Dein Zyklus beginnt am ersten Tag der Periode und endet am Tag vor der nächsten. In dieser Zeit reift im Eierstock ein Follikel heran, der Eisprung setzt eine Eizelle frei, und die Gebärmutterschleimhaut stellt sich auf eine mögliche Schwangerschaft ein. Bleibt sie aus, beginnt mit der nächsten Blutung alles von vorn. Gesteuert wird dieser Ablauf von vier Hormonen: FSH, LH, Östradiol und Progesteron (Reed und Carr 2018).
Datenbox: Der Zyklus in Zahlen
In einer Auswertung von 612.613 Zyklen aus einer Zyklus-App dauerte ein Zyklus im Mittel 29,3 Tage, nur 13 % der Zyklen waren genau 28 Tage lang. Die Zeit bis zum Eisprung lag im Mittel bei 16,9 Tagen und bei 95 % der Zyklen zwischen 10 und 30 Tagen. Die Zeit danach dauerte im Mittel 12,4 Tage, die Blutung 4 Tage (Bull 2019, vom App-Anbieter finanziert).
Was ist der Menstruationszyklus?
Der Menstruationszyklus umfasst die Tage vom ersten Tag einer Blutung bis zum Beginn der nächsten (Reed und Carr 2018). Zyklustag 1 ist also immer der erste Tag der Periode (WHO 2022).
Der Takt kommt aus dem Gehirn. Der Hypothalamus gibt das Steuerhormon GnRH in Stößen ab, die Hirnanhangdrüse antwortet mit FSH und LH, und die Eierstöcke bilden daraufhin Östradiol und Progesteron. Diese wirken wieder auf Gehirn und Gebärmutter zurück. Medizinisch hat der Zyklus zwei Hälften: die Follikelphase vom ersten Tag der Periode bis zum Eisprung und die Lutealphase vom Eisprung bis zur nächsten Periode (Reed und Carr 2018). Die Periode gehört damit zur Follikelphase. Im Alltag teilt man den Zyklus meist in vier Abschnitte ein: Menstruation, Follikelphase, Eisprung und Lutealphase.
Die Zyklusphasen im Überblick
Die Tage in der Tabelle beziehen sich auf einen Zyklus von 28 Tagen. Solche Zyklen hatten in der App-Auswertung im Mittel eine Follikelphase von 15,4 und eine Lutealphase von 12,6 Tagen (Bull 2019). Ist dein Zyklus länger oder kürzer, verschiebt sich vor allem der Eisprung.
| Phase | Typische Tage bei 28 Tagen | Führende Hormone | Was im Körper passiert | Was du merken kannst |
|---|---|---|---|---|
| Menstruation | Tag 1 bis etwa 5, normal sind 2 bis 7 Tage | Progesteron und Östradiol niedrig, FSH steigt | Die oberen Schichten der Gebärmutterschleimhaut lösen sich und werden ausgeschieden | Blutung, oft Krämpfe im Unterleib |
| Follikelphase | Tag 1 bis zum Eisprung, im Mittel gut 15 Tage | FSH, dann steigendes Östradiol | Mehrere Follikel wachsen, einer setzt sich durch, die Schleimhaut baut sich neu auf | Zervixschleim wird sichtbar oder als Feuchtigkeit spürbar, sobald die fruchtbare Zeit beginnt |
| Eisprung | 10 bis 16 Tage vor der nächsten Periode, bei 28 Tagen also etwa Tag 12 bis 18 | LH-Gipfel, kurz davor Östradiol-Gipfel | Der Follikel platzt, die Eizelle wandert in den Eileiter und ist etwa 24 Stunden befruchtungsfähig | klarer, glatter, dehnbarer Schleim, bei manchen einseitiges Ziehen im Unterbauch |
| Lutealphase | vom Eisprung bis zur Periode, normal 11 bis 17 Tage | Progesteron, dazu Östradiol | Der Gelbkörper bildet Progesteron und bereitet die Schleimhaut auf eine Einnistung vor | Basaltemperatur 0,2 bis 0,5 °C höher, Schleim klebrig oder trocken, vor der Periode oft Brustspannen oder Stimmungsschwankungen |
Quellen der Tabelle: Reed und Carr 2018, Bull 2019, NHS, WHO 2022, ASRM 2026, familienplanung.de 2026, MedlinePlus 2025.
