Teil unseres Ratgebers: Männliche Fruchtbarkeit

Deine Partnerin nimmt Folsäure, im Regal steht daneben die Packung „für ihn“, und du fragst dich, ob du auch etwas nehmen solltest. Kinderwunsch-Vitamine für den Mann werden mit Zink, Selen, L-Carnitin oder Coenzym Q10 beworben, manchmal als Partnerpackung zusammen mit dem Präparat für die Frau.

Die Studienlage ist nüchterner als die Etiketten. In zwei großen randomisierten Studien mit Kinderwunschpaaren führten Folsäure plus Zink beziehungsweise ein Kombipräparat beim Mann nicht zu mehr Geburten oder Schwangerschaften als ein Placebo (FAZST, JAMA 2020; SUMMER, JAMA Netw Open 2025). Die europäische Urologen-Leitlinie rät, Männer mit ungeklärter Unfruchtbarkeit nicht routinemäßig mit Antioxidantien zu behandeln (EAU 2026).

Mehr Gewicht haben zwei andere Dinge: ein Spermiogramm, damit du weißt, wo du stehst, und Änderungen beim Lebensstil, zu denen dieselbe Leitlinie mit starker Empfehlung rät. Hier liest du, was die Angaben auf den Packungen bedeuten, was die Studien zeigen, wo die Höchstmengen liegen und was laut Hersteller in den Männer-Präparaten steckt.

Männer-Präparate laut Hersteller im Überblick

Wir haben Kinderwunsch-Präparate für Männer erfasst und ihre Mengen mit den Höchstmengenvorschlägen des BfR verglichen.

  • 16 von 17enthalten mehr Zink als die 6,5 mg, die das BfR für Nahrungsergänzungsmittel vorschlägt.
  • 17 von 17liegen beim Selen über dem BfR-Vorschlag von 40 µg.
  • 15 von 17enthalten mehr als 200 µg Folat, den BfR-Vorschlag für Männer.
  • 12 von 17enthalten Coenzym Q10, 15 L-Carnitin.

Gezählt sind 17 Kombipräparate für Männer, ohne Präparate mit Myo-Inositol als Hauptbestandteil. Menge pro Tagesdosis laut Hersteller, Stand 4. Oktober 2026.

Beim Zink und beim Selen liegen die meisten Kombipräparate für Männer über den BfR-Vorschlägen. Einzelne Präparate enthalten pro Tagesdosis allein schon mehr Zink als die 25 mg, die als Obergrenze für die gesamte Tageszufuhr aus allen Quellen gelten (SCF 2003). Präparate mit Myo-Inositol als Hauptbestandteil zählen die Kacheln nicht mit. Sie stehen zusätzlich in der Tabelle und enthalten ebenfalls Vitamine und Mineralstoffe, teils über den BfR-Vorschlägen.

So haben wir gearbeitet: Erfasst sind Präparate, die in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ausdrücklich für den Kinderwunsch beworben werden. Die Mengen pro Tagesdosis stammen aus der Nährwerttabelle auf der Hersteller-, Apotheken- oder Drogerieseite. Jede Angabe haben wir mit wörtlichem Zitat erfasst und in einem zweiten Durchgang unabhängig an der Quelle geprüft. Produkte mit widersprüchlichen Herstellerangaben oder Nährwerten nur im Bild sind nicht enthalten. Stand ist der 4. Oktober 2026.

So liest du die Tabelle: Sie zeigt Mengen laut Hersteller, keine Laboranalyse. Rot markiert sind Mengen über dem Höchstmengenvorschlag des BfR, das ist ein Vorschlag und kein Verbot. Die Präparate stehen alphabetisch, eine Rangfolge oder Kaufempfehlung ist das nicht. Einige Produkte werden laut Hersteller als ergänzende bilanzierte Diät angeboten, das steht unter dem Namen. Diese Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke sind eine eigene Produktgruppe und zur Verwendung unter ärztlicher Aufsicht bestimmt (Delegierte Verordnung (EU) 2016/128). Die Höchstmengenvorschläge des BfR beziehen sich auf Nahrungsergänzungsmittel und gelten für sie formal nicht. Zur Orientierung vergleichen wir diese Produkte trotzdem damit.

19 Kinderwunsch-Präparate für Männer: Menge pro Tagesdosis laut Hersteller

Sortieren:

Rot: über dem Höchstmengenvorschlag des BfR für Nahrungsergänzungsmittel (6,5 mg Zink, 40 µg Selen, 200 µg Folsäure, 30 mg Vitamin E, 250 mg Vitamin C). 0: laut Etikett nicht enthalten. „Zum Produkt“ führt zur Seite, von der die Angaben stammen.

Ob ein bestimmtes Präparat die Chance auf ein Kind verändert, kann die Tabelle nicht beantworten. Ergebnisse aus Studien mit einer Rezeptur lassen sich nicht auf andere Produkte übertragen. Die Präparate für Frauen haben wir im Kinderwunsch-Präparate-Vergleich ausgewertet.

