Frauenmanteltee, Himbeerblättertee, Mönchspfeffer: Wenn ihr euch ein Kind wünscht, landen diese Pflanzen schnell auf dem Einkaufszettel. Frauenmanteltee bei Kinderwunsch ist dabei der Klassiker, oft weitergegeben als altes „Frauenkraut“. Auch in einer Befragung von 95 Patientinnen einer US-Kinderwunschpraxis nahmen manche Frauen Mönchspfeffer und Himbeerblätter, um ihre Fruchtbarkeit zu fördern (Friedman 2022).

Die Studienlage ist ernüchternd. Für Mönchspfeffer und Himbeerblätter stellt der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der EU-Arzneimittelbehörde EMA ausdrücklich fest, dass keine Daten zur Fruchtbarkeit vorliegen (HMPC 2014, 2018). Für Frauenmantel gibt es keine EU-Monografie (EMA, Stand 04.10.2026). Die ESCOP-Monografie nennt keine Anwendung bei Zyklus oder Fruchtbarkeit (ESCOP 2013), und bei unserer PubMed-Suche im Oktober 2026 fanden sich keine Studien am Menschen dazu.

Das heißt nicht, dass du deine Teetasse wegstellen musst. Eine warme Tasse am Abend kann ein ruhiger Moment für dich sein, in einer Zeit, die oft aus Warten besteht. Sie ersetzt aber keine Abklärung, wenn es länger nicht klappt. Und wer Himbeerblätter schon vor der Empfängnis nimmt, nimmt sie auch in den ersten Schwangerschaftswochen, solange die Schwangerschaft noch unbemerkt ist. Für diese Zeit gibt es kaum Sicherheitsdaten (HMPC 2014).

Kräuter bei Kinderwunsch auf einen Blick

Die Tabelle fasst zusammen, was Behörden und Fachverbände zu den bekanntesten Pflanzen sagen. Details und Quellen stehen in den Abschnitten darunter.

Pflanze Anerkannte Anwendung Daten zur Fruchtbarkeit Schwangerschaft
Frauenmantel Keine EU-Monografie. ESCOP: unspezifischer Durchfall, Magen-Darm-Beschwerden. Kommission E (1986): leichter Durchfall Keine Studien am Menschen, nur Tier- und Zelldaten Keine Bewertung durch das HMPC
Himbeerblätter Traditionell: leichte Menstruationskrämpfe, leichte Entzündungen in Mund und Rachen, leichter Durchfall Keine Daten (HMPC) Nicht empfohlen, Sicherheit nicht belegt
Mönchspfeffer Prämenstruelles Syndrom (PMS), leichte Beschwerden vor der Periode Keine Daten (HMPC) Nicht empfohlen
Maca Keine EMA-Monografie Studien nur zur Samenqualität, kein gesicherter Effekt Keine Bewertung gefunden

„Traditionell“ heißt bei der EMA: Die Anwendung ist wegen langjähriger Verwendung anerkannt, nicht wegen klinischer Studien (HMPC 2014).

Frauenmanteltee: Wirkung und Tradition

Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) ist in der Volksmedizin als „Frauenkraut“ bekannt, für Tee wird das Kraut verwendet. Eine EU-Monografie des HMPC gibt es für Frauenmantel nicht, im Verzeichnis pflanzlicher Stoffe der EMA fehlt er (Stand 04.10.2026).

Was zur Frauenmantel-Wirkung belegt ist

Der europäische Phytotherapie-Verband ESCOP nennt in seiner Monografie von 2013 als therapeutische Anwendungsgebiete nur unspezifischen Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden. Klinische Daten am Menschen gibt es laut ESCOP nur zu kleinen Mundgeschwüren. Die deutsche Kommission E des früheren Bundesgesundheitsamts hat Frauenmantelkraut 1986 bewertet, und zwar nur bei leichten, unspezifischen Durchfallerkrankungen (Kommission E 1986).

Zyklus, Fruchtbarkeit oder Kinderwunsch gehören nicht zu den belegten Anwendungsgebieten. Die Verwendung als Frauenkraut stammt aus der Volksmedizin (ESCOP 2013).

