK übernimmt 50 % der vertraglichen Kosten für den Transfer überzähliger eingefrorener Eizellen aus einer von ihr genehmigten Behandlung, angerechnet als Versuch (Stand 28.07.2026). Im Programm BKK Kinderwunsch zahlt etwa die Mobil Krankenkasse zweimal 350 € zu einem Kryozyklus (Stand 10.08.2026). Mehr dazu in der Kostenübernahme. Private Tarife und Steuer haben wir für Kryokosten nicht gesondert geprüft, allgemeine Regeln stehen unter Kinderwunsch-Kosten steuerlich absetzen.

Österreich

Der IVF-Fonds trägt 70 % der Kosten, auch beim Kryotransfer (§ 2 Abs. 2 IVF-Fonds-Gesetz). Voraussetzung sind unter anderem eine der gesetzlichen Diagnosen, die Frau unter 40 und ein Vertragszentrum. Es gibt höchstens vier Versuche, nach einer Schwangerschaft vier weitere (§ 4 Abs. 2). Jeder Kryoversuch zählt als eigener Versuch, außer ein Versuch wurde nach der Eizellentnahme aus medizinischen Gründen abgebrochen. Einfrieren und Lagerung bis zu sechs Monate sind im Fonds-Tarif enthalten (Sozialministerium 2025).

In privaten Vertragszentren zahlst du seit Juli 2026 298,29 € Selbstbehalt pro Kryoversuch (Zech). Leistungen außerhalb des Fonds können dazukommen, bei Pavlik in Wels etwa 285 € für ein elektronisches Identitätssystem im Labor. Ohne Fonds kostet ein Kryotransfer 1.250 € (Zech, ab 10.09.2026) oder ab 1.616 € (Pavlik). Das Einfrieren kostet 380 € (Zech) oder 428 € für 1 bis 4 Embryonen (Pavlik), die Lagerung 380 € oder 321 € pro Jahr.

Schweiz

Die Grundversicherung zahlt keine IVF und keinen Embryotransfer (KLV Anhang 1, Ausgabe 01.07.2026). Beim Fertilitätserhalt vor einer keimzellschädigenden Therapie zahlt sie unter Bedingungen das Einfrieren von Eizellen, aber „eine allfällige Fertilisierung vor der Kryokonservierung geht nicht zulasten der Versicherung“. Das Inselspital Bern nennt für einen Auftauzyklus 2.200 CHF mit allen Zykluskosten, Gonadotropine extra, und 396 CHF pro Jahr für die Lagerung von Eizellen.

Was eine Behandlung in deinem Land insgesamt kostet, rechnet der Kostenrechner aus.

Paar bespricht mit dem Arzt die Kosten einer Kinderwunschbehandlung

Nach dem Transfer: Progesteron, Testtag und Geburtstermin

Die Tage nach dem Transfer sind für viele die schwersten. Wann du testest, legt deine Klinik fest. Die von uns geprüften Leitlinien geben keinen festen Tag vor, in Studien wurde 10 bis 15 Tage nach dem Transfer getestet. Nach einer Auslösespritze kann deren hCG einen Test bis zu 10 Tage lang positiv machen (Fachinformationen). Da der Transfer 6 bis 7 Tage nach der Spritze liegt, betrifft das vor allem die ersten Tage danach (eigene Rechnung). Übliche Testzeitpunkte zeigt der Geburtstermin-Rechner.

Progesteron nimmst du im künstlichen Zyklus meist bis zur 10. bis 12. Schwangerschaftswoche. Die Fachinformation zu vaginalem Progesteron nennt 400 bis 600 mg täglich, mindestens bis zur 7. und höchstens bis zur 12. Woche. Setz es nicht eigenmächtig ab, sprich vorher mit deiner Klinik.

Den Geburtstermin rechnest du ab dem Transfer: bei einer Blastozyste von Tag 5 sind es 261 Tage, bei einem Embryo von Tag 3 263 Tage (ACOG). Die Regel zählt das Alter des Embryos am Transfertag, nicht die Lagerzeit (unsere Ableitung). Das rechnet der IVF-Geburtstermin-Rechner aus.

Fällt das hCG nach einem positiven Test wieder, kann das eine biochemische Schwangerschaft sein. Lass Blutungen oder Schmerzen nach dem Transfer ärztlich abklären. Planst du nach einem Verlust einen neuen Transfer, findest du Antworten im Artikel Schwanger nach Fehlgeburt. Einen Überblick über alle Wege gibt der Ratgeber unerfüllter Kinderwunsch. Suchst du ein Zentrum, auch für eine zweite Meinung, hilft die Kliniksuche. Der Online-Berater schlägt dir nach ein paar Fragen passende Zentren vor.