Was die zugelassenen Angaben bedeuten

Was ein Lebensmittel über Fruchtbarkeit versprechen darf, regelt die EU. Gesundheitsbezogene Angaben sind nur erlaubt, wenn sie in der Liste der Verordnung (EU) 432/2012 stehen. Wir haben die konsolidierte Fassung vom 20. August 2025 geprüft. Mit Bezug zu Fruchtbarkeit, Spermien oder Testosteron gibt es genau drei Angaben:

Nährstoff Zugelassener Wortlaut Was der Wortlaut nicht abdeckt
Zink „Zink trägt zu einer normalen Fruchtbarkeit und einer normalen Reproduktion bei“ eine Wirkung über das Normale hinaus
Zink „Zink trägt zur Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels im Blut bei“ eine Steigerung des Testosterons, der Wortlaut spricht von Erhaltung
Selen „Selen trägt zu einer normalen Spermabildung bei“ eine bessere Spermienqualität

Alle drei Angaben dürfen nur Produkte tragen, die mindestens eine „Quelle“ des Nährstoffs sind, also eine nennenswerte Menge enthalten. Für L-Carnitin, Coenzym Q10 und Lycopin gibt es überhaupt keine zugelassene Angabe. Auch sonst enthält die Liste nichts zu Fruchtbarkeit, Spermien oder Testosteron (VO (EU) 432/2012).

Auf vielen Männer-Präparaten steht zusätzlich, dass Vitamin E, Vitamin C, Zink oder Selen „dazu beitragen, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen“. Auch diese Angabe ist zugelassen. Einen Nutzen für Spermien oder für die Chance auf eine Schwangerschaft belegt sie nicht.

Begriffe wie „Kinderwunsch-Formel“ oder „für die männliche Fertilität“ sind nach EU-Recht nur erlaubt, wenn eine solche zugelassene Angabe dabeisteht (Verordnung (EG) 1924/2006, Art. 10 Abs. 3). Der Zink- oder Selen-Satz auf einer Packung beschreibt also, wofür dein Körper den Nährstoff braucht. Dass ein Produkt die Fruchtbarkeit über das Normale hinaus verbessert, sagt er nicht.

Vitamine für den Mann bei Kinderwunsch: was große Studien zeigen

Ob ein Präparat zu einem Kind führt, zeigen nur Studien, die Schwangerschaften oder Geburten zählen und nicht nur Spermienwerte. Die wichtigsten im Überblick:

Studie Wer teilnahm Was eingenommen wurde Ergebnis
FAZST (JAMA 2020) 2.370 Paare in Kinderwunschbehandlung, 4 US-Zentren 5 mg Folsäure und 30 mg Zink täglich, 6 Monate Lebendgeburt 34 % gegenüber 35 % mit Placebo, kein Unterschied
MOXI (Fertil Steril 2020) 171 Paare mit männlichem Faktor, 9 US-Zentren Antioxidantien-Kombination, unter anderem 400 mg Vitamin E, 1.000 µg Folsäure und 2.000 IE Vitamin D Lebendgeburt 15 % gegenüber 24 %, nicht signifikant, Studie vorzeitig beendet
SUMMER (JAMA Netw Open 2025) 1.171 Männer in Kinderwunschbetreuung, 21 Kliniken in den Niederlanden Kombipräparat mit Zink, Folsäure, B-Vitaminen, Betain und L-Cystin, 6 Monate fortlaufende Schwangerschaft 33,8 % gegenüber 37,5 %, kein Vorteil, vom Hersteller unterstützt
Cochrane-Übersicht 2022 90 Studien, 10.303 Männer verschiedene Antioxidantien möglicherweise mehr Lebendgeburten bei sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit, ohne Studien mit hohem Verzerrungsrisiko kein Effekt
Meta-Analyse 2025 (Nutrients) 50 placebokontrollierte Studien verschiedene Nahrungsergänzungsmittel, mindestens 12 Wochen kein Effekt auf Schwangerschaft oder Lebendgeburt

FAZST: Folsäure und Zink in hoher Dosis

In der FAZST-Studie nahmen die Männer von 2.370 Paaren in Kinderwunschbehandlung sechs Monate lang täglich 5 mg Folsäure und 30 mg Zink oder ein Placebo. Ein Kind bekamen 34 % der Paare mit Präparat und 35 % mit Placebo (Differenz minus 0,9 Prozentpunkte; 95-%-KI minus 4,7 bis 2,8). Konzentration, Beweglichkeit, Form und Volumen der Spermien unterschieden sich nicht.

Ein Wert wurde sogar schlechter. Die DNA-Fragmentation, ein Maß für Brüche in der Erbsubstanz der Spermien, lag mit Präparat im Mittel bei 29,7 %, mit Placebo bei 27,2 % (Differenz 2,4 Prozentpunkte; 95-%-KI 0,5 bis 4,4). Über alle Spermienwerte zusammen war die Ejakulatqualität in der Präparat-Gruppe signifikant schlechter, laut den Autoren vor allem wegen der DNA-Fragmentation. Bauchschmerzen (6 % gegenüber 3 %), Übelkeit (4 % gegenüber 2 %) und Erbrechen (3 % gegenüber 1 %) kamen häufiger vor.