Frauenmanteltee und Kinderwunsch: was die Forschung zeigt

Bei einer PubMed-Suche im Oktober 2026 fanden sich keine klinischen Studien am Menschen zu Frauenmantel und Fruchtbarkeit, Zyklus oder Schwangerschaft. Die neuesten Daten stammen aus dem Labor:

  • Rattenstudie (Korun 2025): Die Tiere hatten ein künstlich ausgelöstes PCOS und bekamen 35 Tage lang täglich 50 mg Frauenmantel-Extrakt pro 100 g Körpergewicht. Die Forschenden beschreiben günstige Effekte im Tiermodell.
  • Zellversuche (Krstić 2026): Laborstudie mit einem Extrakt aus einer verwandten Art, Alchemilla alpina.

Daraus lässt sich keine Wirkung beim Menschen ableiten. Wenn du wegen PCOS nach Frauenmantel suchst: Welche Behandlungen belegt sind, steht im Artikel Schwanger werden mit PCOS.

Wie sicher ist Frauenmanteltee?

Eine EU-Monografie gibt es nicht, und die Bewertung der Kommission E von 1986 betrifft nur leichten Durchfall. Eine aktuelle behördliche Bewertung zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es nicht. Für Frauenmanteltee gilt wie für die meisten getrockneten Kräutertees in der EU ein Höchstgehalt von 200 µg Pyrrolizidinalkaloiden pro Kilogramm (VO (EU) 2023/915). Was es mit diesen Stoffen auf sich hat, erklären wir weiter unten im Abschnitt zu Pyrrolizidinalkaloiden.

Himbeerblättertee bei Kinderwunsch

Himbeerblätter (Rubus idaeus) werden vor allem mit der Geburtsvorbereitung verbunden, dazu gibt es auch die meisten Studien. Zur Fruchtbarkeit gibt es keine Daten, zur Frühschwangerschaft kaum welche.

Was die EMA anerkennt

Das HMPC erkennt in seiner Monografie von 2014 nur traditionelle Anwendungen an, die auf langjähriger Verwendung beruhen, nicht auf klinischen Studien. Sie gelten nur für Erwachsene:

Anwendung Zubereitung laut Monografie
Linderung leichter Krämpfe während der Menstruation Trockenextrakt, 113 bis 226 mg bis zu 3- bis 4-mal täglich
Leichte Entzündungen in Mund und Rachen zum Gurgeln
Leichter Durchfall Tee: 1,5 bis 8 g in 150 ml kochendem Wasser, 3-mal täglich

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburtsvorbereitung sind keine anerkannten Anwendungsgebiete (HMPC 2014). Bei der turnusmäßigen Überprüfung sichtete das HMPC 224 neue Literaturstellen aus den Jahren 2012 bis 2022. Es fand keine Daten, die die Monografie ändern würden, und in der europäischen Nebenwirkungsdatenbank EudraVigilance keine neuen Sicherheitssignale. Die Fassung von 2014 bleibt gültig (HMPC 2023).

Eine Himbeerblatt-Kapsel mit wässrigem Trockenextrakt ist inzwischen in 12 EU-Staaten als traditionelles pflanzliches Arzneimittel registriert. Anwendungsgebiet und Dosierung entsprechen der Monografie, also Menstruationskrämpfe, nicht Kinderwunsch oder Schwangerschaft (HMPC 2023).

Himbeerblättertee in der Schwangerschaft

Laut HMPC ist die Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit nicht belegt, mangels ausreichender Daten wird die Anwendung nicht empfohlen. Zur Fruchtbarkeit liegen keine Daten vor. Angemessene Tests auf Fortpflanzungsschäden wurden nicht durchgeführt, Tests auf Erbgutschäden und Krebsrisiko ebenfalls nicht (HMPC 2014).

Im Bewertungsbericht rät das HMPC Schwangeren, Himbeerblätter aus Sicherheitsgründen möglichst zu meiden. Wenn doch, dann unter Aufsicht von medizinischem Fachpersonal und nicht in Selbstmedikation. In die Bewertung gingen 153 Schwangerschaften mit und 147 ohne Himbeerblätter aus einer rückblickenden Studie und einer randomisierten Studie ein, ohne statistische Unterschiede bei den Endpunkten (HMPC 2014).