Häufige Fragen

Wie läuft ein Kryotransfer ab?

Eingefrorene Embryonen oder Vorkernstadien werden in einem späteren Zyklus aufgetaut und übertragen, ohne neue Stimulation und Punktion. Eine Blastozyste wird etwa 5 Tage nach dem Eisprung, 6 bis 7 Tage nach der Auslösespritze oder 5 Tage nach Beginn des Progesterons übertragen (Wei 2026, Saupstad 2026).

Was ist besser: natürlicher oder künstlicher Zyklus?

Bei regelmäßigem Eisprung ist der natürliche Zyklus mindestens so erfolgreich, mit weniger Fehlgeburten (relatives Risiko 0,75; Martins und Nastri 2026). In der größten Studie mit 4.376 Frauen bekamen im natürlichen Zyklus 51,1 %, im künstlichen 50,1 % ein Kind (Wei 2026).

Wie hoch sind die Erfolgschancen beim Kryotransfer?

In Deutschland führten 2024 31,5 % der Kryotransfers zu einer klinischen Schwangerschaft, 2023 endeten mindestens 21,9 % mit einer Geburt (D.I.R. Jahrbuch 2024). In Österreich lag die Geburtenrate für Versuche 2023 bei 30,6 % pro Kryotransfer, nur Fonds-Paare mit der Frau unter 40; mit den deutschen Zahlen ist das nicht direkt vergleichbar (IVF-Register 2024).

Wie hoch ist die Chance beim Kryotransfer mit 40?

Bei Frauen ab 40 führten Kryotransfers in Deutschland 2020 bis 2023 in 18,9 % zu einer klinischen Schwangerschaft (D.I.R. Jahrbuch 2024, S. 32, eigene Rechnung). Geburtenraten nach Alter veröffentlicht das Register für Kryotransfers nicht.

Ist ein Kryotransfer erfolgreicher als ein Frischtransfer?

Pro Transfer liegen beide in Deutschland nahezu gleich: 31,5 % gegenüber 30,5 % Schwangerschaften (2024), 21,9 % gegenüber 22,5 % Geburten (2023), bei nicht direkt vergleichbaren Gruppen. Alles einzufrieren erhöht die Gesamtchance auf ein Kind nicht (Cochrane 2021).

Muss ich nach dem Embryotransfer liegen?

Nein. Die ESHRE rät von Bettruhe ab, laut NICE verbessert Liegen über 20 Minuten das Ergebnis nicht (ESHRE 2022; NICE NG257).

Wie lange muss ich nach dem Kryotransfer Progesteron nehmen?

Im künstlichen Zyklus meist bis zur 10. bis 12. Schwangerschaftswoche, laut Fachinformation höchstens bis zur 12. Woche (Wei 2026; Fachinformation vaginales Progesteron). Im Zyklus mit Auslösespritze brachte Progesteron keinen gesicherten Vorteil (Saupstad 2026). Im natürlichen Zyklus ohne Spritze erhöhte vaginales Progesteron in 2 Studien mit 923 Zyklen die Geburtenrate (moderate Evidenzqualität; Erden 2026).

Was kostet ein Kryotransfer?

In Deutschland nennen Kliniken etwa 400 bis 1.100 € pro Auftauzyklus, dazu Einfrieren (etwa 350 bis 600 €) und Lagerung. In Österreich zahlen Fonds-Paare in privaten Zentren seit Juli 2026 298,29 € Selbstbehalt, Selbstzahler 1.250 € (Zech) oder ab 1.616 € (Pavlik). Das Inselspital Bern nennt 2.200 CHF, Gonadotropine extra.

Zahlt die Krankenkasse den Kryotransfer?

In Deutschland gesetzlich nicht (G-BA-Richtlinie Nr. 4 und 10), außer nach dem Einfrieren unbefruchteter Eizellen vor einer keimzellschädigenden Therapie. Einzelne Kassen zahlen freiwillig, etwa die TK 50 % für den Transfer überzähliger eingefrorener Eizellen aus einer von ihr genehmigten Behandlung. In Österreich übernimmt der IVF-Fonds 70 %, in der Schweiz zahlt die Grundversicherung nicht.

Quellen

Register

Leitlinien und Konsensuspapiere

Systematische Übersichten und Metaanalysen

Randomisierte Studien

Beobachtungsstudien

Gesetze, Richtlinien und amtliche Dokumente

Fachinformationen

Kassen und Kliniken (abgerufen im Oktober 2026)

FR

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Fertilio Redaktion

Die Fertilio Redaktion recherchiert Kinderwunsch-Themen anhand von Fachquellen wie dem Deutschen IVF-Register, medizinischen Leitlinien und Gesetzestexten. Die Quellen stehen jeweils am Ende des Artikels. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.