Menstruation
Ohne Schwangerschaft lässt die Arbeit des Gelbkörpers nach, Progesteron und Östradiol sinken. Die kleinen Spiralarterien der Schleimhaut ziehen sich zusammen, die oberen Schichten werden schlechter durchblutet und lösen sich. Gleichzeitig setzt die Schleimhaut Prostaglandine frei, die die Gebärmutter sich zusammenziehen lassen (Reed und Carr 2018). Diese Kontraktionen spürst du als Regelschmerzen.
Die Blutung dauert laut NHS 2 bis 7 Tage, meist etwa 5, am stärksten ist sie an den ersten beiden Tagen. Insgesamt gehen etwa 20 bis 90 ml Blut verloren (NHS).
Die nächste Runde hat da schon begonnen: Innerhalb von 2 Tagen nach Beginn der Blutung regt Östrogen aus den neu wachsenden Follikeln an, dass sich die Schleimhaut erneuert (Reed und Carr 2018).
Follikelphase
In den ersten 4 Zyklustagen holt FSH eine Gruppe von Follikeln ins Wachstum. Zwischen Tag 5 und 7 wird einer davon ausgewählt, ab etwa Tag 8 setzt er sich durch und bremst die übrigen, die sich zurückbilden. Dieser dominante Follikel bildet immer mehr Östradiol (Reed und Carr 2018). Die Schleimhaut wird dicker. Sobald du Zervixschleim siehst oder als Feuchtigkeit spürst, kannst du fruchtbar sein (WHO 2022).
Die Follikelphase ist der Teil des Zyklus, der am stärksten schwankt. In der App-Auswertung lag sie bei 95 % der Zyklen zwischen 10 und 30 Tagen, die Lutealphase dagegen zwischen 7 und 17 Tagen (Bull 2019). Kommt deine Periode früher oder später als sonst, hat sich deshalb meist der Eisprung verschoben.
Eisprung
Erreicht Östradiol eine kritische Höhe, kehrt sich seine Wirkung auf die Hirnanhangdrüse um: Es bremst LH nicht mehr, sondern löst den steilen LH-Anstieg aus. Der Follikel ist dann im Ultraschall fast immer größer als 15 mm (Reed und Carr 2018). In einer WHO-Studie, in der die Eierstöcke bei einer Operation direkt untersucht wurden, erreichte Östradiol im Median 24 Stunden vor dem Eisprung seinen Gipfel. Der LH-Anstieg begann im Median 32 Stunden vorher (WHO 1980).
Nach dem Eisprung kann die Eizelle etwa 24 Stunden lang befruchtet werden (familienplanung.de 2026). Rund um den Eisprung ist der Zervixschleim klar, glatt, dehnbar und nass (WHO 2022). Manche Frauen spüren den Eisprung als einseitigen Schmerz im Unterbauch, den Mittelschmerz, der von Monat zu Monat die Seite wechseln kann (MedlinePlus 2025). Welche Zeichen es gibt und wie verlässlich sie sind, erklärt der Ratgeber Eisprung-Anzeichen.
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Lutealphase
Aus dem leeren Follikel entsteht der Gelbkörper. Er bildet vor allem Progesteron, das die vom Östrogen aufgebaute Schleimhaut auf die Einnistung eines Embryos vorbereitet (Reed und Carr 2018). Progesteron erreicht 6 bis 8 Tage nach dem Eisprung seinen Gipfel (ASRM 2026) und hebt die Körpertemperatur leicht an (Bull 2019): Die Basaltemperatur liegt in dieser Zeit 0,2 bis 0,5 °C höher, der Zervixschleim wird klebrig oder trocken (WHO 2022). In den Wochen vor der Periode kennen die meisten Frauen zumindest zeitweise Beschwerden wie Brustspannen, Blähungen, Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen (NHS).
Die Lutealphase dauert im Mittel 14 Tage, normal sind 11 bis 17 Tage (ASRM 2026). Der Gelbkörper arbeitet nur, solange LH ihn stützt oder ein Embryo das Schwangerschaftshormon hCG bildet. Sonst bildet er sich zurück, Progesteron fällt ab, und die nächste Periode setzt ein (Reed und Carr 2018).