Was die Studien zur Schwangerschaft zeigen:

Studie Wer wurde untersucht Ergebnis
Simpson 2001, einzige randomisierte placebokontrollierte Studie 192 gesunde Erstgebärende mit niedrigem Risiko, ab der 32. Woche täglich 2-mal 1,2 g Himbeerblatt-Tabletten oder Placebo Keine Nebenwirkungen für Mutter und Kind. Erste Geburtsphase nicht kürzer. Zweite Phase im Mittel 9,59 Minuten kürzer, Zangengeburten 19,3 % gegenüber 30,4 %, beides statistisch nicht signifikant
Bowman 2021, systematischer Review 13 Studien von 1941 bis 2016 (Labor, Tier, Mensch) Himbeerblätter wirken auf glatte Muskulatur, auch der Gebärmutter. Humanstudien zeigten weder Schaden noch Nutzen, die Evidenz ist schwach
Bowman 2024, Beobachtungsstudie 91 Frauen in Australien, davon 44 mit Himbeerblättern Seltener medikamentöse Wehenunterstützung. Laut Autorenteam nicht verallgemeinerbar, fehlende Bedenken sind kein Sicherheitsnachweis
Muñoz Balbontín 2019, systematischer Review 74 Studien, rund 1,07 Mio. Frauen Himbeerblätter, eingenommen zur Einleitung oder Verkürzung der Geburt, waren mit Kaiserschnitt verbunden (adjustierte Odds Ratio 3,47; 95 % KI 1,45 bis 8,28). Der Befund stammt aus einer einzelnen Studie mit nur 34 Frauen, die Himbeerblätter nahmen. Ein Zusammenhang, kein Beweis für eine Ursache

Die Autorinnen und Autoren der Simpson-Studie nennen die kürzere zweite Geburtsphase klinisch bedeutsam, statistisch war sie es nicht (HMPC 2014, Bowman 2021). Das Autorenteam der neuesten Beobachtungsstudie hält eine randomisierte Studie für dringend nötig (Bowman 2024). Das Fazit des großen Reviews: Pflanzliche Mittel in Schwangerschaft und Wochenbett sollten nicht empfohlen werden, solange belastbare Sicherheitsdaten fehlen (Muñoz Balbontín 2019).

Warum das schon vor der Schwangerschaft zählt

Wer vor der Empfängnis Himbeerblätter nimmt, setzt auch die Frühschwangerschaft, in der sich die Organe bilden, diesen Pflanzen aus. Dafür gibt es kaum Sicherheitsdaten: Die einzige randomisierte Studie begann erst in der 32. Woche, in einer rückblickenden Studie nahmen Frauen Himbeerblätter unterschiedlich lange, 1 bis 32 Wochen. Das HMPC zitiert in seinem Bericht ein Fachbuch, das die Anwendung deshalb höchstens im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel für vertretbar hält. Das HMPC selbst empfiehlt die Anwendung in der Schwangerschaft nicht (HMPC 2014).

Dazu kommen Daten aus einem Tierversuch. In einer Studie mit 40 erstmals trächtigen Ratten bekam ein Teil der Tiere vom ersten Trächtigkeitstag bis zur Geburt Himbeerblatt (10 mg pro kg Körpergewicht am Tag), die übrigen Gruppen die Pflanzenstoffe Kaempferol oder Quercetin oder nichts. Unter Himbeerblatt dauerte die Trächtigkeit signifikant länger. Es zeigte sich ein Trend zu weniger erfolgreichen Trächtigkeiten (78 % gegenüber 100 % in der Kontrollgruppe), und die weiblichen Nachkommen kamen signifikant früher in die Pubertät. Die Autoren forderten dringend weitere Sicherheitsprüfungen (Johnson 2009, zitiert im HMPC-Bericht 2014). Tierdaten lassen sich nicht direkt auf Menschen übertragen, Humandaten zur Fruchtbarkeit gibt es aber nicht.

Eine US-Datenbank für pflanzliche Mittel, die in einer Studie aus einer Kinderwunschpraxis genutzt wurde, stuft Himbeerblätter ohne direkte ärztliche Aufsicht als „wahrscheinlich unsicher in der Schwangerschaft“ ein (Friedman 2022). Die Einstufung stammt aus dieser Datenbank, nicht aus eigenen Studien.