Die Autoren schreiben, ihre Ergebnisse stützen die Einnahme von Folsäure und Zink durch den männlichen Partner zur Behandlung von Unfruchtbarkeit nicht (Schisterman, JAMA 2020). Zur Einordnung der Dosis: 30 mg Zink liegen allein schon über der Obergrenze von 25 mg pro Tag aus allen Quellen, 5 mg Folsäure sind das Fünffache der Obergrenze für Folsäure aus Präparaten (BfR 2021, BfR 2024).

MOXI: Antioxidantien bei männlichem Faktor

MOXI untersuchte in 9 US-Zentren Paare, bei denen die Ursache beim Mann gesehen wurde. Die Männer nahmen eine Antioxidantien-Kombination, unter anderem mit 400 mg Vitamin E, 1.000 µg Folsäure und 2.000 IE Vitamin D, oder ein Placebo.

Nach einer internen Pilotphase hatten sich weder die Beweglichkeit der Spermien noch die DNA-Fragmentation verbessert. Auf Empfehlung des Datensicherheitsgremiums wurde die Rekrutierung gestoppt, deshalb blieb es bei 171 Paaren. Ein Kind bekamen 13 von 85 Paaren mit Präparat (15 %) und 21 von 86 mit Placebo (24 %), der Unterschied war nicht signifikant (p = 0,14; Steiner, Fertil Steril 2020).

Die 400 mg Vitamin E lagen über der Obergrenze von 300 mg pro Tag (EFSA 2024), die 1.000 µg Folsäure genau auf der Obergrenze (BfR 2024).

SUMMER: ein Kombipräparat in niederländischen Kliniken

Die SUMMER-Studie lief doppelblind in 21 Kliniken in den Niederlanden mit 1.171 Männern in Kinderwunschbetreuung. Sechs Monate lang nahmen sie täglich ein Kombipräparat mit Betain (200 mg), L-Cystin (200 mg), Niacin (16 mg), Zink (10 mg), Vitamin B6 und B2 (je 1,4 mg), Folsäure (400 µg) und Vitamin B12 (2,5 µg) oder ein Placebo.

Eine fortlaufende Schwangerschaft innerhalb von sechs Monaten gab es bei 33,8 % der Paare mit Präparat und bei 37,5 % mit Placebo (adjustierte Odds Ratio 0,85; 95-%-KI 0,66 bis 1,09), kein signifikanter Unterschied. Spermienwerte und DNA-Fragmentation unterschieden sich nicht. Die Studie erhielt einen Forschungsgrant und die Prüfpräparate vom Hersteller.

Datenbox: Das Zeitfenster, in dem ein Effekt am ehesten zu erwarten war

Die SUMMER-Forschenden rechneten mit einem Spermienbildungszyklus von 72 Tagen. Deshalb werteten sie zusätzlich die Monate 4 bis 6 nach Studienbeginn aus. Genau dort lag die Rate fortlaufender Schwangerschaften mit dem Präparat signifikant niedriger: 15,5 % gegenüber 21,5 % mit Placebo (adjustierte Odds Ratio 0,66; 95-%-KI 0,47 bis 0,94). Die Autoren sprechen sich gegen den Einsatz des getesteten Präparats bei Männern in Kinderwunschbetreuung aus. Lebendgeburten waren bei der Veröffentlichung noch nicht ausgewertet (de Ligny, JAMA Netw Open 2025).

Das Ergebnis gilt für diese eine Rezeptur. Auf andere Präparate lässt es sich nicht übertragen, weder im Guten noch im Schlechten.

Cochrane-Übersicht 2022: viele kleine Studien

Die Cochrane-Übersicht „Antioxidants for male subfertility“ fasst 90 randomisierte Studien mit 10.303 Männern zusammen, Literatur bis Februar 2021 (de Ligny, Cochrane 2022). Es ist die aktuelle Fassung. Die Ergebnisse:

  • Lebendgeburt: Antioxidantien könnten die Rate erhöhen (Odds Ratio 1,43; 95-%-KI 1,07 bis 1,91; 12 Studien, 1.283 Männer). Bei 16 % Geburten unter Placebo entspräche das 17 bis 27 %. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz ist sehr niedrig.
  • Ohne unsichere Studien: Ließen die Autoren die Studien mit hohem Verzerrungsrisiko weg, war kein Effekt auf Lebendgeburten mehr nachweisbar (Peto-Odds-Ratio 1,22; 95-%-KI 0,85 bis 1,75; 8 Studien, 827 Männer).
  • Klinische Schwangerschaft: Odds Ratio 1,89 (95-%-KI 1,45 bis 2,47; 20 Studien, 1.706 Männer), niedrige Vertrauenswürdigkeit. Bei 15 % Ausgangsrate entspräche das 20 bis 30 %.
  • Fehlgeburten: kein Unterschied (Odds Ratio 1,46; 95-%-KI 0,75 bis 2,83; 6 Studien, sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit).
  • Nebenwirkungen: Leichte Magen-Darm-Beschwerden waren häufiger (Odds Ratio 2,70; 95-%-KI 1,46 bis 4,99; 16 Studien, 1.355 Männer; niedrige Vertrauenswürdigkeit), absolut etwa 2 % unter Placebo gegenüber 2 bis 7 %.