Dauert die zweite Zyklushälfte 10 Tage oder weniger, spricht die ASRM von einer Gelbkörperschwäche (ASRM 2026). Was dahintersteckt und was über Progesteron belegt ist, liest du im Ratgeber Gelbkörperschwäche.
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Hormone im Zyklus
FSH und LH kommen aus der Hirnanhangdrüse, Östradiol und Progesteron aus dem Eierstock. Zusammen bestimmen sie, wann ein Follikel reift, wann der Eisprung kommt und wann die Periode einsetzt.
| Hormon | Gebildet in | Aufgabe im Zyklus | Verlauf |
|---|---|---|---|
| FSH (follikelstimulierendes Hormon) | Hirnanhangdrüse | bringt eine Gruppe von Follikeln zum Wachsen | steigt am Ende des Vorzyklus, sinkt in der Follikelphase, kleiner Gipfel kurz vor dem Eisprung |
| LH (luteinisierendes Hormon) | Hirnanhangdrüse | löst den Eisprung aus, hält den Gelbkörper in Gang | niedrig zu Beginn, steigt ab Mitte der Follikelphase, steiler Gipfel vor dem Eisprung |
| Östradiol (wichtigstes Östrogen) | wachsender Follikel, später Gelbkörper | baut die Schleimhaut auf, löst den LH-Gipfel aus | steigt bis etwa einen Tag vor dem Eisprung, fällt, zweiter kleinerer Anstieg in der Lutealphase |
| Progesteron | Gelbkörper | bereitet die Schleimhaut auf die Einnistung vor, hebt die Temperatur | niedrig bis zum Eisprung, Gipfel 6 bis 8 Tage danach, Abfall vor der Periode |
Quellen der Tabelle: Reed und Carr 2018, WHO 1980, ASRM 2026, Bull 2019.
Die Hormone halten sich gegenseitig in Schach. Steigendes Östradiol und Inhibin B, ein weiteres Hormon aus dem wachsenden Follikel, drücken FSH in der Follikelphase nach unten. Erst wenn Östradiol lange genug hoch ist, schaltet die Rückkopplung um und LH schießt nach oben (Reed und Carr 2018). Weil die Hirnanhangdrüse in Pulsen arbeitet und sich Frequenz und Höhe der Pulse mit der Zyklusphase ändern, ist ein einzelner Hormonwert immer eine Momentaufnahme. Welche Referenzbereiche je Phase gelten und was hohe oder niedrige Werte bedeuten können, steht im Ratgeber LH-Wert.
Für die Kinderwunsch-Abklärung werden die Hormone deshalb zu festen Zeiten bestimmt. LH, FSH, Prolaktin, TSH, männliche Hormone wie Testosteron und AMH misst die Praxis laut deutschsprachiger Leitlinie am 2. bis 5. Zyklustag, bei fehlender Follikelreifung unabhängig vom Zyklustag (AWMF 015-085). Progesteron wird in der Mitte der zweiten Zyklushälfte gemessen, bei 28 Tagen an Tag 21, um den Eisprung zu bestätigen (NICE NG257). Ein Wert über 3 ng/ml spricht für einen kürzlich erfolgten Eisprung (ASRM 2026).
AMH gehört nicht zu den Hormonen, die den Zyklus steuern. Es stammt aus den Follikeln und spielt bei der Auswahl des dominanten Follikels eine Rolle (Reed und Carr 2018). Über den Zyklus schwankt es bei derselben Frau im Mittel um 20 % (Hadlow 2016). AMH gilt als Marker für das Altern der Eierstöcke (Harlow 2012), eine spontane Schwangerschaft sagt es aber nicht voraus (NICE NG257). Typische Werte nach Alter zeigt die AMH-Wert-Tabelle.
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Wie lang ist ein normaler Zyklus?
Häufig dauern Zyklen 21 bis 35 Tage (NHS). Die deutschsprachige PMOS-Leitlinie nennt im Durchschnitt etwa 28 Tage und hält Schwankungen zwischen 25 und 35 Tagen für natürlich (AWMF 089-004). Einen Zyklus von genau 28 Tagen hat laut familienplanung.de nur etwa jede zehnte Frau, und auch bei derselben Frau schwankt die Länge (familienplanung.de 2026). Wie du deine Zykluslänge bestimmst und ab wann eine Abweichung auffällt, steht beim Periodenrechner unter normaler Zyklus.