Schwanger werden mit Mönchspfeffer: was belegt ist

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) gibt es als Pulver, Tinktur oder Trockenextrakt. Die EU-Monografie von 2018 kennt ein einziges Anwendungsgebiet: das prämenstruelle Syndrom (PMS). Ein bestimmter Trockenextrakt, 20 mg einmal täglich über 3 Monate, gilt dafür als allgemein medizinisch anerkannt. Die übrigen Zubereitungen gelten nur als traditionelle Mittel bei leichten Beschwerden in den Tagen vor der Periode (HMPC 2018).

Kinderwunsch, Zyklusstörungen und Gelbkörperschwäche sind keine anerkannten Anwendungsgebiete, zur Fruchtbarkeit liegen laut HMPC keine Daten vor (HMPC 2018). Die Monografie wird derzeit überprüft, der Aufruf für neue Daten lief 2024. Eine überarbeitete Fassung ist noch nicht veröffentlicht, die von 2018 gilt weiter (EMA, Stand 04.10.2026).

Was die oft zitierten Studien zeigen

  • Gelbkörperschwäche (Milewicz 1993): 37 ausgewertete Frauen mit Gelbkörperschwäche bei leicht erhöhtem Prolaktin. Unter Mönchspfeffer verlängerte sich die zweite Zyklushälfte von 5,5 auf 10,5 Tage, unter Placebo blieb sie bei 3,4 Tagen. Schwangerschaft war kein Endpunkt. Das HMPC hält die Studie wegen der fragwürdigen Testmethode nicht für ausreichend, um eine Anwendung bei Gelbkörperschwäche zu begründen (HMPC 2018).
  • Homöopathische Mischung (Gerhard 1998): laut Hersteller aus sechs Bestandteilen, darunter Mönchspfeffer, 96 Frauen mit Fruchtbarkeitsstörungen. Ein zusammengesetzter Endpunkt wurde häufiger erreicht als mit Placebo (57,6 % gegenüber 36,0 %), der Unterschied war aber nicht signifikant (p = 0,069). Insgesamt wurden 15 Frauen schwanger. Zahlen je Gruppe nennt die Zusammenfassung nicht, nur dass in den Untergruppen mit ausbleibender Periode oder Gelbkörperschwäche unter dem Präparat mehr als doppelt so viele Frauen schwanger wurden, ohne Angabe zur statistischen Signifikanz. Ein Mitglied des Autorenteams wird in einer späteren Veröffentlichung der Forschungsabteilung des Herstellers zugeordnet (Gorkow 2002).
  • Zweites homöopathisches Kombinationspräparat mit Mönchspfeffer (Bergmann 2000): 67 Frauen. In der Gesamtgruppe gab es keinen signifikanten Effekt, ein Unterschied zeigte sich nur in der Untergruppe mit seltener Periode. Auch die Geburtenrate unterschied sich nicht signifikant.
  • Nahrungsergänzung mit vielen Zutaten (Westphal 2006): Mönchspfeffer, Grüntee-Extrakt, L-Arginin, Vitamine und Mineralstoffe. Ein Mitglied des Autorenteams leitete beim Hersteller des Präparats Forschung und Entwicklung. Nach 3 Monaten waren 14 von 53 Frauen (26 %) schwanger, unter Placebo 4 von 40 (10 %; p = 0,01). Eine kleine Einzelstudie mit Herstellerbeteiligung, der Effekt lässt sich nicht dem Mönchspfeffer zuordnen.
  • Review (van Die 2013): Keine der 12 eingeschlossenen randomisierten Studien zu Mönchspfeffer als Einzelwirkstoff untersuchte Unfruchtbarkeit.

Wie Mönchspfeffer wirkt, ist laut HMPC nicht bekannt. In vorklinischen Studien hemmte Mönchspfeffer die Freisetzung von Prolaktin. Dass er erhöhtes Prolaktin beim Menschen senkt, ist aber nicht schlüssig belegt (HMPC 2018).