Die Autoren bewerten die Evidenz insgesamt als nicht schlüssig: Viele Studien sind klein, schlecht berichtet und haben hohe Abbruchraten. SUMMER erschien erst nach dem Suchzeitraum und ist nicht enthalten.

Meta-Analyse 2025: Spermienwerte sind nicht gleich Kinder

Eine Meta-Analyse von 2025 wertete 50 placebokontrollierte Studien mit mindestens 12 Wochen Dauer aus, Suche bis Mai 2024. Kein Nahrungsergänzungsmittel zeigte einen Effekt auf Schwangerschaft oder Lebendgeburt. Einzelne Spermienwerte verbesserten sich teilweise: die Konzentration unter Zink plus Folsäure, die Beweglichkeit unter Selen, Carnitin und Q10, die Form unter Alpha-Liponsäure. Die Vertrauenswürdigkeit war meist niedrig bis sehr niedrig (Michaelsen, Nutrients 2025).

Ein besserer Wert im Spermiogramm ist also nicht dasselbe wie eine höhere Chance auf ein Kind.

Was die Leitlinien sagen

Keine der drei Leitlinien, die wir ausgewertet haben, empfiehlt ein bestimmtes Präparat oder einen bestimmten Wirkstoff für Männer mit Kinderwunsch.

Leitlinie Aussage zu Vitaminen und Antioxidantien
EAU 2026 (Europäische Gesellschaft für Urologie) Männer mit ungeklärter (idiopathischer) Unfruchtbarkeit nicht routinemäßig mit Antioxidantien behandeln, schwache Empfehlung. Schlüssige Daten zum Nutzen fehlen, Spermienwerte könnten sich verbessern.
AUA/ASRM 2024 (US-Fachgesellschaften) Patienten sollen erfahren, dass der Nutzen von Supplementen klinisch fraglich ist. Für einzelne Wirkstoffe reichen die Daten nicht für eine Empfehlung. Empfehlungsstärke moderat, Evidenzgrad B.
WHO 2025 Bei Männern mit mindestens einem Spermienwert außerhalb der WHO-Referenzbereiche weder eine Empfehlung dafür noch dagegen. Die Wirkung bei bestimmten Ursachen ist unbekannt.

Deutlich wird die EAU beim Lebensstil. Sie empfiehlt stark, Männer über die schädlichen Effekte von Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und viel Alkohol auf Spermienqualität und Testosteron aufzuklären und zu Änderungen beim Lebensstil zu raten (EAU 2026). Konkrete Schritte stehen im Artikel Spermienqualität verbessern.

Einzelstoffe: Zink, Selen und Co. kurz erklärt

Stoff Zugelassene Angabe mit Fruchtbarkeitsbezug Studienlage in Kürze
Zink ja (Fruchtbarkeit und Reproduktion, Testosteronspiegel) mit Folsäure teils höhere Konzentration, kein Effekt auf Geburten (FAZST, Michaelsen 2025)
Selen ja (Spermabildung) teils bessere Beweglichkeit, kein Effekt auf Schwangerschaften gezeigt (Michaelsen 2025, Sharma 2022)
Folsäure nein zusammen mit Zink kein Vorteil bei Geburten (FAZST)
Coenzym Q10 nein widersprüchlich: eine Meta-Analyse mit Vorteil bei sehr breitem Konfidenzintervall, zwei ohne Effekt auf Schwangerschaften (Bakri 2025, Sharma 2022, Michaelsen 2025)
L-Carnitin nein kleine Effekte auf Spermienwerte bei schwacher Studienqualität, kein Unterschied bei Schwangerschaften (Sharma 2022)
Omega-3-Fettsäuren nein keine besseren Spermienwerte (Michaelsen 2025)
Vitamin C und E nein, nur Schutz der Zellen vor oxidativem Stress Vitamin E: keine besseren Spermienwerte, hoch dosiert höheres Prostatakrebsrisiko (Michaelsen 2025, SELECT 2011)
Lycopin nein eine kleine Studie an gesunden Männern, Hauptziel nicht erreicht (Williams 2020)

Zink und Kinderwunsch: was Zink für Spermien bedeutet

Für Zink gibt es gleich zwei zugelassene Angaben mit Männerbezug: „Zink trägt zu einer normalen Fruchtbarkeit und einer normalen Reproduktion bei“ und „Zink trägt zur Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels im Blut bei“ (VO (EU) 432/2012). Beides beschreibt, wofür dein Körper Zink braucht.

In FAZST brachten 30 mg Zink zusammen mit 5 mg Folsäure keine zusätzlichen Geburten, die DNA-Fragmentation stieg sogar (FAZST 2020). Welcher der beiden Stoffe dafür verantwortlich war, lässt sich aus der Studie nicht ablesen, getestet wurde nur die Kombination. In der Meta-Analyse 2025 stieg unter Zink plus Folsäure die Spermienkonzentration, bei meist niedriger Vertrauenswürdigkeit und ohne Effekt auf Schwangerschaften (Michaelsen 2025).