Unregelmäßiger Zyklus
Als gestört gilt der Zyklus laut Leitlinie, wenn er wiederholt kürzer als 21 oder länger als 35 Tage dauert oder weniger als 8 Perioden im Jahr kommen. Das ist in der Regel ein Hinweis darauf, dass kein regelmäßiger Eisprung stattfindet (AWMF 089-004).
Die häufigsten hormonellen Ursachen für eine ausbleibende Periode sind das PMOS (früher PCOS) und eine Störung der Steuerung in Hypothalamus und Hirnanhangdrüse (AWMF 015-085). Diese funktionelle hypothalamische Amenorrhö hängt oft mit Stress, Gewichtsverlust, sehr viel Sport oder einer Kombination daraus zusammen (Endocrine Society 2017). Weitere Gründe und wie du die nächste Periode trotzdem abschätzt, stehen beim Periodenrechner unter unregelmäßiger Zyklus. Welche Behandlungen bei PMOS helfen, schwanger zu werden, liest du im Ratgeber Schwanger werden mit PCOS.
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Fruchtbare Tage und Eisprung im Zyklus
Schwanger werden kannst du an 6 Tagen pro Zyklus: an den 5 Tagen vor dem Eisprung und am Eisprungtag. In einer Studie mit 221 Frauen entstanden Schwangerschaften nur nach Sex in diesem Zeitraum (Wilcox 1995). Das liegt an der unterschiedlichen Lebensdauer: Spermien können im Gebärmutterhals und in der Gebärmutter bis zu 5 Tage überleben und dort auf den Eisprung warten, die Eizelle ist nur etwa 24 Stunden befruchtungsfähig (familienplanung.de 2026). Wie hoch die Chance an den einzelnen Tagen ist, zeigt der Eisprungrechner im Abschnitt Chancen.
Wann diese 6 Tage liegen, ist schwerer zu sagen. Nur bei etwa 30 % der Frauen lag das fruchtbare Fenster vollständig zwischen Zyklustag 10 und 17, wo es Faustregeln vermuten. Die meisten erreichten es früher, manche deutlich später, auch bei regelmäßigem Zyklus. Frauen mit regelmäßigem 28-Tage-Zyklus waren am wahrscheinlichsten an den Tagen 8 bis 15 fruchtbar (Wilcox 2000).
Einen ersten Anhaltspunkt liefert der Eisprungrechner. Genauer wird es mit Zeichen aus deinem Körper. Der Zervixschleim zeigt an, dass die fruchtbare Zeit beginnt (WHO 2022), und die Chance auf eine Schwangerschaft ist am höchsten, wenn er glatt und klar ist (ASRM 2022). Ein Ovulationstest zeigt den LH-Anstieg im Urin kurz vor dem Eisprung. Die Basaltemperatur steigt erst nach dem Eisprung (WHO 2022) und eignet sich laut NICE nicht, um ihn zu bestätigen (NICE NG257).
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Den genauen Tag müsst ihr nicht treffen. Die Chance pro Zyklus ist am höchsten, wenn ihr im fruchtbaren Fenster alle 1 bis 2 Tage Sex habt, noch häufiger senkt sie nicht (ASRM 2022). Was Hormonmonitore, Temperatursensoren und Apps leisten und was sie kosten, zeigt der Zykluscomputer-Vergleich.
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Kann man während, vor oder nach der Periode schwanger werden?