Sicherheit von Mönchspfeffer

  • Schwangerschaft und Stillzeit: nicht empfohlen. Daten bei Schwangeren fehlen, die Tierstudien reichen nicht aus. In der Stillzeit ist ein Risiko für das Kind nicht auszuschließen (HMPC 2018).
  • Wechselwirkungen: Mit Dopamin-Agonisten, Dopamin-Antagonisten, Östrogenen und Antiöstrogenen sind Wechselwirkungen nicht auszuschließen. Wer solche Arzneimittel nimmt, soll vorher ärztlichen Rat einholen (HMPC 2018).
  • Vorsicht: bei einer Hypophysenerkrankung in der Vorgeschichte und bei (früherem) östrogenempfindlichem Krebs vorher ärztlich Rücksprache halten. Bei prolaktinbildenden Hypophysentumoren kann Mönchspfeffer die Symptome verdecken (HMPC 2018).
  • Nebenwirkungen: schwere allergische Reaktionen mit Schwellung im Gesicht, Atem- und Schluckbeschwerden, außerdem Hautausschlag, Akne, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Bauchschmerzen und Menstruationsstörungen, Häufigkeit unbekannt (EMA). Laut einem Review waren die Nebenwirkungen mild und bildeten sich zurück (Daniele 2005).

Für Frauen in Kinderwunschbehandlung interessant ist ein Fallbericht: Eine Frau nahm in einem IVF-Zyklus ohne Hormonstimulation ein Mischpräparat mit Mönchspfeffer. Es entwickelten sich 4 Follikel, mit Zeichen einer leichten Überstimulation. Das Präparat enthielt allerdings weitere Pflanzen, das HMPC sieht keinen Beleg, dass Mönchspfeffer der Auslöser war (Cahill 1994, zitiert im HMPC-Bericht 2018).

Was hinter einer kurzen zweiten Zyklushälfte steckt und was dagegen belegt ist, erklärt der Artikel Gelbkörperschwäche. Wie Mönchspfeffer neben Folsäure und anderen Nährstoffen einzuordnen ist, steht im Artikel Vitamine bei Kinderwunsch.

Weitere Kinderwunsch-Tees und Pflanzen

Maca: Die Studien betreffen vor allem die Samenqualität beim Mann. Ein systematischer Review fand dazu nur 5 kleine randomisierte Studien. In der Metaanalyse aus 2 dieser Studien zeigte sich kein gesicherter Effekt auf die Spermienkonzentration gegenüber Placebo (Mittelwertdifferenz 2,22; p = 0,4). Die übrigen Ergebnisse bei unfruchtbaren und gesunden Männern waren uneinheitlich (Lee 2022). Randomisierte Studien zur weiblichen Fruchtbarkeit haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden, eine EMA-Monografie gibt es nicht. Mehr zur männlichen Seite: Vitamine für den Mann bei Kinderwunsch.

Rotklee: Für Rotklee haben wir bei unserer Recherche im Oktober 2026 weder eine EMA-Monografie noch Studien am Menschen zur Fruchtbarkeit gefunden.

Fencheltee und andere Kräutertees: In seinen Empfehlungen von 2026 rät das Netzwerk Gesund ins Leben Schwangeren, Kräutertees möglichst abwechselnd mit anderen Getränken zu trinken, vor allem mit Wasser. So sinkt die Belastung mit Pyrrolizidinalkaloiden und mit Estragol, das unter anderem in Fencheltee steckt. Für estragolhaltige pflanzliche Arzneimittel empfiehlt das HMPC Schwangeren und Stillenden, sie nicht anzuwenden, wenn dadurch mehr als 0,05 mg Estragol am Tag aufgenommen werden (Gesund ins Leben 2026).

Teemischungen als „Kinderwunschtee“: Hier lohnt der Blick auf die Zutatenliste. Jede Pflanze darin hat ihre eigene Datenlage, und für Himbeerblätter oder Mönchspfeffer gelten die Hinweise zur Schwangerschaft auch in einer Mischung.

Pyrrolizidinalkaloide: worauf du bei Kräutertee achten solltest

Wenn du täglich mehrere Tassen Frauenmantel- oder Himbeerblättertee trinkst, ist dieser Abschnitt der wichtigste. Bei Jugendlichen und Erwachsenen stammt die Aufnahme von Pyrrolizidinalkaloiden (PA) vor allem aus Kräutertee und Rooibostee (BfR 2022).

Warum PA ein Thema sind: Bestimmte PA, die 1,2-ungesättigten, können die Leber schädigen und wirken im Tierversuch erbgutverändernd und krebsauslösend. Einen sicheren Schwellenwert gibt es nicht. Deshalb gilt der Grundsatz, die Aufnahme so gering wie vernünftigerweise möglich zu halten (BfR 2020).