Bei der Menge ist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vorsichtig. Es schlägt höchstens 6,5 mg Zink pro Tagesdosis eines Nahrungsergänzungsmittels vor. Bei mehr als 3,5 mg pro Tagesdosis empfiehlt es auf der Packung den Hinweis, keine weiteren zinkhaltigen Präparate zu nehmen (BfR 2021). Der Grund ist die Obergrenze für die gesamte Zufuhr von 25 mg pro Tag (SCF 2003). Männer, die schon über das Essen viel Zink aufnehmen, können sie laut BfR bereits mit einem einzigen Präparat in Höhe der Höchstmenge überschreiten.

Selen und Kinderwunsch

„Selen trägt zu einer normalen Spermabildung bei“ ist die einzige zugelassene Angabe mit direktem Spermienbezug (VO (EU) 432/2012). In Studien besserte sich unter Selen teilweise die Beweglichkeit der Spermien, bei niedriger Vertrauenswürdigkeit (Michaelsen 2025). Eine Meta-Analyse zu Selen, Carnitin und Q10 bei Männern mit ungeklärter Unfruchtbarkeit fand keinen Unterschied bei den Schwangerschaften (Sharma, Urology 2022).

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Obergrenze für Erwachsene 2023 von 300 auf 255 µg pro Tag gesenkt. Maßgeblich war Haarausfall, abgeleitet aus der großen SELECT-Studie. Überschreiten kann man sie laut EFSA vor allem mit regelmäßig hoch dosierten Selenpräparaten oder wenn man regelmäßig Paranüsse isst (EFSA 2023). Das BfR hat daraufhin seinen Vorschlag aktualisiert: höchstens 40 µg Selen pro Tagesdosis eines Nahrungsergänzungsmittels für alle ab 15 Jahren (BfR 2024).

Folsäure: auch für den Mann?

Für Folsäure gibt es keine zugelassene Angabe zu Fruchtbarkeit oder Spermien, nur allgemeinere Angaben, etwa zur Zellteilung (VO (EU) 432/2012). Für Frauen im gebärfähigen Alter und Schwangere im ersten Drittel sieht das BfR eine Ausnahme von 400 µg pro Tag vor, zum Schutz des Kindes vor Neuralrohrdefekten. Diese Ausnahme betrifft nur Frauen. Für Männer bleibt es beim allgemeinen Vorschlag von höchstens 200 µg Folsäure pro Tagesdosis (BfR 2024). Warum Frauen Folsäure nehmen sollten, steht im Artikel Vitamine bei Kinderwunsch.

Für Folsäure aus Präparaten und angereicherten Lebensmitteln gilt für Erwachsene eine Obergrenze von 1 mg pro Tag, die EFSA hat sie 2023 beibehalten (BfR 2024). In FAZST brachte Folsäure beim Mann keinen Vorteil bei den Geburten, dort allerdings zusammen mit Zink und in sehr hoher Dosis.

Coenzym Q10

Für Q10 gibt es keine zugelassene Angabe. Die Studienlage ist widersprüchlich. Eine Meta-Analyse von 2025 wertete 9 Studien mit 781 Männern mit ungeklärter Unfruchtbarkeit aus. Unter Q10 lag die Spermienkonzentration um 10,2 Millionen pro ml höher, die Gesamtbeweglichkeit um 4,95 Prozentpunkte. Auch die Chance auf eine klinische Schwangerschaft war höher (Odds Ratio 6,02; 95-%-KI 1,97 bis 18,41; Bakri, World J Mens Health 2025).

Das sehr breite Konfidenzintervall zeigt, wie unsicher diese Schätzung ist. Lebendgeburten nennt die Zusammenfassung nicht. Zwei andere Meta-Analysen fanden keinen Effekt auf Schwangerschaften (Sharma 2022, Michaelsen 2025).

L-Carnitin

Auch für L-Carnitin gibt es keine zugelassene Angabe. In einer Meta-Analyse von 20 Studien zu Carnitin, Q10 und Selen bei Männern mit ungeklärter Unfruchtbarkeit lag die Schwangerschaftsrate bei 16,2 % gegenüber 11,2 % unter Placebo. Mit p = 0,05 lag der Unterschied genau an der üblichen Signifikanzgrenze, die Autoren werten das als keinen Unterschied. Beweglichkeit, Konzentration und Volumen besserten sich nur wenig, die Studien waren von schlechter Qualität (Sharma, Urology 2022). In der Meta-Analyse 2025 zeigte sich unter Carnitin eine bessere Beweglichkeit, ohne Effekt auf Schwangerschaften (Michaelsen 2025).

Omega-3-Fettsäuren

Für Omega-3-Fettsäuren gibt es keine zugelassene Angabe zu Fruchtbarkeit oder Spermien. In der Meta-Analyse 2025 verbesserten sie keine Spermienwerte, ebenso wenig Vitamin D und Vitamin E (Michaelsen 2025).