Ja, in allen drei Situationen ist es möglich, aber unterschiedlich wahrscheinlich. Auf die Blutung selbst kommt es nicht an: Sie verhindert eine Schwangerschaft nicht und fördert sie auch nicht (WHO 2022). Es zählt allein, wie weit der Eisprung entfernt ist.
| Situation | Wie wahrscheinlich | Warum |
|---|---|---|
| Sex an den ersten Tagen der Periode | sehr unwahrscheinlich, an Zyklustag 2 unter 1 % (WHO 2022) | Der Eisprung liegt meist noch mehr als 5 Tage entfernt |
| Sex während der Periode bei kurzem Zyklus oder langer Blutung | möglich | Das fruchtbare Fenster kann schon in der ersten Zykluswoche beginnen |
| Sex kurz nach der Periode | möglich, mit jedem Tag wahrscheinlicher | Spermien überleben bis zu 5 Tage und erreichen einen frühen Eisprung |
| Sex kurz vor der erwarteten Periode | unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen | Der Eisprung ist meist vorbei, späte Eisprünge kommen aber vor |
Während der Periode
An den ersten Tagen der Blutung ist eine Schwangerschaft sehr unwahrscheinlich. An Zyklustag 2 liegt die Chance laut WHO unter 1 %, danach steigt sie Tag für Tag, ob du noch blutest oder nicht (WHO 2022). In der Studie von Wilcox mit 213 auswertbaren Frauen waren bis Zyklustag 4 rund 2 % im fruchtbaren Fenster, bis Tag 7 schon 17 % (Wilcox 2000).
Wahrscheinlicher wird eine Schwangerschaft durch Sex während der Periode in zwei Fällen:
- Ein kurzer Zyklus. Von den Frauen, deren Zyklen meist 27 Tage oder kürzer dauerten, hatte etwa ein Drittel das fruchtbare Fenster bis zum Ende der ersten Zykluswoche erreicht, bei langen Zyklen nur 7 %. Der früheste Eisprung der Studie lag an Zyklustag 8 und führte zur Geburt eines gesunden Kindes (Wilcox 2000). Bei einem Eisprung an Tag 8 beginnt das fruchtbare Fenster rechnerisch an Tag 3.
- Eine lange Blutung. Im Mittel dauert die Blutung 4 Tage (Bull 2019), sie kann aber bis zu 7 Tage anhalten (NHS). Trifft eine lange Blutung auf einen frühen Eisprung, fallen die letzten Blutungstage schon ins fruchtbare Fenster.
Kurz nach der Periode
Kurz nach der Periode schwanger zu werden, ist möglich, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich. Am ehesten passiert es bei frühem Eisprung oder kurzem Zyklus (NHS). Der Grund sind die Spermien: Sie überleben laut familienplanung.de bis zu 5 Tage, das NHS nennt sogar bis zu 7 Tage. Sex an Zyklustag 7 kann so zu einer Schwangerschaft führen, wenn der Eisprung bis Tag 12 folgt.
An jedem Tag zwischen Zyklustag 6 und 21 waren in der Studie von Wilcox mindestens 10 % der Frauen im fruchtbaren Fenster (Wilcox 2000). Sicher unfruchtbare Tage direkt nach der Periode gibt es also nicht. Allerdings ließen sich in der älteren Wilcox-Studie nur 6 % der Schwangerschaften eindeutig auf Spermien zurückführen, die 3 Tage oder älter waren (Wilcox 1995). Sex in den Tagen kurz vor dem Eisprung zählt also mehr als Sex direkt nach der Blutung.
Kurz vor der Periode
Kurz vor der Periode ist der Eisprung bei regelmäßigem Zyklus meist vorbei, und die Eizelle bleibt nur etwa 24 Stunden befruchtungsfähig (familienplanung.de 2026). Ausgeschlossen ist eine Schwangerschaft trotzdem nicht. Auch Frauen, die ihren Zyklus für regelmäßig hielten, waren am Tag der erwarteten Periode mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 bis 6 % noch im fruchtbaren Fenster (Wilcox 2000).
Schuld sind späte Eisprünge. In 28-Tage-Zyklen lagen zwischen Eisprung und nächster Periode 7 bis 19 Tage, genau 14 Tage waren es nur in 10 % der Zyklen. Von den Frauen, deren Zyklus nach 4 Wochen noch nicht zu Ende war, waren in der fünften Woche 4 bis 6 % fruchtbar (Wilcox 2000).
Nicht jede Blutung ist eine Periode. Blutungen zwischen zwei Perioden oder nach dem Sex solltest du laut NHS ärztlich abklären lassen.