Die gute Nachricht: Die Gehalte in Kräuter-, Kamillen- und Rooibostee sind zwischen 2015 und 2019 deutlich gesunken. Die geschätzte Gesamtaufnahme gilt laut Bundesinstitut für Risikobewertung als wenig bedenklich, bei Menschen, die besonders viel davon verzehren, allerdings nur knapp (BfR 2020).

Was das BfR rät: Schwangere und Stillende sollen Kräutertee und Tee abwechselnd mit anderen Getränken trinken. Das gilt auch für alle, die ihren Flüssigkeitsbedarf überwiegend mit Kräutertee decken (BfR 2022).

Laut BfR gelten seit dem 1. Juli 2022 in der EU Höchstgehalte für PA (VO (EU) 2023/915, zuerst VO (EU) 2020/2040):

Produkt Höchstgehalt PA
Getrocknete Kräutertees, auch Frauenmantel- und Himbeerblättertee 200 µg/kg
Rooibos, Anis, Zitronenmelisse, Kamille, Thymian, Pfefferminze, Zitronenverbene 400 µg/kg
Nahrungsergänzungsmittel mit pflanzlichen Zubereitungen 400 µg/kg
Tees für Säuglinge und Kleinkinder 75 µg/kg

Pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel mit hohen PA-Gehalten können laut BfR bei Erwachsenen einen großen Teil der gesamten PA-Aufnahme ausmachen. In der Schätzung von 2020 sind sie nicht berücksichtigt, und ihr Höchstgehalt liegt doppelt so hoch wie der für getrockneten Kräutertee (BfR 2022). Messwerte speziell für Frauenmantel- oder Himbeerblättertee haben wir in den Bewertungen des BfR nicht gefunden.

Was Leitlinien zu Kräutern bei Kinderwunsch sagen

Keine der hier ausgewerteten Leitlinien empfiehlt Frauenmantel, Himbeerblätter oder Mönchspfeffer bei Kinderwunsch.

  • NICE (2026): Menschen mit Sorge um ihre Fruchtbarkeit sollen erfahren, dass die Wirksamkeit komplementärer Therapien bei Fruchtbarkeitsproblemen nicht angemessen untersucht ist. Vor einer Empfehlung braucht es weitere Forschung (NICE NG257, 1.14).
  • ESHRE (2023): Für die künstliche Befruchtung werden Akupunktur, chinesische und pflanzliche Arzneimittel sowie andere komplementäre Therapien nicht empfohlen. Die ESHRE zitiert zwar eine Metaanalyse mit Evidenz niedriger Qualität für einen möglichen Nutzen pflanzlicher Mittel auf die Lebendgeburtenrate bei IVF oder ICSI (relatives Risiko 1,34; 95 % KI 1,05 bis 1,72; 5 Studien, 837 Teilnehmende; Kwon 2020), überwiegend chinesische Kräutermedizin. Weil robuste randomisierte Studien mit langer Nachbeobachtung fehlen, bleibt es bei der Empfehlung dagegen. Zu Mönchspfeffer, Himbeerblättern oder Frauenmantel äußert sich die ESHRE nicht eigens.
  • Internationale PCOS-Leitlinie (2023): Sie enthält keine Empfehlung für Mönchspfeffer, Frauenmantel oder andere Heilpflanzen. Komplementäre Therapien kommen nur im Kapitel zu Inositol vor: Frauen, die Inositol oder andere komplementäre Mittel nehmen, werden ermutigt, ihre behandelnde Fachperson zu informieren. Gleichzeitig sollen sie Zugang zu unabhängiger Information haben, und ihre Präferenzen sollen respektiert werden (Teede 2023). Was zu Inositol bekannt ist, steht im Artikel Myo-Inositol bei Kinderwunsch.
  • Netzwerk Gesund ins Leben (2026): Frauen mit Kinderwunsch sollen ihre Medikamente ärztlich abklären lassen. Schwangere sollen ohne ärztliche Rücksprache keine Nahrungsergänzungsmittel, frei verkäuflichen Arzneimittel oder „Naturpräparate“ einnehmen (Gesund ins Leben 2026). Mönchspfeffer, Himbeerblätter oder Frauenmantel nennen die Empfehlungen nicht eigens. Nach unserer Einschätzung gilt der Hinweis aber auch für solche Präparate, wenn du sie über die Empfängnis hinaus nimmst.