Vitamin C und Vitamin E

Für beide gibt es nur die allgemeine Angabe zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress. Vitamin E verbesserte in der Meta-Analyse 2025 keine Spermienwerte (Michaelsen 2025).

Hoch dosiertes Vitamin E hat ein belegtes Risiko. In der SELECT-Studie mit 34.887 ausgewerteten gesunden Männern ab 50 beziehungsweise 55 Jahren erhöhten 400 IE Vitamin E täglich das Risiko für Prostatakrebs signifikant, um rund 17 % (Hazard Ratio 1,17; 99-%-KI 1,004 bis 1,36). Absolut waren das 1,6 zusätzliche Fälle pro 1.000 Personenjahre. 200 µg Selen allein erhöhten das Risiko nicht signifikant (Hazard Ratio 1,09; Klein, JAMA 2011).

Das BfR schlägt höchstens 30 mg Vitamin E und 250 mg Vitamin C pro Tagesdosis vor und empfiehlt, Männer ab 55 Jahren darauf hinzuweisen, dass eine unkontrollierte Einnahme von Vitamin E das Prostatakrebsrisiko erhöhen kann (BfR 2021). Die Obergrenze von 300 mg Vitamin E pro Tag hat die EFSA 2024 bestätigt. Kritischer Effekt ist eine gestörte Blutgerinnung. Die Grenze gilt nicht für Menschen, die Gerinnungshemmer oder Thrombozytenaggregationshemmer wie Acetylsalicylsäure (ASS) nehmen (EFSA 2024).

Lycopin

Für Lycopin gibt es keine zugelassene Angabe. Die placebokontrollierte Studie, die wir dazu ausgewertet haben, lief an 60 gesunden jungen Männern ohne bekannte Fruchtbarkeitsprobleme. 14 mg Lactolycopin täglich über 12 Wochen veränderten das Hauptziel, die Konzentration beweglicher Spermien, nicht signifikant (p = 0,058). Der Anteil schnell vorwärts beweglicher und normal geformter Spermien stieg. Daten zu Schwangerschaften liefert die Studie nicht, der Hersteller trug die Hälfte der Studienkosten (Williams, Eur J Nutr 2020).

Höchstmengen und Risiken

Mehr ist bei Mikronährstoffen nicht automatisch besser. Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel Höchstmengen pro Tagesdosis vor. Verbindlich sind sie nicht, EU-weite Höchstmengen gibt es noch nicht.

Nährstoff BfR-Vorschlag pro Tagesdosis Was du dazu wissen solltest
Zink 6,5 mg Obergrenze aus allen Quellen 25 mg pro Tag (SCF 2003). Bei mehr als 3,5 mg pro Tagesdosis empfiehlt das BfR den Hinweis, keine weiteren Zinkpräparate zu nehmen.
Selen 40 µg Obergrenze 255 µg pro Tag (EFSA 2023). Überschreitungen vor allem durch hoch dosierte Präparate oder regelmäßigen Verzehr von Paranüssen.
Folsäure 200 µg Die Ausnahme von 400 µg gilt nur für Frauen. Obergrenze für Folsäure aus Präparaten und angereicherten Lebensmitteln 1 mg pro Tag.
Vitamin E 30 mg Obergrenze 300 mg pro Tag (EFSA 2024), gilt nicht bei Gerinnungshemmern. Für Männer ab 55 empfiehlt das BfR einen Hinweis zum Prostatakrebsrisiko.
Vitamin C 250 mg Vorschlag von 2021, laut BfR-Übersicht 2024 unverändert.

Die Vorschläge gelten pro Produkt. Nimmst du ein Kinderwunsch-Präparat, dazu ein Multivitamin und vielleicht noch Zinktabletten, addieren sich die Mengen. Wegen dieser möglichen Mehrfachverwendung empfiehlt das BfR beim Zink den Hinweis auf weitere Präparate (BfR 2021).

Testosteron und Anabolika: bei Kinderwunsch keine Option

Die zugelassene Zink-Angabe spricht von der Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels. Werbung wie „steigert Testosteron“ oder „Testo-Booster“ geht über diesen Wortlaut hinaus (VO (EU) 432/2012).

Testosteron selbst ist bei Kinderwunsch keine Lösung. Die EAU empfiehlt stark, es weder zur Behandlung männlicher Unfruchtbarkeit noch bei Männern mit Kinderwunsch einzusetzen. Testosteron von außen unterdrückt die steuernden Hormone der Hirnanhangdrüse, die eigene Testosteronbildung und die Spermienbildung (EAU 2026). Je nach Ausmaß sinkt die Spermienzahl bis zur Oligo- oder Azoospermie, also zu sehr wenigen oder gar keinen Spermien im Ejakulat. Nach dem Absetzen dauert die Erholung Monate, selten Jahre. Manche Männer erholen sich nie vollständig, bleiben unfruchtbar oder eingeschränkt fruchtbar und brauchen später eventuell eine Kinderwunschbehandlung (AUA/ASRM 2024).