Zyklus und Alter
Im ersten Jahr nach der ersten Periode sind unregelmäßige Zyklen ganz normal. Ein bis drei Jahre danach gelten Zyklen unter 21 oder über 45 Tagen als unregelmäßig, später die Grenzen für Erwachsene (AWMF 089-004). Am unregelmäßigsten ist der Zyklus an beiden Enden der fruchtbaren Jahre, rund um die erste Periode und rund um die Wechseljahre, weil dann häufiger kein Eisprung stattfindet (Reed und Carr 2018).
Zwischen 25 und 45 werden die Zyklen langsam kürzer, in der App-Auswertung um 0,18 Tage pro Lebensjahr. Das liegt fast ganz an der Follikelphase, die Lutealphase blieb in allen Altersgruppen nahezu gleich (Bull 2019). Laut der internationalen Einteilung der reproduktiven Lebensphasen (STRAW+10) beginnen kürzere Zyklen in der späten fruchtbaren Phase, in der die Fruchtbarkeit abzunehmen beginnt. Davor gibt es eine Zeit, in der der Zyklus noch unverändert regelmäßig ist, AMH und die Zahl kleiner Follikel aber schon niedrig sind (Harlow 2012).
Der Übergang in die Wechseljahre beginnt, wenn aufeinanderfolgende Zyklen immer wieder um 7 oder mehr Tage voneinander abweichen. Bleibt die Periode 60 Tage oder länger aus, ist die späte Übergangsphase erreicht, in der Zyklen ohne Eisprung häufiger werden (Harlow 2012). Die letzte Periode kommt in Großbritannien im Mittel mit 51 Jahren (NHS).
Die Fruchtbarkeit sinkt lange vorher. Laut deutschsprachiger Leitlinie nimmt sie nach dem 35. Lebensjahr ab (AWMF 015-085), mit 40 ist sie etwa halb so hoch wie Ende 20 oder Anfang 30 (ASRM 2022). Ein regelmäßiger Zyklus zeigt dir, dass du wahrscheinlich einen Eisprung hast (NICE NG257). Wie es um deine Eizellreserve steht, zeigt er nicht. Was ab 40 für euren Kinderwunsch gilt, steht im Ratgeber Schwanger werden über 40.
Zyklus nach dem Absetzen der Pille
Die Pille wirkt vor allem, indem sie den Eisprung verhindert (WHO 2022). Solange du sie nimmst, siehst du deshalb nicht, wie dein Zyklus ohne Hormone aussieht. Nach dem Absetzen kehrt die Fruchtbarkeit laut WHO ohne Verzögerung zurück (WHO 2022).
Eine Kohortenstudie mit 17.954 Frauen aus Dänemark und Nordamerika fand eine kurze Übergangszeit. Nach Pille und Vaginalring dauerte es etwa 3 Zyklen, bis die Chance pro Zyklus so hoch war wie bei Frauen, die vorher mit Kondom oder anderen Barrieremethoden verhütet hatten. Nach dem Verhütungspflaster waren es 4 Zyklen, nach Hormon- oder Kupferspirale und Implantat 2, nach der Dreimonatsspritze 5 bis 8 Zyklen. Wie viele Jahre jemand hormonell verhütet hatte, spielte für die Chance keine Rolle (Yland 2020).
Schwanger werden kannst du also schon im ersten Zyklus nach dem Absetzen. Bleibt die Periode aus und ist ein Schwangerschaftstest negativ, sprich nach 3 ausgebliebenen Perioden in Folge mit deiner Ärztin oder deinem Arzt (NHS).
Zyklus in der Stillzeit
Häufiges Stillen unterdrückt vorübergehend die Hormone, die den Eisprung auslösen (WHO 2022). Solange dein Baby jünger als 6 Monate ist, du voll oder fast voll stillst, auch nachts, und die Periode noch nicht zurück ist, werden laut WHO etwa 98 von 100 Frauen in dieser Zeit nicht schwanger. Wann danach die Fruchtbarkeit zurückkehrt, hängt davon ab, wie viel du weiter stillst (WHO 2022).
Ohne Stillen bekommen die meisten Frauen ihren ersten Eisprung nicht vor der 6. Woche nach der Geburt, einige früher. In den Studien einer Übersichtsarbeit ging der ersten Periode in 20 bis 71 % der Fälle bereits ein Eisprung voraus (Jackson und Glasier 2011). Schwanger werden kannst du also, bevor die erste Periode nach der Geburt einsetzt.