Tee, Nahrungsergänzung oder Arzneimittel: woran du Angaben erkennst

Dieselbe Pflanze kann als Arzneimittel oder als Lebensmittel im Handel sein. Auf der Packung erkennst du das an einer Zulassungs- oder Registrierungsnummer, etwa mit dem Hinweis „Traditionelles pflanzliches Arzneimittel“, oder an der Angabe „Nahrungsergänzungsmittel“.

  • Arzneimittel gelten nur für die Anwendungsgebiete ihrer Zulassung oder Registrierung. Traditionelle pflanzliche Arzneimittel sind wegen langjähriger Verwendung registriert, nicht wegen nachgewiesener Wirksamkeit. Bei Mönchspfeffer gibt es zugelassene Arzneimittel mit dem PMS-Trockenextrakt und traditionelle Arzneimittel für leichte Beschwerden vor der Periode, bei der registrierten Himbeerblatt-Kapsel sind es Menstruationskrämpfe (HMPC 2018, HMPC 2023). Kinderwunsch gehört bei keinem dazu.
  • Lebensmittel, also Tees und Nahrungsergänzungsmittel ohne Arzneimittelstatus, dürfen laut EU-Recht nicht mit der Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer Krankheit beworben werden (LMIV, Art. 7). Die WHO zählt Unfruchtbarkeit zu den Krankheiten (WHO). Gesundheitsbezogene Angaben zu Pflanzenstoffen („Botanicals“) hat die EFSA grundsätzlich noch nicht abschließend bewertet (VO (EU) 432/2012, Erwägungsgrund 10).

Wenn ein Produkt also verspricht, beim Schwangerwerden zu helfen, ist das kein Beleg für eine Wirkung. Wie sich Kinderwunsch-Präparate in ihren Inhaltsstoffen unterscheiden, zeigt unser Kinderwunsch-Präparate-Vergleich.

Tee als Ritual: was du tun kannst

Wenn dir eine Tasse Tee am Abend guttut, ist das ein Ritual, das dir niemand nehmen muss. Ein paar Punkte, die du dabei beachten kannst:

  • Abwechseln: Trink Kräutertee abwechselnd mit Wasser und anderen Getränken, vor allem, wenn du schwanger sein könntest (BfR 2022, Gesund ins Leben 2026).
  • Himbeerblätter und Mönchspfeffer: Beide werden in der Schwangerschaft nicht empfohlen (HMPC 2014, 2018). Wenn ihr aktiv versucht, schwanger zu werden, sprich die Einnahme mit deiner Frauenärztin ab. Frauen mit Kinderwunsch sollen ihre Medikamente ohnehin ärztlich abklären lassen (Gesund ins Leben 2026).
  • In Kinderwunschbehandlung: Sag deiner Praxis, welche Tees, Pflanzen und Präparate du nimmst. Bei Mönchspfeffer sind Wechselwirkungen mit Östrogenen, Antiöstrogenen und Dopamin-Wirkstoffen nicht auszuschließen (HMPC 2018, Teede 2023).
  • Kapseln und Extrakte: Nimm sie in der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Rücksprache ein (Gesund ins Leben 2026).

Und wenn es länger nicht klappt, ist eine ärztliche Abklärung beider Partner der nächste Schritt. Ab wann sie sinnvoll ist und welche Untersuchungen dazugehören, erklärt der Ratgeber unerfüllter Kinderwunsch.

Häufige Fragen

Hilft Frauenmanteltee beim Schwangerwerden?

Dafür gibt es keinen Beleg. Studien am Menschen zu Frauenmantel und Fruchtbarkeit, Zyklus oder Schwangerschaft fehlen, die neuesten Daten stammen aus Ratten- und Zellversuchen. Die ESCOP nennt als Anwendungsgebiete nur unspezifischen Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden (ESCOP 2013, Korun 2025, Krstić 2026).

Welche Wirkung hat Frauenmantel?

Die ESCOP nennt als Anwendungsgebiete nur unspezifischen Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden, Humandaten gibt es zu kleinen Mundgeschwüren. Die deutsche Kommission E bewertete Frauenmantelkraut 1986 ebenfalls nur bei leichtem Durchfall. Die Verwendung als Frauenkraut bei Zyklus oder Kinderwunsch stammt aus der Volksmedizin. Eine EU-Monografie gibt es nicht (ESCOP 2013, Kommission E 1986).