Bei Anabolika-Missbrauch ist laut EAU das Absetzen der erste Schritt. Spermienzahl und Spermienqualität erholen sich meist innerhalb von 6 bis 12 Monaten. Bleibt die Störung bestehen, kommen hCG, gegebenenfalls mit FSH, oder Clomifen in Frage. Diese Empfehlungen beruhen auf Fallberichten und klinischer Erfahrung (EAU 2026). Sprich eine frühere oder laufende Einnahme offen in der andrologischen Sprechstunde an.

Wie lange es dauert: Spermienbildung und Zeitplan

Neue Spermien entstehen nicht über Nacht. Die WHO-Leitlinie von 2025 nennt für die Spermienbildung rund 74 Tage, mit einer Schwankung von etwa 2 Tagen. Ursprünglich ging man von 64 Tagen aus, und die Schätzung beruht auf wenigen, alten Studien (WHO 2025). Die SUMMER-Studie rechnete mit 72 Tagen.

Was du heute änderst, zeigt sich im Ejakulat deshalb frühestens nach etwa drei Monaten. War dein erstes Spermiogramm auffällig, schlägt die WHO vor, es frühestens nach 11 Wochen zu wiederholen, passend zur Dauer der Spermienbildung. Liegen alle Werte im Referenzbereich, hält sie eine Wiederholung nicht für nötig (WHO 2025).

Wenn du ein Präparat nimmst, beurteile es also nicht nach Gefühl oder nach vier Wochen. War dein Spermiogramm auffällig, zeigt die Wiederholung, ob sich deine Werte verändert haben. Ob eine Veränderung am Präparat liegt, kann sie allein nicht beweisen.

Wann ein Spermiogramm und eine andrologische Abklärung sinnvoller sind

Kapseln auf Verdacht beantworten die eigentliche Frage nicht: Sind deine Spermienwerte überhaupt auffällig? Das zeigt ein Spermiogramm. Wo du es machen lassen kannst und was es kostet, steht im Artikel Fruchtbarkeitstest für Männer. Wie du die Werte liest, erklärt Spermiogramm: gute Werte.

Ist das Spermiogramm auffällig, geht es um die Ursache. Für Männer mit mindestens einem Wert außerhalb der WHO-Referenzbereiche spricht die WHO keine Empfehlung für oder gegen Antioxidantien aus, ihre Wirkung bei bestimmten Ursachen ist unbekannt (WHO 2025). Eine andrologische Untersuchung sucht nach einer behandelbaren Ursache. Das gilt besonders, wenn du Testosteron oder Anabolika genommen hast oder noch nimmst (EAU 2026, AUA/ASRM 2024).

Welche medizinischen Behandlungswege es je nach Ursache gibt, steht im Artikel Fruchtbarkeit beim Mann steigern. Einen Überblick über Ursachen, Untersuchungen und Behandlungen gibt der Ratgeber männliche Fruchtbarkeit. Andrologische Praxen in deiner Nähe findest du im Andrologen-Verzeichnis.

Wenn du trotzdem ein Präparat nehmen willst

Die Entscheidung liegt bei dir. Wenn du ein Präparat nimmst, helfen diese Punkte, unnötige Risiken zu vermeiden:

  • Mengen prüfen: Vergleiche Zink, Selen, Folsäure, Vitamin E und Vitamin C mit den BfR-Vorschlägen aus der Tabelle oben.
  • Nicht stapeln: Enthält ein Präparat mehr als 3,5 mg Zink, empfiehlt das BfR, auf weitere zinkhaltige Präparate zu verzichten (BfR 2021). Multivitamine zählen mit.
  • Vitamin E ärztlich absprechen: wenn du Gerinnungshemmer oder ASS nimmst (EFSA 2024) und ab 55 Jahren wegen des Prostatakrebsrisikos (BfR 2021).
  • Nicht das Präparat der Partnerin mitnehmen: Die Ausnahme von 400 µg Folsäure gilt nur für Frauen (BfR 2024).
  • Kein Testosteron, keine Anabolika: Beides unterdrückt die Spermienbildung (EAU 2026).
  • Nicht zu früh nachmessen: War dein Spermiogramm auffällig, wiederhole es frühestens nach 11 Wochen und nicht nach Gefühl (WHO 2025).
  • Werbung einordnen: Zur Fruchtbarkeit darf ein Lebensmittel nur die drei zugelassenen Angaben zu Zink und Selen machen (VO (EU) 432/2012).

Häufige Fragen

Welche Vitamine braucht ein Mann bei Kinderwunsch?

Keine der drei ausgewerteten Leitlinien empfiehlt ein bestimmtes Präparat für Männer mit Kinderwunsch. Die EAU rät, Männer mit ungeklärter Unfruchtbarkeit nicht routinemäßig mit Antioxidantien zu behandeln, die AUA/ASRM hält den Nutzen für klinisch fraglich, und die WHO spricht keine Empfehlung dafür oder dagegen aus (EAU 2026, AUA/ASRM 2024, WHO 2025). Zugelassen sind nur drei Angaben, darunter „Zink trägt zu einer normalen Fruchtbarkeit und einer normalen Reproduktion bei“ und „Selen trägt zu einer normalen Spermabildung bei“ (VO (EU) 432/2012).

Ist Zink gut für Spermien?