Wann eine Zyklusstörung abgeklärt werden sollte
Lass deinen Zyklus frauenärztlich abklären, wenn
- deine Zyklen wiederholt kürzer als 21 oder länger als 35 Tage sind oder du weniger als 8 Perioden im Jahr hast (AWMF 089-004),
- die Periode 3 Monate in Folge ausbleibt und ein Schwangerschaftstest negativ ist (NHS),
- du zwischen den Perioden oder nach dem Sex blutest (NHS),
- deine Blutung sehr stark ist, du also Binde oder Tampon alle 1 bis 2 Stunden wechseln musst, die Blutung länger als 7 Tage dauert oder Blutklumpen größer als etwa 2,5 cm abgehen (NHS),
- du starke Schmerzen während der Periode hast (NHS). Starke Regelschmerzen können ein Zeichen einer Endometriose sein (WHO 2025), mehr dazu im Ratgeber Endometriose und Kinderwunsch.
Wenn ihr schwanger werden wollt, wartet bei solchen Zyklusstörungen nicht die üblichen 12 Monate ab. Bei unregelmäßigen Zyklen, Zyklen unter 25 Tagen, Zwischenblutungen oder ausbleibender Periode soll die Abklärung laut ASRM ohne Verzögerung beginnen (ASRM 2021). Ohne solche Hinweise empfiehlt die deutschsprachige Leitlinie eine Abklärung nach 12 Monaten ohne Schwangerschaft bei Frauen unter 35, nach 6 Monaten bei Frauen über 35. Frauen über 40 sollen umgehend in ein Kinderwunschzentrum gehen (AWMF 015-085). Laut NICE soll schon beim ersten Termin eine Überweisung zur Fachberatung angeboten werden, wenn du 36 oder älter bist oder bei einem von euch eine Ursache bekannt ist oder vermutet wird (NICE NG257).
Was zur Abklärung beider Partner gehört und was die Kasse zahlt, steht im Ratgeber unerfüllter Kinderwunsch. Die einzelnen Untersuchungen bei der Frau erklärt der Ratgeber Fruchtbarkeitstest für Frauen.
Häufige Fragen
Was ist Zyklustag 1?
Der erste Tag deiner Periode. Von dort zählst du bis zum Tag vor der nächsten Periode, das ist deine Zykluslänge (Reed und Carr 2018, WHO 2022). Ovulationstests, Hormonuntersuchungen und Zyklusrechner beziehen sich immer auf diese Zählung.
Wie viele fruchtbare Tage hat ein Zyklus?
Sechs: die 5 Tage vor dem Eisprung und den Eisprungtag (Wilcox 1995). Spermien überleben bis zu 5 Tage, die Eizelle etwa 24 Stunden (familienplanung.de 2026). Wann die 6 Tage liegen, schwankt auch bei regelmäßigem Zyklus (Wilcox 2000).
Ist ein Zyklus von 24 oder 35 Tagen noch normal?
Ja. Häufig sind 21 bis 35 Tage (NHS), als gestört gelten Zyklen, die wiederholt kürzer als 21 oder länger als 35 Tage sind (AWMF 089-004). Wenn ihr schwanger werden wollt, rät die ASRM bei Zyklen unter 25 Tagen allerdings zu einer Abklärung ohne Wartezeit (ASRM 2021).
Hat man in jedem Zyklus einen Eisprung?
Nicht immer. Wer regelmäßig jeden Monat die Periode bekommt, hat laut NICE sehr wahrscheinlich einen Eisprung (NICE NG257). Zyklen ohne Eisprung kommen vor allem in den Jahren nach der ersten Periode und vor den Wechseljahren vor (Reed und Carr 2018). Wiederholt sehr kurze oder sehr lange Zyklen sprechen dafür, dass der Eisprung nicht regelmäßig stattfindet (AWMF 089-004).
Kann Stress die Periode ausbleiben lassen?
Ja. Stress, starker Gewichtsverlust und sehr viel Sport können, einzeln oder zusammen, den Eisprung und damit die Periode ausbleiben lassen. Die Endocrine Society spricht dann von funktioneller hypothalamischer Amenorrhö. Diese Diagnose wird erst gestellt, wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind (Endocrine Society 2017).