Darf ich Frauenmanteltee in der Schwangerschaft trinken?

Eine aktuelle behördliche Bewertung der Sicherheit in der Schwangerschaft gibt es nicht: Das HMPC hat keine EU-Monografie zu Frauenmantel erstellt, die deutsche Kommission E bewertete 1986 nur die Anwendung bei leichtem Durchfall. Für alle Kräutertees rät das Netzwerk Gesund ins Leben Schwangeren, sie abwechselnd mit anderen Getränken zu trinken, vor allem mit Wasser. Präparate wie Kapseln oder Extrakte solltest du in der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Rücksprache nehmen (Gesund ins Leben 2026).

Ist Himbeerblättertee bei Kinderwunsch sinnvoll?

Zur Fruchtbarkeit liegen keine Daten vor. In der Schwangerschaft empfiehlt das HMPC die Anwendung nicht, weil die Sicherheit nicht belegt ist. Wer Himbeerblätter schon vor der Empfängnis nimmt, setzt auch die Frühschwangerschaft diesen Pflanzen aus, und dafür gibt es kaum Sicherheitsdaten. Die einzige randomisierte Studie begann erst in der 32. Woche (HMPC 2014, Simpson 2001).

Kann Mönchspfeffer beim Schwangerwerden helfen?

Belegt ist das nicht. Die EMA führt Mönchspfeffer nur beim prämenstruellen Syndrom und stellt fest, dass keine Daten zur Fruchtbarkeit vorliegen. Positive Studien prüften entweder Mischpräparate, teils mit Beteiligung des Herstellers, deren Effekt sich nicht dem Mönchspfeffer zuordnen lässt, oder hatten Schwangerschaft nicht als Ziel. In der Schwangerschaft wird Mönchspfeffer nicht empfohlen (HMPC 2018, Westphal 2006).

Welcher Tee ist bei Kinderwunsch empfehlenswert?

Für keinen Kräutertee ist belegt, dass er die Chance auf eine Schwangerschaft erhöht. NICE weist darauf hin, dass komplementäre Therapien bei Fruchtbarkeitsproblemen nicht angemessen untersucht sind. Wenn du gern Tee trinkst, wechsle Kräutertee mit Wasser und anderen Getränken ab, um die Aufnahme von Pyrrolizidinalkaloiden gering zu halten (NICE NG257, BfR 2022).

Wie viel Kräutertee am Tag ist unbedenklich?

Eine Höchstzahl an Tassen nennen die hier ausgewerteten Quellen nicht. Für Pyrrolizidinalkaloide kennt das BfR keinen sicheren Schwellenwert und rät, die Aufnahme möglichst gering zu halten. Für die meisten getrockneten Kräutertees, darunter Frauenmantel- und Himbeerblättertee, gilt in der EU ein Höchstgehalt von 200 µg PA pro Kilogramm, für einige Sorten wie Kamille oder Pfefferminze 400 µg. Wer den Flüssigkeitsbedarf überwiegend mit Kräutertee deckt, soll laut BfR mit anderen Getränken abwechseln (BfR 2020, BfR 2022, VO (EU) 2023/915).

Darf ich während einer Kinderwunschbehandlung Kräuter nehmen?

Sprich das mit deiner Praxis ab. Die ESHRE empfiehlt pflanzliche Arzneimittel bei künstlicher Befruchtung nicht, und bei Mönchspfeffer sind Wechselwirkungen mit Östrogenen, Antiöstrogenen und Dopamin-Wirkstoffen nicht auszuschließen. Die PCOS-Leitlinie ermutigt Frauen, ihre behandelnde Fachperson über komplementäre Mittel zu informieren (ESHRE 2023, HMPC 2018, Teede 2023).

Quellen

Monografien und Bewertungen

Leitlinien und Empfehlungen

Pyrrolizidinalkaloide

Recht

Studien zu Mönchspfeffer

Studien zu Himbeerblättern, Frauenmantel und weiteren Pflanzen

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Fertilio Redaktion

Die Fertilio Redaktion recherchiert Kinderwunsch-Themen anhand von Fachquellen wie dem Deutschen IVF-Register, medizinischen Leitlinien und Gesetzestexten. Die Quellen stehen jeweils am Ende des Artikels. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.