Für Zink ist die Angabe „Zink trägt zu einer normalen Fruchtbarkeit und einer normalen Reproduktion bei“ zugelassen. In der FAZST-Studie brachte hoch dosiertes Zink zusammen mit Folsäure aber keine zusätzlichen Geburten: Mit 30 mg Zink plus 5 mg Folsäure täglich lag die Geburtenrate bei 34 % gegenüber 35 % mit Placebo, die DNA-Fragmentation der Spermien stieg (FAZST 2020). Für Nahrungsergänzungsmittel schlägt das BfR höchstens 6,5 mg Zink pro Tagesdosis vor (BfR 2021).

Wie viel Selen ist bei Kinderwunsch zu viel?

Das BfR schlägt höchstens 40 µg Selen pro Tagesdosis eines Nahrungsergänzungsmittels vor (BfR 2024). Als Obergrenze aus allen Quellen nennt die EFSA 255 µg pro Tag, maßgeblich war Haarausfall. Überschritten wird sie vor allem mit hoch dosierten Selenpräparaten oder wenn man regelmäßig Paranüsse isst (EFSA 2023).

Sollte der Mann bei Kinderwunsch auch Folsäure nehmen?

Keine der hier ausgewerteten Leitlinien (EAU, AUA/ASRM, WHO) empfiehlt das. In FAZST brachte Folsäure zusammen mit Zink keinen Vorteil bei den Geburten (FAZST 2020). Für Männer schlägt das BfR höchstens 200 µg Folsäure pro Tagesdosis vor. Die Ausnahme von 400 µg dient dem Schutz des Kindes vor Neuralrohrdefekten und gilt nur für Frauen (BfR 2024).

Was ist in Orthomol Fertil plus, Profertil und Proxeed enthalten?

Laut Produktangaben kombiniert Orthomol Fertil plus unter anderem Zink, Selen, Folsäure, Vitamin C und E, L-Carnitin, Coenzym Q10, Lycopin und die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. PROFERTIL male enthält L-Carnitin, L-Arginin, Q10, Vitamin E, Zink, Folsäure, Glutathion und Selen und wird als ergänzende bilanzierte Diät angeboten. Für diese Produktgruppe gelten die BfR-Vorschläge für Nahrungsergänzungsmittel formal nicht. Proxeed Plus enthält L-Carnitin und Acetyl-L-Carnitin, Q10, Vitamin C, Vitamin B12, Folsäure, Zink und Selen. Die Mengen pro Tagesdosis und welche davon über den BfR-Vorschlägen liegen, zeigt die Tabelle. Einzelne Produkte bewerten wir nicht, und Studien mit anderen Rezepturen lassen sich nicht auf ein bestimmtes Produkt übertragen.

Wie lange dauert es, bis sich Spermienwerte verändern können?

Die Spermienbildung dauert laut WHO rund 74 Tage, also gut zehn Wochen. Veränderungen durch Lebensstil oder Präparate sind im Ejakulat deshalb frühestens nach etwa drei Monaten zu erwarten. Ein auffälliges Spermiogramm sollte laut WHO frühestens nach 11 Wochen wiederholt werden, bei unauffälligem Befund ist keine Wiederholung nötig (WHO 2025).

Kann ich bei Kinderwunsch Testosteron nehmen?

Nein. Die EAU empfiehlt stark, Testosteron weder zur Behandlung männlicher Unfruchtbarkeit noch bei Kinderwunsch einzusetzen, weil es die eigene Spermienbildung unterdrückt (EAU 2026). Die Erholung nach dem Absetzen kann Monate, selten Jahre dauern, manche Männer erholen sich nie vollständig (AUA/ASRM 2024). Die zugelassene Zink-Angabe spricht nur von der Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels.

Können Vitamine für Spermien auch schaden?

In einzelnen Studien zeigten sich Nachteile. Unter 5 mg Folsäure und 30 mg Zink stieg die DNA-Fragmentation (FAZST 2020). Unter einem Kombipräparat war die Rate fortlaufender Schwangerschaften in den Monaten 4 bis 6 niedriger (SUMMER 2025). 400 IE Vitamin E täglich erhöhten bei gesunden Männern ab 50 beziehungsweise 55 Jahren das Prostatakrebsrisiko (SELECT 2011). Leichte Magen-Darm-Beschwerden sind unter Antioxidantien häufiger (Cochrane 2022).

Quellen

Recht und Höchstmengen

Leitlinien

Studien und Übersichten

Präparate-Daten

  • Kinderwunsch-Präparate für Männer: Mengen pro Tagesdosis laut Nährwerttabelle auf Hersteller-, Apotheken- oder Drogerieseiten, Quelle je Produkt in der Tabelle, eigene Erhebung mit Prüfung in zwei Durchgängen, Stand 04.10.2026.
FR

Über diesen Artikel

Fertilio Redaktion

Die Fertilio Redaktion recherchiert Kinderwunsch-Themen anhand von Fachquellen wie dem Deutschen IVF-Register, medizinischen Leitlinien und Gesetzestexten. Die Quellen stehen jeweils am Ende des Artikels. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.