Kann man schwanger werden, ohne vorher eine Periode gehabt zu haben?
Ja, denn der Eisprung kommt vor der Blutung. Nach einer Geburt ging der ersten Periode in Studien in 20 bis 71 % der Fälle schon ein Eisprung voraus (Jackson und Glasier 2011). Auch nach dem Absetzen der Pille kehrt die Fruchtbarkeit ohne Verzögerung zurück, schon der erste Eisprung kann zu einer Schwangerschaft führen (WHO 2022).
Quellen
Leitlinien und Stellungnahmen
- Diagnostik und Therapie vor einer medizinisch assistierten Reproduktionsbehandlung, S2k-Leitlinie AWMF 015-085, Version 2.0, DGGG, OEGGG und SGGG, 2026
- Patientinnen-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Polyendokrinen Metabolischen Ovarialsyndroms (PMOS, ehemals PCOS), AWMF-Registernr. 089-004, Stand 06/2026
- NICE NG257: Fertility problems, assessment and treatment, Kapitel Investigation of fertility problems and management strategies, Empfehlungen 1.18.3, 1.18.6, 1.18.7 und 1.18.9, NICE, 2026
- NICE NG257: Kapitel Defining infertility and initial assessment, Empfehlung 1.16.8, NICE, 2026
- Practice Committee of ASRM: Fertility evaluation of infertile women, a committee opinion, Fertil Steril 2021;116:1255-65
- Practice Committee of ASRM und SREI: Optimizing natural fertility, a committee opinion, Fertil Steril 2022;117:53-63
- Practice Committee of ASRM: Diagnosis and treatment of luteal phase deficiency, a committee opinion, Fertil Steril 2026;126:633-9
- Gordon CM et al.: Functional Hypothalamic Amenorrhea, an Endocrine Society Clinical Practice Guideline, J Clin Endocrinol Metab 2017;102:1413-1439
- Family Planning: A Global Handbook for Providers, Kapitel Combined Oral Contraceptives, Fertility Awareness Methods und Lactational Amenorrhea Method, WHO und Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, 2022
- Harlow SD et al.: Executive summary of the Stages of Reproductive Aging Workshop + 10 (STRAW+10), Fertil Steril 2012;97:843-851
Fachliteratur und Studien
- Reed BG, Carr BR: The Normal Menstrual Cycle and the Control of Ovulation, Endotext, aktualisiert 05.08.2018
- WHO Task Force on Methods for the Determination of the Fertile Period: Temporal relationships between ovulation and defined changes in the concentration of plasma estradiol-17 beta, luteinizing hormone, follicle-stimulating hormone, and progesterone, Am J Obstet Gynecol 1980;138:383-390
- Wilcox AJ, Weinberg CR, Baird DD: Timing of sexual intercourse in relation to ovulation, N Engl J Med 1995;333:1517-1521
- Wilcox AJ, Dunson D, Baird DD: The timing of the fertile window in the menstrual cycle, day specific estimates from a prospective study, BMJ 2000;321:1259-1262
- Bull JR et al.: Real-world menstrual cycle characteristics of more than 600,000 menstrual cycles, npj Digit Med 2019;2:83, vom App-Anbieter Natural Cycles finanziert
- Hadlow N et al.: Quantifying the intraindividual variation of antimüllerian hormone in the ovarian cycle, Fertil Steril 2016;106:1230-1237
- Yland JJ et al.: Pregravid contraceptive use and fecundability, prospective cohort study, BMJ 2020;371:m3966
- Jackson E, Glasier A: Return of ovulation and menses in postpartum nonlactating women, a systematic review, Obstet Gynecol 2011;117:657-662
Gesundheitsinformation
- Schwanger werden: Der Eisprung und die fruchtbaren Tage, familienplanung.de (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit), Stand 07.01.2026
- Periods, NHS, geprüft 05.01.2023
- Fertility in the menstrual cycle, NHS, geprüft 05.01.2023
- Heavy periods, NHS, geprüft 19.09.2024
- PMS (pre-menstrual syndrome), NHS, geprüft 18.06.2024
- Mittelschmerz, MedlinePlus, U.S. National Library of Medicine, Review 22.05.2025
- Fact sheet Endometriosis, WHO, 15.10.2025